von Andreas Beldowski abel@ON-Luebeck.DE
Ich bin engagierter Vater und habe auch
sieben Jahre nach der Trennung guten und regelmäßigen
Kontakt zu meinem Kind. Um diesen Kontakt mußte ich
kämpfen und viele Opfer bringen. So habe ich seit der
Trennung nach nicht einmal drei Ehejahren über DM
100.000,- Unterhalt zahlen müssen. Ich war als Ingenieur
in dieser Zeit abhängig beschäftigt und mehrfach
arbeitslos (2x Massenentlassung, 1x Firmenschließung),
insgesamt über 20 Monate.
Bei der ersten Scheidungsverhandlung war ich arbeitslos.
Der Richter verweigerte die Scheidung, weil er keinen
"vernünftigen" Ehegattenunterhalt festsetzen
konnte. Er forderte mich auf, mich bundesweit zu
bewerben, um meiner Unterhaltspflicht nachzukommen und
ließ mir einen
Gerichtsbeschluß zustellen, in dem mir aufgegeben wurde,
"monatlich alle Bewerbungsunterlagen und Antworten
der angeschriebenen Firmen einzureichen". Ich fand
dann eine neue Stelle, die mich zwang, für jedes
Umgangswochenende 1.500 km Auto zu fahren. Doch innerhalb
der Probezeit wurde jeder Umgang vereitelt, es wurde
sogar versucht, trotz monatlich gezahlten DM 1.900,-
Unterhalt, eine Gehaltspfändung zu erreichen. Mit Tricks
und unter Einhandeln einer einstweiligen Verfügung
konnte ich die Pfändung und damit die Gefahr einer
Kündigung meines Arbeitgebers innerhalb der Probezeit
verhindern. In den folgenden drei Jahren bin ich für den
Umgang mit meinem Kind jährlich über 30.000 km Auto
gefahren und habe von DM 3.800,- Nettoeinkommen monatlich
bis zu DM 2.000,- Unterhalt gezahlt. Gearbeitet habe ich
dafür im Jahresschnitt 54 Stunden die Woche (ohne
Mittagspause und 1,5 Std. Arbeitsweg). Unter dieser
Belastung ist dann auch eine neue Beziehung zerbrochen.
Der Umgang war in dieser Zeit nicht ohne Probleme, so
stand ich eines Freitags vor verschlossener Tür oder es
fand eine bereits vereinbarte Ferienwoche kurzfristig
nicht statt.
Wenn ich meine Geschichte vor Nicht-Betroffenen erzähle,
ernte ich meist verständnisloses Staunen, zum Teil
glatten Unglauben. Daher war es für mich notwendig,
Kontakte zu anderen Betroffenen zu suchen. Ich bin
Mitglied im "DIALOG zu Wohle des Kindes" und
beim "ISUV/VDU" und habe Kontakte zu
Väteraufbruch für Kinder, VHTS etc. Ich weiß, daß ich
kein Ausnahmefall bin. Ich habe erfahren, daß man als
engagierter Vater nach Trennung und
Scheidung zum Außenseiter der Gesellschaft wird. Man
wird von dieser Gesellschaft in eine absolut paradoxe
Situation getrieben und setzt sich größtem psychischen
Druck aus.
Quelle dieses Druckes sind immer wieder die
SozialarbeiterInnen der Jugendämter. Bei meinem ersten
Gespräch mußte ich mir anhören, daß sich die meisten
Väter nach Trennung und Scheidung nicht um ihre Kinder
kümmern, als ich dann den Gegenbeweis lieferte, wurde
mir nahegelegt, "Mutter und Kind zur Ruhe kommen zu
lassen", mich also nicht mehr zu kümmern. In einem
anderen Gespräch wurde mir zu Beginn aufgetragen, nicht
schlecht über die Kindesmutter zu sprechen, um mir am
Ende, schon in der Tür, sagen zu lassen, ich solle das
Kind doch der Mutter lassen, da ich ja nichts gegen sie
vorzubringen hätte. Da es sich in diesem Fall um eine
akademisch gebildete Person handelte, unterstelle ich den
Vorsatz, mich psychisch disqualifizieren zu wollen.
Anderen Personen unterstelle ich unüberlegte
Reproduktion von gesellschaftlichen Vorurteilen.
Leider sind es zum großen Teil Männer, die negative
Vorurteile über Männer und Väter verbreiten oder durch
ihr Schweigen zu deren Verbreitung beitragen!
Vor einigen Wochen konnte ich mich bei einer
SPD-Veranstaltung nicht mehr zurückhalten und habe den
männlichen Vortragenden aufgefordert, mich als Mann und
Vater nicht mehr weiter zu diskriminieren. Nur ein
einziger anderer Mann hat mir zugestimmt, die anderen
haben die Klappe gehalten.
Die Bundesregierung steht nicht in dem Ruf, feministisch
unterwandert zu sein. Mit ihrem Entwurf zur Reform des
Kindschaftsrechts will sie erreichen, daß der Vater auch
gegen seinen Willen, ohne Prüfung des Kindeswohles, vom
Sorgerecht ausgeschlossen werden soll, wenn dies die
Mutter will. Wenn aber der Vater das Sorgerecht unter
Zustimmung der Mutter erhalten soll, so soll in Zukunft
das Gericht von Gesetzes wegen das Wohl des Kindes
prüfen müssen.
Dies stellt eine horrende Diskriminierung der Väter dar!
Ich fordere daher alle Männer auf, ihr Schweigen zu
brechen und Einspruch zu erheben. Ein Schweigen stellt
eine Zustimmung dar!
Leider habe ich die Erfahrung gemacht, daß die
meisten Männer schweigen, wenn es zu
Auseinandersetzungen mit Frauen kommt. Viele Männer
gefallen sich sogar in der Rolle des Frauenfreundes. Wie
ein Pfau sein unnützes Gefieder aufstellt, werben sie um
die Gunst der Zuhörerinnen (hier muß das "i"
klein geschrieben sein), indem sie ihnen nach dem Munde
reden.
Wahrscheinlich erhoffen sie sich, wie der Pfau, auf
möglichst viele aufsteigen zu können. Warren Farrell
beschreibt in seinem bei 2001 erschienenen Buch
"Mythos Männermacht", wie auch er sich früher
in dieser Rolle gefiel, aber auch wie er erkannt hat,
daß auf diesem Weg keine Emanzipation, kein positiver
gesellschaftlicher Wandel stattfinden kann. Auch er
fordert die Männer auf, ihr Schweigen zu brechen und
sich auf eine Auseinandersetzung mit den Frauen
einzulassen.
Leider stehen viele unausgesprochene gesellschaftliche
Konventionen dagegen. So habe ich in meiner Situation
(siehe oben) erfahren müssen, daß ich mich als Mann vor
Frauen und Männern der Lächerlichkeit preisgebe, wenn
ich mich als das Opfer darstelle, das die Gesellschaft
mit ihren Konventionen, aber auch mit Familiengericht und
Jugendamt, aus mir gemacht hat. Ich bin zu einem
verschuldeten Fronarbeiter gemacht worden, es wurde mir
die vom Grundgesetz garantierte Freizügigkeit genommen,
als man mir auftrug, mich bundesweit zu bewerben. Für
den Umgang mit meinem Kind wurde ich der Willkür der
Kindesmutter unterworfen, ich muß seit 7
Jahren und auf unbestimmte Zeit auf ein eigenbestimmtes
Leben verzichten. In der Öffentlichkeit gelten aber
pauschal alle alleinerziehenden Mütter als
bemitleidenswerte Opfer, unabhängig davon, ob sie durch
ihren eigenen freien Willen und ohne äußeren Zwang dazu
geworden sind. Es erfolgt keine Prüfung des
Einzelfalles, ja allein der Versuch einer Prüfung wird
als unmoralisch dargestellt, all dies ist aber
kennzeichnend für ein Vorurteil.
So lange Kritik von Frauen an Männern als entwickeltes
Selbstbewußtsein gilt, während Kritik von Männern an
Frauen als männlicher Chauvinismus gesehen wird,
entfernen wir uns von einer Partnerschaft zwischen
Männern und Frauen. Der Versuch von Männern, sich durch
Schweigen als Gentleman zu erweisen, ist in einem solchen
Zusammenhang absolut unangebracht. Ein weites Schweigen
der Männer wird immer mehr Männer zu Opfern werden
lassen, ohne daß dadurch Frauen zu Siegern werden (siehe
die Probleme der alleinerziehenden Mütter).
Das Schweigen führt dazu, daß Alle - Männer wie Frauen - ihre Kinder verlieren.