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(Archiv)- Februar 2006
 
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2/2006

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"Sorgerechtsreform"?
  Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will angeblich das Sorgerecht zu Gunsten von nicht verheirateten Eltern reformieren. Zudem werde sich ihr Ministerium verstärkt für den "Abbau von Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften" einsetzen, kündigte Zypries in Berlin an. Sie äußerte sich auf einer familienpolitischen Fachtagung des Justizministeriums und der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung aus Anlaß des 80. Geburtstages von Hans-Jochen Vogel.
Scheidung beim Notar?
  Bundesjustizministerin Zypries hatte Vorschläge für eine Reform des Familienprozessrechts vorgelegt, das Anfang 2008 in Kraft treten könnte. Danach sollen sich Ehepaare ohne Kinder auf ein vereinfachtes Scheidungsverfahren einigen können. Voraussetzung: Die Verständigung geschieht vor einem Notar und umfasst auch einen Konsens über Unterhalt, Hausrat und Wohnung. Ein Anwalt soll anders als bisher nicht eingeschaltet werden müssen. Die Scheidung selbst müsste aber weiter vom Gericht ausgesprochen werden, das auch über den Versorgungsausgleich befindet. Ihre niedersächsische Amtskollegin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) will noch weiter gehen: Sie hält sogar die Einschaltung des Gerichts für gänzlich überflüssig. Bayerns Justizministerin Merk (CSU) ist dagegen, die Gerichte im Scheidungsverfahren überflüssig zu machen. "Der Ausspruch einer Scheidung ist der tief greifendste Einschnitt in einer Ehe. Und die kann nicht einfach nach Aktenlage beendet werden. Das würde der Bedeutung der Ehe nicht gerecht."

Nach Berechnungen des Ministeriums könnten die Kosten einer Scheidung nach dem neuen Verfahren im Durchschnitt nicht einmal ein Viertel dessen betragen, was nach geltendem Recht fällig wird. Bei einem Nettoeinkommen von 3.000 Euro und einem Unterhaltsanspruch von 500 Euro etwa liegt die Ersparnis bei 1.400 Euro - wer 8.000 Euro verdient und doppelt so viel Unterhalt zahlen soll, spart 2.000 Euro an Anwaltskosten.

Anwälte sind über diese Diskussion naturgemäß weniger erfreut und befürchten erhebliche Defizite in der rechtlichen Aufklärung der Scheidungswilligen…
Scheidung auf englisch
  „Nirgendwo ist das Scheidungsrecht so günstig für Frauen wie bei uns”, sagt Sandra Davis, Leiterin der Rechtsabteilung für Familienrecht bei der Anwaltskanzlei Mishcon de Reya in London. „Das hier ist die Bond Street für europäische Frauen in Fragen Scheidung. Hier können Frauen mehr Unterhalt und Vermögensausgleich erwarten als nach dem deutschen, französischen, italienischen, spanischen oder griechischen Recht.” Ob das so richtig ist?

Scheidung auf englisch
Von Bettina Schulz, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.02.2006, Nr. 7 / Seite 47
Wir nehmen Abschied.
 
Freunde und Angehörige nehmen Abschied von den paPPa.com-Forumsmitgliedern "Special Edition" und "Torx". In der Selbsthilfe waren die Beiden sehr aktiv und standen vielen anderen Betroffenen zur Seite. Mit oft provokanten und nicht immer unumstrittenen Beiträgen haben sie auf das ihnen selbst und ihren Kinder widerfahrenden Unrecht aufmerksam gemacht. Auf spontaner Eigeninitiative wurden Traueranzeigen in zwei Tageszeitungen geschaltet, um auch öffentlich den viel zu frühen Tod der Beiden zu betrauern und auf Ihr Wirken im paPPa.com-Forum hinzuweisen.

Zu den Anzeigen:
http://www.ovb-online.de/anzeigen/familienanzeigen/detail.html?&aid=2627077
http://tinyurl.com/ctvng
Jungen ohne Vater haben oft Identitätsprobleme
  Wenn Jungen ohne Vater aufwachsen, haben sie einer Studie zufolge oft Probleme mit ihrer männlichen Identität. Das berichtet die Zeitschrift "Psychologie heute". Zum Teil sei dies direkt auf die "Leerstelle" und das fehlende Rollenvorbild zurückzuführen. Auch hätten viele der Studienteilnehmer von der Mutter ein negatives Männerbild vermittelt bekommen, heißt es unter Berufung auf eine Untersuchung an der Universität Hamburg. Problematisch sei die Beziehung zur Mutter auch dann, wenn die Jungen als "Ersatzpartner" behandelt würden. Um eine positive männliche Identität entwickeln zu können, ist es den Angaben zufolge hilfreich, wenn ein nur von der Mutter erzogener Junge viel über seinen Vater erfährt, ergab die Studie des Psychologen Sven Kluth. Bundesweit wachsen derzeit mehr als 700 000 Kinder im Alter unter sechs Jahren nur bei der Mutter auf.
Eltern streiten - Kinder leiden
  Wenn sich Eltern häufig und heftig streiten, kann darunter das Gefühlsleben und das künftige Verhalten ihrer Kinder leiden. Das bestätigen zwei neue US-Studien, die das Fachjournal "Child Development" am Donnerstag veröffentlichte.   "Nur wenige Paare wissen, wie eng die emotionale Sicherheit ihres Nachwuchses mit der Beziehung der Eltern verknüpft ist", warnen die Forscher der Universität von Notre Dame in Rochester und der Katholischen Universität in Washington D.C. Diese emotionale Sicherheit sei "wie eine Brücke zwischen dem Kind und der Welt", erläutert Professor der Psychologie, Mark Cummings, in dem Fachblatt. "Wenn die eheliche Beziehung in Ordnung ist, dient sie als sichere Plattform, als feste Brücke, die das Kind bei der Erkundung der Welt und Bildung eigener Beziehungen nutzen kann." Umgekehrt raubten Ehekonflikte dem Kind das Selbstvertrauen und den Mut, sich in der Welt umzuschauen und selbst gesunde Beziehungen zu formen.   Die erste der beiden Untersuchungen konzentrierte sich auf 226 Elternpaare und deren Kinder im Alter von neun bis 18 Jahren, die zweite auf 232 Ehepaare mit Nachwuchs im Kindergartenalter. Beide Studien wurden über einen Zeitraum von je drei Jahren erhoben. Sie zeigten deutlich, dass Kinder mit Unsicherheit und Mangel an Anpassungsfähigkeit auf destruktives Verhalten der Eltern untereinander reagieren. Die Ergebnisse sind ein klares Warnzeichen an alle Eltern, sich in der konstruktiven Lösung ihrer Konflikte zu üben - in ihrem eigenen Interesse und dem ihrer Kinder.  
Wenn Alleinerziehende ihre Kinder als Ersatzpartner überfordern…
  In der Pubertät sind Konflikte der Heranwachsenden mit den Eltern normal. Sie verlaufen in intakten Familien sogar oft heftiger als bei Alleinerziehenden. Kinder aus gescheiterten Beziehungen berichten dagegen von größerer Harmonie in der Restfamilie und fühlen sich früher als erwachsene Partner akzeptiert. Sie zahlen dafür aber einen hohen Preis: Ihr Selbstvertrauen ist geringer, ihre Konfliktfähigkeit weniger ausgeprägt und sie haben auch mehr Schwierigkeiten, dauerhafte Bindungen aufzubauen. Dr. Kurt Kreppner vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin hat nun erstmals genauer ermittelt, worin sich die Kommunikationsmuster in diesen beiden Familientypen unterscheiden und welche Rolle diese Unterschiede bei der Ausbildung sozialer Kompetenzen der Jugendlichen spielen.

Jugendliche brauchen klare Verhältnisse - Streit gehört dazu
Treffpunkt Kreißsaal - wenn Männer Väter werden SPIEGEL TV Special
  Vom ersten Herzton bis zum ersten Schrei - SPIEGEL TV hat Männer auf dem Weg zur Vaterschaft begleitet.

Schwangere Frauen wachsen mit dem Bauch in ihre Mutterrolle hinein. Männer müssen andere Wege beschreiten, um dem Vaterinstinkt ein Stückchen näher zu rücken - oder hat die Natur einen solchen nur den Müttern vorbehalten? Fest steht: ein neuer Mensch verlangt nach neuen Denkmustern, einem neuen Zeitplan - und nach neuen Möbeln, Strampelhosen, Windeln und und und. Der Stichtag wird schließlich zum Wendepunkt. Im Kreißsaal muss sich zeigen, ob der werdende Vater auch tatsächlich "seinen Mann stehen" kann. Beglückendes Erlebnis oder schmerzliche Erfahrung, Traum- oder Risikogeburt - der große Tag bringt werdende Väter an ihre Grenzen

Samstag, 25.02.2006, 14.30 Uhr, XXP
TV-Tipp: Allein mit Papa - Reportage
  Viele allein erziehende Väter stehen unter finanziellem Druck, denn es gibt auch viele Mütter die keine Unterhaltszahlungen leisten können oder wollen. Die meisten Väter haben keine Chance auf eine kindergerechte Arbeitszeit. Stress und Ärger sind vorprogrammiert. Und zu allem ist da die "ungewöhnliche" Rolle, die nicht selten von den Jugendämtern argwöhnisch betrachtet wird…

Donnerstag, 09.02.2006 22.35 - 23.05 Uhr, mdr, VPS: 22.35
Sonntag, 12.02.2006, 08.00 - 08.30 Uhr, mdr, VPS: 08.00
Wenn das ungewollte Kind "einen Schaden im Rechtssinne darstellt"
  Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe gab einer jungen Frau Recht, die im Jahr 2002 einen Sohn bekommen hatte. Danach können die Eltern die Unterhaltslast für das Kind bereits von der Geburt an auf den Mediziner abwälzen. Die damals 21-Jährige hatte sich zuvor von einem Gynäkologen ein langwirkendes Verhütungsmittel einsetzen lassen, weil sie in ihrer erst wenige Monate alten Beziehung nicht schwanger werden und außerdem einen guten Job antreten wollte. Der Eingriff schlug fehl, die Frau wurde schwanger. Das Gericht bezieht sich als Entscheidungsgrundlage auf frühere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshof (BGH), dass die Unterhaltslast für das ungewollte Kind "einen Schaden im Rechtssinne darstellt"
(Az: 13 U 134/04 vom 1. Februar 2006)
Gericht spricht Mutter Sorgerecht zu, obwohl Kinderarzt Mißhandlung anprangerte
  Die Richter setzten sich damit gegen alle Bedenken des Kinderarztes und Kinderpsychotherapeuten durch. Dieser hatte sich vor ein paar Wochen in einer für Ärzte an sich ungewöhnlichen Aktion an die regionale Presse gewandt, um öffentlich "auf die Mißhandlungen des Kindes durch die Mutter" aufmerksam zu machen. Patienten und Kollegen hatten dem Arzt in Leserbriefen und Gesprächen ihre Anerkennung für seinen mutigen Schritt gezollt. Fachärztliche Berichte und Atteste sowie die nicht öffentliche Anhörung aller Beteiligten - also der Eltern, des Kreisjugendamtes, der Psychologin und auch Jessica selbst - haben den Familiensenat in Karlsruhe jetzt aber davon überzeugt, "den Lebensmittelpunkt des Kindes" bei der Mutter zu belassen. Die drei Richter bestätigten damit ein Urteil des Amtsgerichtes Sinsheim von Anfang November 2005. Darin war dem Vater des Kindes das Aufenthaltsbestimmungsrecht über Jessica aberkannt und der Mutter übertragen worden.

Ärzte Zeitung, 02.02.2006
Pädiater warnte Richter vergeblich
Trennung: Gute Scheidung, schlechte Scheidung
  Wenn man sich nur "gut" und freundschaftlich trennt, nehmen die Kinder nur geringen Schaden, glauben viele Scheidungswillige. Aber auch ohne Schlammschlacht tragen vor allem die Kinder das Leid.
www.sueddeutsche.de, 28.01.2006, Christine Brinck
Gute Scheidung, schlechte Scheidung
Wenig Nachsicht mit zahlungsunwilligen Vätern
  Wenig Nachsicht mit "zahlungsunwilligen" Vätern hat man, obwohl nach Ansicht von Ingo Staymann, der Leiter des Frankfurter Jugend- und Sozialamtes, die meisten Väter wirklich zahlungsunfähig sind.

In den vergangenen vier Jahren hat das Jugend- und Sozialamt große Fortschritte beim Eintreiben von Kindesunterhalt gemacht, das der Staat vorgestreckt hatte. Während die Behörde im Jahr 2001 nur 5,6 Prozent des vorausgezahlten Kindesunterhaltes zurückholen konnte, lag die Rückholquote im vergangenen Jahr schon bei knapp elf Prozent. Doch Sozialdezernent Franz Frey (SPD) ist noch immer nicht zufrieden: "Die Rückholquote ist noch nicht optimal. Wir wollen in Zukunft 17 bis 18 Prozent des vorausgezahlten Geldes zurückholen. Wir müssen unsere Anstrengungen noch verstärken." Seine Vorbilder in Hessen sind Wiesbaden mit einer Rückholquote von 18,3 Prozent und Gießen mit mehr als 21 Prozent.
www.faz.net, 24.01.06
Wenig Nachsicht mit zahlungsunwilligen Vätern
www.goettinger-tageblatt.de, 30.01.06
Göttinger zahlen ungern Unterhalt: Jährlich 3000 Fälle

Über "zahlungsunwillige" Mütter erfährt der interessierte Leser leider überhaupt nichts…
Fathers still need justice
  Guter Hintergrundbericht vom 22.1. in der "Times" zu den Ereignissen um Fathers4Justice und das britische Familienrecht.
The Sunday Times Januar 22, 2006, Rod Liddle
Fathers still need justice
Wie gerecht ist das deutsche Unterhaltsrecht?
  …Das Statistische Bundesamt unterscheidet in seinen Zahlen nicht, wer für wen zahlt, wenn die Liebe vorbei ist. Experten gehen aber davon aus, dass die Zahl der Männer, die Ansprüche stellen, verschwindend gering ist. Jutta Puls, die 25 Jahre lang Familienrichterin am OLG Hamburg war und nun an der Reform des Unterhaltsrechts mitarbeitet, kann sich persönlich an „vielleicht drei Fälle“ aus ihrer Berufspraxis erinnern…

…Ein Lehrer habe nach der Scheidung die Kinder zu sich genommen, müsse aber zusätzlich Unterhalt an die Frau zahlen, weil die arbeitslos sei. Auch Meyer-Spelbrinks zwei Kinder wachsen bei ihm auf. Seine Ex-Frau habe aber nur zwei Jahre Unterhalt für die Kinder gezahlt, obwohl ihr neuer Partner finanziell gut gestellt sei. Er hat dagegen geklagt, wollte, dass seine Frau sich wenigstens um Arbeit bemüht. „Sie wissen doch, dass Bewerbungen nichts bringen“, habe ihm der Richter geantwortet…
www.tagesspiegel.de,19.01.2006, Jens Poggenpohl
Männerstolz und Vorurteil
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