Stuttgarter Zeitung - Cannstatter Zeitung / Untertürkheimer Zeitung vom 22. Mai 1997
Stuttgart (axt) - Der Mann am Telefon, nennen wir ihn Herrn Y., sagte gestern unserer Redaktion, daß er Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch eine Bombendrohung geschickt habe. Er fühle sich vom Jugendamt Stuttgart um sein Kind betrogen und wolle durch diese öffentliche Ankündigung auf sein erlittenes Unrecht aufmerksam machen. Die Bürgermeisterin bestätigte auf Anfrage am Abend die Drohung. Inzwischen ist auch die Polizei in den Fall eingeschaltet.
Herr Y. erzählte, daß ihn seine Frau mit dem gemeinsamen Kind vor etwa einem halben Jahr verlassen habe und von den Behörden in Einrichtungen verschiedener Sozialämter versteckt worden sei. Offenbar ist er überall im Land herumgefahren, um sie und das Kind wiederzufinden. Unter anderem behauptet Y., daß er in Tübingen vergeblich nach ihnen Ausschau gehalten hätte. Er wollte aber nicht aufgeben und weiter nach ihnen suchen. Als Hauptverantwortliche für sein Schicksal sieht der Mann Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch. Er sei schon mehrmals bei ihr im Rathaus gewesen und habe die Herausgabe seines Kindes gefordert. Bislang ohne Erfolg. Er habe mittlerweile eine 150seitige Dokumentation seines Falles zusammengestellt, mit dem er das ihm widerfahrene Unrecht belegen wolle.
Drohungen dieser Art ist die Bürgermeisterin nach sieben Jahren Amtszeit bis zu einem gewissen Grad gewöhnt, dennoch wolle sie nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte sie gestern abend. Die Attacke sei kein Einzelfall, selbst Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeiter, beispielsweise Jugendamtsleiter Bruno Pfeifle, kamen immer wieder vor: Mit steigender Tendenz. So hätten massive Tätlichkeiten gegen Mitarbeiterinnen und Kollegen auf Sozialhilfe- und Beratungsstellen der Stadt drastisch zugenommen. Häufig machten Klienten die Sozialbetreuer dafür verantwortlich, daß sie von ihrem Lebenspartner verlassen würden. Im Fall Y. wolle sich versuchen, mit dem Mann auf sachlicher Ebene ins Gespräch zu kommen und eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Die Polizei nimmt die Drohung ernst und will nach Auskunft ihres Sprechers Klaus-Dieter Hirschmüller in der Angelegenheit ermitteln.
(Faxnummer der Cannstatter Zeitung: 0711 - 955 68 33)
[Anmerkung paPPa.com: Nach Information der "Initiative Jugendamtsgeschädigte" Stuttgart wurde der Vater inzwischen in eine Psychiatrische Anstalt eingewiesen. Er hat sich wohl auf das Gesprächsangebot von Frau Müller-Trimbusch einlassen wollen ...]