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Kölner Stadtanzeiger 6.11.98
Von Ha. Drack
Manfred S. (34, Name geändert) wuchs auf in einem sozialen Brennpunktmilieu, hatte mangels Begabung weder Schul- noch Berufsausbildung, einen wegen Mordes verurteilten Bruder, eine Mutter, die sich nie um ihn kümmerte - und dann nur den einen Wunsch, aus seinem eigenen Leben etwas ganz anderes zu machen. Doch der Traum vom Familienidyll erfüllte sich nicht: S. gehört zu den Menschen, "die wirklich nicht viele Chancen hatten", meinte auch Amtsrichter Jürgen Mannebeck, vor dem S. sich wegen schwerer Brandstiftung jetzt verantworten mußte.
Der Vater eines knapp anderthalb Jahre alten Sohnes, der sein Ein und Alles ist, hatte im April dieses Jahres den Keller seiner Wohnung in einem siebenstöckigen Gebäude in Holweide angezündet. Die Tat geschah unter Alkoholeinfluß. S. hatte sich wieder einmal über seine geistig behinderte Frau geärgert, die den kleinen Sohn offensichtlich immer mehr verwahrlosen ließ. Das Jugendamt war bereits informiert. "Doch da wurde ihnen auch nicht weitergeholfen", beschrieb das Gericht die damalige Situation. Die Stimmung in der Familie blieb jedenfalls deutlich angespannt und emotionsgeladen. Die Frau, die unter Vormundschaft steht und in einer Behindertenwerkstatt betreut wird, vernachlässigte immer häufiger das gemeinsame Kind, das inzwischen in einem Heim lebt. Das Sorgerecht wurde dem Vater übertragen.
Die geistige Behinderung der Ehefrau machte sie derart aggressiv, daß sie auch immer wieder gegenüber dem eher zierlich wirkenden Ehemann gewalttätig geworden war. Er hatte die Schläge und Demütigungen stets hingenommen - ohne Gegenwehr, denn seine einzige Sorge war: Wenn die Situation eskaliert, wer kümmert sich dann bloß um das Kind?
Als die Tat geschah, war es zwischen den Eheleuten wieder einmal zum Streit um das Kind gekommen. Er hatte ihr Vorwürfe gemacht, weil sie das Kind am spätend Abend nicht ins Bett gebracht hatte. "Ich stand so unter Dampf, das mußte raus", beschrieb S. mit Tränen in den Augen vor Gericht, wie er im Keller gezündelt hatte. Anschließend war er in die Wohnung zurückgekehrt und hatte sein Kind zu Bett gebracht.
"Das ist weniger eine Straftat als ein einziger Hilferuf", beschrieb Richter Mannebeck den Fall, in dem der Jurist "unglaublich viel Milderndes in der Person des Angeklagten" sah. Bei dem Brand war nicht viel passiert und so gut wie kein Schaden entstanden. Aber es hätte auch anders kommen können, meinte der Richter, der es bei einer einjährigen Bewährungsstrafe beließ.
Gewalt gegen Männer - TV-Produktion sucht !
paPPa.com hat sich mit der Initiatorin Julia Csabai unterhalten und wir haben den Eindruck, daß dieses Vorhaben seriös ist. Es folgt ihre Information:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind eine freie TV- Produktionsfirma, die sowohl für öffentlich-rechtliche wie auch für private TV-Sender in Deutschland arbeitet.
Zur Zeit haben wir die Idee, einen Fernsehbeitrag zu produzieren über die kaum behandelte Problematik, daß immer mehr Männer von ihren Frauen geschlagen werden.
Zur Zeit recherchieren wir diesen Beitrag und sind dabei auf der Suche nach betroffenen Männern sowie Anlaufstellen für diese Männer in Deutschland und Europa, nach Vereinen oder Organisationen, die sich mit diesem Problem auseinandersetzen und die den betroffenen Männern Hilfestellung leisten.
Wir würden gerne Betroffene und Mitarbeiter dieser Organisationen um ein Interview bitten.
Wichtig ist es für uns, betroffene Männer zu finden, die bereit sind mit uns über ihre Erfahrung zu reden. Weiterhin möchten wir mit Frauen sprechen, die ihren Männern gegenüber schon gewalttätig geworden sind.
In unserem Beitrag möchten wir die Problematik von verschiedenen Seiten beleuchten. So werden wir der Frage auf den Grund gehen, weshalb Männer Hemmungen haben zuzugeben Gewalt-Opfer einer Frau geworden zu sein? Weshalb Frauen weltweit öfter zuschlagen als Männer es tun? (In Israel werden zum Beispiel 300 Fälle im Monat gemeldet). Weshalb die Gesellschaft seit eh und je geschlagene Männer verspottet? Weiterhin werden wir mit Autoren, Wissenschaftlern und Experten reden.
Wir bitten Sie herzlich um Ihre Unterstützung und freuen uns über Ihre baldige Antwort.
Mit freundlichen Grüßen, Julia Csabai
- m4 medien berlin -
m4medien@compuserve.com