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Dr. Karin Jäckel
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Dieser Text wurde verfasst für "junge gemeinde - magazin fur evangelische jugendarbeit in Österreich", Liechtensteinerstr. 20/9, A-1090 Wien - paPPa.com bedankt sich für das Einverständnis der Veröffentlichung an dieser Stelle. (Mai 1999)


Väter - Menschen der dritten Art?
Ein satirischer Essay

Feministinnen und Politikerinnen wissen es heutzutage ganz genau: Männer sind die an allem Elend der Gesellschaft schuldigen Erzfeinde. Sie regieren. Sie nehmen beruflich die Führungspositionen ein. Sie unterdrücken Frauen und beuten sie aus. Sie sind aggressiv und kriminell. Sie schlagen und vergewaltigen sogar Kinder. Sie machen Kriege. Und sie sind faul. Ja, nicht nur das, sie sind auch dümmer als Frauen, wie jedermann bereits an Schulkindern und Studenten sehen kann, unter denen die Mädchen den Jungen längst schon den Rang abgelaufen haben.

Folglich müssen Männer gedämpft, müssen "entmännlicht" werden. Wenn sie schon keine Frauen werden können oder wollen, müssen sie wenigstens lernen, wie Frauen zu denken und zu handeln. Da dies am wirksamsten in jungen Jahren verinnerlicht werden kann, werden Jungen neuerdings in freiwilligen schulischen Arbeitsgemeinschaften in Frauenkleider gesteckt und zum Rollentausch angeleitet.

Getreu der indianischen Weisheit, daß nur der den anderen verstehe, der in dessen Mokkassins gelaufen sei, stöckeln Jungen künftig vielleicht im Minirock und Bustier zum Rendezvous und spüren hautnah, wie es ist, wenn ihnen jemand unters Röckchen langt.

Genau dieselben Feministinnen und Politikerinnen wissen natürlich auch ganz genau, wie es um ihre "Schwestern" bestellt ist. Lautstark beklagen sie, daß Frauen der westlichen Welt in den entscheidenden Punkten nicht besser dran sind als Frauen in Entwicklungsländern. Sie leben als unterdrückte Opfer in einer patriarchalen Gesellschaft. Sie leisten die meiste Arbeit und werden dafür am schlechtesten bzw. gar nicht bezahlt. Sie werden sexuell ausgebeutet und ständig zu Opfern männlicher Gewalt, selbst in der Ehe. Sie sind schwach und sanftmütig und wenn doch einmal gewalttätig, dann nur, weil sie von Männern dazu gezwungen wurden. In Wirklichkeit ist die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung für Frauen nur graue Theorie, denn praktisch werden sie überall benachteiligt.

Folglich müssen Frauen gestärkt und gefördert, müssen "entweiblicht" werden.

Wenn sie keine Männer werden können oder wollen, müssen sie lernen, böse zu werden, um nicht nur in den Himmel, sondern überall hin zu kommen. Dazu bedürfen Frauen auf breitester Basis der Förderung und Hilfe vor allem der kleinen Handvoll politisch engagierter Machtfrauen, die von Schwester zu Schwester wissen, was Frauen brauchen. Um diese Hilfe zu bewerkstelligen, sprießen staatlich finanzierte Frauenprojekte wie Pilze aus dem Boden, werden Frauenquoten eingeführt, werden Mädchen "stark" gemacht, werden Studienförderungen für Studentinnen gegenüber der Förderung für Studenten gleicher Fachrichtungen verdoppelt, werden Mütter unter den Schutz des Grundgesetzes gestellt, aber Väter nicht.

Unter dem Strich hat die Hilfe von Schwester zu Schwester zu einem beispiellosen Krieg der Geschlechter geführt. Nach dem Motto "Eine Frau, die so gut sein will wie Männer, hat einfach keinen Ehrgeiz" treiben die feministischen Einpeitscherinnen erstens zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt an. Es ist zweifelsfrei bekannt, daß die traditionell von Männern besetzten Berufsgruppen am stärksten von der grassierenden Arbeitslosigkeit betroffen sind, und traditionelle Frauenberufe im Servicebereich Zuwachsberufe darstellen. Diese machten in den vergangenen 15 Jahren das Gros des Beschäftigungszuwachses aus und kamen zu zwei Dritteln Frauen zugute. Dennoch werden Mädchen und junge Frauen aus ihren erklärten Lieblingsberufsgruppen mit der Begründung heraus und in die weniger gebrauchten Männerberufsgruppen hinein gedrängt, daß die Beschäftigungschancen für Frauen davon abhingen. Im Klartext bedeutet dies, daß Frauen entweder Männer verdrängen müssen oder in die Arbeitslosigkeit gelockt werden. Quotenfrauen werden vor diesem Hintergrund als eine Verschärfung des Wettbewerbs unter geschlechtsabhängigen Bonussystemen verständlich.

Damit nicht genug, hat der feministische Machthunger auch im Hinblick auf die Kernzelle des Staates, die Familie, seine zerstörerischen Virenprogramme eingeschleust. In Verkennung der Tatsache, daß auch Frauen Aggressionen ausleben, indem sie ihre Ehemänner und Kinder schlagen, und die Gewaltbereitschaft unter den "gestärkten" Mädchen nachweislich wächst, zumal unter den Töchtern alleinerziehender Mütter, zieht die Riege der Frauenvorkämpferinnen wieder einmal nur gegen Ehemänner zu Felde. Ehefrauen können Anzeige wegen Vergewaltigung in der Ehe erstatten. Eine Rücknahme der Anzeige wird nicht zugelassen. Ehefrauen sollen künftig allein mit der Behauptung, von ihrem Mann geschlagen worden zu sein, die Familienwohnung für sich beanspruchen können. Die Beliebtheit des sexuellen Kindesmißbrauchs als frei erfundener Vorwurf der scheidungswilligen Ehefrau, um sich das alleinige Sorgerecht nebst damit verbundenen Unterhaltsleistungen zu erschleichen, hat längst schon erschreckende Ausmaße angenommen. Wenn demnächst die von der SPD diskutierte strafrechtliche Ahndung der unterlassenen Hilfe beim Hausputz kommen sollte, werden die Zellen im Männertrakt der Gefängnisse vollends knapp. Aber vielleicht sollte man dies ja unter dem Aspekt der Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahme für Mitarbeiterinnen im Strafvollzug sehen?

Im Verbund mit der auf verbilligte Arbeitskräfte schielenden Wirtschaft erreichte die politische Frauenpower innerhalb weniger Jahrzehnte, der Frauenerwerbstätigkeit den Vorrang vor Frauenfamilienarbeit zu erstreiten und nicht erwerbstätige Frauen als "Schmarotzerinnen" zu diffamieren. Sowohl Konsumwünsche als auch das eingetrichterte Bewußtsein, als nicht erwerbstätige Mutter zu verblöden und vom Goodwill des verdienenden Ehepartners abhängig zu sein, führen seither zu Doppelbelastungen der Frauen, denen die wenigsten gewachsen sind. Konsequenterweise versuchen viele, einen Teil dieser Doppelbelastung zur eigenen Entlastung abzustoßen. Wo der Hebel anzusetzen ist, wissen schon kleine Mädchen früh und singen im Brustton der Überzeugung "Männer sind Schweine" in die Welt hinaus.

Die Ausnahme ist allenfalls der gerade eben auserkorene Lebensabschnittspartner. Aber natürlich nur, solange die rosarote Brille der ersten Liebe seine Schweinsohren mit dem Weichzeichner kaschiert. Ist die Liebe vorbei und der Blick wieder scharf, wird das prompt enttarnte Schwein seiner Bestimmung zugeführt und vorzugsweise von der Fachfrauenhand einer Frauenanwältin nach bestem Recht und Gesetz ausgeschlachtet. Im Ausverkauf der Gefühle erbringt ein fett im Fleisch stehendes Schwein bekanntlich gutes Geld.

Mit anderen Worten, die Liebe in Zeiten des geldwerten Vorteils ist gefährlich geworden. Zerbrochene Ehen und alleinerziehende Mütter, deren Kinder mit Hilfe der Jugendämter und Familiengerichte um ihre Väter gebracht und zwangsverwaist werden, sind heute ebenso an der Tagesordnung wie Väter, die im Interesse der Mütter ihre Kinder zwar nicht sehen dürfen, aber für Mütter und Kind/er zahlen müssen. Während alleinerziehenden Müttern die beruhigenden Versicherungen der selbst oft genug kinderlosen und unverheirateten Feministinnen zuteil werden, daß Kinder ihre Väter nicht zum Glücklichsein sondern höchstens zum satt essen brauchen, hört die Öffentlichkeit die schlimme Mär von den ewig bösen Männern. Kinder zeugen sie, heißt es, aber Verantwortung – nein, danke. Sie zahlen keinen Unterhalt, verdrücken sich ins Ausland, tauchen mit unbekannter Adresse in Großstädten ab, lassen Übervater Staat für Frau und Kinder sorgen. An den Kragen müsse es ihnen gehen, indem man sie mit Hilfe des Autokennzeichens ausfindig mache und ihnen von jeder verdienten Mark allenfalls einen Notgroschen für die eigenen Bedürfnisse belasse. Solle doch der Mann zum Sozialamt gehen müssen, auch wenn er Einkommen erziele, nicht Frau und Kinder.

Recht haben sie, die Politikerinnen, stimmt Frau von Schwester zu Schwester zu. Wer ein Kind zeugt, soll dafür nicht nur sekundenlang gerade stehen, sondern ein Leben lang. Wer es nicht tut, ist ein Schwein. Aber so sind sie eben, die Männer, - Schweine; weiß frau doch.

Daß nur eine Minderheit den Unterhalt nicht zahlender Väter aus bewußter Absicht nicht zahlt, weiß frau nicht. So wenig wie sie weiß, daß ein weiterer Teil der nicht zahlenden Väter sofort zahlen würde, wenn sie ihre Kinder sehen dürften; daß sie nur deshalb nicht zahlen, weil sie einzig mit Hilfe des Geldes ein Druckmittel haben, der Kindesmutter ein paar Minuten Umgangs mit dem Kind abzulisten. Woher auch sollte die Allgemeinheit dies wissen? Diese Information wird ja quasi unter dem Tisch gehandelt. Und doch zahlen die meisten Väter nachweislich deshalb nicht, weil sie selbst nichts mehr haben. Weil sie im Zusammenhang mit der Scheidung oder auf andere Weise seelisch oder körperlich krank oder alkoholabhängig und arbeitsunfähig wurden, oder weil sie ihren Job im Zuge der allgemeinen Arbeitsplatzwegrationalisierung verloren oder mit einem eigenen Unternehmen bankrott gingen, oder weil sie womöglich im Knast sitzen. Es gibt – auch bei Männern – viele Gründe, warum sie in Not geraten und leere Taschen haben, aus denen sich keiner mehr bedienen kann. Aber natürlich ist dies alles pure Bosheit und Absicht, nicht wahr? Alles nur getürkt, um sich vor den Unterhaltszahlungen zu drücken, um Frau und Kinder zu schädigen, um Schwein unter Schweinen zu sein und als solches im Dreck zu sitzen.

Nein, ich vergesse sie nicht, alle die Frauen und Kinder, denen es tatsächlich schlecht geht, weil die Väter sie im Stich lassen und sich um die Verantwortung drücken. Ich vergesse auch die Mütter nicht, denen die alleinerziehenden Väter die Kinder vorenthalten, weil sie im Machtrausch Rache an der Ex-Frau nehmen und die Kinder als Werkzeug dazu benutzen. Es ist Unrecht, was diesen Kindern und ihren Müttern widerfährt. Es muß verhindert oder beseitigt werden.

Aber das Wissen um dieses von Männern, Vätern ausgeübte Unrecht darf nicht blind dafür machen, daß auch Frauen ihren Kindern und Ex-Männern Unverzeihliches antun. Frauen sind nicht allein deshalb die besseren Menschen, weil sie Frauen sind. Und Männer sind nicht "von der dritten Art" eines mißratenen Schöpfungsversuchs. Ich denke, es ist höchste Zeit, daß wir Frauen uns auf uns selbst besinnen und uns klar machen, daß wir keine Männer brauchen, die uns sagen, wo es lang geht oder wie wir denken und handeln sollen, aber daß wir dazu auch keine anderen Frauen brauchen. Wir sind nicht schwach und hilflos. Im Gegenteil, wir sind stark, jede für sich, ganz aus sich selbst heraus, und nicht erst dann, wenn wir böse oder ein besserer Mann geworden sind. Die Stärke der Frau ist die Liebe, die Leben schafft, schützt und erhält. Mit dem in jüngster Zeit als Königsweg zur wahren Frauenmacht erklärten Ziel, superböse zu werden, um besser zu sein, bleibt jedenfalls eines ganz sicher auf der Strecke: Die Frau selbst.

Dr. Karin Jäckel - Autorin u.a. von "Der gebrauchte Mann - Abgeliebt und abgezockt – Väter nach der Trennung"


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