Zur Reaktion des Ev. Beratungszentrums auf den Bericht

"Kindesmißbrauch: Wie ein Hexenprozeß.
Wie ein Familientherapeut in München Familienväter in Verruf brachte"

in DER SPIEGEL 45, S. 95, 3.11.1997:

Nachdem bisher die Leitung des Beratungzentrums und andere kirchliche Stellen, bis hin zum Herrn Landesbischof, auf die seit Sommer 1996 zunehmende Zahl von Beschwerden gegen die Tätigkeit des Psychologen Dr. Peter J. und seiner Mitarbeiterin Pia B. entweder überhaupt nicht oder nur mit unverbindlichen Worten (aber auch Drohungen) reagierten, waren nicht nur die Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer auf eine, jetzt wenigstens öffentliche Reaktion auf den SPIEGEL Beitrag gespannt.

Bekannt wurde aber bisher lediglich ein in aller Eile, einige Tage danach per Fax an verschiedene Stellen versandter pauschaler Rechtfertigungsversuch vom Vorsitzenden des EBZ, Herrn Dekan Dr. Helmut Ruhwandl. Darin wird auf die im SPIEGEL konkret beschriebenen Vorgänge mit keinem Wort eingegangen. Statt dessen heißt es über die beiden MitarbeiterInnen u.a.: "Sie haben über viele Jahre (11,4)  als im EBZ und in der Münchner Fachwelt anerkannte, kompetente  und spezialisierte Therapeuten bei Verdacht auf Gewalt und sexuellen Mißbrauch gearbeitet. Ihre sorgsame, vielfältige Diagnostik und ihr hohes fachliches Niveau sind anerkannt".
 
Daß, zumindest bei den bekannten Beschwerdeführern die psychologischen Fachgutachten und die Gerichte zu einer völlig gegenteiligen Auffassung kamen und die Anschuldigungen nicht nur entkräfteten, sondern insbesondere auch im Gegensatz zu Stellungnahmen von Herrn Dr. Peter J., eine Rückführung des Kindes oder den häufigen Umgang ausdrücklich befürworteten, wird verschwiegen. In einem, im SPIEGEL nicht erwähnten Fall, wo Dr. J. als von der Mutter beigebrachter Zeuge erklärte "als Sachverständiger könnte er nicht 'unterschreiben', wenn gesagt würde, daß L. darunter leidet, daß sie wenig oder gar keinen Kontakt zu ihrem Vater hat; ... Es kann auch nicht generell ein Lehrsatz aufgestellt werden, daß es für die Entwicklung eines Mädchens negativ ist, wenn es keinen Kontakt zum leiblichen Vater hat...."   hat das Gericht sogar schon eine strafbewehrte Anordnung (bis 50.000 DM) zur Durchsetzung des Umgangs erlassen. Wie die Darstellung von Herrn Dr. Ruhwandl mit diesen erwiesenen Tatsachen, und insbesondere z.B. die im SPIEGEL dargestellte Interpretation einer Kinderzeichnung und Ferndiagnose, ohne irgendeinem Kontakt zu Kind und Vater mit der behaupteten sorgsamen, vielfältigen Diagnostik im Einklang steht, wird nicht erklärt. Im Fall des Kindes L. hat Dr. J. auch eine "posttraumatische Belastung" der Mutter diagnostiziert, die er eindeutig auf den seit Jahren abwesenden Vater zurückführen konnte, ohne diesen je gesehen zu haben.

Es stimmt, daß in dem sehr kurzen SPIEGEL-Aufsatz leider nur die Erlebnisse von (drei) Vätern zur Sprache kamen. Dem Beratungszentrum lagen aber jedenfalls auch zwei Beschwerden von Müttern vor, weil sie von Herrn Dr. J.  "in sehr unmenschlicher und entwürdigender Weise behandelt [wurden]; statt daß versucht wurde uns in unseren familiären Problemen zu helfen, wurde "parteilich" gegen uns, die Eltern gearbeitet, u.a. mit dem Vorwurf des sexuellen Mißbrauchs, der Gewalt (sämtliche Verfahren sind eingestellt!) und der Uneinsichtigkeit", hieß es in einer Beschwerde und exakt sinngemäß so auch in der Beschwerde der anderen Mutter vom Sommer 1996. Auf letztere wurde, soweit bisher bekannt ist, überhaupt nicht reagiert. Auf die erste [der ein breiter Verteiler beilag] antwortete Herr Dr. Ruhwandl, erst nach über drei Monaten, im September 97, also nach der SPIEGEL Recherche, mit der Begründung daß er allen Beschwerden sorgfältig nachgehe und wegen "der sorgfältigen und zugleich vorsichtigen Recherchen" die er durchzuführen hatte, erst jetzt antworten könne. Sein Ergebnis: Dr. J. wurde von vielen Seiten und wichtigen Institutionen mehrfach gelobt, und im übrigen sei "kaum noch etwas herauszubringen, weil mit dem Ausscheiden des angesprochenen Mitarbeiters aus unseren Diensten alle Unterlagen selbstverständlich vernichtet wurden."  Auf den beiliegenden, an alle möglichen Leute verschickten Brief, in dem der Mutter von Dr. J. und einer Jahrespraktikantin "bescheinigt" wurde, daß es nicht "sinnvoll '' ist von ihr "vorab Einstellungsänderungen zu erwarten", ging Herr Dr. Ruhwandl aber auch nicht ein.

Daß beide TherapeutInnen in zwei Verfahren "freigesprochen" wurden, wie Herr Dr. Ruhwandl feststellt, ist nicht bekannt. Bekannt ist, daß zumindest noch zwei im Zusammenhang mit der Tätigkeit von Dr. J. und Pia B. stehende Strafanträge laufen und, daß ein Strafantrag gegen Dr. J. übrigens von einer Mutter und über eine Frauenbeauftragte gestellt worden war. Ihr Kind wurde per Gerichtsbeschluß, nach einem Jahr Heimaufenthalt, unter dem es sehr litt, ohne Auflagen der Familie wiedergegeben. Soweit in aller Kürze auch zum Vorwurf der einseitigen Sicht von Vätern im SPIEGEL-Artikel.

Wir befürchten, daß zumindest die von Herrn Dekan Dr. Ruhwandl angesprochene Verunsicherung von Ratsuchenden am EBZ durch dieses eilige, unspezifische Schreiben nicht beseitigt ist.


Einsichten und Neubeginn

Abschied und Trauer

Siehe auch: "Aufdecker" des Ev. Beratungszentrums weiter unter heftiger Kritik