22.01.1996, Berliner Zeitung - Eckard Pressler
Unter Verdacht - TV-Drama um einen angeblichen Kinderschänder
Schuldig auf Verdacht, 19.25 Uhr, ZDF.Ein heißes Eisen: Kindesmißbrauch.
Regisseurin Petra Haffter ("Der Kuß des Tigers") realisierte zusammen mit drei Autoren (Krystian Martinek, Neithardt Riedel und Volker Ullmann) das in unserer Gesellschaft lange totgeschwiegene Thema.
Mehr als 15 000 Mädchen und Jungen wurden 1994 in Deutschland mißbraucht.
Die Dunkelziffer wird auf zehnmal so hoch geschätzt.
Nach der Scheidung von Robert (Peter Sattmann) erhält Iris Wieland (Mareike Carriere) das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn Sebastian - gespielt von den Brüdern Vincent und Julian.
Robert darf sein geliebtes Kind nur noch alle 14 Tage für ein paar Stunden sehen.
Bis Iris die Besuche plötzlich untersagt.
Grund: Ihr verhaßter Ehemann habe Sebastian sexuell mißbraucht.
Obwohl sich der Verdacht vor Gericht als falsch erweist, wird der Vater die infame Anschuldigung nicht mehr los.
Roberts Anwältin Heidi Clausthal (Vera Tschechowa): "Wenn eine Mutter nicht will, hat ein Vater in unserem Gerichtsgefüge einfach schlechte Karten."Freunde wenden sich ab, sein Alltag wird zum Spießrutenlauf, und ein schmieriger Journalist wittert die große Sensationsstory.
Der Fernsehfilm, von fachkundigen Psychiatern begleitet, sorgte auch hinter den Kulissen für Wirbel.
Drei angesprochene Schauspielerinnen lehnten die Rolle der Iris Wieland ab, erst Mareike Carriere ("Großstadtrevier") erklärte sich bereit, den Part zu übernehmen."Das TV-Drama wird aus der Sicht des Vaters erzählt", sagt Petra Haffter."Er ist der Leidtragende, das Opfer." "Schuldig auf Verdacht" zeigt die ganze Palette eines solchen Falles, zeigt welche Rolle Psychologen, Jugendämter und Gerichte spielen.
Am Angeklagten bleibt auch bei Freispruch der Ruf eines Kinderschänders hängen
[Anmerkung paPPa.com: Zu einem wirklichen Fall siehe Bernd Herbort - Bis zur letzten Instanz]