paPPa.com informiert:
Beispielhafte Presseschau zur
fehlenden Umsetzung der Reform des Kindschaftsrechts:
BERLIN - Das neue Kindschaftsrecht, seit 1. Juli in Kraft, wird von allen gelobt. Doch mit der Umsetzung hapert's, ergab eine Anhörung der CDU.
Familienrichter Rudolf Vossenkämper: "Richter und Gutachter sollen künftig zwischen getrennten Eheleuten mehr vermitteln als entscheiden. Das setzt aber eine entsprechende Ausstattung aller beteiligten Stellen voraus."
Diese Ausstattung fehle. Gericht, Beratungsstellen und Jugendämter müßten vernetzt sein, um die Vorgaben koordinieren zu können: Eltern haben bei Trennung Beratungsanspruch, nicht verheiratete Väter ein Umgangsrecht.
Die Familiengerichte hätten ein Viertel zuwenig Personal, die Jugendämter kaum Computer - die meisten Anträge und Beglaubigungen müssen per Schreibmaschine ausgefüllt werden. Die Familienberatungsstellen pfeifen wegen der Sparmaßnahmen auf dem letzten Loch: "Die Vorgaben der Politik sind richtig, doch bei der Umsetzung werden wir alleingelassen", klagt Ursula Hempel (Väterinitiative).
Umstände, die sich zum Nachteil des Kindes auswirken können. Vossenkämper: Überlastete Gerichte und der vom Gesetz gewollte Zwang zur Einigung der Eltern über die Kindesbetreuung nach der Trennung können den Leidensweg der Kinder verlängern. sn
Kommentar paPPa.com: Na, da haben wir es ja: die Reform verlängert das Leid der Kinder! Haben wir doch immer schon gewußt und die vom Jugendamt haben das auch immer schon gesagt ... Früher war alles schön, gut und einfach - Kinder zur Mutter, Vater ab und zu ein wenig Umgang, nicht zu viel, er muß ja jetzt ´ne Menge Kohle mehr ranschaffen, da bleibt kaum noch Zeit. Und wenn Herr Papa meint, mopsig werden zu können, gab´s erst Mal Umgangsausschluß ohne Zeitbegrenzung ... Ruhe war, wunderbare Friedhofsruhe. Und das soll jetzt anders werden? Aber nicht mit diesen deutschen Familienrichtern ... Gottseidank sind die neuen Normen auch so unbestimmt, daß die Rechtsprechung schon dafür sorgen wird, daß sich vorerst mal gar nichts ändert. Und die nächste Reform kommt erst wieder in 20 Jahren.
Wenn die Möglichkeiten des neuen Kindschaftsrechts in der Praxis ausgeschöpft werden sollen, dann müssen Gerichte und pädagogische Betreuungsdienste personell besser ausgestattet werden. Das unterstrichen Experten in einer Anhörung der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Rudolf Vosskämper, Richter am Familiengericht Tempelhof/Kreuzberg, forderte die Politik auf, endlich auf die steigenden Ehescheidungen zu reagieren. Dringend erforderlich seien mehr Stellen und moderne Bürotechnik. Herma Michaelsen von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle Charlottenburg betonte, daß anstelle der sieben vorhandenen Fachkräfte 23 erforderlich wären, um dem höheren Betreuungsbedarf gerecht zu werden. 6,5 Beschäftigte seien für 50 000 Menschen nötig.
Die jugendpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Cerstin Richter-Kotowski: «Es darf keine Einschnitte des Senats mehr geben.» dr
INFORM - PRESSEDIENST CDU
Nr. 73 - Datum 31.05.1999 - Thema: Familie/Kindschaftsrecht
RICHTER-KOTOWSKI:
JUGENDSENATORIN MUSS REFORM DES KINDSCHAFTSRECHTES IN BERLIN ENDLICH
UMSETZEN
"Die Jugendsenatorin muß jetzt alle Kräfte bündeln, um endlich die neuen Regelungen des Kindschaftsrechtes - insbesondere das gemeinsame Sorgerecht - umzusetzen", forderten heute die stellvertretende Vorsitzende und jugendpolitische Sprecherin der Berliner CDU-Fraktion, Cerstin RICHTER-KOTOWSKI, und der 1. Parlamentarische Geschäftsführer, Volker LIEPELT, nach einer Diskussion mit betroffenen Vätern und Vertretern entsprechender Beratungsstellen. Trotz eines Beschlusses gelte in Berlin noch immer nicht das gemeinsame Sorgerecht beider Elternteile.
Richter-Kotowski und Liepelt forderten
"Es zeugt von wenig Weitblick und Kompetenz der verantwortlichen Verwaltungen und Einrichtungen, daß ein Jahr nach Inkrafttreten der Neuregelung des Kindschaftsrechtes weder in den Jugendämtern noch an den Gerichten an der Umsetzung der neuen Bestimmungen gearbeitet wird", kritisierten die CDU-Politiker. Es gebe immer noch hohen Informationsbedarf bei Eltern und verantwortlichen Beratungsstellen, wie das gemeinsame Sorgerecht zum Wohle der Kinder verwirklicht werden kann. Insbesondere betroffene Väter fühlten sich mit ihren Sorgen und Nöten allein gelassen.
"Wir müssen beiden Elternteile die gleichen Chancen geben, für ihre Kinder zu sorgen. Denn das kommt dem Wohl der Kinder zu Gute und zahlt sich zukünftig für die Gesellschaft aus", sagten die beiden CDU-Politiker abschließend.
Verantwortlich: Markus Kauffmann Tel. 23 25 21 20 Fax 23 25 27 50 - CDU-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses Preußischer Landtag 10111 Berlin
Wer
darf Vater sein?
Neues Kindschaftsrecht
sorgt für Verwirrung
Am 1. Juli sollte alles leichter werden. Doch mit Inkrafttreten des neuen Kindschaftsrechts herrscht statt Freude vor allem Ratlosigkeit in den Jugendämtern. Besonders viel Kopfzerbrechen bereitet den Sachbearbeitern das reformierte Abstammungsrecht. Ein Beispiel: Regierungsamtsfrau Giese im Jugendamt Altona fühlt sich völlig überfordert. Neben dem normalen Tagesgeschäft überprüft sie sogenannte "Altfälle" in Sachen Abstammungsrecht, also all jene Fälle von Kindern, die vor dem 1. Juli geboren worden und den "falschen Vätern" von Gesetzes wegen zugeordnet worden sind.
Vor ihr sitzt eine junge Familie - Mutter, Vater, Kind und Ex-Mann. Der ist mit von der Partie, weil er nach alten Vorschriften als der offizielle Vater gilt. Und nur deswegen, weil das Kind innerhalb von 302 Tagen nach rechtsgültiger Scheidung zur Welt kam. Nun ist er beim Jugendamt vorstellig geworden, um zu beurkunden, daß er nichts dagegen hat, wenn der leibliche Vater die Vaterschaft anerkennt. Frau Giese sucht in ihrem PC die Beurkundungsformulare. Neuerdings, seit wann genau vermag die Regierungsamtsfrau nicht zu sagen, ist sie berechtigt "die Urkunde über die Zustimmung zur Vaterschaftsanfechtung des geschiedenen Ehemanns" zu erstellen. Oder doch nicht?
Auch ihr Kollege weiß keinen Rat. Spätestens in solchen Momenten wird Renate Schulz vom Grundsatzreferat der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung befragt. Denn die hat sich schlau gemacht in Sachen Kindschaftsrecht - ist aber bis Mitte August im Urlaub.
Solange aber kann die Angelegenheit nicht ruhen. Denn bis Frau Schulz ihren Urlaub beendet hat, liegt die Scheidung mehr als ein Jahr zurück. Dies würde für die junge Familie bedeuten, daß ihr Fall nach altem Kindschaftsrecht abgewickelt werden würde. Dann müßte in einem langwierigen Gerichtsverfahren die Vaterschaft des Ex-Mannes angefochten werden, ein Verfahren, das bis 6000 Mark kostet. Die Familie hat Glück. Regierungsamtsfrau Giese hat die nötigen Formulare im Computer gefunden. Einer Beurkundung steht nun nichts mehr im Wege.
In den Jugendämtern schmoren wahrscheinlich viele Altfälle, die nach reformierten Kindschaftsrecht behandelt werden könnten, sofern die Jahresfrist der Scheidung eingehalten wird. Doch die Übergangsregelung ist den Familien oft nicht bekannt. Und die Sachbearbeiter finden kaum Zeit, Altfälle auf Fristablauf zu überprüfen. Frau Giese hat sich einen ganzen Tag allein mit dem Fall der Familie beschäftigen müssen. "Die Rechtsunsicherheit ist groß. Und das Gesetz oft mißverständlich. Ohne den Beistand der Kollegin aus dem Grundsatzreferat wären wir hier aufgeschmissen", sagt sie. Dabei gilt das Jugendamt Altona in Kollegenkreisen noch als das bestinformierte. (kr)
Westfälische Nachrichten 3.8.98
Wohl der Kinder an erster Stelle
Kindschaftsrecht beschäftigt Jugendamt
Münster (in) - Die Anrufe reißen nicht ab. Noch immer gehen beim städtischen Amt für Kinder, Jugendliche und Familien sowie dem Amt für soziale Dienste Nachfragen zum neuen Kindschaftsrecht ein. Häufig sind es Väter, die ein Umgangs- oder Sorgerecht für ihre nichtehelichen Kinder haben wollen. Aber auch Großeltern, die auf Kontakt zum Enkelkind hoffen.
Ganz großes Mißverständnis: Viele glauben, daß die neuen Möglichkeiten seit dem 1. Juli automatisch gelten. Irrtum, sagt Alwin vor der Brüggen vom Jugendamt. Das gemeinsame Sorgerecht setzt voraus, daß beide Elternteile eine »Sorgeerklärung« unterschreiben. Und Großeltern müssen für Besuchskontakte zu den Enkeln einen Antrag stellen.
Eine ganze Reihe nicht miteinander verheirateter Eltern sind inzwischen ein Stück weiter. Sie wollen die Elterverantwortung zusammen tragen, haben daher die gemeinsame »Sorgeerklärung« schon unterschrieben. »Eine prima Sache, daß der Vater jetzt auch Sorgerechtsinhaber werden kann«, findet vor der Brüggen.
Bei Elternteilen, die bisher schon um Einvernehmen bemüht waren, läuft das in der Regel glatt. Wenn die Fronten aber erst mal verhärtet sind, hilft auch das neue Kindschaftsrecht nur bedingt weiter. "So mancher schwierige Fall ist damit nicht zu lösen", heißt es im Jugendamt; das gelte auch, wenn Scheidungen zu tief sitzenden Kränkungen geführt haben. Zwar lädt das Jugendamt die Eltern dann zunächst zu Beratungsgesprächen ein, in denen ihnen klar gemacht wird, daß das Wohl des Kindes Vorrang vor allem anderen hat; was übrigens auch für das Besuchsrecht von Großeltern und Geschwistern gilt.
Eine wesentliche Neuerung des Kindschaftsrechtes ist auch das Beistandschaftsgesetz. Es hat die gesetzlichen Amtspflegschaften abgelöst, die Münsters Jugendamt für 2 300 Kinder übernommen hatte. Die Beistandsschaft schränkt das Elternrecht nicht mehr ein, sie ist vielmehr ein Angebot an alleinsorgeberechtigte Elernteile, und kann auch wieder aufgekündigt werden. Beispiel: Drückt sich ein Vater vor der Unterhaltszahlung, kann die Mutter das Jugendamt bitten, ihre Ansprüche durchzusetzen. Sobald es mit dem Unterhalt klappt, hat sie das Recht, die Beistandschaft wieder zu beenden.
Fragen zum neuen Kindschaftsrecht beantworten das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien (Telefon 492-51 86) und das Amt für soziale Dienste (Telefon 492-56 01).
Siehe auch:
Jugendämter warnen vor gemeinsamer Sorge
+ Wie die Reform wirklich gemeint war ...
???
Frankfurter Neue Presse 3.8.98
Frankfurt. Das neue Sorge- beziehungsweise Kindschaftsrecht bereitet den Frauen vom Feministischen Gesundheitszentrum (FFGZ) Sorge. Deshalb haben sie eigens dafür eine Beratung eingerichtet.
"Grundlegend haben sich beim neuen Kindschaftsrecht zwei Dinge geändert", erklärt Christine Schäfer vom FFGZ. Erstens werde die gemeinsame Sorge für das Kind nach der Trennung zum Regelfall. Früher dagegen wurde nach einer Scheidung darüber verhandelt, wer das Sorgerecht für das Kind bekam. Der Partner, meistens der Vater, hatte bisher in der Regel nur ein Umgangsrecht. Das bedeutet, daß Zeiträume vereinbart wurden, während der ein Vater das Recht hatte, seine Kinder zu sehen und mit ihnen etwas zu unternehmen. Bestimmen und mitentscheiden - etwa, auf welche Schule das Kind gehen wird - durfte er nicht. Das gemeinsame Sorgerecht für beide Partner wurde früher nur auf einen gemeinsamen Antrag hin ausgestellt.
Zudem werden nun uneheliche Kinder den ehelichen im Gesetz nahezu gleichgestellt. Bisher hatten unverheiratete Frauen hier das alleinige Sorgerecht. Jetzt können auch unverheiratete Paare durch eine gemeinsame Sorgerechtserklärung zusammen das Sorgerecht ausfüllen. Christine Schäfer hält die Gleichstellung nichtehelicher Partnerschaften für sinnvoll: "Jetzt haben die Väter die Möglichkeit, das Sorgerecht auszuüben und können zum Beispiel Klassenarbeiten unterschreiben."
Bei dem gemeinsamen Sorgerecht nach einer Trennung müsse sich aber erst noch erweisen, ob das praktikabel sei. Der positive Hintergedanke dabei sei, die Väter nach der Trennung mehr in die Pflicht zu nehmen. In der Regel bestünde deren "Sorge" bislang nur in Unterhaltsleistungen für das Kind. Väter hätten sich daher beschwert, "nur zu bezahlen, ohne mitreden zu können, was mit dem Kind geschieht". Nun können sie mitreden, bleiben allerdings weitgehend von den alltäglichen Pflichten und Sorgen "verschont", da die Kinder trotz neuer rechtlicher Lage auch weiterhin vorwiegend bei ihren Müttern leben werden. Mit dem neuen Kindschaftsrecht wolle man erreichen, daß sich die Väter nach der Trennung nicht "so schnell aus der Verantwortung stehlen". Es habe sich gezeigt, daß, je länger die Trennung von Frau und Kind zurückliege, desto weniger das Umgangsrecht vom Vater beansprucht würde.
"Schwierig wird die Situation für die Frau allerdings in der akuten Trennungsphase", gibt Schäfer zu bedenken. In der Regel trenne man sich, weil man den Partner nicht mehr liebt, mit ihm nichts mehr zu tun haben will. Es gibt Konflikte. Wut, Ärger und Haß stauen sich an. "Und genau in dieser Phase sollen die Frauen wieder in Richtung Einigung denken, das kann zu Problemen führen."
Der "Idealfall sei", so Schäfer, "wenn die Eltern die gemeinsame Sorge um das Kind von den Beziehungskonflikten trennen". Doch in vielen Fällen stünden die Partnerkonflikte im Vordergrund. Die Frauen müßten sich hier in erster Linie die Frage stellen, "was ist richtig für mich und mein Kind" und nicht unter Druck zur Einigung mit dem Partner gezwungen sein. Daher bietet das FFGZ den Frauen die Möglichkeit, im Rahmen einer Beratung ihre eigene Position zu klären, bevor sie sich auf Trennungsvereinbarungen einlassen.
Weitere Infos zu diesem Thema sind beim Bundesministerium der Justiz, Referat für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, 53170 Bonn, erhältlich. Dort gibt es eine Broschüre "Das neue Kindschaftsrecht". (per)
Montreal (afp) Männer haben in den Familien moderner Gesellschaften immer weniger Bedeutung und müssen sich mit einer Nebenrolle zufrieden geben. Zu diesem Schluß kamen Soziologen jetzt beim 14. internationalen Soziologenkongreß im kanadischen Montreal, die ihre Forschungsergebnisse am Wochenende vorstellten. Die patriachale Struktur der Familie sei unter anderem durch die Liberalisierung der Gesellschaft in religiöser Hinsicht, die Schulpflicht auch für Mädchen und die Emanzipation der Frau zum Sterben verurteilt, erklärte die französische Soziologin Christine Castelain-Meunier vom Nationalen französischen Forschungsinstitut (CNRS).
"Der harte Kern, um den heute die Familie kreist, ist die Mutter", betonte sie. Weitere Hinweise für das Verschwinden der männlichen Dominanz seien die wachsenden Scheidungsraten und damit einhergehend eine Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Vater, sagte die französische Forscherin. Auch in sexueller Hinsicht sahen viele Soziologen bei dem Kongreß in Montreal die klassische männliche Sexualität als Auslaufmodell. Leistung und Befriedigung spielten eine immer geringere Rolle, sagte der US-Biologe Robert Francoeur. Frauen wollten heutzutage weniger Sex in der Beziehung und dafür mehr Zärtlichkeit. Die Potenzpille Viagra sei in dieser Hinsicht "das letzte Aufbäumen einer absterbenden patriarchalen Kultur", sagte Fancoeur.
Frankfurter Neue Presse 31.7.98
Wiesbaden. Es ändert sich - trotz Emanzipation - offenbar kaum etwas: Hausarbeit und Kinderbetreuung ist unter jungen Frauen und Männern immer noch ungleich verteilt. Frauen zwischen 15 und 30 Jahren legen nach wie vor im Durchschnitt pro Tag dreimal so lange Hand im Haushalt und bei der Kinderbetreuung an wie gleichaltrige Männer, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.
Bei einem Zeitaufwand von einer Stunde und 20 Minuten engagieren sich der Erhebung des Bundesamtes zufolge 25- bis 30jährige Frauen in der Kinderbetreuung sogar fünfmal so lange wie ihre männlichen Altersgenossen. In dieser Altergruppe investierten Männer nur ein Drittel der Zeit in die Hausarbeit im Vergleich zu den Frauen, die auf viereinhalb Stunden kommen.
Bei den 20- bis 25jährigen sind Frauen mit dem Haushalt und den Kindern durchschnittlich zwei Stunden und 40 Minuten beschäftigt, während gleichaltrige Männer sich nur eine Stunde Zeit für diese Arbeit nehmen. (lhe)
Anmerkung paPPa.com: Noch ein Beitrag zum feministischen Diskurs ... Keine Nachricht ist blöd genug, um nicht was Männerfeindliches daraus zu machen ... Die obigen Zahlen gehen nicht darauf ein, wer berufstätig ist und wer nicht bzw. wer halbtags und wer ganztags arbeitet. Die Konsequenz ist klar: Selbst wenn der Mann 60 oder mehr Stunden in der Woche arbeitet und Madame zu Hause bleibt und die Topfblumen pflegt, während die Kinder öffentlich untergebracht sind: Der Kerl soll gefälligst mindestens die Hälfte von Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen - und selbst wenn er das schafft ... hat er letztens nicht vergessen, die Unterschriftenaktion gegen Klitorisbeschneidungen im Süd-Sudan zu unterstützen? Typisch ... Männer sind Schweine!
Trennung der Eltern war der häufigste Anlaß, weshalb sich junge Menschen nach Hilfe umsehen. Dies geht aus dem Jahresbericht der "Psychologischen Beratungsstelle'' der Evangelischen Kirche hervor.
1660 Menschen wandten sich 1997 ratsuchend an die Einrichtung, die Außenstellen in den Kirchenbezirken Degerloch und Calw unterhält. Bewährt habe sich, daß Menschen ohne Ansehen der Konfession beraten werden. So kamen 1544 Privatpersonen mit Fragen zur Erziehung, Partnerschaft und Ehe in die drei Stellen; dazu 116 Fachkräfte aus dem kirchlichen und psychosozialen Bereich, die sich Rat für ihre Arbeit einholten. Die Zahl der Beratungen habe sich im Vergleich zu 1996 um 3,3 Prozent gesteigert.
Zu den häufigsten Anlässen für einen Anruf bei der Beratungsstelle zählten die Trennung der Eltern, Erziehungsprobleme, Beziehungsstörungen und Sorgen um den Arbeitsplatz. Junge Erwachsene kämpften oft mit Niedergeschlagenheit und Zukunftsängsten. In Notfällen sei ein Gespräch gleich am selben oder folgenden Tag möglich. Neu ist, daß die Beratungsstelle seit Juli 1997 auch beim Familienkrisendienst mitarbeitet. Ebenso die Beteiligung am Modellprojekt "Intergrierte Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien'', welches offene Jugendarbeit, Regelbetreuung, Erziehungshilfen und psychologische Beratung vernetzt.hsw
Kanther legt Jahresstatistik vor: Immer mehr kriminelle Kinder - dpa/ap 4.8.98
Wo liegen die Ursachen für Kinder- und Jugendgewalt? Was ist zu tun? Antworten gibt diese Serie des Hamburger Abendblattes. In der letzten Folge geht es heute um: Zehn Gebote zur Vorbeugung.
"Hört mir doch endlich mal zu!"
Von EVA ZETNER
Wenn ein
Haus brennt, kommt die Feuerwehr. Für Kinder und Jugendliche, die
mit Gewalt auf sich aufmerksam machen, braucht es Notfallösungen und
Kriseninterventionen. Wie wichtig das ist, weiß ich aus meiner 15jährigen
Tätigkeit als Lehrerin in Heimen für straffällige Jungen.
Noch wichtiger ist aber die Prävention: Häuser
werden brandsicher gebaut, Kinder müßten ohne Gewalt aufwachsen
können. Verunsicherte Erwachsene übertragen ihre Desorientiertheit
auf den Nachwuchs und fördern so Gewalt.
Eine wirksame Verhütung von Gewalt bei Kindern
und Jugendlichen kann nicht früh genug beginnen: bereits im Babyalter.
Urvertrauen, Geborgenheit, Normen und Werte, Konfliktfähigkeit sind
Schritte, die bei Kindern Einfühlungsvermögen und gewaltfreieres
Verhalten fördern.
Die folgenden Thesen beruhen auf Erfahrungen und sollen
jeden Erwachsenen anhalten, Kinder ernst zu nehmen.
1. Selbstvertrauen aufbauen, Nächstenliebe
beginnt mit Eigenliebe.
Selbstvertrauen basiert großenteils auf dem
in der Kindheit erworbenen Selbstbild. Kinder spiegeln sich in den Augen
von Eltern und Lehrern und sehen sich selbst mit deren Brille. Wer sich
über ein Kind lustig macht, beschämt und verunsichert es.
Positive Fähigkeiten sollen von klein an verstärkt,
Schwächen nicht dauernd kritisiert werden. Loben, wenn es angebracht
ist, bestrafen nur im Notfall. Bindung und Liebe zum Mitmenschen entstehen
auf der Basis einer gesunden Eigenliebe.
2. Kinder brauchen Grenzen.
Allzuviel Freiheit kann Chaos bedeuten. Kinder verzweifeln
an Erwachsenen, die sich ihnen dauernd entziehen. Halt finden sie, indem
sie die eigenen und die Grenzen anderer spüren. Rhythmen strukturieren
die Zeit: ein geregelter Tagesablauf, kleine Rituale, z. B. Gute-Nacht-Geschichten.
Eltern, die zehnmal nein sagen, zuletzt aber nachgeben,
erziehen kleine Tyrannen, die sich allmächtig erleben, weil sie erfahren,
daß ihre Wünsche dank Gebrüll in Erfüllung gehen.
Erziehung, die Versagungen bewußt ausklammert,
raubt Kindern eine wichtige Erfahrung und erschwert ihnen den Realitätsbezug.
Machen wir das Kind aber mit den Regeln des Zusammenlebens vertraut, entwickelt
es soziale Kompetenz.
Wenn Heranwachsende Schwächere bedrohen: nicht
feige wegsehen, sondern eingreifen oder Hilfe holen. In brenzligen Situationen
hoffen kindliche Opfer auf Hilfe, und "Täterkinder" erwarten
eine überlegene Reaktion. Fehlen positive Vorbilder, orientieren sich
immer mehr Jugendliche an den Helden der Brutalos, an Jugendbanden oder
der Propaganda von Rassisten und Sekten. Erwachsene müssen den Mut
aufbringen, den Jugendlichen auch Reibungsflächen zu bieten und sich
nicht anzubiedern. Zivilcourage und Verantwortung sind gefragt.
3. Inkonsequenz ist die Mutter der Tyrannei.
Aus Angst, Fehler zu machen, betreiben viele Eltern
eine Wankelpädagogik. Wechselbäder zwischen Gleichgültikeit
und Strafen demütigen Kinder und beschämen im nachhinein die
Erwachsenen. Statt Stabilität, Geborgenheit und Halt wird die eigene
Ohnmacht weitergegeben. Auf diesem Nährboden gedeihen Gewalt und Opferhaltung.
Kinder fühlen sich aufgehoben bei liebevollen Eltern, die Klarheit
vermitteln und den Erpressungen der kleinen Diktatoren widerstehen. Ohne
Gewalt, aber mit Power und Humor.
Körperstrafe ist immer ein Zeichen von Ohnmacht
und Überforderung. Wiederholen sich Prügelattacken: ohne Scham
bei Fachleuten Hilfe suchen!
4. Echte Entscheidungen anbieten. Verhaltensvertrag
fördert Verantwortung.
Kinder sollten nicht zu früh zur Eigenverantwortung
gedrängt werden - aber auch nicht zu spät. Schon Zweijährige
können einfache Entscheidungen treffen, wenn die Eltern eine erste
Wahl vorgenommen haben. Beispiel: Statt "Was willst du heute anziehen?"
- "Möchtest du lieber die grüne oder rote Hose?"
Mit jedem Reifeschritt wächst der Entscheidungsspielraum
des Kindes, werden Demokratie und Kompromißbereitschaft eingeübt.
Ein Verhaltensvertrag erleichtert Schulkindern das Einüben
in Selbstverantwortung (Hamster füttern, Tisch decken, Zimmer aufräumen).
Pflichten, aber auch Wünsche werden mit den Anweisungen der Eltern
verglichen. Können Kinder ihre Bedürfnisse verbindlich unterbreiten,
diskutieren, Vergleiche aushandeln und zuletzt einen Vertrag unterschreiben,
wird es Ehrensache, sich daran zu halten.
5. Auch Väter gehören ins Kinderzimmer.
Noch immer wird Müttern die Erziehungsarbeit
überlassen. Vaterlose Kinder sind sozusagen die Norm, denn auch in
den sogenannten intakten Familien treten die Erzeuger vor allem als Freizeitväter
in Aktion.
Immer mehr wird aber ein Zusammenhang zwischen abwesenden
Vätern und Jungengewalt festgestellt. Väter sind für Söhne
das erste Identifikationsobjekt. Jungs werden heute aber fast ausschließlich
von Frauen (Mutter, Lehrerin) erzogen, was Pascha- und Machohaltung begünstigt.
Väter könnten den Söhnen zeigen, daß Männer,
die den Haushalt schmeißen und Babys betreuen, keineswegs ihre Männlichkeit
einbüßen.
Auf eine originelle Idee kamen alleinerziehende Mütter:
Sie gründeten eine Klub und engagierten für ihre drei- bis fünfjährigen
Söhne Fußballtrainer, die den Jungs auch emotionale Nähe
geben.
6. Kinder haben ein Recht auf negative Gefühle
und dürfen nein sagen, auch zu Körperkontakten.
Für Kinder ist es eine befreiende Erfahrung,
ohne schlechtes Gewissen traurig, wütend und verletzt sein zu dürfen.
Ihre Eltern zeigen Verständnis, indem sie ihnen ihr Gefühl nicht
ausreden, die Trauer weder bagatellisieren noch mit Süßigkeiten
wegtrösten. Kinder haben das Recht, Küsse und Berührungen,
die sie nicht mögen, zu verweigern. Lernen, nein zu sagen, ist ganz
wichtig.
Die Mär vom coolen Jungen gehört in die Mottenkiste.
Jungen haben nicht nur Fäuste, sie haben auch ein Herz: Statt Härte
gegen sich und andere soll ihnen Sensibilität antrainiert werden.
Hier sind Väter die besten Vorbilder, sofern sie gelernt haben, Emotionen
offenzulegen. Wer Liebe, Freude, aber auch Wut von klein an frei äußern
durfte, neigt weniger zu Gewalt.
7. Eltern/Lehrkräfte sind Vorbilder.
Erwachsene sollten Ansprechpartner sein, die im Notfall
auch schützend eingreifen. Erziehende, die weder Orientierung noch
Halt vermitteln, geraten bald an ihre Grenzen. Gewaltgeile Jungen wollen
sich messen, beachtet werden und erwarten Reaktionen. Verweigern Lehrkräfte
die Erwachsenenrolle, übernimmt der stärkste Junge die Führung.
Ernstnehmen des Kindes heißt nicht "Laisser-faire". Sonst
werden Lehrer mitschuldig an kindlichen Gewaltakten. Wie Eltern miteinander
umgehen, ob Konflikte konstruktiv angegangen, unter den Tisch gekehrt oder
mit Gewalt gelöst werden, beeinflußt auch das Verhalten der
Kinder.
Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren
sehen in guten Eltern keine demokratischen Partner und Freunde. Sie verlangen
vielmehr Autorität. Liebe, Zärtlichkeit und Vertrauen sind für
sie keine Alternative zu Normen und Autorität. Gute Eltern haben beides.
8. Erwachsene müssen glaubwürdig sein
und Schwächen zugeben.
Kinder und Jugendliche haben feine Antennen für
alles Unechte und bevorzugen Erwachsene ohne Fassade, die Schwächen
und Launen zugeben und nicht immer recht haben.
Offenbaren Eltern ihre Schattenseiten, aber auch ihre
Wertvorstellungen, fördern sie in den Heranwachsenden die Bereitschaft,
ebenfalls offen und ehrlich zu sein.
9. Generationengrenzen einhalten.
Jungen und Mädchen verlangen keine Erwachsenen
mit gepiercten Lippen. Sie betrachten ihre Mutter nicht als beste Freundin
und hassen es, für deren Schwester gehalten zu werden. Vater soll
seine Knochen weder mit Inline-Skaten gefährden noch die gleichen
Markenklamotten tragen wie sein Sohn.
Um in der Pubertät die eigene Persönlichkeit
zu entwickeln, brauchen Kids Freiräume ohne Erwachsenenübergriff.
Wenn aber die Elterngeneration sich auf jede Verrücktheit aus der
Jugendecke stürzt und sie gar abkupfert, fehlt jungen Menschen die
Gelegenheit zu Abgrenzung und Provokation.
10. Kreativität und Humor sind das beste
Mittel gegen Gewalt.
Jedes schöpferische Tun vom Rollenspiel über
Tanz, Musik, Videos drehen, Malen bis zum Spielen, befreit Menschen von
aufgestauten Emotionen. Ängste und die Wut im Bauch finden ein gewaltfreies
Ventil. Kinder regenerieren sich, indem sie ihre Musik hören und tagträumen.
Jugendliche im Abseits, Skins, von Brutalität Faszinierte
brauchen einen kreativen Auftrag, der sie bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit
führt und einen positiven Aggressionsschub auslöst.
Neben kreativem Tun ist Humor ein effektives pädagogisches
Mittel. Humor macht einen öden Wochentag farbig. Wer lacht, ist versöhnlich
gestimmt, nicht gewalttätig und kommt gut an. Humor geht nie auf Kosten
anderer. Er entschärft Spannungen und erleichtert den zwischenmenschlichen
Umgang.
Eva Zeltner, geboren 1931 in Zürich, Lehrerin, Heilpädagogin
und Buchautorin, arbeitet heute in ihrer Praxis als Psychologin mit Kindern
und Jugendlichen.
In Stuttgart, Saarbrücken und Hannover
Länder halten Berichte zurück
Sozialstudien sind Regierungen offenbar nicht genehm
csc Bonn (Eigener Bericht) – Streit um Regierungsberichte zu Armut und zur sozialen Situation von Familien mit Kindern gibt es nicht nur in Bonn. In Baden-Württemberg fragte die SPD jetzt nach einem für den Beginn des Jahres von der CDU/FDP-Regierung versprochenen Familienbericht, in Saarbrücken vermißt der Kinderschutzbund einen ebenfalls lange angekündigten Kinder- und Jugendbericht der SPD-Landesregierung. Auch aus Niedersachen ist bekanntgeworden, daß ein Landesarmutsbericht erarbeitet worden war, aber nicht veröffentlicht wurde. Das von der SPD geführte Sozialministerium sagte daraufhin zu, die Studie werde noch vor der Bundestagswahl verbreitet, sollte sie bis dahin fertig sein.
Der Stuttgarter Bericht umfaßt etwa 600 Seiten. Er wurde von der „Familienwissenschaftlichen Forschungsstelle“ beim Statistischen Landesamt erarbeitet. Einer der befragten Experten sagte der SZ, die Forschungsstelle habe neben Daten auch Empfehlungen gegeben. Diese seien offenbar auf Widerspruch in der Regierung gestoßen. Bei der Forschungsstelle, die im Regierungsauftrag arbeitet, hieß es, daß die Veröffentlichung so lange auf sich warten lasse, „paßt weder uns noch dem Sozialministerium“, schon weil die Daten auch veralten könnten.
Der für Bonn erarbeitete Kinder- und Jugendbericht war bei Familienministerin Claudia Nolte (CDU) wegen seiner Armutsdefinition auf Widerspruch gestoßen. Wer Sozialhilfe bekomme, sei nicht arm, sagte Nolte. In dem Stuttgarter Bericht ist diese Einschätzung berücksichtigt. Die Studie spricht nicht generell von Armut, sondern von „Einkommensarmut“ (weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens) und macht für Ost und West verschiedene Rechnungen auf. Ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart sagte der SZ, der Bericht müsse noch zwischen den Ressorts abgeklärt werden. Dies sei „absolut normal“. Er werde aber noch vor der Bundestagswahl veröffentlicht.
Mannheimer Morgen 27.07.2000
Eltern wissen nicht, was Scheidungskrieg auslöst
Immer mehr Familien holen sich bei der Beratungsstelle
des Kreises Hilfe / 30 Prozent der Fälle drehen sich um Trennungskonflikte
Von unserem Redaktionsmitglied Andre Leberz
Lampertheim/Kreis Bergstraße. Die Zahl der Familien im Ried, die bei Problemen kompetente Hilfe suchen, ist 1999 erneut gestiegen. 527 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene hat die Beratungsstelle des Kreises Bergstraße im vergangenen Jahr betreut (1998: 463).
Wie der Leiter und Diplom-Psychologe Adolf Kritsch im Gespräch mit dem "SM" betont, bilden dabei Konflikte durch Trennung und Scheidung weiterhin den Schwerpunkt. "Rund 30 Prozent beziehungsweise 159 Fälle aller Beratungen und Therapien drehen sich um den Streit ums Kind, das Sorgerecht und daraus resultierende Auffälligkeiten der Kinder", berichtet Kritsch. Diese spiegle jedoch nicht nur die wachsende Zahl der Scheidungsfamilien wider, sondern auch die zunehmende Bereitschaft, sich Hilfe von außen zu holen.
Während manche Sprösslinge in solchen Krisenphasen unruhig und aggressiv reagierten, zögen sich andere Kinder zurück und würden ängstlich. Auch psychosomatische Störungen wie Bettnässen und Schlafprobleme könnten auftreten. Ebenso gingen Leistungsschwächen in der Schule häufig mit Scheidungskonflikten einher.
"Aber es gibt auch Kinder, die eine Trennung gut verkraften", betont Kritsch. "Wenn die Eltern deutlich machen, dass sie auch künftig beide für das Kind sorgen und da sein werden, kann sich das Kind weiterhin sicher fühlen." Voraussetzung dafür sei, dass die Elternteile fair miteinander umgingen und das Kind in die elternliche Auseinandersetzung nicht hineinzögen. Im Sinne des Kindes tabu sei etwa, schlecht über den Partner zu reden und sich in Probleme zwischen Kind und Partner einzumischen. Ebensowenig sollte Sohn oder Tochter als Übermittler von Fragen oder gar als Spion im elterlichen Zwist missbraucht werden. "Die Eltern sind sich oft nicht bewusst, was ein Scheidungskrieg bei ihren Kindern auslöst", warnt der Psychologe.
In dem Zusammenhang habe eine therapeutische Kindergruppe gezeigt, dass es den Kindern gut getan habe, die Trennungs-Erfahrung zu teilen. Nach der gemeinsamen Aufarbeitung in der Gruppe hätten die meisten Kinder viel offener über das Scheidungsgeschehen und ihre Gefühle sprechen können, ist die Erfahrung der Sozialpädagogen.
Nach wie vor zurückhaltend angenommen werde in der Beratungsstelle das Angebot der Familienmediation. Wie im Vorjahr hätten 1999 sieben Paare diese außergerichtliche und gebührenfreie Vermittlung und einvernehmliche Regelung von Trennungskonflikten genutzt. "Von Vorteil ist, dass wir im Notfall - wenn die Stimmung noch zu aufgeheizt und die Differenzen zu groß sind - auf die Beratungsebene zurückgreifen können", erklärt Kritsch.
Viele Familien kämpften mit allgemeinen Erziehungsschwierigkeiten. "Es gibt viel Unsicherheit darüber, wie man seine Kinder erziehen soll", sagt der Psychologe. Viele Eltern hätten Probleme, die Balance zwischen demokratischer Erziehung und klaren Regeln zu finden. "Demokratisch hat nichts mit antiautoritär zu tun. Es geht darum, die Kinder Ernst zu nehmen, sie in Entscheidungen einzubeziehen. Aber ebenso brauchen Kinder feste Grenzen, die ihnen als Orientierung dienen."
Deutlich wird im Jahresbericht der Beratungseinrichtung auch, dass viele Eltern für ihre Schützlinge Hilfe suchten, wenn diese eingeschult wurden oder ein Wechsel auf eine weiterführende Schule bewältigt werden musste. "Eltern sind in diesen Phasen besonders aufmerksam. Viel mehr als früher sorgt man sich darum, dass aus den Kindern was wird", beobachtet Kritsch.
Fast die Hälfte aller Klienten der Beratungsstelle kam 1999 aus Lampertheim. 24 Prozent der Ratsuchenden meldeten sich aus Viernheim, zwölf aus Bürstadt und neun Prozent aus Biblis. Auch die Forbildungsangebote waren sehr gefragt. Seminare in Schulen und Kindertagesstätten beschäftigten sich etwa mit dem Umgang bei Aggressionen, Gewaltprävention, Sexualerziehung, Schutz vor sexuellem Missbrauch und Hyperaktivität.