paPPa.com informiert:

J O U R N A L für die Frau 17/98, 5. Aug. 98, S. 85-89, von Kerstin Burmester

Das ist neu im Kindschaftsrecht

Gemeinsame Sorge:
Am gemeinsamen Sorgerecht für Kinder unter 18 ändert sich auch nach der Trennung bzw. nach der Scheidung nichts. Bisher wurde vom Familiengericht im Rahmen des Scheidungsverfahrens entschieden, wem das Sorgerecht zustehen soll.

  • Einen gerichtlichen Entscheid soll es in Zukunft nur noch geben, wenn einer der Eltern den Antrag auf Alleinsorge stellt.
  • Der Elternteil, in dessen Obhut sich das Kind befindet, erhält eine Alleinentscheidungs-Befugnis in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens. Gemeinsame Entscheidungen sollen unabhängig davon aber bei Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung - das sind beispielsweise schulische, religiöse oder gesundheitliche Fragen - getroffen werden.
  • Für Eltern, die nicht verheiratet sind, gilt: Künftig kann durch eine beurkundete Erklärung die gemeinsame Sorge für die aus der Beziehung hervorgegangenen Kinder übernommen werden. Diese Erklärung können beide Elternteile schon vor der Geburt bzw. der Zeugung eines Kindes abgeben. Bisher war die Mutter allein sorgeberechtigt.
  • Umgangsrecht:
    Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen ehelichen und nichtehelichen Kindern. Jeder Elternteil hat das Recht auf Umgang mit dem Kind, auch dann, wenn ihm das Sorgerecht nicht übertragen wurde.

    Wenn es dem Wohl des Kindes dient, kann das Umgangsrecht auch anderen Personen, wie beispielsweise den Großeltern oder Geschwistern, gewährt werden.

    Kinder nach der Trennung

    Warum darf ich Papa nicht mehr sehen?

    Wenn Eltern auseinandergehen, leiden Kinder am meisten. Rund die Hälfte aller Scheidungskinder sehen entweder den Vater oder die Mutter kaum noch wieder. Meist verschwindet der Vater aus ihrem Gesichtskreis. Typisch?

    Ganz und gar nicht. Oft sind es die Mütter, die ihren Kindern den Vater bewußt entziehen. Manchmal ist das angebracht - viele Männer wünschen sich nichts sehnlicher, als ihr Kind auch weiterhin umsorgen zu können. Und die Kinder? Die verstehen nichts von Trennungsproblemen, die wollen beide Eltern behalten. Ob das neue Sorgerecht hilft?

    Sorgerecht - ist wirklich alles besser geworden?

    Nichts hat sich geändert. In Deutschland wird immer noch jede dritte Ehe, in den Großstädten sogar jede zweite geschieden. Knapp in der Hälfte der Trennungsfälle gibt es gemeinsame Kinder. Überraschend: In der Mehrheit sind es die Frauen, die der Beziehung ein Ende setzen. 1996 kamen auf 427 000 Heiraten 175 550 Scheidungen. Das ist eine Quote von 41 Prozent. In der Regel kommen die Kinder am schlechtesten weg. Sie müssen sich mit einem Verlust abfinden, den sie nicht wollen und auch nicht verstehen können.

    Über 140 000 Minderjährige sind jährlich vom Ende der Partnerschaft ihrer Eltern betroffen. Rund die Hälfte sieht schon ein Jahr nach der Trennung den anderen EIternteil, meist den Vater, nicht mehr. In 74,6 Prozent der Fälle (letzte Statistik) sprachen die Gerichte der Mutter die alleinige Sorge zu. Daß ein Vater das Sorgerecht erhielt, blieb mit 8,3 Prozent die Ausnahme.

    Aber auch in eheähnlichen Gemeinschaften sieht die Elternschaft oft trübe aus. In Deutschland leben 5 Millionen Menschen "nur so" zusammen, 135 000 Kinder werden unehelich geboren. Auch hier haben fast 50 Prozent der Väter kurze Zeit nach der Trennung keinerlei Kontakt mehr zu ihrem Nachwuchs.

    Die Folgen 1996 mußten die Jugendämter rund 1,6 Milliarden Mark zahlen. Denn nur jeder dritte Mann kommt seinen Unterhaltsverpflichtungen nach. Fast eine halbe Million Kinder leben inzwischen auf Staatskosten. Aber bezahlen müssen eigentlich sie: Auf die Trennung der Eltern reagieren Kinder mit Verlustängsten, Schuldgefühlen und Verhaltensstörungen (siehe Kasten rechts), und zwar besonders dann, wenn Vater und Mutter sich einen Kampf ums Sorgerecht liefern - und der Vater dabei das Nachsehen hat. Denn nach jüngsten Studien, so die Autorin Dr. Karin Jäckel ("Der gebrauchte Mann", "Alle Ehe, oder was", dtv) ist es der Vater, der Kindern den Halt gibt, den sie im Lebenskampf so dringend brauchen. Nur zwei Zahlen aus den USA: Dort stammen 75 Prozent der Jugendlichen in den Drogenentzugszentren aus vaterlosen Familien, bei den jugendlichen Selbstmördern sind es 63 Prozent.

    Richter Zu gut 75 % sprachen sie das Kind nach der Trennung der Mutter zu. Jetzt darf der Vater mitentscheiden.

    Was Scheidungskinder durchmachen

    Laut einer Studie des Psychologischen Instituts der Universität Köln, bei der 60 Familien und deren Situation jeweils 10, 25 und 40 Monate nach der Trennung untersucht wurden, sind Scheidungskinder - verglichen mit Kindern aus normalen Familien - emotional labiler und kontaktscheuer und haben ein unrealistisches Konzept von ihren Stärken und Schwächen. Auch ihr Sozial- und Leistungsverhalten und unangepaßt und instabil. Zehn Monate nach der Trennung ermittelte die Studie diese Verhaltensauffälligkeiten bei 53,5 Prozent, nach 25 Monaten immerhin noch bei 40,4 Prozent der Kinder.

    Eine Reihe von Faktoren gibt den Ausschlag, ob die Entwicklung der Kinder nach der Trennung einen günstigen oder ungünstigen Verlauf nimmt:

    Je geringer und schlechter die emotionale Bindung zum Vater ausfällt, desto größer ist die Gefahr einer Entwicklungsschädigung des Kindes. Ungelöste Trennungsprobleme - das bekannte Gezerre der Eltern ums Kind - tragen wesentlich zur Belastung des Kindes bei. In der Gruppe der hochbelasteten Scheidungskinder fanden sich überdurchschnittlich viele Väter, die an den Umgangs- und Sorgerechtsregelungen nicht beteiligt waren und weiter weg von ihren Kindern wohnten als andere Väter der Vergleichsgruppen. In der am geringsten belasteten Gruppe war das Verhältnis zu Vater und Geschwistern gut und das zur Mutter stabil und unterstützend.

    Der unkomplizierte Umgang beider Eltern mit ihrem Kind - ohne Streß und Haß - zahlt sich im Trennungsfall also aus.

    Das Gesetz Seit dem 1. Juli d. J. soll mit der Reform des Familien-Sorgerechts nun endlich gelten, was viele Väter geradezu herbeigesehnt haben. Fühlten sie sich vorher oft getäuscht, ausgebeutet und zum "Zahlsklaven" degradiert (ihre Kinder wurden ihnen entzogen, aber Geld sollte trotzdem fließen), hoffen sie nun auf eine faire Trennung der beiden Probleme: Ende der Beziehung zur Partnerin und Erhaltung der Beziehung zum Kind, das sie nach wie vor lieben und mit dem sie zusammensein möchten. Damit Kinder nie mehr zum Zankapfel werden, zerrieben zwischen den beiden Erwachsenen, die sie am meisten lieben, damit Mütter entlastet und Väter weiter in der Erziehung mitverantwortlich bleiben, ist die Sorgerechts-Reform also bitter notwendig geworden. Endlich soll alles fairer zugehen. 

    Die Zweifel Nichts wird gut, meinen Experten. Müttern würde nach wie vor die Last der Erziehung aufgebürdet, Väter hätten trotzdem noch in nur wenigen Fällen Aussicht auf das Sorgerecht. Dr. Karin Jäckel ist von der Reform nicht überzeugt. Das neue Kindschaftsrecht sei "eine Mogelpackung", meint sie, ändern würde sich gar nichts. Und beweist es:
    1. Das gemeinsame Sorgerecht ist ab sofort "gesetzlicher Normalfall". Die alleinige Sorge kann aber jederzeit ohne große Schwierigkeiten erstritten werden. Die Praxis: Mutter beantragen in der Regel nach wie vor die Alleinverantwortung und werfen ihren Partnern Erziehungsunfähigkeit vor.
    2. Nach der neuen Regelung steht unverheirateten Eltern die Sorge nur gemeinsam zu, wenn beide damit einverstanden sind und eine entsprechende Erklärung abgeben. Sonst erhält die Mutter das Sorgerecht. Die Praxis: Überwiegend nimmt sie es auch wahr.

    Warum haben Mütter mit einer Anspruchsklage immer noch mehr Erfolg als Männer? Familiengerichte und Jugendämter sehen allein schon in ihrem Widerspruch gegen ein gemeinsames Sorgerecht einen Beweis für die Zerrüttung der Elternbeziehung. Und sie gehen nach wie vor davon aus, daß bei Partnerkrach eine gemeinsame Erziehung dem Kindeswohl schaden würde. Also entscheiden sie auch weiterhin für einen Elternteil.

    Der Kampf Ein Punkt am gemeinsamen Sorgerecht beunruhigt Frauen besonders und veranlaßt sie, meist die alleinige Sorge zu beantragen. Vielleicht sogar verständlich, denn: Der EIternteil, bei dem das Kind lebt, erhält zwar eine "Alleinentscheidungs-Befugnis" in allen Dingen des täglichen Lebens. Aber: Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung wie zum Beispiel schulische oder gesundheitliche Fragen (etwa wenn das Kind zurückgestuft oder operiert werden muß) sollen von Vater und Mutter gemeinsam getroffen werden. Einleuchtend - aber was ist, wenn die Mutter einen neuen Mann kennenlernt und mit ihm zusammenziehen will, vielleicht in eine andere Stadt? Muß sie dann womöglich ihren Ex-Mann um sein Einverständnis bitten, damit das Kind mitdarf?

    Es gibt sogar Anwälte, die Frauen inzwischen abraten, sich auf die gemeinsame elterliche Sorge einzulassen. Sie warnen, daß der sorgeberechtigte Vater trotz Trennung weiterhin maßgeblich in das Leben seiner Ex-Frau eingreifen wird, indem er auf den Umgang der Mutter mit den Kindern und die Lebensführung der Mutter Einfluß nimmt. So wie es aussieht, wird das neue Recht nach wie vor Kampf und kaum Entlastung bringen. Die gemeinsame Sorge bleibt eine Sache des guten Willens. Sie ist von der Bereitschaft beider Eltern abhängig, das Beste für ihr Kind zu wollen. Aber sind Mütter wirklich bereit, ihre Bedürfnisse zurückzustecken und dem Kind den Vater zu erhalten?

    Mütter Anwälte warnen sie sogar, auf das alleinige Sorgerecht zu verzichten. Ex-Partner griffen sonst zu sehr in ihr Leben ein.

    Was hilft, damit´s kein Abschied wird

    Wenn die Beziehung nicht mehr stimmt, sollte sich niemand scheuen, Dritte um Hilfe zu bitten. Es können gute Freunde sein, in deren Beisein man sich ausspricht. Das ist aber nur sinnvoll, wenn die Freundschaft sehr gefestigt und erprobt ist und auf großem Vertrauen basiert. Neutraler sind Beratungen wie zum Beispiel die "Mediation" (etwa: "Vermittler"), die in Amerika entwickelt wurde und in Deutschland seit Anfang der 90er mit großem Erfolg zur Konfliktlösung und Vermeidung langwieriger und kostenaufwendiger Gerichtsverfahren eingesetzt wird. Dabei vermittelt ein unparteiischer und neutraler "Mediator" (Familienberater z.B.) zwischen den Parteien und hilft ihnen, sich gegenseitig besser zu verstehen und dadurch zu einer eigenständigen und fairen Lösung ihres Konfliktes zu finden. Den Partnern wird dadurch ermöglicht, im Hinblick auf die Zukunft Lösungen zu finden, die im Interesse aller Beteiligten liegen (Sorgerecht, Unterhalt etc.). Dazu gehört besonders das Wohl der Kinder.

    "Mediation" hilft Eltern, trotz der Trennung mit dem nötigen Respekt miteinander umzugehen und die Kinder zwanglos mit einzubeziehen. Die Dauer der Hilfe hängt von der Bereitschaft der Eltern ab und findet in Sitzungen von einer bis anderthalb Stunden statt. Die Kosten liegen zwischen 100 und 400 Mark pro Stunde. Das Ermutigende: "Mediationen" werden im Rahmen der Jugendhilfe laut Sozialgesetz künftig als Anspruchsrecht garantiert. Allerdings werden hierbei nur Konflikte, die das Sorgerecht oder die Besuchsregelung betreffen, geklärt.

    Die Mütter Es wäre unfair, allen Frau en, die dem Kind den Vater entziehen, böswillige Motive zu unterstellen. Viele Frauen handeln in der Annahme, das Beste für ihr Kind zu wollen und entscheiden in gutem Glauben und voller Verantwortung für das Kind - gegen den Vater.

    Sie "stülpen" das, was für sie selbst als Frau und Mutter das Beste ist oder zu sein scheint, de Kind über und stellen sich nicht der Tatsache, da die Bedürfnisse des Kindes vielleicht andere sei können - und auch dürfen - als ihre eigenen. Vielleicht glauben sie in dem Bewußtsein, den falschen Mann geliebt und geheiratet zu haben, daß dieser Mann auch für das Kind der falsche sein müsse. Sie sind fest davon überzeugt, daß ihr Kind diesen Mann nun ebenso abzulehnen hätte wie sie selbst. Mütter glauben, die Gedanken und Gefühle ihres Kindes in- und auswendig zu kennen, es ohne Worte zu verstehen. Oftmals meinen sie, das Kind wage nur nicht, sich gegen den Vater auszusprechen, und handeln dann vermeintlich schützend, indem sie stellvertretend den Vater ins Abseits drängen.

    Es gibt aber auch Mütter, so Psychologen und Sozialpädagogen, deren Motive von Verlustangst und Rachsucht bestimmt werden. Viele Mütter leiden extrem unter der Angst, das Kind liebe den Vater mehr als sie. Es würde sich aus dieser Liebe heraus gegen sie entscheiden, womöglich gar zum Vater umziehen wollen. Hinter dieser Angst stehen nicht selten Minderwertigkeitskomplexe, Hilflosigkeit. Wie können sie den jetzt ungeliebten Mann an seiner verwundbarsten Stelle verletzen? Mit Sicherheit an seiner Liebe zum Kind. Dr. Karin Jäckel dazu. "Furchtbar. Es ist ein Zeichen von Unreife und ein Akt der seelischen Grausamkeit, Kinder als Waffe gegen den einst geliebten Mann einzusetzen. Wem nützt es, den Vater auszutricksen? Dem Kind ganz und gar nicht und ihr letztlich ebensowenig." Selbstbewußte Frauen, die ihr Kind in seinen eigenen Rechten respektieren, achten und lieben, hätten "solche miesen Strategien" nicht nötig.

    Eltern - wissen sie eigentlich, wie sehr ihr Kind beide braucht?

    Die aber, die ihren Kindern bewußt den Vater entziehen, erleben immer häufiger, daß sich die Kinder von ihnen lossagen. Zum Beispiel wenn sie erfahren, daß der Vater den Kontakt gesucht hat, aber von der Mutter daran gehindert wurde. in diesen Fällen geschieht genau das, was die Mutter eigentlich verhindern wollten: Die Kinder solidarisieren sich mit dem Vater.

    Es mag schwer sein für eine Mutter, die Ursachen der Trennung vom Kind fernzuhalten. Aber eins darf sie nie verdrängen: Sie haben selten etwas mit der Liebe des Vaters zum Kind zu tun und mit seinem Wunsch, das Beste für sein Kind zu tun, es zu umsorgen und zu beschützen, damit es ohne Verlustängste und emotionelle Defizite aufwächst.

    Väter Viele wollen ihr Kind auch nach der Trennung noch hautnah erleben, es umsorgen und miterziehen dürfen.

    Hier können Sie sich informieren:

    Speziell zur Mediation bekommen Mütter und Väter Informationen bei der "Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation", Haspelstr. 24, in 35037 Marburg, Fax 06421-159 89. Dort gibt es eine Liste speziell ausgebildeter Mediatoren und Literatur zum Thema.

    Aktuelle Informationen zu vielen für Mütter und Väter wichtigen Punkten sowie bundesweiten hilfreichen Anlaufstellen für Beratung bekommt man beim "Interessenverband Unterhalt und Familienrecht" in Nürnberg, Telefon 0911-53 30 74

    Die kostenlose Broschüre "Das neue Kindschaftsrecht" kann beim "Bundesministerium der Justiz", Pressestelle, Heinemannstr. 6, 53175 Bonn, angefordert werden.

    Diese Bücher sind empfehlenswert:

    "Mediation - wie wir uns einigen, wenn wir uns trennen" Prisca Gloor Maung (Herder Verlag, 28 Mark);

    "Das Geheimnis des Regenbogens", Kinderbuch von Max Peter und Friederike Krauß, (Verlag Pro Juventute, 26,60 Mark);

    "Der gebrauchte Mann - Abgeliebt und abgezockt - Väter nach der Trennung" von Karin Jäckel (dtv premium, 28 Mark);

    "Guter Vater - böser Vater: Psychologie der männlichen Identität" von Horst Petri (Scherz-Verlag, 36,90 Mark).

    Die Väter In der Vergangenheit haben Väter in den meisten Fällen freiwillig aufs Sorgerecht verzichtet. Mangelndes Interesse? Nein, der Gedanke, daß Kinder zur Mutter gehören, ist in unserer Kultur so fest verankert, daß in der Mehrheit aller Scheidungsfälle Väter nicht auf den Gedanken kämen, Mutter und Kind trennen zu wollen.

    Aber Väter erleben ihre Kinder heute bewußter. Es ist schon fast normal, daß Männer ihre Frauen zur Schwangerschaftsgymnastik und in Wickelkurse begleiten oder bei der Entbindung dabei sind. Die "neuen" Väter wissen, daß Kinder sie nicht nur als Ernährer brauchen, sondern sie lieben, und auch sie selbst fühlen sich nicht nur als Versorger oder Ernährer, sondern als Bezugsperson mit starken Bindungen an das Kind.

    Ist es dann nicht verständlich, wenn Väter resignieren und den Kontakt zu ihren Kinder abbrechen, weil sie ihren Exfrauen oft jeden Besuch am Wochenende oder die gemeinsamen Ferien mit dem Kind abringen müssen. Es gibt Väter, deren Umgangsrecht mit ihren Kindern auf alle vier Wochen eine halbe Stunde beschränkt ist. Wen wundert es, daß beide, Vater und Kind, nach solchen Begegnungen psychisch durchhängen? Wie soll da ein Kind eine vertraute Beziehung zu seinem Vater aufbauen? Daß das Engagement eines Vaters unter solchen Umständen erlischt, dürfte niemanden erstaunen.

    Sicher, es gibt genug verantwortungslose Männer, die sich davonstehlen und sich wirklich nicht um ihre Kinder kümmern wollen. Doch dagegen steht eine wachsende Zahl von Vätern, die sich verzweifelt nach ihren Kindern sehnen, denen aber der Umgang mit ihnen verweigert wird.

    Diese Väter sind sich bewußt, daß sie aufgrund ihrer die Familie ernährenden Berufstätigkeit nur unzulänglich in der Lage sind, ihre Kinder rund um die Uhr zu versorgen. Entsprechend wissen sie auch, daß es Unrecht wäre, das Kind ganz an sich zu reißen. Aus diesen Gründen geht es Vätern bei dem Anspruch auf ein gemeinsam ausgeübtes Sorgerecht nicht darum, das Kind der Mutter wegzunehmen und dieses fern der Mutter bei sich großzuziehen. Es geht ihnen auch nicht darum, die Mutter vor dem Kind schlechtzumachen und die Liebe des Kindes ausschließlich an sich zu binden. Es geht ihnen vielmehr darum, das Kind, das sie lieben und während der Ehe bewußt begleitet haben, auch weiterhin als aktiver Vater aufwachsen zu sehen, es hautnah und möglichst alltäglich zu erleben, es weiterziehen und umsorgen zu dürfen - kurz, es geht ihnen darum, nicht im Zuge der Trennung von der Ehefrau auch noch eine Trennung vom Kind zu erfahren.

    Kinder Nach der Scheidung sind sie oft instabil, kontaktscheu, aggressiv oder gehemmt und wenig selbstbewußt.

    Die Kinder Um sich selbst zu erfahren, müssen Kinder ihre Wurzeln kennen. Und dazu gehören - fest zusammengefügt wie ein beschützendes Dach - beide Elternteile. Wie wichtig dies ist, sehen wir immer wieder am Beispiel adoptierter Kinder, die eines Tages aufbrechen, um ihre leiblichen Eltern zu suchen - und dabei letztlich auf der Suche nach sich selbst sind.

    Der Zusammenbruch der Familie ist für Kinder ein Schock, auf den Mädchen und jungen unterschiedlich reagieren. Mädchen ziehen sich zurück, verarbeiten die Trennung eher schweigend. Jungen möchten ihr Elend hinausbrüllen, wirken gereizt und aggressiv. Beiden gemeinsam ist die Hoffnung, daß die Eltern sich wieder vertragen, daß alles so wird, wie es einmal war. Die Schlammschlacht ums Sorgerecht gibt ihnen vielleicht den Rest, zumal Kinder dazu neigen - und das ist besonders erschütternd an der Sache -, sich die Schuld an der Trennung der Eltern auch noch selbst zu geben.

    im Scheidungsfall erleben Söhne und Töchter alleinerziehender Mütter oft zu allem Verlust und Schmerz um den verlorenen Vater dann noch, wie dieser verunglimpft, verleumdet und beschimpft wird. In Erziehungsangelegenheiten werfen Mütter ihren Kindern nur zu oft Ähnlichkeiten mit dem Vater vor und provozieren dadurch Verhaltensweisen wie Trotz, Ignoranz, Rückzug aus der einseitigen Beziehung.

    Häufig übernehmen Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, später das Beziehungsmuster der Mutter und sind Männern gegenüber in ihrem Wert als Frau zutiefst verunsichert. Beziehungsflucht oder Aggression sind für sie das Mittel der Wahl, wenn es zu Konflikten kommt. Und unter den Söhnen alleinerziehender Mütter finden sich nicht nur auffallend viele jugendliche Straftäter und Mitglieder gewaltbereiter Randgruppen, sondern Egozentriker, die ihren Frauen später das Leben schwermachen.

    Kinder brauchen das Bewußtsein, ein von beiden Elternteilen gewolltes, liebenswertes Kind zu sein, dessen Dasein eine Bereicherung im Leben von Mutter und Vater gleichermaßen darstellt. Sie bedürfen beider Fürsorge, Schutz und Leitung. Scheidung darf niemals das Aus für Liebe, Verantwortungsgefühl und Zusammenhalt in einer Eltern/Kind-Beziehung bedeuten.


    paPPa.com-Homepage