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Thema: Rechtsberatung und Hilfe für die Sorgemachtsinhaber
Frankfurter Neue Presse, FNP-Online, 31.10.1997
"Kopieren Sie alles"
Informationen über Rechte in der Ehe und bei Scheidung bot der Verein "Frauen helfen Frauen".
Von Florentien Fritze
Hofheim. "Bei mir ist schon alles gelaufen", berichtet die junge Frau.
Trennung, Scheidung, Unterhaltsklage. Und als der Mann nicht zahlen wollte: Zwangsvollstreckung, dann Strafanzeige. Die Frau hat den Vortrag von Rechtsanwältin Barbara Pauli-Tetkov gehört, steigt die Treppen hinab, tritt ins Freie. "Mit solchen Veranstaltungen müßte man viel früher anfangen", sagt sie, "schon in der Schule sollten die Jugendlichen das alles lernen."
Eng war es am Mittwoch abend im kleinen Raum in der Zeilsheimer Straße: Mehr als dreißig Frauen waren gekommen, um sich über ihre Rechte in der Ehe und besonders im Fall einer Scheidung zu informieren. Die Fachanwältin für Familienrecht berichtete umfassend und gab präzise Zahlenbeispiele.
"Kopieren Sie alles, was Sie für wichtig halten", riet die Juristin den Frauen, "Steuerbescheide, die letzten zwölf Verdienstbescheinigungen, Schwarzgeldkonten." Ob eine Frau Unterhalt bekommt, hänge von vielen Faktoren ab: Kann sie nicht selbst arbeiten, weil sie Kinder betreut, krank ist oder zu alt (im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt: über 55 Jahre)? Ist überhaupt etwas zu verteilen da?
Damit ein Ehepartner einen Scheidungsantrag stellen kann, müssen die Partner wenigstens ein Jahr lang räumlich und finanziell getrennt gelebt haben. "Das heißt: Er darf auch nicht mehr auf dem Sofa schlafen, Sie dürfen nicht mehr für ihn waschen und kochen", erklärte Pauli-Tetkov.
Auch zum Versorgungsausgleich gab es Informationen. Dabei werden Rentengutachten von Mann und Frau erstellt und gegeneinander abgewogen. "Prüfen Sie, ob der Partner alle Versicherungen angibt", empfahl die Rechtsanwältin. Bereits in "familiären Streßsituationen" sei es ratsam, sich die Akten genau anzusehen - vorsichtshalber.
Die Besucherinnen hatten viele Fragen, meist persönliche, die im Rahmen der Veranstaltung nicht umfassend beantwortet werden konnten. Wie ist das mit dem Kindesunterhalt? Und wenn das Kind schon 18 ist? Was tun, wenn sich der Mann im Urlaub getrennt hat? Bekomme ich Unterhalt, wenn ich einen Job angenommen habe, ihn aber wieder verliere?
"Ich kann Sie hier nicht anwaltlich beraten" - Pauli-Tetkov mußte die interessierten, oft besorgten Frauen immer wieder bremsen. Für Einzelfragen müsse ein Anwaltsberatungsgespräch geführt werden. "Viele sind danach frustriert", erzählte die Juristin: "Der Anwalt kann auch dort nicht ganz klar sagen: Das - und nur das - ist richtig."
© Frankfurter Neue Presse 1997
Frankfurter Neue Presse, FNP-Online, 31.10.1997
Ob durch einvernehmliche Trennung, erbitterte Scheidung oder den Tod des Lebenspartners: Die Zahl der Alleinerziehenden hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und liegt in Frankfurt heute bei rund 22 000 (davon 19 100 Frauen). Mehr noch als Paare müssen Single-Eltern ihren Alltag dem "Terminkalender" des Sprößlings anpassen und erleben dabei oft, daß die eigene Freizeit auf der Strecke bleibt. Alleinerziehen ist kein Kinderspiel. Aber auch kein aussichtsloses Match - man muß sich nur helfen lassen.
Seit zwanzig Jahren kümmert sich der Frankfurter Ortsverband des Vereins für alleinerziehende Mütter und Väter (VAMV) um die Nöte von Singles mit Kind. Neben psychischen Problemen ist die Sicherung der Existenz ein Hauptthema der Beratungsgespräche: "Um die monatlichen Kosten von rund 900 Mark pro Kind zu decken, reichen Unterhaltszahlungen und Kindergeld nicht aus", sagt Annegret Freitag, hauptamtliche Sozialarbeiterin des VAMV. "Vielen Eltern bleibt da nur noch ein Antrag auf Sozialhilfe."
Vater Staat ist kein Ersatz
Die Familie mag Vater Staat lieb sein, teuer ist sie ihm nicht. Seit der soziale Wohnungsbau eingeschränkt wurde, müssen viele Single-Eltern mit einer so beengten wie teuren Zweizimmerwohnung vorlieb nehmen - "das bedeutet ein Zimmer für das Kind, ein Schlaf-, Wohn- und Eßzimmer für die Mutter." Die in anderen europäischen Staaten übliche Familienförderung kommt in Deutschland als knappe "steuerliche Entlastung" daher, den Urlaubszuschuß zugunsten bedürftiger Familien hat das Land Hessen vor drei Jahren ersatzlos gestrichen.
Problematisch auch die Unterhaltsregelung: Wenn der ehemalige Partner nicht zahlen will, leistet das Jugendamt zwar einen monatlichen Vorschuß von 350 Mark (Kinder unter sieben Jahre) beziehungsweise 420 Mark (ab sieben Jahre) - doch von dieser Summe geht die Hälfte des Kindergeldes, 110 Mark, wieder ab. Mit Vollendung des zwölften Lebensjahres werden die Zahlungen gänzlich eingestellt, obwohl der Nachwuchs gerade dann besonders teuer wird. Und wenn sich der Erziehungsberechtigte wieder bindet, geht die Unterhaltspflicht automatisch auf den neuen Partner über - nicht eben beziehungsfördernd.
Bei der Kinderbetreuung hat sich in den vergangenen Jahren dagegen einiges zum besseren gewendet. "Der Anspruch der Drei- bis Sechsjährigen auf einen Kindergartenplatz ist in Frankfurt heute nahezu verwirklicht", so Annegret Freitag. Problematisch wird's in anderen Altersgruppen: Zwar gibt es in Frankfurt mittlerweile 14 betreute Grundschulen (jeweils bis 14 Uhr), doch Kinderhorte und Ganztagsschulen sind nach wie vor Mangelware. Das meist berufstätige Elternteil muß sich häufig nach anderen, kostspieligeren Lösungen umsehen.
Selbst wenn das Geld für den Babysitter ausreicht, so werden Alleinerziehenden immer noch organisatorische Meisterleistungen abverlangt: Junior will von der Schule abgeholt, bekocht, betreut, ins Bett gebracht werden. Wer in dieser Situation ohne belastbare Verwandtschaft oder hilfsbereiten Freundeskreis dasteht, kann seine Freizeit erstmal abhaken. Oder er wendet sich an den VAMV.
Der bundesweit engagierte Verein informiert und berät nicht nur, er kann auch als Kontaktbörse genutzt werden. Bei sogenannten "offenen Treffs" und Stammtisch-Abenden können sich Alleinerziehende und ihre Kinder kennenlernen, Erfahrungen austauschen, Mut zusprechen. "Wir erleben es auch immer wieder", so Annegret Freitag, "daß sich etwa zwei Mütter bei uns anfreunden und hinterher die Kinderbetreuung gemeinsam regeln. Viele sind sogar schon zusammen in Urlaub gefahren."
Doch auch dem VAMV schwinden die Mittel: Wenn das Land weiter kürzt, wird in der Geschäftsstelle in der Adalbertstraße 15-17 bald nur noch ehrenamtlich gearbeitet.
Der Verein für Alleinerziehende ist unter Telefon 97 98 18 84 täglich erreichbar; der Ratgeber "Alleinerziehend" mit Tips und Infos zum Thema kann unter dieser Nummer angefordert werden. [Ergänzung paPPa.com: Kostenfrei, da von Frauenministerin Nolte 100% gefördert.]
Kommentar paPPa.com: Männer denken immer nur an eines ... Frauen immer nur ans Geld ?
Ein Thema wird jedenfalls grundsätzlich nie behandelt: Wie erhalte ich meinem Kind den Vater und dessen Familie (Oma, Opa, Tanten, Onkels etc.). Unwichtig ?