Süddeutsche Zeitung 8/ Seite 31  vom 12.1.1998      STADTANZEIGER

Das "Frauen Therapie Zentrum":

Engagement ohne Wenn und Aber

Mehr als 2000 Hilfesuchende kommen pro Jahr, die Tendenz ist steigend

Ein weiterer sehr engagierter Frauenverein in München mit einem frauenspezifischen Arbeitsansatz ist das "FrauenTherapieZentrum München e. V." in 80336 München, Güllstraße 3, Telephon 747370-9. Der Verein besteht seit 1978. Psychologinnen, Sozialpädagoginnen, Pädagoginnen und Heilpraktikerinnen mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung leiten an - zu Selbsthilfe und bieten Beratung und Therapie. Der Verein offeriert im wörtlichen und im übertragenen Sinn einen "Frauenraum": Frauen werden von einer Frau beraten beziehungsweise können sich mit anderen Frauen aussprechen, was die Hemmschwelle verringert. Sie können sich hier ,,gegenseitig Aufmerksamkeit und Wichtigkeit geben, ohne die sonst allgegenwärtige Bewertung durch den männlichen Blick" heißt es beim Verein.

Die Zahl von Rat- und Hilfesuchenden hat sich in den letzten Jahren ständig erhöht. "In der Regel sind wir überfüllt", sagt Brigitte Haller, Sprecherin des FrauenTherapieZentrums, "häufig müssen wir Frauen an andere Beratungsstellen oder an Praxen von PsychotherapeutenInnen weiterverweisen".

Vor allem melden sich immer mehr Frauen in psychischen Krisen, mit Medikamentenabhängigkeit, nach sexuellem Mißbrauch oder auch mit Eßstörungen, wobei sich oft mehrere Problemsituationen überlagern. 2291 Frauen nahmen 1996 erstmals mit dem Zentrum Kontakt auf, entweder telephonisch oder persönlich. Das bedeutet: Tag für Tag meldeten sich fast sieben, die Hilfe brauchten, ausgelöst durch berufliche oder private oder psychische Probleme. Hauptanliegen der Ratsuchenden sind Selbstwertprobleme, Depressionen, Ängste, Isolation sowie Schwierigkeiten in und mit der Partnerschaft. Eine häufig vorkommende Variante von PartnerInnen-Problematik ist Beziehungsabhängigkeit. Es handelt sich um Personen, die süchtig nach einer Beziehung sind, auch wenn ihnen diese schadet. Viele Frauen, die zum "Zentrum" kommen, stehen kurz vor dem psychischen Zusammenbruch, und die Mehrzahl (54 Prozent) jener, die sich 1996 erstmals an das "Zentrum" wandten, waren Singles.

Die beruflichen Schwierigkeiten liegen vor allem im Bereich Mobbing. Auch Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes sowie die fehlende Fähigkeit, sich in der Arbeitswelt durchzusetzen, belasten. Gerade Macht und Konkurrenz, so Frau Haller, sind immer noch schwierige Themen aus weiblicher Sicht. Frauen haben auch noch nicht gelernt, wie wichtig es ist, Seilschaften mit anderen Frauen zu bilden, das heißt sich in der Arbeitswelt zu unterstützten - gerade auf dem Weg nach oben.

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Blüten sollen im "Treibhaus" nicht gezüchtet werden, aber das Schild am Eingang des TherapieZentrums wirkt immerhin freundlich und einladend.