Eine detaillierte Darstellung der feministischen Therapie kann man z.B. in EMMA Mai/Juni 1997, S.76-97 unter dem   Titel

"Wahnsinnsfrauen"

finden. Daraus einige Zitate:
 
"Die Tyrannei der Männer ist die Ursache fast aller Geisteskrankeiten der Frauen." (S.76)
 
    Die amerikanische Psychologin Phyllis Chesler entlarvte bereits 1971 in ihrem (in Deutschland zur Zeit leider vergriffenen) Klassiker "Frauen -das verrückte Geschlecht'? allem voran das "Leiden an der Weiblichkeit" als Ursache für den weiblichen Wahnsinn. Chesler wertet Depressionen und Hallunzinationen, Sucht und Suizidversuche immer als "Verweigerung von Frauen, die nicht mehr bereit sind, Männern zu dienen". (S.  80)

    Unverheiratete, alleinlebende Frauen bekommen seltener Depressionen als verheiratete und geschiedene. Die Mehrzahl der depressiven Frauen fällt jenseits der 40 in ein schwarzes Loch, das sie gefangenhält und lähmt. Dann wenn die Kinder erwachsen werden und der Mann sich zunehmend rar macht. (S. 80)

    "Versteckte männliche Gewalt erzwingt die Unterordnung der Frau und hält sie aufrecht. Zwischen den Geschlechtern herrscht Krieg. Vergewaltigungsopfer, mißhandelte Frauen und sexuell mißbrauchte Kinder sind die Opfer dieses Krieges. Und die Hysterie ist die Kriegsneurose des Geschlechterkampfes." [Judith Lewis Hermann 1992, in 'Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden'] (S. 82)

    Für die Überlebenden des Geschlechterkampfes will Judith Lewis Herman jetzt eine eigene genauere Diagnose durchsetzen: 'komplexe posttraumatische Belastungsstörung'. Die am Männerwahn verrückt gewordenen Frauen haben nicht nur ein Recht auf Heilung, sondern zunächst einmal auch darauf, sagt die erfahrenen Klinikleiterin, daß die Ursache ihres Leidens erkannt und benannt werden. Denn: "Die Erinnerung an furchtbare Ereignisse und das Aussprechen der gräßlichen Wahrheit sind Vorbedingungen für die Genesung der Opfer." (Cornelia Filter, S. 83)

    Der 'Spiegel' erscheint wöchentlich in Millionenauflage. Dagegen ist die Auflage der wichtigsten feministischen Zeitschrift Europas, EMMA, mehr als bescheiden: monatlich ca. 60.000. Auf ein Emma-Heft kommen also etwa siebzig 'Spiegel' Hefte. [Anm.: Kann es sein das die Mehrheit der Frauen sich nicht durch EMMA, sondern eher durch den Spiegel vertreten fühlt?] Das Patriachat ist nicht faul. Pro Gramm Feminismus, das wir unter Aufbietung aller Kräfte gegen massiven Widerstand produzieren, produziert es satt, selbstzufrieden und routiniert mindestens eine Tonne sexistischer Ideologie. Die zur Frauenfeindlichkeit erzogene Frau [Hervorhebung eingefügt] ist also der Normalfall, mit ihr haben wir zu rechnen (S. 89).

    In welch erschreckenden Ausmaß psychische Krankeiten von Frauen eine Reaktion auf früh erlittene Gewalttaten ihrer männlichen Angehörigen sind, begreifen wir erst allmählich - die entsprechende feministische Forschung, Aufklärung und Therapie ist wenig älter als zehn Jahre. Diese Forschung hat auch ans Licht gebracht, daß die so rätselhafte Krankheit Hysterie ebenfalls eine Reaktion auf sexuelle Gewalt von Männern ist, eigentlich eine menschliche Reaktion auf einen extremen Schock und das Gefühl der totalen Auswegslosigkeit, des Überwältigtwerdens (S.  91, Luise F. Puch/Sybille Duda "Wahnsinnsfrauen", Suhrkamp, 1992.)

    Das 'Frauentherapiezentrum' München ist ebenfalls eine feministische Alternative zur patriachalen Männer-Psychiatrie: "mit Tagesangeboten und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen". (S. 83, Beschreibung S.96-97.)

Ein unter Beteiligung des Frauentherapiezentrums München (FTZ) und IMMA e.V., München organisierter Kongreß

20 Jahre Feministische Beratung, Therapie, Supervision. 20. Frauentherapiekongreß

fand vom 11-15.6.1997 im Kloster Seeon am Chiemsee statt. Der Inhalt ist aus der Ankündigung der IMMA so angegeben:
... Dieser Jubiläumskongreß ist ausdrücklich auch für Fachfrauen aus der Frauen- und Mädchenarbeit in unterschiedlichsten Zusammenhängen konzipiert. Deshalb beteiligt sich die IMMA und die Kontakt- und Informationsstelle umfangreicher als bisher.
Die Schwerpunkte im Überblick:

Anmeldung: nur FTZ-Büroservice.

Eine herzliche Einladung ist im Diakoniereport-Zeitung der Inneren Mission München Nr.4, November 1996 (Pfarrer Dr. Günther Bauer-Tornack, Geschäftsführer; Redaktion: Dr. Helmut Schwager) enthalten:
Nach einer 20-jährigen Tradition des "Frauentherapiekongresses" ist es an der Zeit, die Arbeit aus diesen Jahren zu würdigen und Bilanz zu ziehen. Der Kongreß wurde von Frauen aus der feministischen Selbsthilfebewegung sowie aus der professionellen Therapie- und Beratungsarbeit gegründet und findet seit 1977 jährlich im deutschsprachigen Raum statt....In der Bilanz sollen Veränderungen, Stärken und Schwachpunkte der feministischen psychosozialen Arbeit sowie deren Vermittlung (in Fortbildung und an den Hochschulen) deutlich werden. Ziel ist die Entwicklung von Perspektiven hinsichtlich neuer Schwerpunkte und Organisationsformen...
... Wir hoffen durch unsere Einladung die verschiedensten Fachfrauen zusammenzubringen, die zum Teil bereits jetzt schon untereinander vernetzt sind: darunter alle bisherigen Teilnehmerinnen der Kongresse, vor allem auch aus der Gründerinnenzeit, Dozentinnen und Studentinnen, Feministinnen aus anderen Berufsverbänden und Therapieeinrichtungen. So könnte ein größeres Netz mit mehr Einfluß entstehen. Wir laden Sie ganz herzlich ein. Informationen über den Kongreß beim Frauentherapiezentrum München e.V., Güllstraße 3, 80336 München.
                                                                                                                                              Helmut Schwager