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Brief an die Bundestagsabgeordneten zum Thema:
"Häusliche Gewalt"
Februar 2000
Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete
im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Bereits im Dezember 1999 wurden Sie zum Thema „Häusliche Gewalt“ angeschrieben. Inzwischen wurden umfangreiche Recherchen angestellt, um ein klares Bild über diese Problematik zu erhalten. Was dabei an Informationen gefunden wurde, hat die zunächst gefühlsmäßigen Einschätzung bestätigt:
Es gibt bei häuslicher Gewalt keine klare Polarität zwischen Männern und Frauen, wie sie die Kampagne des Familienministeriums zu Grunde legt.
Wie mir Frau Dr. Berke vom Familienministerium mit Schreiben vom 13. Januar 2000 mitteilte, wird der „Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen“ im wesentlich durch die Studien des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) begründet. Dieses Institut hatte 1987 bis 1992 umfangreiche statistische Erhebungen zu Opfererfahrungen durch repräsentative Stichproben in der deutschen Bevölkerung gemacht. Aus den vom KFN ermittelten Zahlen wurden dann im Auftrag des Familienministeriums verschiedene Berichte erstellt.
Unter anderem wurden diese Ergebnisse in einem vom BMFSFJ in Auftrag gegebenen (und zu dem angesprochenen Thema zunächst fehlplaziert wirkenden) Bericht über "Kriminalität im Leben älterer Menschen“ (Schriftenreihe des BMFSFJ, Band 105) dokumentiert. Dieser Bericht ist beim BMFSFJ seit längerer Zeit vergriffen. Dort finden sich drei wichtige Aussagen:
Nachdem der Verfasser dieser Studie, Herrn Dr. Peter Wetzels vom KFN, um Stellungnahme gebeten worden war, erhielten wir eher ausweichende Antworten. Er bestritt nicht die ermittelten Zahlen, ließ aber die Frage offen, wer die Täter und was die Gründe für den hohen Anteil männlicher Opfer häuslicher Gewalt sind. Es erging lediglich die Information, dass auch amerikanische Forscher mit diesen Ergebnissen übereinstimmten.
Daraufhin wurde Kontakt aufgenommen zum Gewaltforscher Murray A. Straus von der University of New Hampshire (USA), auf den sich das KFN in seinen Studien immer wieder bezieht. Straus stellte eine Analyse mit dem Titel „The Controversy over domestic violence by women: A Methodological, Theoretical, and Sociology of Science Analysis“ zur Verfügung, welche Ihnen als Anlage (Straus_e.doc) überlassen wird. Die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst:
Straus belegt nicht nur den zweifelsfrei nachgewiesenen, ungefähr gleich hohen Anteil von Frauen an der Verursachung häuslicher Gewalt, sondern er schildert auch eindrucksvoll die Auseinandersetzung zwischen einerseits Wissenschaftlern mit primär auf Gewaltforschung ausgerichteter Perspektive sowie andererseits Forschern mit primär feministischer Sichtweise. Er schreibt von einer „haßerfüllten“ und von „persönlichen Diffamierungen“ begleiteten Kontroverse, und das er sich nach diversen Anschuldigungen „in einen Ketzer wie Salman Rushdie hineinversetzen könnte“, sowie dass es Anfeindungen bis hin zu Bombendrohungen gab.
Eine sehr anschauliche Beschreibung dieser Kontroverse können Sie dem Artikel "Forscher streiten sich über häusliche Gewalt“ aus der USA TODAY vom 16. Juli 1999 entnehmen (Anlage).
Es gibt inzwischen mehr als 100 Studien, die einen gleichhohen Beitrag von Frauen zu häuslicher Gewalt belegen. Diesem Schreiben sind exemplarisch zwei Studien beigefügt:
„Fünf Prozent der verheirateten oder zusammenlebenden Männer berichteten von 2 oder mehr Gewalthandlungen gegen sie in der laufenden Beziehungen, verglichen mit nur 1% der Frauen. Weitere 10% der Männer, aber 11% der Frauen sagten, sie hätten eine dieser gewalttätigen Handlungen vorgenommen. Studie auf Studie zeigte auf, daß Frauen nicht lediglich in Fällen der Notwehr gewalttätig waren, sondern daß sie in der Hälfte der Fälle selbst den ersten Schlag im Streit taten.“
Murray A. Straus schickte mir zu diesem Thema eine weitere Studie: „Physical assaults by women partners: A social problem“; übersetzt in etwa: „Tätliche Angriffe von weiblichen Partnern: Ein soziales Problem“ (Anlage).
Hier auszugsweise zwei Textstellen:
1. Zitat:
„Ein Problem mit der Entdeckung weiblicher Gewalt wird auch bei Barbara
Hart (1986) in deren Buch über Gewalt unter Lesben beschrieben: „Es
ist schmerzhaft. Es fordert unseren Traum von einem lesbischen Utopia heraus.
Es widerspricht unserem Glauben an die Gewaltlosigkeit von Frauen. Die
Existenz von Gewalt zwischen Lesben wird das Waffenarsenal der Gegner der
Homosexuellen stärken. Jetzt, wo wir uns selbst befreit haben, müssen
wir unsere Schwestern befreien.“
Die Entdeckung weiblicher Beiträge zu häuslicher Gewalt wird offensichtlich als Erschütterung eines ideologischen - fast könnte man sagen: religiösen - Weltbildes empfunden.
2. Zitat:
„Die Kentucky-Studie (die ebenfalls die gleichhäufige Gewalttätigkeit
von Frauen belegt) rief die brisante Frage nach wissenschaftlicher Ethik
hervor, da sie eine der Studien war, in der die Zahlen zur Gewalttätigkeit
von Frauen absichtlich verheimlicht wurden. Die Existenz dieser Zahlen
wurde nur dadurch bekannt, dass Hornung, McCullough, und Sugimoto (1981)
ein Computerband fanden, aus dem hervorging, das bei 38 Prozent der unter
Gewalttätigkeit leidenden Paaren die Angreifer Frauen waren, und zwar
ohne das ein Gewaltakt der Männer vorausging.“
Gegen die Veröffentlichung von Erkenntnisse zu Gewaltbeiträgen von Frauen werden offensichtlich Mittel angewandt, die die Frage wissenschaftlicher Ethik aufbringen.
Vor diesem Hintergrund kann gut nachvollzogen werden, dass die in der Opferbefragung des KFN 1992 festgestellten Zahlen über ähnlich hohe Zahlen von Opfern häuslicher Gewalt bei Frauen und bei Männern in Deutschland einer öffentlichen Diskussion bisher vorenthalten wurden. Es muss auch angenommen werden, dass das BMFSFJ als Auftraggeber dieser Studien kein Interesse an einer öffentlichen Diskussion über Gewaltbeiträge von Frauen hat.
Vom BMFSFJ werden Forschungsergebnisse selektiv herangezogen, um damit eine einseitige Familienpolitik zu begründen. Mehr noch: Es wird nicht mehr und nicht weniger versucht, als Männern ein niedrigeres moralisches Niveau zu unterstellen als Frauen. Dieses dürfte bald erhebliche reale Konsequenzen haben. Zum Beispiel wird es so in Zukunft bei einem Ehescheidungsverfahren erheblich einfacher sein, die Position des Mannes durch Gewaltvorwürfe zu schwächen.
Wir möchten Sie darum bitten, einer solchen Fehlentwicklung entgegen zu treten.
Mit freundlichen Grüßen
Anmerkung von paPPa.com:
Wir sollten uns über eines klar sein: Es geht um´s Geld !
Bereits in der Debatte um den sexuellen Kindesmissbrauch Anfang/Mitte der 90er Jahre war dies das wesentliche Motiv für die jahrelange Öffentlichkeitsarbeit parteilich-feministischer Kreise - auch damals mitgetragen und gefördert vom Bundesfrauenministerium. Jetzt erleben wir eine Neuauflage zum Thema häusliche Gewalt ...
Wir dürfen erinnern, was Anita Heiliger zu den angeblichen Missbrauchszahlen Jahre später zugeben musste:
"Es gibt sehr viel Angst um die Ressourcen. Daß
auf die Zahlen hingewiesen werden muß, hat damit zu tun, daß
für Projekte im wesentlichen Gelder zur Verfügung gestellt werden,
wenn skandalisiert wird. Im Grunde bräuchte es das gar nicht,
weil das Problem schon mit einer Handvoll Betroffener so gravierend ist,
daß jede Hilfe gerechtfertigt ist. Aber so wird es nicht gesehen,
die Gelder werden nur verteilt, wenn du ganz riesig schreist und auf
die bestehenden Probleme unablässig hinweist."
Quelle: DISKURS 1/97 - FACHGESPRÄCH:
Sexueller Mißbrauch von Kindern
Was haben wir also zu erwarten ?
Die Skandalisierung des Themas "Häusliche Gewalt" wird - vergleichbar mit dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs - dazu führen, dass in streitigen Sorge- und Umgangsrechtsverfahren der Gewaltvorwurf gegen Väter vermutlich in mehr als der Hälfte der Fälle angeführt werden wird. Beim Missbrauchsvorwurf waren es Mitte der 90er Jahre immerhin 40 % der Fälle, in denen der Missbrauchsvorwurf erhoben wurde ...
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Stand dieser Seite: 21.03.2000 (Aktualisierung)
Fundstelle: http://www.paPPa.com/politik/brfjmba1.htm