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Scheidung und Rückzug:
Profile der Vaterschaft während und nach der Ehe

Von Edward Kruk, Ph. D.
Fernwood Publishing - Halifax, Kanada, 1993
- Übersetzt aus einer Reproduktion von: Parental Equality, 54 Middle Abbey Street, Dublin 2, Irland http://www.parentalequality.ie
- Weitere Fundstelle des Beitrags: Kruk, Edward "Psychological and Structural Factors Contributing to the Disengagement of Noncustodial Fathers After Divorce," Family and Conciliation Courts Review 29 (2), 81-101 (Association of Family and Conciliation Courts/ Sage Publications)

Kapitel 5: Zum Rückzug beitragende psychologische und strukturelle Faktoren

1:  Ursachen des Rückzugs

Die meisten zurückgezogenen Väter führten zumeist ein komplexes Gemisch aus Ursachen für den Kontaktverlust mit ihren Kindern nach der Scheidung an und weniger einen einzigen klaren Grund:

Grund

Nennung in Prozent

Absolute Nennung

Umgangsschwierigkeiten 90% 36
Entscheidung des Vaters, den Kontakt zu unterbrechen 33% 13
Praktische Schwierigkeiten (Distanz, Finanzen, Arbeitszeiten) 28% 11
Die Kinder wollen den Kontakt nicht 18% 7
Gerichtliche Aussetzung 16% 6
Früher Kontaktverlust als Hinderungsgrund zukünftiger Kontaktaufnahme   5% 2

Tabelle1: Ursachen des Rückzuges

Schwierigkeiten mit dem Umgang

Am häufigsten genannt (von 36 der 40 zurückgezogenen Väter) wurden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Umgang, wobei viele der Väter die Bedeutung der Unterstützung und des Engagements ihrer Exfrau zur Aufrechterhaltung des Kontaktes und zur Entwicklung einer neuen Elternrolle betonten. Diejenigen Väter, die wenig oder keine Bestätigung ihrer 'Vaterrolle' durch die frühere Ehefrau erhielten, erscheinen als die, die am wahrscheinlichsten aus dem Leben ihrer Kinder verschwinden:

"Das ist genau das, was meine Frau will - sie will mich nicht dabei haben. Und es ist sehr schwierig für mich, weil ich mich immer schuldig fühle und mich frage: 'Hab ich wirklich alles probiert um Umgang zu kriegen?'
Ich weiß, ich habe wirklich alles versucht, und es gibt nicht wirklich etwas, was ich noch tun könnte außer dem, was ich bereits getan habe. Und das Rechtssystem hat meiner Frau erlaubt, ja sie sogar bestärkt darin, den Kontakt zwischen mir und meinem Sohn abzuschneiden. Sie sagen, ich wäre ein Schwein, wenn ich keinen Unterhalt bezahle, aber sie sagen nichts darüber, dass mir der Kontakt zu meinem Sohn nicht erlaubt ist."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Die Weigerung meiner Frau, die Betreuung unseres Sohnens zu teilen, ihre Auffassung von ihm als 'ihrem' Sohn und von ihr selbst als dem einzig legitimen Elternteil ... Meine Frau, die aktiv meinen Kontakt mit meinem Sohn unterbricht, und ihre der Einfluß ihrer Eltern, jede Verbindung mit mir zu kappen ... Meine eigene Unfähigkeit, meinen Sohn nur auf einer sporadischen Basis zu sehen, die nichts ist im Vergleich zu meiner vorherigen Verbindung zu ihm oder zu meinem Verständnis, was es heißt, Vater zu sein. Verbunden mit all dem ist ein schreckliches Bewußtsein von Verlust, Trauer, der totalen Erniedrigung und Entmutigung."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"... Die Spannung und der Konflikt, die Wut, die den gesamten Kontakt zu meiner Frau und den Kindern durchdrang, war unmöglich zu ertragen. Sie war wirklich, wirklich wütend. Immer zitterten ihre Hände, ihre Stimme - Konflikt war das zentrale Element unserer Beziehung. Jeder Kontakt führte zu einem größeren Streit. Verletzende Schreianfälle, in denen wir uns richtig grausame Sachen an den Kopf warfen. Es war ein einziges riesiges Trauma für die Mädchen. Jedesmal dasselbe: Wir stritten und kämpften, ich nahm meine Töchter, brütete den ganzen Nachmittag, brachte sie zurück, und es gab eine weitere große Szene. Meine Töchter bekamen alles mit, sie schrien und heulten. Meine Frau drohte damit, die Polizei zu holen; ich war in blinder Wut.
Letztendlich gab ich auf - es war hoffnungslos. Meine Tochter stand dazwischen, sie war unglücklich, näßte ein.
Du hast das Wohlergehen des Kindes doch im Herzen, das meine Frau als nützliche Waffe gegen mich einsetzte. Sie sah mich als Verursacher des ganzen Schadens, als den zerstörenden Einfluß im Leben meiner Tochter.
Folglich war die Lösung, diesen zerstörerischen Einfluß zu beseitigen. Mir wurde aufgegeben, wegzubleiben; ich sei emotional schädlich für meine Kinder.
Keine Rede jedoch von dem beständigen Flehen meiner Tochter nach ihrem Papa; keine Rede davon, daß meine Frau meiner Tochter erzählt, ich hätte sie verlassen.
Dies sind alles subtile Dinge, die meine Frau niemals, nicht einmal sich selbst, zugeben würde, aber diese Dinge haben zu dem geführt, was jetzt ist.
Nach einiger Zeit, hatte ich Angst vor Kontakt. Meine Frau war vollständig damit zufrieden, dass ich nicht ins Leben meiner Kinder zurückkehre: Das wird zu einer schrecklichen Barriere - du kriegst Angst vor dem Umgang. Nach einiger Zeit richtest du dein Leben neu ein, sie richten ihres ein - es wird leichter, den Status quo zu akzeptieren."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Väter unterbrechen den Kontakt

Die eigene Entscheidung von Vätern, den Kontakt zu ihren Kindern abzubrechen, war verbunden mit dem Mangel an Unterstützung des väterlichen Umgangs durch die Mutter sowie dem Gefühl des Vaters, nicht länger Einfluß und Wert als Vater zu haben.
13 Väter, die dies anführten, sprachen von ihrem überwältigenden  Gefühl des Verlustes, der Niedergeschlagenheit, der Qual, ihre Kinder nur zeitweise um sich zu haben und der Tatsache, dass eine onkelhafte 'Besuchs'-Beziehung in keiner Weise einer 'tatsächlichen Vaterschaft' entsprach und dies möglicherweise den Kindern auch Schaden zufügen würde.
Die eigene Entscheidung der Väter zum Kontaktabbruch waren unabweisbar verknüpft mit ihrer Unfähigkeit, sich an die Bedingungen einer 'Besuchs'-Beziehung anzupassen:

"Das größte Problem ist es, sie nicht zu sehen und nicht wirklich da zu sein, sie nicht aufwachsen zu sehen. Wenn du sie drei oder sechs Monate nicht siehst oder wie auch immer, hast du sechs Monate ihres Lebens verloren. Du hast Dinge verloren wie: 'Papa, der Eiswagen ist da' oder 'Papa, ich muß noch Hausaufgaben machen' und das alles. Und dann hast du Tschüss zu ihnen zu sagen, und das ist richtig zum verzweifeln. Und du fragst dich - ich weiß immer noch nicht, was das beste ist - ich frage mich, ob es nicht besser wäre, sie allein zu lassen und sie ihr Leben leben zu lassen, und es ist die Ratlosigkeit, nicht zu wissen, was das beste für sie ist. Das Gefühl, das du in dir bekommst jedesmal, wenn du weggehst: 'Tu ich das richtige, wenn ich sie sehe, wären sie nicht besser dran, wenn ich sie einfach nicht sehe?' ... Es ist im Grunde nur eine schmerzhafte Beziehung.
Es gibt eine Menge Männer, die sich wirklich um ihre Kinder sorgen, die aber von ihnen weggehen, weil es da zu viel Schmerz auf beiden Seiten gibt. Aber eine Menge Leute erkennen das nicht. Ich war einer von denen, nebenbei bemerkt, die wirklich schlecht über einen Vater dachten, der sein Kind seit Jahren nicht gesehen hat. Die Leute bezeichnen diese Väter ganz offen als gefühlslos, aber ich frage mich manchmal, ob sie sich nicht tatsächlich mehr sorgen, wegen dem damit zusammenhängenden Schmerz. Und der Abschied - jedesmal, wenn du dein Kind hast und dein Kind muss zurück - ist richtig hart, richtig schwierig. Und bevor du sowas nicht durchgemacht hast, kannst du es nicht verstehen. Und insbesondere mit jüngeren Kindern, je schneller ein Elternteil seine Kinder nicht sieht, dann bekommen die Kinder das gar nicht richtig mit, dass ihr Papa nicht da ist. Vielleicht ist es weniger schmerzhaft, denn jedesmal müssen beide, das Kind und das Elternteil Tschüss sagen, praktisch immer unter Tränen. Da ist eine Art Schweigen zwischen uns - es ist wie ein kontinuierlicher Schmerz. Und ich bewundere Männer, die tatsächlich nicht hingehen und ihre Kinder wiedersehen, denn sie minimieren den Schmerz für dieses Kind - weil anders wäre es ein dauernder Schmerz. Für den Vater geht der Schmerz aber nie weg, egal was er tut."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Hauptsächlich, dass ich die Rolle nicht akzeptieren konnte, nur noch ein Besucher im Leben meines Kindes zu sein. Ich war so eingebunden, solange ich mit ihnen lebte, als ein Vater, so daß der Abgrund zwischen lediglich ein Besucher zu sein, der sie ab und zu nahm, und ein Vater zu sein, einfach zu weit zum Überbrücken war für mich. Und ich habe gespürt, dass es unausweichlich zu einer Abneigung ihrerseits darüber kommen würde.
Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, damit fertig zu werden in der Zeit, als ich sie als ein Besucher sah ... und dass ich wahrscheinlich während dieser ganzen Zeit emotional aufgewühlt sein würde in einem solchen Ausmaß, dass sich dies auf sie übertragen würde, und sie dazu bringen würde, nicht mehr mit mir zusammen sein zu wollen."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Andere Ursachen

Elf Väter führten praktische Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Ausübung von Umgangskontakten an, einschließlich Problemen mit der Entfernung, Abholung, Finanzen, Arbeitszeiten oder mangelnde Unterbringungsmöglichkeiten, jeweils aber als zweitrangige Ursache für den Kontaktverlust. Sieben bezogen sich auf einen Mangel an Akzeptanz der Rolle eines nicht-sorgeberechtigten Vaters durch ihre Kinder oder darauf, dass sich ihre Kinder nach der Scheidung zunehmend von ihrem Vater entfernt hätten; sechs führten die Bevorzugung des Rechtssystems gegenüber der alleinigen mütterlichen Sorge sowie eine gerichtliche Verfügung an, die ihnen die Art des Umgangs, den sie wollten, verwehrte; zwei Väter schließlich benannten, dass es ihnen nicht gelungen wäre, den Zustand des verminderten oder nicht vorhandenen Kontaktes zu den Kindern unmittelbar nach der Scheidung zu überwinden.

Natürlich stellt es ein Defizit der vorliegenden Studie dar, dass nur die Aussagen der Väter zum Rückzug zugänglich waren; untermauernde Informationen anderer Mitglieder der geschiedenen Familie waren nicht verfügbar und eine unkritische Zugrundelegung von Selbstaussagen kann problematisch sein, da die Väter dazu tendierten, ihre eigene Rolle im Kontaktverlust zu den Kindern weit zu unterschätzen.

Trotzdem liegt die eigene Interpretation der Väter in bezug auf den Rückzugsprozess, der in der Literatur zuvor nicht untersucht wurde, ihren Erfahrungen zugrunde und ist die Grundlage ihres Verhaltens; aus diesem Grund muß jede Analyse des väterlichen Rückzuges mit den Eigenberichten der Väter beginnen und sich ernsthaft mit ihnen auseinandersetzen.
Es gab in den Daten jedoch viele Anzeichen dafür, dass der väterliche Rückzug ein weit komplexeres Phänomen als lediglich das Ergebnis der Zerstörung des Umgangskontaktes durch die frühere Partnerin ist.

Gegenseitige Abhängigkeit struktureller und psychologischer Faktoren

Eine genauere Untersuchung der dem Rückzugsprozess zugrundeliegenden Dynamik legt nahe, dass zwei Gruppen von Variablen den Grad von Vater-Kind-Kontakten nach der Scheidung bestimmen: strukturelle und psychologische. Der Rückzug des nichtsorgeberechtigten Vaters nach der Scheidung ist ein Ergebnis der Kombination struktureller Beschränkungen und der eigenen psychologischen Reaktion der Väter auf die Erfahrung des Verlustes ihrer Kinder.

Jeder einzelne [Faktor] für sich ist gewöhnlich nicht ausreichend, den Rückzug auszulösen. In Kombination sind sie eine mächtige Kraft, den elterlichen Kontakt nach der Scheidung zu vermindern. Strukturelle und psychologische Faktoren werden zusammen verantwortlich gesehen als kritische beeinflussende Variablen von Scheidung und Rückzug.
Während die Scheidung eine Situation repräsentiert, in der Väter vor Gericht, kulturell und in der Gesetzgebung aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden, ist die psychische Anpassung der Väter an die Folgen der Scheidung der andere kritische Faktor in der Gleichung für den Rückzug.

Ausgeprägte, unbewältigte chronische Trauer

Der Rückzug nichtsorgeberechtigte Väter sollte nicht als mangelndes Interesse an ihren Kindern oder das Ende einer möglicherweise gespannten Vater-Kind-Beziehung während der Ehe interpretiert werden.

Die Trauer zuvor hochbeteiligter (und nun zurückgezogener) Väter wird am meisten hervorgehoben und bleibt unbewältigt: Chronische Trauer ist höchst charakteristisch für diese Gruppe, ein Reflex auf ihre engere Bindung an ihre Kinder vor der Scheidung. Psychologische Faktoren in bezug auf die unbewältigte Trauer des Vaters und sein Unvermögen, sich an die Abwesenheit des Kindes anzupassen, Rollenverlust und die Beschränkung durch die 'Besuchsbeziehung' sind hochsignifikante Faktoren für seinen möglichen Rückzug. Darüberhinaus beeinträchtigt das mangelnde hilfesuchende Verhalten der Väter die Bewältigung der Trauer, die mit den vielfachen Verlusten im Zusammenhang mit der Scheidung einhergehen.

Rollen der Väter nach der Scheidung

Es kann auch nicht angenommen werden, dass die Rollen der Väter nach der Scheidung das Ergebnis ihrer Wahl wäre.
Während der Ehe hochbeteiligte und -gebundene Väter sind höchst verletzlich im Zusammenhang mit strukturellen Einschränkungen und den Auswirkungen der gerichtlichen Regelung von Sorgerecht und Umgangsfestsetzung.
Oftmals sind sie gefangen in einem komplett unlösbaren Dilemma: Sie sind nicht in der Lage, den Gedanken an den Verlust ihrer Kinder zu ertragen, aber ihnen wird wenig Aussicht auf Erfolg gegeben. Obwohl viele das für eine höchst ungünstige Maßnahme halten, den Verlust zu vermeiden (von dem sie glauben, dass er den Kindern ernsten Schaden zufügt), ziehen sie sich doch schrittweise vom Leben ihrer Kinder zurück.

Solche Vätern haben zum Zeitpunkt der Scheidung oft keine Kenntnis von Alternativen bezüglich der Sorgerechts- und Umgangsregelung oder von Sorgerechtsarrangements nach der Scheidung. Sie machen selten ihren rechtlichen Anspruch auf das Sorgerecht geltend, obwohl sie diejenigen sind, die sich zumindest eine teilweise Personensorge für ihre Kinder wünschen. Strukturelle Faktoren, die Grenzen der Vater-Kind-Beziehung nach der Scheidung umreißen und festlegen, sind deshalb ebenfalls signifikante Determinanten für den nachfolgenden Kontaktverlust von Vätern zu ihren Kindern.

Bisher vorhandene Analysen der 'Anpassung nach Scheidung' haben diese dynamische Interaktion zwischen den strukturellen Konsequenzen der Scheidung für nichtsorgeberechtigte Väter und der individuellen psychischen Adaption der Väter an die Konsequenzen der Scheidung übersehen. Das in der Scheidungsforschung vorherrschende Konzept der 'Anpassung nach Scheidung' geht davon aus, dass es die Beteiligten sind, von denen erwartet wird, dass sie mit den Konsequenzen der Scheidung zurecht kommen (sich anpassen); die Notwendigkeit eines fundamentalen Wandels in der gesellschaftlichen Struktur wird nicht in Betracht gezogen.

2: Strukturelle Faktoren

Parteienkonzept im Rechtsstreit

Obwohl  zurückgezogene Väter selbst den antagonistischen Charakter der nachehelichen Beziehung zwischen den ehemaligen Ehepartnern erkennen, die zur Vorenthaltung des Zugangs als dem primären Hindernis für nachehelichen Kindeskontakt führt, lässt sich argumentieren, dass der Rechtsstreit selbst wesentlich zur Verschärfung oder zum Entstehen solcher Konflikte beiträgt.

Väter und das Parteienkonzept im Rechtsstreit

Die allgemeine Wahrnehmung ihrer Anwälte als unterstützend oder behindernd in bezug auf ihre zukünftige Beziehung zu ihren Kindern, als auch die Wahrnehmung des Justizsystems bezüglich dessen Eignung als Forum zur Entscheidung über Sorgerecht und Umgangsarrangements, war zwischen Vätern mit Umgang und zurückgezogenen Vätern unterschiedlich.

Insbesondere zurückgezogene Väter erfuhren das System der Vertretung individueller Rechtsinteressen im traditionellen Zusammenhang des Parteienstreits als die Polarisierung der sich trennenden Partner fördernd.

Gewöhnlich war die direkte Kommunikation zwischen den Ehegatten von den Anwälten beider Seiten untersagt und durch Briefe und Schriftsätze, die von den Anwälten entworfen wurden, ein eher feindseliger Ton in die Auseinandersetzung gebracht worden, der zwar vorgab, die Empfindungen der Klienten auszudrücken, jedoch eine neue Kommunikationsebene zwischen 'Kläger', 'Antragsteller' und 'Beklagtem' etablierte.

"Sie haben schlechte Meinungen zwischen mir und meiner Frau richtig hochgekocht - diese Briefe, die sie uns geschickt haben - einer versuchte, den anderen einzuschüchtern. Meine Frau hat gekocht wegen eines Briefes von meinem Anwalt, von dem ich nichts wußte, und ich war richtig außer mir wegen einem Brief, den ich von ihrem Anwalt bekam. Das ganze wurde zu einem Krieg gemacht."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"... eine Frau geht zu ihrem Anwalt und sagt: 'Schau, ich komme mit diesem Typen nicht klar, ich bin frustriert, mir reicht´s, oder was auch immer, und ihr Anwalt meint dann: ' Was für ein verkommenes Schwein' und dann schreiben sie einen dicken, fetten Schriftsatz, der dem Vater vorwirft, der verkommenste Hurensohn auf dieser Welt zu sein. Und das wird dem Vater präsentiert, der Vater sieht das, aber es sind nicht die Worte seiner Frau, es ist abgefaßt in der Sprache des Anwalts und sie sind nur noch durchgeknallt, wenn sie diesen ganzen Schwachsinn sehen. Also gehen sie zu ihrem Anwalt, der Anwalt liest das und schreibt dann großen Müll zurück. Das ist dann der große Knall, das genau ist es, was es kaputt macht, genau das. Dann ist es nur noch ein großer Krieg ..."

-'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Die haben tatsächlich einen Ton in unsere Beziehung gebracht, wo vorher ein solcher nicht war. Das Parteienprinzip produziert tatsächlich Feindseligkeit, wo ein Kompromiß vielleich möglich gewesen wäre. Das ganze führt dazu, dass man nicht mehr spontan Dinge tun kann, die man in einer normalen Beziehung tun würde - es bringt dich dazu, nicht zu telefonieren, nicht zu schreiben. Wenn du schreibst, ist es über deinen Rechtsanwalt zu ihrem Rechtsanwalt - es macht Kontakt sehr formal, einschließlich dem Kontakt zu den Kindern, was nicht normal ist für eine Beziehung. Es beschränkt Kontakt auf eine bestimmte Zeit, einen Tag oder eine Jahreszeit. Da gibt es keine Spontaneität mehr in der Beziehung. Aber das Schlimmste was es bewirkt ist, es teilt dich in zwei Hälften, und es gibt nichts dazwischen oder eine gemeinsame Grundlage, wo wir normalerweise wären. Du hast praktisch keine Kommunikation mehr mit deiner Frau über die Kinder, weil alles über die Anwälte gefiltert wird."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Ausgehend von den verfügbaren Untersuchungsergebnissen wird deutlich, daß Anwälte an eine Scheidung in der traditionellen Parteinahme herangehen (Eekelar 1984) und annehmen, dass sie als Kämpfer und mit einer 'kämpferischen' Haltung am besten die Interessen ihres Klienten schützen (Murch, 1980); die Annahme, dass sich zwei Scheidungswillige notwendigerweise im Konflikt befinden, ist vorherrschend (ebd .).
Im Gegensatz dazu berichtet eine großer Anteil dier Väter in der vorliegenden Studie nicht von einer konfliktgeladenen Ausgangslage zum Zeitpunkt der Trennung vor der Rechtsberatung und ein Drittel der Väter, die sich eine wenigstens teilweise Personensorge für ihre Kinder wünschten, berichteten nicht von einer übermäßigen Meinungsverschiedenheit unter den Eheleuten bezüglich dieser Sache zu der Zeit. Diese Väter glaubten, dass die Möglichkeit einer geteilten Personensorge zum Zeitpunkt der Trennung eindeutig existiert hat:

"... wir hatten ursprünglich eine Übereinkunft über das gemeinsame Sorgerecht und es war das Rechtssystem, was sie in Fetzen gerissen hat, es hat sie zerstört. Wir waren uns vorher einig, und dann passierte das - das Rechtssystem hat eingegriffen."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Die gemeinsame Sorge war eine sehr reale Möglichkeit in meinen Gedanken damals. Mir scheint jetzt, dass weil ich auf meinen Anwalt gehört habe und darauf eingegangen bin, meiner Frau die alleinige Sorge zu überlassen, dass ich dadurch meine zukünftige Bindung zu meiner Tochter verspielt habe. Mein Anwalt hat immer wieder behauptet, es sei das Wichtigste, die Übereinkunft bezüglich des Güterausgleichs leichter zu machen - und deshalb müsste ich dem alleinigen Sorgerecht meiner Frau zustimmen ... In Wirklichkeit habe ich die Sorge einem Güterausgleich geopfert."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Kinder als Schachfiguren im Scheidungskrieg

Viele zurückgezogene Väter gaben an, sich von dem Parteienstreit im Rechtssystem eingeschüchtert gefühlt zu haben und sie waren sich der Gefahren dieses Parteienstreits für das Wohl ihrer Kinder bewusst, ein weiterer signifikanter Faktor zu ihrem Entschluß, das Sorgerecht nicht gerichtlich durchzufechten.

Die Väter begriffen die Scheidungsschlacht  als ein Angriff-Verteidigungs-Muster, um den Richter zu beeindrucken, wobei in ihrem Versuch, die Kinder für sich zu "gewinnen", von beiden Seiten akribisch Rechenschaft über jede Missachtung, jeden Missbrauch und sonstige Grausamkeiten gelegt wurde. Viele sahen die Auseinandersetzungen um das Sorgerecht als wahrscheinlich verletzender für die Kinder (und früheren Ehepartner) an, als dass sie die Entwicklung einer bedeutenden nachehelichen Beziehung zu ihren Kindern befördert hätte; in der Tat war ihre entscheidende Sorge, daß die Kinder als 'Bauernopfer' und 'Waffen' im Scheidungs'krieg' herhalten müssten, und sich dies nach dem Sorgerechtsprozeß fortsetzte:

"Die Art wie die Anwälte kämpfen - Auge um Auge die ganze Zeit. Es wird zu einer Schlacht gemacht; es ist Schachern um ein menschliches Leben. Es wird noch übler dadurch, dass das Gesetz in Sachen Sorgerecht zur Mutter neigt. Die Mutter sagt: 'das Gesetz ist auf meiner Seite', und ich als Vater bin gezwungen zu kämpfen, obwohl ich das gar nicht will ..."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Meine Frau und ich hatten überhaupt keine Gelegenheit, unsere Situation von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren - alles hat sich zwischen den Anwälten verflüchtigt. Meine Frau entschloß sich, die Alleinsorge durch das Gericht zu kriegen und mein Anwalt meinte, ich müsse eine 'kämpferische' Haltung an den Tag legen. Meine Frau hat bestimmt ihren Anwalt zu dieser Art angehalten und das führte zu einer sehr zugespitzten Situation. Meine Frau hielt mich von meinen Kindern fern und nach zwei oder drei Monaten, als ich meine Kinder endlich sah, hatten sie Angst, als sie mich sahen und kamen nur ziemlich widerwillig mit mir. Der Anwalt meiner Frau hat das später vor Gericht gegen mich verwendet."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Ich versuchte weiterhin zu einer Schlichtung zu kommen, hauptsächlich indem ich versuchte, geduldig zu sein, geduldig zu bleiben in meiner totalen Trostlosigkeit. Ich konnte mich auf keine Art positiv verhalten - ich hatte mein Leiden auszuhalten, mit Anstand. Alles, was ich hätte unternehmen können - Michael mit nach Hause zu nehmen gegen den Willen meiner Frau, einen Anwalt einzuschalten, vor Gericht einen Krieg ums Sorgerecht zu führen - all das hielt ich für gewalttätig und ich konnte es ethisch nicht verantworten. Ich dachte nur daran, irgendwie meine Unversehrtheit zu erhalten und alles auf die richtige Art zu ertragen - obwohl ich zugebe, ich habe vor Gericht eine lächerliche Figur abgegeben."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Viele zurückgezogene Väter hielten die Auseinandersetzung um das Sorgerecht - und die gerichtliche Auseinandersetzung überhaupt - für ein höchst konfliktreiches Mittel, das das Ergebnis nicht rechtfertigte, das sie suchten. Solche Väter beschrieben sich als eng mit ihren Kindern verbunden und sorgten sich in erster Linie um die möglicherweise schädigenden Auswirkungen eines Rechtsstreits auf  ihre Kinder.
Diese Väter hat der Verzicht auf Rechtsstreit jedenfalls im weiteren ihren ständigen Kontakt zu ihren Kindern gekostet, da der Grad der Feindseligkeit zwischen den Ehepartnern sich derart entwickelte, dass Verhandlungen effektiv unmöglich geworden waren.

Gefühle der Machtlosigkeit und ungerechten Behandlung

Gefühle der Machtlosigkeit und der ungerechten Behandlung waren unter denjenigen zurückgezogenen Vätern vorherrschend, die in der Zeit der gerichtlichen Auseinandersetzung versuchten, ihre vorher existierende Bindung mit ihren Kindern zu erhalten, ohne jedoch juristische Mittel einzusetzen, die sie für nicht geeignet hielten, das Sorgerecht zu 'gewinnen'. Ihre Anwälte (oder die Anwälte ihrer Ex-Frauen) nahmen dennoch gegnerische Positionen in den stattfindenden Verhandlungen ein. Eingebunden in einen Parteienstreit, ohne solche Mittel einsetzen zu wollen, mit denen man das Sorgerecht 'gewinnt', wurde solchen Vätern, die ihren starken Wunsch nach einer geteilten nachehelichen Personensorge äußerten, mit Misstrauen begegnet. Man unterstellte ihnen, die Last der gesamten oder geteilten Sorge nicht wirklich tragen zu wollen, sondern übergeordnete Motive für eine solche 'Drohung' oder einen solchen 'Bluff' zu haben.
In Wirklichkeit waren sie aufgrund ihrer vorbestehenden Eingebundenheit und Bindung an ihre Kinder nicht in der Lage, einen öffentlichen 'Kampf' zu wagen, den sie als schädlich für ihre Kinder hielten. Ihre Weigerung, solche Mittel einzusetzen, trug zum Kontaktverlust zu ihren Kindern bei.

Väter und die 'Scheidungsindustrie'

Zurückgezogene Väter sahen ihre Anwälte (und die juristische 'Scheidungsindustrie') als mit einem gesteigerten Interesse des finanziellen Profits an der Fortführung des Konflikts ausgestattet und deshalb den Möglichkeiten einer Schlichtung oder eines gütlichen Vergleichs durch Mediation weniger zugetan. Die Väter beschrieben die taktischen Manöver ihrer Anwälte zur Zuspitzung und Fortsetzung des Konfliktes zwischen den ehemaligen Partnern als manipulativ und geeignet, aus dem Zusammenbruch der familiären Beziehungen ihrer Klienten Kapital zu schlagen.

Diese Väter ärgerten sich über ihre ausufernde Abhängigkeit von ihren Anwälten und dem Rechtssystem. Sie fühlten sich dem rechtlichen Verfahren 'ausgeliefert', insofern sie das Vertrauen in ihre Ex-Frauen verloren hatten, sich verletzlich in Beziehung auf die zukünftige Bindung zu ihren Kindern sahen und den speziellen Schutz eines Anwalts benötigten. Dieser Vertrauensverlust zwischen den Ehepartnern und die Gefühle der Verletzlichkeit wurden von den Vätern als vorsätzlich in die Wege geleitet wahrgenommen, von ihren Anwälten und den Rahmenbedingungen eines Rechtssystems, das solch eine Abhänigkeit aktiv fördert. In diesem Kontext sprachen die Väter von der Langsamkeit und der ständigen Verzögerung durch den juristischen Apparat und den unnötigerweise hohen Kosten rechtlicher Auseinandersetzungen.

" ... das Gesetz arbeitet so langsam, aber Gefühlsdinge sollten doch so schnell wie möglich gelöst werden, wenn es denn ein ausgewogenes Ergebnis haben soll. Es dauerte zum Beispiel sechs Wochen, den Umstand eines nicht vorhandenen Umgangs vor Gericht zu bringen, weitere drei Wochen bis zur Entscheidung - insgesamt neun Wochen ohne Umgang waren vergangen. Das Gesetz verzögert Dinge genauso wie es die Meinungen der Eltern polarisiert." [Anmerkung paPPa.com: Das sind eigentlich paradiesische Zustände, man merkt, dass die Studie nicht in Deutschland gemacht wurde. Hier dauert es nicht neun Wochen, sondern regelmäßig eher neun Monate bis zu mehreren Jahren ...]

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Schließlich betonten zurückgezogene Väter, dass der Einsatz von legalen, im Rechtsstreit geeigneten Taktiken in hohem Maß schädigend sein können, wenn sie intensiv auf  Angelegenheiten angewendet werden, die sich aus emotionalen Schwierigkeiten in familiären Beziehungen ergeben. Das Justizsystem wurde deshalb von allen zurückgezogenen Vätern als ungeeignetes Forum zur Lösung von Sorgerechts- und Umgangsfragen aufgefaßt.

"Das ganze Justizsystem ist total barbarisch - es ist nicht im geringsten am Kindeswohl interessiert, wie ich vor Gericht erfahren habe. Es dient nur dazu, eine Entscheidung zustande zu bringen - dazu sind sie da, aber unqualifiziert, eine Entscheidung zu fällen und öfter fällen sie falsche Entscheidungen als richtige. Sie können die familiären Umstände nicht kennen, ohne jemals ein Familienmitglied zu Rate gezogen zu haben. Es ist ausschließlich die Entscheidung des Richters - und das ist für mich eine Farce."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Feindseligkeit der Mutter gegenüber dem nachehelichen Vater-Kind-Kontakt

Umgangsverweigerung durch den früheren Partner wurde von den Vätern primär für den Kontaktverlust zu ihren Kindern verantwortlich gemacht. Deutlich ist, dass ,je weniger unterstützend eine sorgeberechtigte Mutter gegenüber dem väterlichen Umgang ist, die Wahrscheinlichkeit von Umgangsproblemen und des eventuellen Rückzugs des Vaters steigt. Der Ursache der mütterlichen Feindseligkeit gegenüber nachehelichen Vater-Kind-Kontakten bekommt deshalb große Bedeutung zu.

Feindseligkeit zwischen den Partnern nach der Scheidung ist nicht notwendigerweise in erster Linie von Mustern vor der Scheidung bestimmt. Während Misstrauen und Verärgerung in verschiedenen Graden bis zur Scheidung allgemein vorhanden sind, kann ein intensivierter Konflikt während und nach der Scheidung direkt auf den einwirkenden Rechtsstreit zurückgeführt werden.
Väter machten häufig ihre Anwälte und das Justizsystem für die Zuspitzung und Schaffung von Kinflikten zwischen den Ehepartnern verantwortlich.

Viele Väter machten ursprünglich Versuche, Fragen der Sorge und des Umgangs direkt mit ihren Frauen zu besprechen, wurden aber (wie ihre Frauen) von ihren Anwälten davon abgehalten, direkt zu kommunizieren und angehalten, über die Anwälte zu verhandeln. Verhandlungen, in denen Anwälte als Vermittler fungierten, dauerten typischerweise mehrere Monate, viele einige Jahre, während derer eine Atmosphäre von Konkurrenz, Furcht und Mißtrauen vorherrschte über etwas, wo in manchen Fällen zum Zeitpunkt der Scheidung in Sachen der nachehelichen Regelungen für die Kinder eine Stimmung von Kooperation (trotz Meinungsverschiedenheiten) bestand.

Das Parteienkonzept im Rechtsstreit, in dem Verhandlungen zwischen Anwälten oder gerichtliche Eingriffe stattfinden, macht es in hohem Maße unwahrscheinlich, daß eine freundschaftliche und kooperative Stimmung die Scheidung überleben wird. Das Endergebnis eines Verhandlungsrahmens, der die Parteien zur Einnahme extremer Positionen zwingt, ist ein schwerer Konflikt.

Um den Einfluß von rechtlichen Auseinandersetzungen hinsichtlich der Zuspitzung und Schaffung von Partnerkonflikten zu untersuchen, wurde der Konfliktgrad der Ehepartner zum Zeitpunkt der Trennung (vor Inanspruchnahme von Rechtsmitteln) verglichen mit dem nachehelichen Grad der Freundlichkeit zwischen den früheren Partnern (nachdem Rechtsmittel ihre größten Auswirkungen gezeigt hatten). Es wurde keine Korrelation zwischen dem Grad des zwischenpartnerschaftlichen Konfliktes zum Zeitpunkt der Trennung und der Stimmung beim nachehelichen Kontakt zwischen den Ex-Partnern gefunden; dies bedeutet, die Wahrscheinlichkeit eines freundlichen oder unfreundlichen nachehelichen Kontaktes beruhte nicht auf dem Grad des Konfliktes zwischen den Ehepartnern zum Zeitpunkt der Scheidung - was die die Anwesenheit von vermittelnd wirkenden Faktoren in der Zeit während der Scheidung annehmen lässt, die die Ausprägung der nachfolgenden Beziehung beeinflussen.

Konfliktfördernde Faktoren

Es gab ebenfalls keine Verbindung zwischen dem Konfliktgrad zwischen den Partnern zum Zeitpunkt der Scheidung (Trennung) und dem nachfolgenden Vater-Kind-Kontakt: Partnerkonflikte zum Zeitpunkt der Trennung führten nicht notwendigerweise zum väterlichen Rückzug. Die Beziehung zwischen väterlichem Kontakt und dem Konfliktgrad zwischen den Partnern nach der Scheidung hat sich jedoch als hochrelevant erwiesen (p < .001): nachehelicher Konflikt, nicht aber Konflikt vor der Trennung, war mit dem Rückzug der nichtsorgeberechtigten Väter von ihren Kindern in Zusmmenhang zu bringen. Dies führt ebenfalls zu der Annahme, dass vermittelnde Faktoren während der Scheidung zur Herstellung eines elterlichen Konfliktgrades am Werk sind, der stark genug ist, zu Umgangsproblemen für nichtsorgeberechtigte Väter zu führen, gefolgt von eventuellem Kontaktverlust.

Der Rechtsstreit und verzerrte Wahrnehmungen

Bezeichnenderweise beschreiben die meisten zurückgezogenen Väter, dass ihre Ex-Frauen während der Ehe an die Fähigkeit des Vaters, ein effektives Elternteil zu sein geglaubt, Zutrauen gehabt und allgemeines Einverständnis mit den väterlichen Kindeserziehungspraktiken gezeigt haben. Meinungsverschiedenheiten über kindbezogene Angelegenheiten während der Ehe wurden als relativ selten bezeichnet. Der Umstand, dass an einer Scheidung in der großen Mehrzahl der Fälle zwei geeignete und liebenden Eltern beteiligt sind, könnte als Basis dafür herangezogen werden, positive gemeinsame elterliche Beziehung nach der Scheidung zu entwickeln. Im Gegensatz dazu werden innerhalb des Rechtsstreits frühere Partner dazu gebracht, den relativen Beitrag des anderen zu entwerten und der sorgeberechtigte Elternteil dazu, zu handeln, als ob der Kontakt mit dem nichtsorgeberechtigten Elternteil für das Kind nicht wichtig wäre. Die verzerrte Wahrnehmung des früheren Partners scheint in der Tat ein regelmäßiges Ergebnis der juristischen Art der Lösung von Sorgerechts- und Umgangsproblemen zu sein. Bis zu dem Zeitpunkt der rechtlichen Auseinandersetzung hat jedes Elternteil das andere als notwendig für das Leben des Kindes erachtet; der während der rechtlichen Auseinandersetzung angenommene gegenteilige Standpunkt trägt zu einem dramatischen Wechsel in dieser Wahrnehmung bei.

Entscheidung über das Sorgerecht für die Kinder

Traditionelle Umgangsfestsetzungen wurden von denjenigen zurückgezogenen Vätern, die sich vor der Scheidung als hochgebunden an ihre Kinder erfuhren, als vollständig unangemessen bezeichnet.  Zur Scheidung wollte die große Mehrheit dieser Väter zumindest die teilweise Personensorge für ihre Kinder; sie beschrieben ihr derzeitiges nur rechtliches Sorgerecht und die Umgangsfestsetzung als furchtbar ungenügend - die Hauptsache für diese Väter war nicht das rechtliche Sorgerecht und der Umgang an sich; sie waren vielmehr in erster Linie darüber besorgt, ihren Kindern eine tragfähige nacheheliche Bindung in Form von regelmäßigen und häufigen persönlichen Kontakten zu erhalten.

Unter den zurückgezogenen Vätern bestand eine weitverbreitete Sehnsucht nach ihren Kindern, mit denen sie nun nicht mehr in Kontakt standen. Alle vierzig zurückgezogenen Väter zeigten den Wunsch nach 'sehr viel mehr' Kontakt mit ihren Kindern: 

 

Väter mit Kontakt

zurückgezogene Väter Väter insgesamt
  Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl
sehr viel mehr Kontakt   40 % 16 100 % 40 70 % 56
mehr Kontakt   28 % 11 --- --- 14 % 11
genau richtig   30 % 12 --- --- 15 % 12
etwas weniger Kontakt     2 % 1 --- --- 1 % 1
insgesamt 100 % 40 100 % 40 100 % 80

Tabelle 2: gewünschter Grad nachehelichen väterlicher Kontaktes mit den Kindern

Die vorhandene Scheidungsliteratur enthält wenig empirische Daten hinsichtlich dem von Vätern gewünschten Umfang nach nachehelichem Kontakt zu ihren Kindern. Sie enthält oft die Annahme, dass Väter die Sorge für ihre Kinder einfach nicht wollen würden und erklärt den Rückzug der Väter in erster Linie als Mangel an Interesse (Eekelar & Clive, 1977). Die Ergebnisse der vorliegenden Studie legen etwas Anderes nahe: Die große Mehrheit der nichtsorgeberechtigten Väter hielten die traditionellen gerichtlichen Umgangsfestsetzungen für unzureichend und wollten zumindest die teilweise Personensorge für ihre Kinder. Dies traf insbesondere für die zurückgezogenen Väter zu: Die Unzufriedenheit mit der bestehenden rechtlichen Sorge und den Umgangsfestsetzungen, wie auch mit den tatsächlich bestehenden Regelungen, war unter denjenigen nichtsorgeberechtigten Vätern am größten, die zuvor einen relativ hohen Grad an Einbeziehung, Bindung und Einfluß genossen und nachfolgend den gesamten Kontakt zu ihren Kindern verloren.

Die Diskrepanz zwischen dem Wunsch der Väter bezüglich Sorge und Umgang und den tatsächlichen nachehelichen Regelungen ist hervorstechend. 79 Prozent der jetzt nichtsorgeberechtigten Väter und 88 Prozent der jetzt zurückgezogenen Väter in der Gruppe erklärten, dass sie zum Zeitpunkt der Scheidung eine Regelung bevorzugt hätten, mit der ihre Kinder wenigstens zeitweise mit ihnen zusammen leben konnten, inklusive Übernachtungen. Deutlich ist, dass keiner der Väter, die das Sorgerecht vor Gericht beantragten und eine gerichtliche Entscheidung erzwangen (15 von 80 Vätern), nichts von dem erreichten, was sie wollten; es traten mächtige verändernde Faktoren auf zwischen den zum Zeitpunkt der Scheidung geäußerten Wünschen der Väter und dem Endergebnis der väterlichen Nichtsorgeberechtigung, und zwischen diesen Wünschen und der nachfolgenden Untätigkeit des Vaters bezüglich der Beantragung des Sorgerechts.

Entmutigende Rechtsberatung

Die Rolle der Anwälte war für die Umsetzung der Wünsche der Väter, für das, was sie über das Rechtssystem erreichen konnten, ausschlaggebend. Die Anwälte nahmen eine Schlüsselrolle ein, indem sie die Väter überredeten, das Sorgerecht nicht zu verfolgen oder ihre Wünsche hinsichtlich des nachehelichen Umgangs mit ihren Kindern zu reduzieren. In 55 % der Fälle entmutigten die Anwälte die Väter, das Sorgerecht zu verfolgen; nur 12 % stimmten zu und ermutigten sie. Vätern wurde immer wieder gesagt, dass die 'traditionelle' Regelung des 14-tägigen Umgangs einen 'großzügigen' Umgangsumfang darstelle.

In einem Umfeld, das im Wesentlichen aufgrund von Präzedenzfällen Entscheidungen fällt, war es angezeigt und bequem, das zu empfehlen, was zuvor erfolgreich war; die Vorgabe der mütterlichen Sorge und des zweimaligen monatlichen Umgangs des Vaters ist in den Augen von Anwälten und Richtern nicht nur üblich geworden, sondern irgendwie entwicklungspsychologisch und moralisch korrekt (Felner et al, 1985). Vätern, die das Sorgerecht für ihre Kinder oder offenen Umgang haben wollen, wird mit Mißtrauen begegnet; Mütter, die sich mit solchen Vätern einigen wollen, wird empfohlen, 'nicht zuviel aufzugeben' (ebd.). Für nichtsorgeberechtigte Väter hat sich so das Umgangsprofil des 'Besuchs' ihrer Kinder auf einer wöchentlichen oder vierzehntägigen Basis - als Optimum zwei von vierzehn Tagen - durchgesetzt, trotz der starken "Unbefriedigung" der Väter mit den begrenzten Möglichkeiten eines solchen Umgangskontaktes, trotz der Sehnsucht der Kinder nach mehr Kontakt mit ihren Vätern und trotz der von den Müttern oft als überwältigend empfundenenen alleinigen nachehelichen Verantwortlichkeit für ihre Kinder.

Anwälte spielen eine zentrale Rolle, indem sie ihre Klienten mit den Grundsätzen der Gesetzgebung und des Rechtsweges vertraut machen, sie in der Entscheidung darüber unterstützen, was sie beantragen wollen und für sie die Aussichten zu umreißen, was sie erreichen können. Sobald der anwaltliche Rat hinsichtlich des nachehelichen Kontaktes entmutigend ausfällt, ist zu erwarten, dass die Väter ihre Erwartungen zurückschrauben. Wenn die Aussicht die ist, dass das Beste, was die Väter erhoffen können, der eingeschränkte Umgang ist, werden diese Aussichten die Grenzen setzen für das, was die Väter anstreben - und womit sie sich abfinden. Ausgehend davon, dass die meisten Sorgerechts- und Umgangsregelungen das Gericht als vollendete Tatsache erreichen, ist die Art, wie die Anwälte ihre Klienten beraten, eine wichtige Determinante für die endgültige Struktur der Regelungen. Was die Anwälte raten, geht von dem aus, was das Gericht ihrer Einschätzung nach akzeptiert ('feilschen im Schatten des Gesetzes'). Die Mehrheit der Väter, die mit dem ausdrücklichen Rat ihrer Anwälte bezüglich mütterlicher Sorge und väterlichen eingeschränkten Umgangs konfrontiert und aufgrund von Präzedenzurteilen überzeugt werden, dass sie eine begrenzte Erfolgsaussicht vor Gericht besitzen, akzeptieren letzten Endes das vorherrschende Muster des vierzehntägigen 'Besuchs':

"Ich hatte den Eindruck, es sei kein Problem, Umgang zu bekommen, dass ich Andrew am Wochenende zu mir bekommen würde und so - aber es hat sich nicht so entwickelt. Er sagte mir auch, dass ich das mit der Sorge vergessen und mich nur auf das Umgangsrecht konzentrieren solle. Jetzt weiß ich, dass das falsch war."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Der Anwalt riet mir, der Mutter das vorläufige Sorgerecht zu überlassen und mir keine Gedanken darüber zu machen und nicht dagegen anzugehen. Damals wusste ich tatsächlich noch nicht, dass wenn man von Sorgerecht spricht, nichts 'vorläufig' ist - alles was 'vorläufig' ist, bdeutet, dass es für alle Ewigkeit ist. Das wusste ich damals nicht."

-'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Zu Beginn einer Trennung sollte es eher eine Stelle geben irgendwo, wo man hingeht und versucht, eine Verbindung zu retten, als dass man Anwälte aufsucht, um gesagt zu bekommen, was Du erreichen wirst und was nicht in einer Scheidung. Das Rechtssystem läßt Dinge geschehen, die niemals geschehen dürften - es verlangt keinerlei Anstrengung, weder vom Ehemann noch von der Ehefrau. Es wird Dir als das Einfachste präsentiert, als die einzige Alternative. Den Vätern wird erzählt, dass sie den Gedanken an eine Sorge bloß aufgeben sollen - da gibt es nichts, was Väter wirklich tun können - und den Mütter wird erzählt, sie bekämen alles, sie hätten einen Anspruch darauf und ihr Anwalt würde das alles für sie durchsetzen. Bei Vätern kommt das Gefühl der Resignation auf, sobald der Anwalt ihnen erzählt, sie hätten keine Chance, ihre Bindung zu den Kindern aufrecht zu erhalten, die sie vor der Trennung hatten und alle möglichen anderen Leute - die Gesellschaft insgesamt - unterstützt diese Sicht der Dinge. Das gewinnt die totale Macht über Dich im Lauf der Zeit, wenn die Väter begreifen, dass die ganze Lage hoffnungslos ist. Und man läßt sie im Gefühl kompletter Hilflosigkeit allein."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Durch das Durchspielen von Sorgerechtsangelegenheiten auf der Basis der Vorwegnahme dessen, was geschehen würde, sollte die Sache vor Gericht verhandelt werden, bestätigen die Anwälte den (wahrgenommenen) gerichtlichen Vorzug der mütterlichen Sorge: Die Unterlassung des Antrages aus der Annahme eines Vorurteils heraus wird zu einer self-fulfilling prophecy [sich selbst bestätigenden Vorhersage] und verfestigt so den Status quo. Das Gefühl, dass Väter hinsichtlich des Sorgerechts für ihre Kinder vor Gericht ernsthaft benachteiligt sind, ist weit verbreitet:

"... Sie halten einem Mann nicht die Möglichkeit zugute, dass er ein gutes Elternteil sein könnte. Sie schauen Dich an, als ob du irgendwas falsch machst, als ob du der Schuldige wärst. Anwälte und Richter sind  die Hauptursache der Probleme, die Männer und Kinder haben, wenn es darauf hinausläuft, dass Männer und Kinder nicht das Recht haben, ihre Beziehung aufrechtzuerhalten. Und sie unterstützen die Frauen, wenn die vorhaben, diese Beziehung zu zerbrechen - sie fördern die Wut und Bitterkeit der Frau und sie fördern die Zerstörung der Vater-Kind-Beziehung. Vor der Trennung hatte ich an das Rechtssystem geglaubt. Ich bin da durchgegangen, und jetzt habe ich jegliches Vertrauen zum System verloren. Ich glaube an die Wahrheit, und ich konnte nicht glauben, wie verlogen dieses ganze Rechtssystem ist."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Der Vorrang der Mutter

Wenn ein Vater den Rat seines Anwaltes nicht akzeptiert und versucht, die traditionellen Sorgerechts- und Umgangsregelungen in Frage zu stellen, wie es mit einer Anzahl von Vätern in der vorliegenden Studie der Fall war, wird sein Anwalt möglicherweise die Antragstellung und die weitere Vertretung seines Mandanten verweigern oder das Anliegen des Vaters wird nicht mit dem notwendigen Nachdruck vertreten, falls sich der Anwalt auf einen Sorgerechtsstreit 'einlässt' . Die Schwierigkeit, rechtliche Vertretung für einen Fall zu bekommen, dessen Erfolgsaussichten gering sind, ist endemisch für Scheidungsväter, wobei private Prozessparteien von unerschwinglichen Rechtskosten abgehalten werden können (Parkinson, 1987).

Wenn um das Sorgerecht gestritten wird, wie es bei 15 Männern der Studie der Fall war, werden Väter und ihre Anwälte mit einer Justiz konfrontiert, die im Endeffekt gemäß dem Vorrang der Mutter handelt, trotz des geschlechtsneutralen Grundsatzes des 'Kindeswohls'. Die zentrale Frage bei strittigen Sorgerechtsfällen unter der Rubrik 'Kindeswohl' ist vor allen anderen Faktoren eine ausreichende Eignung der Mutter. Das Ergebnis strittiger Fälle ist, unabhängig davon, wo die Kinder zum Zeitpunkt der Verhandlung lebten bzw. wie die Beteiligung an der Betreuung der Kinder vor der Trennung ausgesehen hat, in der großen Mehrheit der Fälle eine Entscheidung für die Sorge durch die Mutter. Die strittigen Fälle definieren die Normen der Rechtsprechung, sie bilden die Basis einer Rechtsprechung, auf der die Beratung der Väter beruht.

Die gerichtlichen Sorgerechtsentscheidungen, die die Art und Weise der Beratung der Väter durch ihre Anwälte beeinflussen, stellen sich als weitgehend auf der Annahme beruhend heraus, der Vater habe für das Leben der Kinder erst in zweiter Linie Bedeutung, außer auf einem Gebiet, dem finanziellen; die Beschaffenheit der Vater-Kind-Beziehung vor der Scheidung scheint kein signifikantes Kriterium im Zustandekommen der gerichtlichen Entscheidung darzustellen. Die Zielrichtung von Anwälten scheint für Scheidungsväter kaum abzuweichen; fast ausschließlich wurde den an der Studie beteiligten Vätern die Sorge für die Mutter mit eingeschränktem väterlichem Zugang zu den Kindern empfohlen. Da in der tatsächlichen Rechtsberatung der Väter in Sachen Sorge- und Umgangsregelung durch die Anwälte kein Unterschied hinsichtlich der hocheingebundenen und eher am Rande beteiligten Väter gemacht wurde, obwohl diese Heterogenität der Vatrerolle innerhalb der Familien vorliegt, war folglich das Ergebnis hinsichtlich der Zufriedenheit mit den getroffenen Sorge- und Umgangsentscheidungen und dem Ausmaß des nachehelichen Kontaktes mit ihren Kindern für beide Gruppen radikal verschieden. Die Verantwortung für das armselige Resultat für diejenigen Väter, die während der Ehe relativ hochbeteiligt und an ihre Kinder hochgebunden waren, kann einzig dem Umstand dieser gleichförmigen Herangehensweise unter den Anwälten und der mangelnden Flexibilität gerichtlicher Sorgerechts- und Umgangsentscheidungen gegenüber Vätern mit gewaltig unterschiedlichen Verhaltensmustern und Erfahrungen von Vaterschaft zugeschrieben werden. Obwohl eine solche Heterogenität einen homogenen Ansatz verbietet, strukturiert die juristische Entscheidungsfindung, gebunden an Präzedenzentscheidungen, nacheheliche Beziehungen gemäß weitgehend vorgeprägten Rollenverständnissen in einer Weise, die sicherstellt, dass die gängige Auffassung von 'Mutterschaft' und 'Vaterschaft' gewahrt bleibt.

Wie in Kapitel 2 dargestellt, hat der Staat ein starkes Interesse in der Erhaltung des gängigen Arbeits- und Familien-Rollenverhaltens. Bei der Scheidung spielt das Rechtssystem eine zentrale Rolle bei der Beschneidung von Sorge- und Umgangsmöglichkeiten, der Sanktionierung und Legitimierung traditioneller Strukturen und Beziehungen und der fortgesetzten geschlechtsspezifischen Rollenaufteilung innerhalb der Nachscheidungsfamilie. Die gängige Auffassung von 'Mutterschaft' und 'Vaterschaft' erscheint deutlich: Der Vater bleibt für die wirtschaftliche Unterstützung der Kinder verantwortlich, die Mutter für die Sorge. Daraus wird ein Entscheidungsmuster erkennbar, das den Vorrang der Mutter rechtfertigt und verstärkt; diese durch Rechtsperchung gebildete Präferenz hat sich als genau so wirksam erwiesen wie ein Gesetzeserlaß (Weitzmann, 1985; Foote, 1988).

3: Psychologische Faktoren

Trauervorgang

Die Intensität der Vater-Kind-Bindung vor der Scheidung und ihre Wechselwirkungen sind von überaus entscheidender Bedeutung für das Ergebnis des Trauerprozesses beim nichtsorgeberechtigten Vater. Die vor der Scheidung am höchsten beteiligten und an ihre Kinder am höchsten gebundenen Väter sind diejenigen, die die negativen Auswirkungen des Verlustes oder der Abwesenheit ihrer Kinder am Schärfsten erfahren und sie sind die Gruppe, die das größte Risiko haben, den Kontakt zu ihren Kindern in Folge der Scheidung zu verlieren.

Mit einer verwirrenden Intensität schildern zurückgezogene Väter in der Gruppe, an ihre Kinder emotional auf intime und starke Art gebunden zu sein und definieren ihre Vaterschaftsrolle als zentrale Komponente ihrer Identität:

"Die Definitionen von Vaterschaft sind furchtbar unterschiedlich, aber ich persönlich würde sie mit 'Elternschaft' gleichsetzen: die völlige Hingabe an sein Kind, die größte Verantwortung im Leben, eine Kombination von Nestwärme geben, zu Autonomie und Initiative innerhalb bestimmter Grenzen ermutigen. Es bedeutet, die Voraussetzungen zu schaffen, die es dem Kind erlauben, zu wachsen und sein Potential zu einem Maximum zu entwickeln."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Es ist eine Art zu leben - Aufzustehen mit den Kindern, mit ihnen zu essen, zusammen Arbeiten zu erledigen, mit ihnen zu lesen, sie zu umarmen, sie ins Bett zu bringen, ihre Ängste zu teilen und an ihren Vergnügen Freude zu haben - mit ihnen zu leben."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Zur chronischen Trauer zurückgezogener Väter trägt der Umstand bei, dass, obwohl ein ausgeprägter Verlust eingetreten ist, das Objekt ihrer Trauer sehr wohl lebendig ist. Der Trauerprozess kommt zu keinem Ende, da die Endgültigkeit des Todes fehlt. Das vorherrschende Charakteristikum der andauernden Trauer zurückgezogener Väter ist ein durchdringendes Gefühl von Abwesenheit, Verlust und Traurigkeit; am häufigsten werden depressive Symptome in der Beschreibung der nachehelichen Beziehung zu ihren Kindern genannt:

"Ich denke jeden Tag an sie, so gut wie ständig, obwohl ich sie nie sehe. Ich spüre, dass ich andauernd auf der Suche nach meinen Kindern bin, manchmal glaube ich, ich sehe ihre Gesichter in den Gesichtern anderer Kinder. Es ist eine verzweifelte Art Sehnsucht."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Ich habe einen konstanten stechenden Schmerz in meiner Brust; da ist diese Anspannung, der Schlafmangel, beständige Sorgen ... Ich bin in Gedanken vollständig bei meinem Sohn, die meiste Zeit verbringe ich damit, zu versuchen, nicht an das zu denken, was passiert ist. Aber hauptsächlich ist es ein Gefühl von Traurigkeit, Leere, eine Art Dunkelheit."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Für mich ist es unmöglich, damit fertigzuwerden. Ein großer Teil meines Lebens, das ich hatte - und wofür ich lebte -, es wurde mir weggenommen, einfach so. Ich empfinde eine tiefe Lücke in meinem Leben, die ich nicht füllen kann. Ich spüre, dass ich, je weniger ich von ihm mitkriege, mich umso weiter von ihm entferne. Aber dieses Verlangen, ihn zu sehen - und sei es nur ein paar Stunden die Woche - es war zu viel, nicht nur für mich, sondern auch für meinen Sohn. Das Haus ist wie ein Leichenschauhaus - es ist vollkommen still, vollkommen kalt.  Ich war sehr deprimiert, aber ich hatte eben die Tatsache zu akzeptieren, dass ich ihn verloren habe und nichts dagegen tun kann. Ich hatte einfach die Tatsache zu akzeptieren, dass ich nicht länger ein Teil seines Lebens war ... Ich fühlte mich gefangen wie eine Ratte im Käfig. Ich war kurz vor der Gewalttätigkeit. Ich wollte gegen jedes Mitglied ihrer Familie ausschlagen. Ich fühlte mich paranoid - als ob ich auseinanderfallen würde, Stück für Stück. Ich konnte mich nicht mehr auf Dinge konzentrieren, auf nichts, wirklich. Ich fühlte mich hauptsächlich niedergeschlagen nach einer Weile - völlig verwirrt und hoffnungslos, wenn ich versucht habe nachzudenken, was überhaupt passiert war und warum es passiert ist. Nur eine tiefe Traurigkeit über meinen Sohn und das, was passiert war."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Depression, ein Gefühl der Unfähigkeit, denen helfen zu können, die ich liebe, ein Gefühl der Sorge darüber, wie es den Kindern geht, ein Gefühl der Hilflosigkeit, dass ich den Menschen, die ich am meisten liebe, nicht helfen kann, ein Gefühl des völligen Horrors darüber, was die Gesellschaft tut, indem sie einen Vater zwingt, durch einen schrecklich langen Prozeß zu gehen, gerade damit er die Erlaubnis bekommt, sein Kind zu sehen, mal ganz abgesehen davon, eine halbwegs normale Vater-Kind-Beziehung zu haben."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Abwesenheit der Kinder

Die Abwesenheit der Kinder bringt eine signifikante Änderung in der Wahrnehmung der Väter bezüglich ihrer Funktion als Elternteil nach der Scheidung hervor. Zuvor hochbeteiligte und gebundene Väter fühlen sich als Elternteil entwertet und beschreiben sich als entwurzelt, ohne Struktur in ihrem Leben, generell angstvoll, hoffnungslos und niedergeschlagen. Indem sie während der Ehe aktiv in die Sorge und Erziehung ihrer Kinder involviert waren und große Befriedigung aus ihren elterlichen Aufgaben zogen, haben diese Väter die traditionelle Vorstellung von 'Vaterschaft' weit überschitten. Sie bezogen sich immer wieder auf ihre ursprüngliche Furcht einer verminderten Beziehung zu ihren Kindern und nachfolgend auf die fortwährende Beschäftigung mit der Abwesenheit ihrer Kinder. Sie sahen sich selbst in ihrer tiefen Bindung an die Kinder als primäre oder zumindest gleichrangige Bezugspersonen für ihre Kinder - und konnten hinsichtlich der Scheidung den Gedanken nicht ertragen, dass diese Funktion auf dem Spiel stand.

Obwohl sich die Kindesabwesenheit in einer Vielzahl von Symptomen äußerte, zeigte die große Mehrheit der jetzt unbeteiligten Väter in der Stichprobe eine Anzahl von Symptomen wie Depression, Resignation und die volle Trauerreaktion auf den Verlust ihrer Kinder:

"Es ist ein sehr großer Verlust. Es macht mich traurig, ich habe zeitweise Depressionsschübe, ich wache morgens um vier Uhr auf, ich habe eine Menge schlafloser Nächte. Natürlich hilft mir meine jetzige Frau furchtbar viel und sie ermuntert mich, meine Gefühle in positiven Unternehmungen zu kanalisieren. Aber da ist ein furchtbares Gefühl des Verlustes und der Trauer, und das ist ein Verlust, der niemals gutgemacht werden kann. Die Lebensphase, in der das Kind aufwächst, in Elspeth's Fall zwischen 8 und 14, ist eine lebenswichtige Periode für sie und eine lebenswichtige Periode für mich, die jetzt für immer verloren ist."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Mir gehts sehr schlecht - Ich habe das Gefühl, ich habe mich verloren, kein Ziel, keine Richtung. Und ich glaube, keiner kann mich retten; ich weiß nicht, wie ich so überleben soll. Ich kann nicht schlafen - die ganze Zeit denke ich an sie."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Furchtbar. Es ist ein Teil meines Lebens, der fehlt. Es gibt nicht einen Tag in meinem Leben, in dem sie mir nicht in den Sinn kommt auf die eine oder andere Art. Es ist ein furchtbares Gefühl des Verlustes, mit dem ich ständig lebe."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Ich fühle mich taub - ich empfinde gar nichts mehr. Zuerst stand ich komplett unter Schock und Angst - vier Jahre lang. Und danach habe ich angefangen, jedes Gefühl zu verlieren. Was ich jetzt genau fühle, weiß ich nicht."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Die Belastung durch die Kindesabwesenheit war für diejenigen Väter, die ihre Kinder seit Jahren nicht gesehen hatten, genauso mächtig wie für die Väter, die erst vor kurzem den Kontakt zu ihren Kindern verloren hatten. Die seit der Scheidung oder seit dem letzten Kontakt mit den Kindern vergangene Zeit hat keine Verminderung in der Intensität der Trauer der Väter gezeigt.

Rollenverlust

Kindesabwesenheit geht mit Rollenverlust einher: Neben dem Umstand, dass nach der Scheidung ein tatsächlicher 'Verlust' der Kinder stattfindet, verlieren die Väter auch den Status und die Rolle als Vater - für zuvor hocheingebundene Väter eine größere integrative Kraft in ihrem tagtäglichen Funktionieren und eine wichtige Komponente ihrer Identität und ihres Status. Wie das Kind, so ist auch die 'Vaterrolle' und ihre Funktionen und Privilegien verloren.

Zurückgezogene Väter, die zuvor eine relativ aktive 'Vaterschafts'-Rolle genossen haben, fanden es fast unmöglich, ihre Rolle als Elternteil angesichts des eingeschränkten Kontakts und einem signifikant niedrigeren Grad der Einflussnahme in allen Bereichen des Aufwachsens und der Entwicklung ihrer Kinder aufrechtzuerhalten. Je weniger Gelegenheit die Väter hatten, als 'Väter' zu handeln, desto weniger sahen sie sich selbst als 'Väter'. Rollenverlust kann zu totalem Rückzug führen [dissoziativer Stupor] (Merton, 1968); die meisten vormalig hochinvolvierten und gebundenen Väter, mit der Kindesabwesenheit und dem wahrgenommenen Rollenverlust konfrontiert, empfinden ihre Fähigkeit und ihr Vertrauen in ihre 'Vaterschaft' als drastisch unterminiert:

"Obwohl ich weiß, dass ich vor der Trennung Selbstvertrauen und Geschick bei der Erziehung meiner Kinder gezeigt habe, fühle ich mich jetzt in der Anwesenheit von kleinen Kindern ziemlich unwohl. Sogar bereits nach wenigen Tagen der Trennung von meinem Sohn fühlte ich mich anfangs ängstlich und merkwürdig als ich ihn sah und er verhielt sich auch merkwürdig. Ich stelle meine Fähigkeiten jetzt ziemlich in Frage, obwohl ich immer noch eine große Sehnsucht habe, ein Elternteil zu sein und die Talente zu nutzen, von denen ich weiß, dass ich sie habe. Ich empfinde nur noch einen furchtbaren Mangel in meinem Leben."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Ich glaube nicht wirklich, dass ich noch elterliche Fähigkeiten habe, weil ich nicht mit ihnen zusammen lebe. Ein Elternteil sollte jemand sein, der ständig da ist. Jetzt ist es gerade mal so, als ob man jemanden sieht, um den man sich Sorgen macht, aber nur zu gewissen Perioden, gewissen Zeiten - das ist nicht wirklich, ein Elternteil zu sein. Um ein Elternteil zu sein musst Du wirklich da sein, wenn sie aufwachsen und das hab ich in den letzten Jahren nicht gehabt. Wenn es hoch kommt, bin ich grade mal ein Freund."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Parkes (1986) und andere haben den Erwerb einer neuen Identität als ausschlaggebend in der Lösung von Trauerprozessen identifiziert. Dies gestaltete sich insbesondere in den Fällen schwierig, in denen die Identität eines Vaters weitgehend durch die Bindung an sein Kind definiert war. Darüberhinaus befriedigt die Vater-Kind-Beziehung Bedürfnisse wie Nestwärme, Liebe und Status sowohl für den Vater und das Kind; Kinder befriedigen das Verlangen nach genetischer Unsterblichkeit, Zuneigung, Vertrautheit und Familienleben - auch dies geht nach der Scheidung verloren. Nach Eriksson (1963) ist die 'Generativität' [das Verlangen, den kommenden Generationen etwas Bleibendes zu hinterlassen] ein ausschlaggebendes Entwicklungsstadium einer gesunden erwachsenen Persönlichkeit, und die 'Regression von der Generativität' [das Zurückstellen des Verlangen, den kommenden Generationen etwas Bleibendes zu hinterlassen] resultiert in einer gewissen Stagnation und zwischenmenschlicher Verarmung; die Entwicklung einer Persönlichkeit macht aus diesem Grund die Gelegenheit der Ausübung einer aktiven Elternschaft zwingend erforderlich.

Die 'Besuchs'-Beziehung

Eine wesentliche psychologische Barriere für den nachehelichen Kontakt mit ihren Kindern stellt für nichtsorgeberechtigte Väter das Unvermögen dar, sich an die Beschränkungen einer 'Besuchs'-Beziehung anzupassen und nach der Scheidung eine neue Rolle als 'Teilzeit'-'Elternteil aufzubauen, eine besonders signifikante Komponente im Rückzug derjenigen Väter, die während der Ehe eine aktive Rolle im Leben ihrer Eltern zu spielen hatten. Hochbeteiligte und gebundene Väter sind mit der abruptesten Herauslösung aus der Routine und den Ereignissen des tagtäglichen Lebens konfrontiert, die ihre Elternrolle strukturiert hatten; ihre permanente Beziehung wird ernsthaft durch gesetzlich determinierte Muster und die Zwänge des Umgangs'besuchs' eingeschränkt.

Das Konzept der zurückgezogenen Väter von dem, was Vaterschaft ausmacht, stand in diametralem Gegensatz zu der Struktur, die ihnen aufgezwungen wurde. Für diese Väter bedeutete 'wirkliche Vaterschaft', mit ihren Kindern auf einer Vollzeit-Basis zusammenzuleben und das tägliche Leben mit ihnen zu teilen. Sie fühlten sich 'konfus' und 'verloren' ohne ihre Kinder und ohne das Zusammensein mit ihnen auf einer Vollzeitbasis. Sie hatten ein besonders starkes Verlangen, weiterhin in allen Aspekten des Aufwachsens und der Entwicklung ihrer Kinder, auf ihre Werte und ihren Lebensstil Einfluß zu haben, empfanden diesen Anspruch im Rahmen des 'Besuchsrechtes' jedoch schwierig oder unmöglich umzusetzen.

Die vorliegende Studie bestätigt die Befunde von Wallerstein & Kelly (1980), indem sich zeigte, dass der Schmerz über die Besuche selbst - ihre Kürze, Künstlichkeit und Oberflächlichkeit - die Empfindung des Vaters für den Verlust verschärfte. Umgangsbesuche symbolisierten das abrupte Ende der Vater-Kind-Bindung vor der Trennung und hoben hervor, was mit der Scheidung verloren wurde: Die Kinder und die tägliche Routine, die zuvor die Verbindung getragen hatten.

Für die vormals beteiligten und an ihren Kindern hängenden Väter verschärften die 'Besuche' ihrer Kinder hauptsächlich das bereits intensive Empfinden des Verlustes und der Entbehrung:

"Ich finde Besuche sehr hart. Die Zeit ist sehr knapp, die ständige Last einer begrenzten, beschränkten Zeit ist ein sehr großer Druck. Da ist dieses stetige Gefühl, dass sie nicht mehr zu dir gehören - du versuchst, dieses Gefühl zu bekämpfen, das ist eine sehr emotionale Sache."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Mit ihnen zu leben wäre so viel einfacher als die Besuche, wenn ich nur die Gelegenheit dazu hätte. Das Besuchen war sehr, sehr belastend, extrem verwirrend. Die Umstellung war in meinem Fall äußerst schwierig wegen der Auflagen, die mir und den Kindern von meiner Frau und deren Eltern gemacht wurden. Es war nicht leicht wegen der Kommentare meiner Schwiegermutter bzw. meiner Frau. Es war sehr kalt, gefühllos. Würde ich mit ihnen leben, wäre mehr Zeit, eine Vaterrolle aufzubauen, mehr Gelegenheit für eine Bindung, für eine bessere Bindung."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Ich denke, Besuche sind nur eine Qual. Sie sind frustrierend und unbefriedigend, und es entspricht nicht einer normalen Vater-Kind-Beziehung ..."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Zurückgezogene Väter sahen die 'Besuche' als schädlich für ihre Kinder an, insbesondere in Situationen des extremen Konflikts zwischen den Ehepartnern nach der Scheidung - was zusätzlich zu ihren Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, Resignation und Niedergeschlagenheit beitrug:

"Es ist zu nichts gut - es hat schlimme Auswirkungen in allen Bereichen ihres Lebens. In einer Besuchsbeziehung kriegen die Kinder alles von ihrem Vater, was sie wollen, der Vater wird ja alles dafür tun, dass sie sich wohlfühlen - denn er ist sich ja nicht sicher, ob er sie tatsächlich das nächste Mal sieht. Und wenn sie dann nach Hause gehen, ist die Atmosphäre bei der Mutter anders und sie vermissen ihren Vater. Es hat Auswirkungen in der Schule, Zuhause und in ihrer Beziehung zu anderen Kindern. Sie fragen sich ständig, warum sie ihren Vater nicht haben wie sie ihn vorher hatten."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

Diejenigen Väter, die vor der Scheidung hochbeteiligt und gebunden an ihre Kinder waren, und es geschafft haben, mit ihren Kindern nach der Scheidung in Kontakt zu bleiben, waren diejenigen, die in der Lage waren (in den meisten Fällen mit der Unterstützung ihrer ehemaligen Partner), einen offenen Zeitplan für häufige Kontakte mit ihren Kindern einzurichten. Diese Väter berichteten, dass sich nach der Scheidung eine kooperative und unterstützende Beziehung hinsichtlich der elterlichen Verantwortlichkeiten zwischen den ehemaligen Ehepartnern herausgebildet habe. Die Beschaffenheit der Eltern-Kind-Beziehung nach der Scheidung wird demnach bestimmt von sowohl der Häufigkeit als auch der Dauer der Kontakte, wobei häufige und dauernde Kontakte (im Gegensatz zu 'Besuchen') geeigneter sind, die Kontinuität des Umgangs abzusichern, sofern der Vater vor der Scheidung aktiv in das Leben der Kinder eingebunden war.

Wahrgenommene Auswirkungen der Scheidung auf die Kinder

Ein primärer Faktor im Zusammenhang mit dem Rückzug von vormals hochengagierten und an ihren Kindern hängenden Vätern war ihre Wahrnehmung, dass ihre Kinder Gefahr liefen, im Parteienstreit und stetigen Konflikt der Eltern zerrieben zu werden. Diese Väter sträubten sich dagegen, ihre Kinder weiter dem Konflikt auszusetzen oder die Mittel zu benutzen, die sie für 'gewalttätig' und 'schädlich' hielten, um die Sorge für ihre Kinder zu 'gewinnen', einem Prozess auszusetzen, von dem sie annahmen, dass er möglicherweise ihren Kindern großen Schaden zufügen würde.

Die vorherrschende Besorgtheit um das Wohl ihrer Kinder funktionierte jedoch als 'Trick 17' gegen sie: Sobald ein Vater sich Skrupeln hingab, seine Kinder etwas auszusetzen, das er für einen 'grausamen' Vorgang hielt oder sobald er das Leben seiner Kinder nicht weiter zerreissen wollte, indem er die Sorge beantragte und ihren status quo durcheinanderbrachte, gefährdete er seinen dauerhaften Kontakt zu den Kindern nach der Scheidung:

"In Anbetracht der engen Verbindung, die wir hatten wusste ich, dass es ihr schaden würde. Ich wusste, es würde ihr schaden, aber auf welche Art, wußte ich nicht. Und ich glaube, ich habe dem nicht die Bedeutung beigemessen, die der Sache im Rückblick zukam, weil ich dachte, es wäre nur eine vorübergehende Lösung. Ich nehme an, so habe ich das verstanden."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Ich habe nicht das Gefühl, dass sie ein stabiles Leben haben, wo sie jemanden haben, wo sie auf jemanden zurückgreifen können, mit dem sie reden können. Ich weiß, sie haben ihre Mutter, aber sie hat sie Tag für Tag, und es gibt keine geteilte Verantwortlichkeit. Sie kann eben nicht die Zeit mit ihnen verbringen, die sie brauchen, anders als mit zwei Eltern, wo der eine dem anderen Luft verschafft oder ihnen eine andere Einstellung entgegenbringt. Sie haben im wesentlichen nur eine Sicht des Lebens, und sie haben keine zwei Leute, die ihnen eine Alternative bieten."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Ich denke, sie haben das Sicherheitsgefühl verloren und da ist ein totaler Mangel an der väterlichen Rolle, und das bekommt ihnen nicht sehr. Sie haben die Liebe für und von ihrem Vater verloren."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"Er ist sehr durcheinander, traurig, fragt sich, warum ich gegangen bin, warum sein Leben von innen nach außen gekehrt worden ist. Ich mache mir große Sorgen wegen der psychologischen Langzeiteffekte - er ist verärgert und fragt sich, warum sein Vater ihn verlassen hat."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

Paradoxerweise betonten die zurückgezogenen Väter die Bedeutung von fortgesetztem Elternkontakt als kritisch für das Kindeswohl nach der Scheidung:

"Es ist wichtig, auch bei Schwierigkeiten die Verbindung aufrechtzuerhalten. Das hängt von der Situation vor der Scheidung ab. Wenn der Vater vor der Trennung nur wenig Kontakt hatte, ist es nicht so wichtig, Verbindung zu halten. Aber wenn er eng in die Erziehung eingebunden war, muss er die Verbindung aufrechterhalten. Wenn es mal drauf ankommt, wurzelt die Sicherheit einer Person in seinen Eltern. Das ist sehr fundamental - Sicherheit. Ein Kind sollte wissen, wo es herkam, was seine Wurzeln sind."

- 'zurückgezogener' britischer Vater

"Die Auswirkungen auf den Vater sind zweischneidig. Ein kleines bißchen Kontakt ist für jemand, der sich wünscht, ein Vollzeit-Vater zu sein, ein Brosamen vom Tisch des Reichen, und ich glaube, dass dieses bißchen Kontakt viel zur Verzweiflung des Vaters beiträgt, wenn er weggeht oder wenn das Kind weggeht. Aber dieser Vater ist erwachsen und ich denke, dieser emotionale Schaden des immer wiederkehrenden Schmerzes beim Verlassen des eigenen Kindes muß um des Kindes willen ertragen werden."

- 'zurückgezogener' britischer Vater 

4: Länderübergreifender Vergleich

Eine abschließende Kommentierung hinsichtlich der Daten bezieht sich auf das Fehlen von Befunden signifikanter Unterschiede zwischen den kanadischen und britischen Unterstichproben. Einige erhobene Unterschiede zwischen Vätern aus Kanada und Großbritannien in bezug auf einige rechtlichen Aspekte der Scheidung können vernachlässigt werden im Vergleich zu den wesentlichen Unterschieden zwischen Vätern mit Umgang und den zurückgezogenen Vätern in bezug auf eine große Anzahl von Variablen. Die Unterschiede zwischen Vätern mit Umgang und zurückgezogenen Vätern waren hier wie dort so gut wie identisch; an der Stelle, wo signifikante Unterschiede berichtet wurden zwischen Vätern, die den Kontakt hielten und denen, die sich zurückzogen, bezogen diese sich gleichermaßen auf die kanadische wie auf die britische Unterstichprobe.

Obwohl es so scheint, dass es im kanadadischen Kontext eine breitere öffentliche Diskussion alternativer struktureller Regelungen nach der Scheidung als in Großbritannien gibt, insbesondere im Lichte der größeren Rate von Müttern mit abhängigen Kindern, die in Kanada auf Vollzeitbasis angestellt sind, so dominieren doch rechtliche Strukturen und Prozesse hier wie dort Sorgerechts- und Umgangssachen und die tatsächlichen Resultate dieser Prozesse sind fast identisch; das heißt, die prozentualen Anteile geschiedener Väter, die nichtsorgeberechtigt werden und der Einfluß der Rechtssysteme in der Begünstigung traditioneller Familienstrukturen nach der Scheidung sind äquivalent. Die gerichtliche Zuordnung der Sorge und die Umgangsfestsetzung - mit allen Konsequenzen daraus - ist in beiden Jurisdiktionen sehr ähnlich.

Die wesentlichen Befunde der Studie - die Trauerreaktion nichtsorgeberechtigter Väter infolge der Scheidung, die Diskontiniutät des Vater-Kind-Verhältnisses vor und nach der Scheidung, die Diskrepanz zwischen den von den Vätern geäußerten Wünschen zum Zeitpunkt der Trennung und dem, was sie tatsächlich auf dem Rechtsweg erreichen konnten - waren in Kanada und Großbritannien gleichermaßen manifest. Das Fehlen irgendwelcher substantieller Unterschiede im geografischen Vergleich, mit parallel in Kanada und Großbritannien erhobenen Daten, begrenzt die Bildung alternativer Hypothesen, trägt zur Validität der Daten bei und erlaubt ein Maß an Generalisierung der Befunde, die anderweitig nicht zur Verfügung standen.


Weitere Information zur Situation von Trennungsvätern finden Sie hier:


Stand dieser Seite: 10.6.2003 - eingestellt am 8.6.2003 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/studie/Kruk-Vater-geht-Warum.htm


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