EINIGE MATERIALIEN GEGEN SEXUELLE GEWALT  HERAUSGEGEBEN VON "ZARTBITTER KÖLN" (U. Enders, Zart war ich, bitter war's, 1995, Seite 296ff.)

"AUF DEN SPUREN STARKER MÄDCHEN" - Cartoons für Mädchen - diesseits von Gut und Böse
von Irmgard Schaffrein und Dorethee Wolters
Köln 1992

Mit List und Tücke überwinden die starken Mädchen der Cartoons die Grenzen patriachalischer Rollenzuweisungen und vertreten frech und selbstbewußt ihre eigenen Interessen. Da begießt eine Jugendliche "rein zufällig" einen Belästiger mit Cola, eine andere weist ihren Freund in seine Grenzen, und Schülerinnen schaffen es mit Unterstützung von Gleichaltrigen, sich gegen die Übergriffe des Lehrers und von seiten der Mitschüler zur Wehr zu setzen. Selbstbewußt vertritt eine weitere Jugendliche ihren Spaß am eigenen Körper und trotzt dem gängigen Hurenstigma. Zwei ihrer Altersgenossinen stehen offen und stolz zu ihrer lesbischen Liebe. Mutig, wie klar die Hauptdarstellerinnen der Geschichte Redetabus aufweichen und z.B. auch die Problematik der sexuellen Übergriffe durch Mädchen an Schwächere benennen und immer wieder um die Solidarität in der Mädchengruppe gegen Belästiger und VeräterInnen ringen.
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Das Material geht unter die Haut -so locker und flockig es im ersten Moment auch scheinen mag. Deshalb sollte auch die selbsterfahrene und politisch engagierte Fachfrau nur dann mit den Cartoons arbeiten, wenn sie zuvor die einzelnen Geschichten im Gespräch mit anderen Frauen intensiv erarbeitet hat. Irrmard Schafflin gibt in ihrem Begleittext neben zahlreichen Anregungen für den pädagogischen Alltag wertvolle Denkanstöße für diesen notwendigen Selbsterfahrungsprozeß. Ohne diese Vorbereitung ist eine Arbeit mit den stark aufdeckenden Cartoons in der Mädchengruppe nicht zu verantworten. "Auf den Spuren starker Mädchen" bietet auch Müttern wertvolle Hilfestellungen für das Gespräch mit ihren Töchtern.

Die "Erziehungsberatungstelle Zartbitter Köln" arbeitet auch mit Jungen:
"EY MANN, BEI MIR IST ES GENAUSO!"
Cartoons für Jungen - hart an der Grenze vom Leben selbst gezeichnet
von Rainer Neutzling und Burghard Fritsche
Köln 1992

Die "Helden" des Cartoons, Micha und Ali, werden in acht unterschiedlichen Alltagssituationen gezeigt, in denen entweder ihre eigenen intimen Grenzen verletzt werden, oder sie selbst die Grenzen anderer mißachten.

In dem Cartoon "Alles easy" prahlen die beiden z.B. über ihre Glanztaten beim "ersten Mal". In Wirklichkeit steckten sie voller Skrupel und Versagensängste. "Auf dem Bahnhofsklo" zeigt sie an einem der wenigen allgemein zugänglichen Orte, an dem sich sehr viele Jungen und Männer unmittelbar sexuell bedrängt und ungeschützt fühlen. "Der Mistkerl" beschreibt den sexuellen Mißbrauch an einem Jungen aus Michas und Alis Fußballmannschaft durch den Trainer. Die Jungen ergreifen für ihren Kumpel Partei und beratschlagen gemeinsam, wie sie ihrem Freund helfen können.

Diese und andere schwierigen Themen (z.B. Angst vor Homosexualität, Übergriffe durch Frauen) werden in den Cartoons auf lockere Art und Weise dargestellt. .....

"Ey Mann, bei mir ist es genauso" sind die ersten deutschsprachigen Arbeitsmaterialien für die Präventionsarbeit mit männlichen Jugendlichen. Sie geben hervorragende Impulse für die (sexual)pädagogische Arbeit mit Jungen in der Schule, im Heim und in der offenen Jugendarbeit. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, daß heute schon alle Pädagogen damit arbeiten können, da die Jungenarbeit noch in den Kinderschuhen steckt.....

"SAG NEIN, GEH WEG UND SPRICH DARÜBER"
Plakate gegen sexuelle Gewalt

Die drei Plakate bieten eine Hilfestellung zum Gesprächseinstieg mit Mädchen und Jungen über sexuellen Mißbrauch.

Das Kinderhaus-Plakat stellt einerseits liebevolle, zärtliche und lustvolle Kontakte zwischen Mädchen und Jungen als auch Kindern und Erwachsenen dar, andererseits gibt es die Erlaubnis, sich zu wehren, wenn jemand die eigenen Grenzen verletzt. Die Szenen des "Kinderhauses" entsprechen z.T. einzelnen Situationen aus dem Bilderbuch "Schön Blöd" (von Ursula Enders und Dorethee Wolters, Kevelaer, 1994)

Das Nein-Mädchen-Plakat spricht Mädchen und Jungen von acht bis achtzehn Jahren an. Ganz offensichtlich nähert sich ein Grabscher einem selbstbewußten Mädchen, das dem Mann offen ins Gesicht schaut und über Blicke, Sprache und Körperhaltung ihr NEIN zum Ausdruck bringt.

Das Plakat Dein Körper gehört Dir richtet sich an Mädchen und Jungen sowie Erwachsene. Das Plakat gibt gezielte Informationen an Opfer sexueller Gewalt und an deren Kontakt- und Vertrauenspersonen und fordert diese auf, sich Hilfe zu holen. Allerdings kann dieses Plakat vor allem bei betroffenen Kindern starke Emotionen auslösen. Deshalb sollte es nicht zeitlich unbegrenzt und ständig sichtbar in Gruppen- und Klassenraum aufgehängt werden. Es empfiehlt sich für Flure und geschützte Beratungsräume.

Die Rolle mit den drei vierfarbigen Plakaten im A1-Format kostet 24,80DM. Zu bestellen über: Zartbitter Köln, Stadtwaldgürtel 89, 50935 Köln.


Siehe hierzu den Kommentar des Spiegel