Apotheker wegen übler Nachrede verurteilt
Ex-Frau soll Sohn mißbraucht haben
Ein Apotheker hatte seine von ihm geschiedene Frau bezichtigt, den gemeinsamen fünfjährigen Sohn sexuell mißbraucht zu haben. Gestern wurde der 40jährige vom Amtsgericht München wegen übler Nachrede zu 10 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte hatte vergeblich ein Strafverfahren gegen die 35jährige Mutter zu erzwingen versucht, das im Mai 1995 mangels Tatverdacht eingestellt wurde. Trotzdem verdächtigte er fünf Monate später seine Ex-Frau abermals des sexuellen Mißbrauchs. ,,Abgesehen von einem Tötungsdelikt ist das wohl der schwerste Vorwurf, den man gegen eine Mutter erheben kann", sagte der Richter. Die zu Unrecht verdächtigte Ex-Frau will jetzt per einstweiliger Verfügung dem Angeklagten Besuche bei seinem Sohn untersagen lassen. ,,Der Kleine wird älter, ich habe Angst, daß etwas in ihn hineingeredet wird und seine sexuelle Entwicklung dann wirklich Schaden nimmt."
Süddeutsche Zeitung, 17.7.1996, Seite 40 (dpa).