Durch paPPa.com kommentierte Wiedergabe aus DER
SPIEGEL 51/97
Originalfundstelle
im SPIEGEL (Hervorhebungen durch Fettschrift durch paPPa.com)
Väter
braucht das Land
Die feministische "Muttermacht" ist weitgehend ein Mythos
- in Wirklichkeit haben allzu viele alleinerziehende Mütter einen
schweren Stand im alltäglichen Überlebenskampf.
Kommentare zu diesem zynischen Machwerk des Neofeminismus sind zu richten an:
Ein-Eltern-Mutter Kartte hatte dann anläßlich der NDR-Talkshow am 5. Jan. 98 wohl traumatische Nachwehen: In der EMMA wird wie folgt berichtet: "In einer NDR-Talkshow trifft die erstaunte Kartte auf Vertreter der Väter-Mafia, "ganz widerliche Kerle, die versuchen, Frauen Angst zu machen"."
DEBATTE
Väter braucht das Land
Die feministische "Muttermacht" ist weitgehend ein Mythos - in Wirklichkeit haben allzu viele alleinerziehende Mütter einen schweren Stand im alltäglichen Überlebenskampf. Von Sabine Kartte
"Der entsorgte Vater" - unter dieser Überschrift veröffentlichte der SPIEGEL (47/ 1997) eine Polemik von Matthias Matussek, die die Scheidungsreform von 1977 als besonders finsteres Kapitel des ewigen "Geschlechterkampfs" würdigte. Die Autorin der folgenden Gegenpolemik ist SPIEGEL-Redakteurin und alleinerziehende Mutter zweier Kinder.
Da saß er nun, der arme Tropf, vor dem Berliner Familiengericht und hungerte. Seine Kinder hätten sie ihm weggenommen, allen voran die Ex-Frau. Wie einen Krümel, so ist im SPIEGEL nachzulesen, habe sie ihn mit laxer Geste aus der Familie gefegt.
Und siehe da, der Verzweifelte war nicht allein. Eine ganze Schar leidgeprüfter Schmerzensmänner versammelte sich an jenem Tag um ihn, Studenten in Anzügen, Alternative in Latzhosen, von kriegerischen Müttern abgestoßene Väter allesamt, die im Kreuzberger Herbstlicht über zerknitterten Kinderfotos weinten.
Sie waren geschieden und getrennt, und sie erzählten Übles: von Müttern, die den Erzeugern den Umgang mit den Sprößlingen untersagten, erschwerten, vermiesten, von Richtern und Jugendamtsbediensteten, die diesen Frauen recht gäben.
Schikanierte Väter wehren sich. Sie organisieren sich in Initiativen wie "Väteraufbruch für Kinder e. V." oder "Dialog zum Wohle des Kindes"; sie veranstalten Demos, am 12. Dezember etwa legten verschmähte Väter überall im Land vor Familiengerichten Weihnachtspäckchen für ihre Kinder ab.
Die neuen Leidfiguren der Männerbewegung, etwa 8.000 an der Zahl [Kommentar: Woher kommt ausgerechnet diese Zahl ?], trommeln trefflich für ihr Anliegen. Sie schafften sogar, was Millionen alleinerziehender Frauen bisher nicht gelang: Der SPIEGEL widmete ihnen einen Titel.
"Die vaterlose Gesellschaft" also. Gemacht von den "Kriegsgewinnlerinnen" im Scheidungskonflikt, den Frauen: Sie "sicherten" sich in 75 Prozent der Fälle das Sorgerecht für die Kinder, ist zu lesen, und damit die Macht - "Macht über Kinder. Macht über die Gefühle des Verflossenen, Macht als Revanche am Mann und als Kompensation womöglich für eine eigene Biographie ohne Vater".
Arbeiten? Wieso denn, wenn der Dussel zahlt. "Für die Heulsusen der Spaßgeneration", so SPIEGEL-Autor Matthias Matussek, "ist die Muttermacht ein teils lebensängstlich, teils zynisch genutztes goldenes Ticket geworden." Na klar: "Vaterliebe als Goldader".
Am Ende bleibt ein Heer "entsorgter" Väter zurück, "abgeliebter und ausgemusterter Beziehungsmüll", "bettelnde Clowns", die jede Demütigung einstecken, um Augenblicke der Vaterlust zu erhaschen. Sie wüten, stammeln, verzweifeln in ihrer ohnmächtigen Pein und wollen in ihrer Arglosigkeit doch nur eins - den Kindern die Botschaft zukommen lassen: "Papa liebt euch."
Matusseks Schlußfolgerung: "Die vaterlose Gesellschaft - eine radikalfeministische Utopie wird leise und allmählich Wirklichkeit." Karneval kommt doch erst. [Kommentar: Kölle Alaaf ! Düsseldorf Helau !]
Es gibt sie. Mütter, die sich mit Kind und Kontonummer davonmachen, die vor Gericht ziehen, weil Papa dem Sproß ein Weihnachtskärtchen schicken will. Mütter, die mit der schlimmsten Waffe, einer Klage wegen Kindsmißbrauchs, drohen, wenn der verhaßte Ex-Mann sich noch einmal blicken läßt.
Jahrelang hat sich Martin Bober, einst Geschäftsführer beim Frankfurter Verein Väteraufbruch, für Männer engagiert, "die vor die Hunde gehen, weil sie ihre Kinder nicht sehen dürfen". [Kommentar: Die Nachfrage beim Bundesvorstand des Väteraufbruch für Kinder ergab: Martin Bober war nie Mitglied im Bundesverband ... Weitere Recherchen ergaben, daß Bober sich mit Beifall zu Gerichtsbeschlüssen äußert, die Vätern bei Androhung eines Ordnungsgeldes von DM 500.000 pro Einzelfall verbietet, sich seinerm Kind zu nähern. Martin Bober soll ansonsten in der rosa Szene von Frankfurt einschlägig bekannt sein - momentan weilt er für drei Monate in Thailand ... Er ist daher mit Sicherheit ein repräsentatives Beispiel für die Väter. - Der genannte Ortsverband des Väteraufbruch kooperiert ansonsten mit Jugendamtsmitarbeitern, die entsorgte Väter als Gewalttäter und Entführer denunzieren - für Väter in Not gibt es ansonsten kaum Hilfeangebote ...] Eine kleine Minderheit, wie Bober einräumt, beklagenswert, beschützenswert - und keineswegs repräsentativ. Das Gros deutscher Väter nämlich wäre für mütterliche Machtspiele gar nicht erreichbar. Denn "die Mehrheit der Männer", so Bober, "macht sich tatsächlich aus dem Staub".
Vaterlose Gesellschaft - nicht die verirrten Kampfmütter rauben den Kindern dieses Landes die Väter, dies tun die Erzeuger selbst.
Über
eine Million Trennungs- und Scheidungsväter gibt es in Deutschland,
aber nur ein Drittel zahlt dem Nachwuchs regelmäßig Unterhalt.
Die überwältigende Mehrheit der Väter entzieht sich der
elterlichen Verantwortung.
Die Unterhaltsvorschußkassen von Bund und Ländern, die für längstens 72 Monate und maximal bis zum 12. Lebensjahr des Kindes für säumige Eltern, in der überwiegenden Mehrzahl Väter, einspringen, legten in den vergangenen Jahren jeweils rund 1,6 Milliarden Mark aus (siehe Grafik), in über Dreiviertel der Fälle kam nie eine Mark zurück. Nur bei gut 20 Prozent der Ausfälle, so ermittelte das Familienministerium, ist zweifelsfrei Insolvenz der Grund.
[Kommentar: Diese Arie ist furchtbar alt und wird durch Wiederholungen auch nicht wahrer: Warum, wieso, weshalb nicht gezahlt wird, darüber gibt es keine Zahlen - alles schlichte Mutmaßungen. Wir schließen uns im übrigen dem Kommentar des Potsdamer Familienrichters Christian Prestien an, der in einer Diskussion mit "Ich-bin-die-Mutter-der-Kindschaftsrechtsrefom"-Margot von Renesse schlicht feststellte: "Was beklagen Sie sich eigentlich? Wie kann man denn so einfältig sein und den Vätern alle Rechte nehmen und dann erwarten, daß die ihre Pflichten erfüllen sollen?" Weite Infos zu diesem Aspekt unter "Ministerin Nolte jagt säumige Zahlväter" und ISUV-Pressemitteilung "In der Regel wird Unterhalt gezahlt" wo u.a. aufgezeigt wird, daß bei Stichproben festgestellt wurde, daß in ca. 70 % der Fälle nichts zu holen ist ...]
Sie verschleiern ihr Einkommen. Sie entfleuchen mit unbekanntem Ziel. Sie lassen die Frauen um jede Mark streiten. Das Steuerrecht bietet vor allem Freiberuflern und Selbständigen jede Menge Möglichkeiten, als arme Schlucker dazustehen; den Jugendämtern fehlen Kompetenz und Handhabe, die Übeltäter zu entlarven. Die betroffenen Mütter konsultieren Anwälte, schicken Berge böser Briefe und richten doch nur selten etwas aus. Behörden arbeiten langsam, und so vergeht manche Kinderzeit, ohne daß Papi auch nur einen Pfennig dazubezahlt. Auf etwa 40 Prozent schätzt das Bundesfamilienministerium den Anteil der Geizenden, die ohne weiteres zahlen könnten.
[Kommentar: Wir "schätzen" den Anteil der "Familienförderung" durch das Nolte-Ministerium, der den sog. "Kampfverbänden" der Neofeministinnen - wie VAMV, Zartbitter u.ä., auf 80 % - Frauen-/Alleinerziehendenförderung statt Familienförderung.]
Nach zwölf Jahren Ehe mochte Agnes Rollbaum*, 36, nicht mehr kämpfen. Sohn und Vater sollten einander sehen, wann sie wollten, sie plädierte für das gemeinsame Sorgerecht. Die Hamburgerin verlangte als Unterhalt für sich und das Kind nicht mehr als den Sozialhilfesatz, und das, obwohl ihr Mann in den Ehejahren zwischen 8000 und 10 000 Mark netto verdient hatte. "Ich wollte fair sein", sagt Rollbaum. Erspart hat es ihr nichts.
"Ich werde dafür sorgen, daß es dir immer schlechter gehen wird als mir", warf ihr der Gatte zum Abschied zu, und zum erstenmal hielt er Wort.
Der Mann zog nach Wiesbaden, wechselte Job und Frau. Unterhalt zahlte er nur, wenn Rollbaum Gerichtsvollzieher schickte, aber auch dann überwies er nur ein paar hundert Mark. Er verdiene jetzt viel weniger, beschied er das Jugendamt.
Sein Sohn bekam den Vater nur selten zu sehen, dann aber mit großem Trara: Zoo, Kino, Stadtbummel. Die Mutter beschwor den Vater, sich regelmäßiger um das Kind zu kümmern. Erst der Scheidungsrichter verdonnerte ihn zur Mindest-Vaterpflicht: zwei Besuche wöchentlich, Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr. [Kommentar: Welch ein Zynismus für Väter ohne Umgang ...]
Seit der Scheidung hat Rollbaum die wechselnden Visitenkarten ihres Ex-Mannes, aber keine Mark mehr gesehen. Mutter und Sohn kommen mit 2200 Mark im Monat hin, Rollbaum hat zur Zeit eine befristete Stelle beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter, 314 Mark streckt die Unterhaltsvorschußkasse vor.
Ein Abfindungsverfahren, das der Ex-Mann mit seinem Arbeitgeber führte, enthüllt jahrelange Tricksereien: Um keinen Unterhalt zahlen zu müssen, hatte der Mann stets die Hälfte seines Gehaltes über seine neue Freundin abgerechnet.
Der Vater taucht allenfalls sporadisch im Leben des Jungen auf. Immer wieder Warten auf Daddy: Geschenke zu Weihnachten oder auch nur ein Gruß zum Geburtstag sind schon lange nicht mehr drin. "Das Kind wurde an seinem Vater nie satt", klagt Agnes Rollbaum. Mit wachsender Wut sieht sie ihren Sohn leiden, sie hört ihn nachts mit den Zähnen knirschen, spürt, wie es in ihm arbeitet. "Wolltest du mich wirklich abtreiben?" fragte er sie eines Tages. Der Vater hätte ihm das erzählt.
Seit anderthalb Jahren verarbeitet der Junge seine Seelennöte in einer Therapie. Um ihren Sohn zu schützen, erwägt Rollbaum, dem Vater den Umgang mit dem Kind untersagen zu lassen. Illusionen über die väterlichen Gefühle ihres Ex-Mannes sind Rollbaum abhanden gekommen: "Es ist ihm nie um das Kind gegangen, sondern immer nur um seine eigenen Bedürfnisse."
Für ihre Fernsehreportage "Väter auf der Flucht" mußte die NDR-Journalistin Carola Wittrock nicht lange suchen, viele der sich selbst entsorgenden Väter zeigten ein erstaunliches Mitteilungsbedürfnis. Wittrock befragte Anwälte und Scheidungsrichter, interviewte alleinerziehende Mütter und verlassene Männer. Ihr Fazit: "Den wenigsten Vätern geht es wirklich ums Kind." Gekränkt wollen sie ihre Ex-Frauen strafen, der Beifall der Kneipenkumpels ist ihnen dabei sicher. "Unterhaltsflucht", so erfuhr die Journalistin, "gilt unter Männern als Kavaliersdelikt."
Auch Hilmar Stracke, Bundesgeschäftsführer vom Väteraufbruch für Kinder e. V., kennt das Problem; er schickt viele der um Unterstützung ersuchenden Zeuger erst mal zur Bank: "Es ist Mißhandlung des Kindes, wenn der Vater nicht zahlt."
[Kommentar: Hilmar Stracke wurde gefragt - er hat diese Äußerungen nie gemacht ... - journalistische Freiheit ?]
Die väterlichen Verweigerer attackieren die Lebensgrundlage
ihrer Brut. Über die Hälfte der Alleinerziehenden
mit minderjährigen Kindern hat weniger als 2500 Mark im Monat zur
Verfügung (siehe Grafik). Unter den Sozialhilfeempfängern stellen
sie die größte Gruppe. In Zeiten, da ein Paar Kinderstiefel
120 Mark kostet, wird der väterliche Scheck zur Existenzfrage.
Sölve Krohn, 33, lebt mit ihren beiden Söhnen in einer Hochhaussiedlung am Rande Hamburgs. Mit den Vätern der Söhne war sie nicht verheiratet. Keiner von beiden zahlt Unterhalt.
Der eine machte sich davon, als sie gegen seinen Willen dem Jugendamt den Namen des Erzeugers preisgab, und ist seitdem unauffindbar. Der Kontakt zum anderen erstarb, nachdem die Mutter ihn aufgefordert hatte, sich doch regelmäßiger ums Kind zu kümmern.
Krohn bringt als ambulante Pflegerin 1671 Mark im Monat nach Hause. Der Anspruch auf Unterhaltsvorschuß ist abgelaufen, 440 Mark Kindergeld und 359 Mark Wohngeld schießt der Staat monatlich dazu.
Die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung kostet 865 Mark Miete, jede unvorgesehene Ausgabe sprengt das Budget. Die Klassenreise nach Sylt, Kostenpunkt 210 Mark; die Nachzahlung für die Betriebskosten; Winterklamotten für die wie Spargel wachsenden Söhne - jedesmal ein Bettelgang zum Sozialamt.
Sie war mit ihren Söhnen noch nie in Urlaub, und kauft sie sich mal eine Maxi-CD, dann kneift das Gewissen. Der alltägliche Kampf hat Krohn müde und bitter gemacht. "Ich arbeite, ich zahle Steuern, ich erziehe die Kinder und muß allein sehen, wie ich über die Runden komme."
Während sie seit Jahren mit dem Jugendamt ringt, um bei den Vätern wenigstens ein paar Mark zu holen, pocht der Erzeuger ihres jüngeren Sohnes auf den sogenannten Selbstbehalt. Als Arbeitsloser muß er erst Unterhalt bezahlen, wenn er mehr als 1300 Mark im Monat zur Verfügung hat, der wenig erbauliche Gang zum Sozialamt bleibt Sache des erziehenden Elternteils.
Männer, die die Alleinaufzucht der Brut als Privileg darstellen, wissen nicht, wovon sie reden. Sollen die Frauen doch arbeiten und sich und dem Nachwuchs den Lebensunterhalt verdienen. Ist doch easy, oder? "80 Prozent der alleinerziehenden Väter", so las man im SPIEGEL, machten schließlich vor, "daß sich Full-time-Job und Kindererziehung vereinbaren lassen". Schade nur, daß die zitierten Heldenmänner in Wahrheit gerade mal zehn Prozent der Alleinerziehenden stellen.
Wo sind die Väter, die sich massenhaft um die Sorgepflicht für ihre Kinder reißen? Um das gemeinsame Sorgerecht konnten sich Männer schon lange bewerben, nur durchschnittlich jeder sechste in Deutschland rang sich in den vergangenen Jahren dazu durch.
In über 85 Prozent der Gerichtsentscheidungen schrieben die Eltern die Sorge über die Kinder einvernehmlich fest. "88 Prozent der Väter ohne Sorgerecht waren mit dieser Lösung einverstanden", [Kommentar: Warum wohl? Schon mal versucht, vor Gericht das gemeinsame Sorgerecht zu bekommen ... ? Schon im Jugendamt wird Vattern doch ausgelacht ...] berichtet Florian Moeser-Jantke [Kommentar: Na, bei dem Namen ...] von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB). Der Geschäftsführer des in München ansässigen Verbandes verarbeitet seit Jahren die Erfahrungen von Anwälten und Eheberatern. Sein Fazit: Nur in Einzelfällen haben Väter aus Angst vor mütterlicher Rachegier auf ihr Begehren verzichtet. "Die Väter konnten in der Regel gut damit leben." [Kommentar: Sabine Kartte lag das Ergebnis der Studie "Die psychosoziale Situation nichtsorgeberechtigter Väter" zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Machwerkes vor. Zitat: "Das Ergebnis war eindeutig: 96 Prozent der betroffenen Väter wollen nach der Scheidung ihre Kinder häufiger sehen und mehr ungehinderten Kontakt zu ihnen haben. Nach ihrer Ansicht werden sie daran von den Gerichten und den Müttern gehindert. Analog zu amerikanischen Studien wurden auch hier von weit über der Hälfte der Betroffenen Agressionen sowie Haß auf die Gesetze und auf den Mißbrauch der Macht der Mütter beschrieben. Erschreckend war das Ausmaß von Kränkung, Ohnmachtsgefühlen, Verbitterung und Wut." - Unser Kommentar frei nach Brecht: "Wer die Wahrheit nicht kennt, obwohl sie offensichtlich ist, ist ein Dummkopf - wer sie aber kennt und sie wissentlich verleugnet - der ist ein Verbrecher!"]
Es hat ja durchaus auch seine bequemen Seiten, der Ex-Frau von ferne dabei zuzusehen, wie sie Job und Kinder koordiniert, den täglichen Parcours vom Arbeitsplatz zur Tagesstätte zum Supermarkt zum Kinderarzt in die Apotheke nach Hause absolviert und sich bis zum späten Feierabend im Generve um Hausaufgaben, Geschwistereifersucht, Fernsehkonsum ergeht.
Wochenendpapi ja, Alltagsstreß nein. "Mitarbeiter von Beratungsstellen berichten von oftmals großen Schwierigkeiten, getrennt lebende Väter auf einen festen Zuständigkeitstag in der Woche zu verpflichten", berichtet Marlene Stein-Hilbers, Soziologie-Professorin in Bielefeld. Fernsehfrau Wittrock fand einen einzigen Trennungsvater, der bereit war, sich engagiert um sein Kind zu kümmern. "Die meisten arbeiten bis zum Umfallen und drücken sich so um die Erziehung ihrer Kinder", stellte die Journalistin, selbst berufstätige Mutter, erstaunt fest.
Väter braucht das Land, und nicht erst nach der Trennung. Die verquere Geschichte von Sorgepflicht und Väterflucht ist kein Trennungsphänomen - sie beginnt schon lange vor dem Scheidungstermin.
Wo sind die Väter im Kinderalltag? Wo die Erzeuger, die sich um Hausaufgaben, Krankengymnastik, Kindergeburtstag kümmern oder statt der ewigen "Milchmütter" auf den Schulhöfen Kakaotüten ausgeben? Wo sind die Sorger, die mit Sprößling, Schere und Klebstift zum Adventsbasteln erscheinen, sich mit ihren fieberheißen Quengelkindern beim Kinderarzt drängeln?
Welcher Schlipsträger hat je ein Geschäftsessen platzen lassen, weil Sohnematz im Kindergarten den Hotzenplotz spielt, welcher Macher sich je entschuldigen lassen, weil sich Töchterchen zu Hause die Lunge aus dem Leib hustet und die kleinen Waden gewickelt werden müssen? Wo sind denn die Väter, die Termine, Meetings, Kungelrunden sausen lassen, weil ihre Zwerge sie brauchen?
Umfragen weisen wachsendes väterliches Interesse an den Kindern nach, doch die Ergebnisse sprechen immer vom Wollen, fast nie vom Tun. Nicht einmal zwei Prozent der Väter nehmen Erziehungsurlaub. Kinderfreundliche Arbeitszeiten werden von Männern kaum genutzt. Nicht einmal ein Prozent der männlichen Arbeitnehmer zwischen 30 und 50 Jahren hat eine Teilzeitstelle. Für einen "ganzen Mann" gehöre sich das hierzulande eben noch nicht, interpretiert Bernhard Teriet vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Scheu.
[Kommentar: Zitat Warren Farrell, Mythos Männermacht, Seite 31: "In den letzten Jahren habe ich mehr als zehntausend Amerikaner und Kanadier aus allen sozialen Schichten befragt, ob sie gern für sechs bis zwölf Monate nach der Geburt eines Kindes den Beruf aufgeben würden, um ausschließlich das Kind zu betreuen. Über 80 Prozent der Männer sagten, daß sie sich lieber ganztags um ihre Kinder kümmern würden - aber nur, wenn ihre Frauen damit einverstanden wären und die Familien keinen finanziellen Nachteil davon hätten. (Rund siebzehn Prozent würden Teilzeit bevorzugen, drei Prozent würden lieber voll im Beruf bleiben." Farrell war jahrelang als einziger Mann Mitglied im Direktorum der National Organization for Woman - NOW, USA))
Die Berliner Arbeitszeitberatung Hoff, Weidinger und Partner weist anhand verschiedener Studien nach, daß Familienväter länger arbeiten wollen als Kinderlose und es auch tatsächlich tun - keiner harrt so lange in der Firma aus wie Daddy.
Familienforscher wissen, daß nicht nur der schiere Zwang zum Broterwerb den Papa am Schreibtisch hält. "Männer bleiben lieber bei der Arbeit, als sich auf die Familie einzulassen", beobachtet der Tübinger Paartherapeut Hans Jellouschek. [Kommentar: Könnten wir das bitte mal belegen, gnä´ Frau?] Auch die Buchautoren Dieter Schnack und Thomas Gesterkamp ("Hauptsache Arbeit - Männer zwischen Beruf und Familie", Rowohlt Verlag, Reinbek) kommen zum Schluß: "Der Prozeß der Entfremdung des vollerwerbstätigen Mannes von seinem eigenen Zuhause ist sicher nicht zwangsläufig. Aber er findet massenhaft statt."
Gibt es den neuen Vater vielleicht so massenhaft gar nicht? Der Väter-Lobbyist Martin Bober, schätzt die Gruppe der Zeuger, die sich wirklich für ihren Nachwuchs engagieren, auf nicht mehr als fünf bis sieben Prozent.
Viele Väter entdecken im Moment der Trennung, daß sie Nachwuchs haben. Doch dann ist es oft schon zu spät.
Alexandras Vater wechselte häufig die Berufe, machte hier eine Weiterbildung, gründete dort eine Firma. Obwohl er viel Zeit zu Hause verbrachte, kümmerte er sich kaum um das Kind. Hin und wieder gab es Würstchen aus der Dose, erinnert sich Alexandra, 14, meistens jedoch versorgte sie sich nach der Schule selbst.
Als das Kind klein war, nahm die Mutter, Medizinfotografin in München, den Winzling ins Labor mit. Wenn Töchterchen quakte, war Mama da. So blieb das die Kindheit hindurch, und bis zur Trennung der Eltern fand das auch der Papa ziemlich gut.
Erst als seine Frau vor drei Jahren die Ehe aufkündigte, wurde der Vater munter: Er beantragte das alleinige Sorgerecht. Alexandra wurde zweimal vom Jugendamt befragt; sie wollte bei ihrer Mutter leben und ihren Vater am liebsten nicht mehr sehen. "Er hat immer auf meiner Mutter herumgehackt", erzählt sie enttäuscht, "irgendwann war mir das zu blöd." Immer wieder rief er an, klagte und heulte ins Telefon. Alexandra traute sich nicht mehr an den Apparat: "Ich hatte Angst, wenn es klingelte."
Anfang dieses Jahres wurde die Ehe geschieden. Die Mutter bekam das Sorgerecht, der Scheidungsrichter verhängte Kontaktsperre, der Vater muß warten, bis sich Alexandra bei ihm melden will. Den festgesetzten Kindsunterhalt von 430 Mark hat Alexandras Vater nie gezahlt. Statt dessen fordert der zwischenzeitlich Arbeitslose von seiner Ex-Frau nachträglich Unterhalt für sich selbst. Die Tochter zuckt nur noch müde mit den Schultern.
Ob das neue Kindschaftsrecht, das im Sommer 1998 in Kraft tritt, die Erzeuger in die Verantwortung nehmen kann, bezweifeln Experten. "Kein Vater wird deshalb mehr Umgang pflegen", prognostiziert der DAJEB-Geschäftsführer. "Es basiert auf einem idealistischen Vaterbild."
[Kommentar: Wir wollen nicht vergessen, daß Mütter wie Sabine Kartte und mit ihr viele viele andere Speerspitzen des Mütter-/Alleinzerziehenden-Kultes entschiedene Gegnerinnen der gemeinsamen Sorge sind und diese auf allen Ebenen bekämpfen - Motto: "Das kann ja gar nicht funktionieren!". Sie werden schon dafür Sorge tragen, daß das Sorgerecht weiter wie bisher behandelt wird: "Das Kind gehört der Mutter!" Sorgerechtsentzug durch Kopfschütteln, Umgangsboykott, Mißbrauch mit dem Mißbrauch feiern fröhliche Urständ ... Kartte bietet den ideologischen Unterbau.]
Die Gesetzesreform wurde geschaffen, um die elterlichen Fronten zu befrieden. Geschiedene bekommen dann automatisch das gemeinsame Sorgerecht, nichtverheiratete Paare können es beantragen. Getrenntlebende Väter unterliegen künftig der Umgangspflicht. Den Zugriff auf die Daten Unterhaltsflüchtiger will der Gesetzgeber erleichtern.
An der tristen Wirklichkeit, meint der Frankfurter Rechtsprofessor Ludwig Salgo, wird sich dadurch wenig ändern. Er hält es für einen fatalen Fehler, Paare die Sorge ums Kind künftig automatisch allein regeln zu lassen. "Das Modell gemeinsamer Sorge als Regelfall verleugnet, daß Väter und Mütter vor der Scheidung in aller Regel sehr unterschiedliche Rollen innehatten", meint der Familienrechtsexperte. "Zu behaupten, daß wir die Eltern, insbesondere die Väter, damit aus der Reserve locken, ist zynisch." Nach seiner Meinung solle die gemeinsame Sorge nur erhalten, wer sich explizit zu seiner Verantwortung bekenne.
[Kommentar: Salgo ist auch einschlägig bekannt ... Zitat aus dem Frankfurter Allgemeine Magazin vom 10. Januar 1997: "Der Entwurf soll die gekränkte Eitelkeit von Vätern, die das Sorgerecht nicht bekommen haben, befriedigen. Der Bundesregierung scheinen diese Väter sehr wichtig zu sein. Das haben wir beim Unterhaltsrecht gesehen und sehen es jetzt bei der Kindschaftsrechtsreform. Es ist gut, daß es immer mehr Väter gibt, die aktiv am Alltag der Kinder auch nach der Scheidung beteiligt sein wollen. Aber leider geht es nur zu oft darum, daß Väter das Sagen haben wollen, ohne sich am Alltag ihrer Kinder zu beteiligen."]
Kooperative Eltern brauchen das neue Recht nicht, um sich zu einigen. Jene Verfeindeten aber, für die es gemacht ist, werden weiter um Kinder und Kohle zoffen - das gemeinsame Sorgerecht, so befürchtet Moeser-Jantke, liefert den Streithähnen nur neues Futter.
Ganztagshort oder Montessori-Kindergarten? Neusprachliches Gymnasium oder Gesamtschule? Streit ohne Ende droht womöglich, denn bei wichtigen Entscheidungen, die das Leben des Kindes betreffen, so das Gesetz, darf der ferne Elternteil künftig mitbestimmen. Nicht zu Unrecht wird Müttern, die nach wie vor die Hauptlast der Erziehung tragen, mulmig: Ohne sich selbst um den alltäglichen Kinderkram zu scheren, kann ihnen der Ex ins Leben funken.
Hannelore Witte, Leiterin der Hamburger Vertrauensstelle für Ehe-, Partnerschafts- und Trennungsberatung, setzt trotz allem auf die Signalwirkung des neuen Rechts. "Paare wissen, daß ihnen kein Richter mehr etwas abnimmt. Wenn sie Frieden haben wollen, müssen sie ihn sich selber schaffen." Ohne begleitende Beratung allerdings, befürchtet sie, sind die meisten mit dem neuen Recht überfordert. "Eltern brauchen Hilfe, um mit diesen Problemen umzugehen."
Doch fachkundige Institutionen sind rar, die wenigen auf Mediation spezialisierten Beratungstellen im Land müssen ratsuchende Eltern wegen langer Wartelisten vertrösten. Künftig sollen die Jugendämter verfeindeten Eltern beratend zur Seite stehen; ob sich da allerdings die nötige Fachkenntnis versammelt, bezweifeln erfahrene Schlichter wie Witte.
Seit zehn Jahren lauscht die Mediatorin den verbitterten Tiraden getrennter Paare. In mühsamer Kleinstarbeit versucht Witte, aus der Wucht der Emotionen praktikable Lösungen für die Kinder zu destillieren. Juristische Probleme werden mit Hilfe einer Rechtsanwältin geklärt. Das Ziel der Mediation sind verbindliche Vereinbarungen über Umgangsregeln und Geld.
Ein schmerzhafter Weg steht verfeindeten Eltern bevor, wenn die gemeinsame Sorge für ihre Kinder keine Hülse sein soll. Die Polemik allerdings, mit der die neue Väterfront zu Felde zieht, ist da wenig sachdienlich - sie macht die Gräben nur tiefer.
[Kommentar: Alleinerziehende Mutter Sabine Kartte verwechselt Ursache und Wirkung. Sie weiß - aus einem Telefonat mit dem Schreiber dieser Zeilen - wie oft Väter gebettelt haben, Väter sein zu dürfen. Sie wurden belächelt und ausgegrenzt. Was also soll man tun, wenn es mit freundlichen Worten nicht geht? Sabine Kartte hat mir ihrem Artikel die Frage beantwortet: Die Gräben gehören tiefer gegraben! Warum? Nun, sie ist alleinerziehende Gebärerin - und gehört damit genau zu der Spezies, die niemals zugeben können, daß etwas faul ist im Staate Dänemark. Die Fragen ihrer Kinder nach dem Vater werden kommen, wie das Amen in der Kirche. Dann können wir uns weiter unterhalten, Frau Kartte. Bis dahin träumen Sie den Traum von der Unfehlbarkeit der Mutter und dem Monster Mann weiter. Ein horrormäßiges Erwachen ist Ihnen garantiert.]
Statt Märtyrerpose und Kampfgeheul ist simple Einsicht gefordert: Unschuldig sind nur die Kinder. Wenn Eltern das endlich beherzigen, ist Friede in Sicht.
[Kommentar: Herzlichen Dank für diese konkrete Anweisung - jetzt kann ja nichts mehr schief gehen.
Väter sind nur noch "Zeuger", Kinder im Zusammenhang mit Väter nur noch "Brut" - Matthias Matussek hätte keinen besseren Beleg für seine Kritik an den "Abzockerinnen" in seiner "Polemik" bekommen können. Dem SPIEGEL sei erneut Dank gesagt.]
* Name von der Redaktion geändert.
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