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Karin Jäckel, Ein Vater gibt nicht auf.
Die Geschichte eines gebrauchten Mannes
rororo-Sachbuch 60692, Januar 2001, DM 19,90 - ISBN 3-499-60692-5
Die Geschichte einer quasi gewaltsamen Trennung von Vater und Kind und die Leidensgeschichte des Vaters mit Gerichten, Behörden und anderen staatlichen Institutionen sowie mit der Mutter seiner Tochter.

Verlagsankündigung von Rowohlt:
Wir befinden uns im gesellschaftlichen Umbruch. Die traditionelle Rollenverteilung der Geschlechter löst sich auf. Die Sicherheit des Lebensunterhalts ist nicht mehr an den Mann als Familienernährer gebunden. Frauen stehen selbst ihren Mann. Doch wie immer in Zeiten des Umbruchs herrscht Unsicherheit vor. Der alte Weg ist verschüttet, der neue noch nicht gesichert. Und manch Wertvolles bleibt auf der Strecke. Immer häufiger sind es die Väter. Georg ist einer von ihnen.

In einem heillosen Rosenkrieg kämpft er jahrelang um ein lebendiges, echtes Vater-Sein. Gepeinigt von Jugendämtern, die das Wohl des Kindes allein bei der Mutter sehen und dem Vater raten, seinen Kummer um das Kind "wegtherapieren zu lassen". Gedemütigt und ausgebeutet von feministisch getriebenen Rechtsanwältinnen, die der Kindesmutter Rechte ohne Pflichten zu erstreiten versuchen. Von unfähigen Gutachtern für überflüssig erklärt. Finanziell ruiniert, beruflich erschöpft, aber in seiner Liebe zu seiner Tochter ungebrochen. Sie soll zwei Zuhause haben, eines bei der Mutter, eines bei ihm. Das ist es, was er für sie will. Denn seine Tochter, das weiß er, will dies auch.

Die Geschichte erzählt diese Buch auf eindringliche Weise.


paPPa.com kennt Vater Georg und wir haben das Buch verschlungen. Wir wussten schon vorher, dass es ein (kleines und vorläufiges) Happy-End geben wird, denn über die letzten vier Jahre haben wir von Georg immer wieder die wichtigsten Zwischennachrichten erhalten - es waren meist keine guten.

Karin Jäckel hat die Geschichte aufgeschrieben - von Anfang an. Bisher kannten wir sie vor allem als Sachbuchautorin, dieses Mal ist es ein Roman geworden - und er ist richtig gut gelungen !

Karin Jäckel schafft es, ganz nahe am Geschehen zu sein, die Akteure sind hautnah, sind zu spüren. Georg lernt man in all seinen Facetten kennen - und man lernt ihn schätzen, auch mit all den Fehlern, die er in der Beziehung zur Mutter macht. Die Darstellung und Charakterisierung der Mutter - die Georg für das Fehlschlagen ihrer Lebenspläne bestrafen möchte und am Ende hierfür nur noch die Totalverweigerung des Umgangs mit dem gemeinsamen Kind hat - erfolgt zwar ausschließlich durch die Augen von Georg und trotzdem ist sie ... es ist schwer, dafür ein Wort zu finden ... echt ! In Uschi kann der Leser viele Eigenschaften und Verhaltensweisen seiner eigenen Ex-Partnerin entdecken, die auch Probleme mit dem Umgang macht und ständig die eigenen Interessen als die des Kindes ausgibt.

Anschaulich und sehr real werden dann die Akteure geschildert, die sich um die Mutter als Schutzwall ihrer Interessen aufbauen: Jugendamtsmitarbeiter/innen, Mediatoren, Gutachter und Amtsrichter - die alle eines gemeinsam haben: Sie sind die Propheten eines Glaubenssatzes: "Lacht die Mutter, lacht das Kind !" Vergessen werden dabei die geltenden Gesetze, vergessen wird natürlich die kleine Maria und ihr Recht auf ihren Papa ... Wir alle kennen das zur Genüge, nur ist es bisher noch nie so aufgeschrieben worden. Dafür ein großes Dankeschön an Georg und an Karin Jäckel.

Und die wichtigste Botschaft steht ja im Titel: "Ein Vater gibt nicht auf ..." Wir erleben, wie Georg trotz jahrelanger Rückschläge weitermacht - auf Kosten von Beruf und Karriere. Er hält durch - und wird "belohnt", er kann Maria in die Arme schließen. Georg "profitiert" dabei nicht zuletzt auch davon, dass sich in den letzten zwei Jahren hinsichtlich der Sicherstellung von Umgangsrechten an den Oberlandesgerichten einiges geändert hat und weiterhin ändert. Näheres kann man immer wieder auf unserer Homepage unter "Was gibt es Neues?" nachlesen.

Aber lesen Sie einfach selber nach, wir meinen, es lohnt sich!

paPPa.com, Berlin, im März 2001


Wer noch mehr über das Buch wissen will, der kann hier noch zwei Dinge nachlesen:

1. Epilog des Vaters - dem Roman vorangestellt (hier gleich folgend) und

2. das im Buch nicht abgedruckte Nachwort. Karin Jäckel hat hierzu eine Bitte an unsere Leser: Wer das Nachwort hier abfordert, möge bitte die Arbeit von paPPa.com mit einem kleinen Betrag unterstützen - oder eben auf die Lektüre verzichten. Wir vertrauen darauf, dass unsere Leser diese Bitte respektieren und stellen den Text als RTF-Dokument zur Verfügung und freuen uns über jede Mark. Einmalige finanzielle Unterstützung bitte auf das paPPa.com-Spendenkonto Nr. 337 02 00 BLZ 100 205 00 - Bank für Sozialwirtschaft - oder auch Sie werden ein regelmäßiger paPPa.com-Förderer.

Und wir weisen abschließend noch auf die Grußbotschaft hin, die Karin Jäckel den Lesern von paPPa.com am 6. Februar 2001 ins Gästebuch geschrieben hat. Sie lautet wie folgt:


Epilog des Vaters

S., im Juli 1999

Liebe Maria, mein geliebtes Kind,

Väter, die willkürlich von ihren Kindern getrennt werden und nicht wissen, wo sie sind, schreiben ihnen Briefe, die sie nie abschicken.

Die ersten Tage und Wochen, nachdem du mir von deiner Mutter aus den Armen gerissen wurdest, schrieb ich mir monatelang die Finger wund. Der dicke Papierstapel soll nun die Grundlage für ein Buch sein, aus dem du später, wenn du lesen und dir eine Meinung darüber bilden kannst, erfährst, was wirklich passiert ist. Warum wir getrennt wurden. Wir als Familie, du und ich. 

Ein paar Mal gestattete mir deine Mutter auch nach der Trennung noch, dich zu sehen. Doch heute sind fast schon zweieinhalb Jahre vergangen, seit ich dich das letzte Mal in den Armen hielt, damals an einem nebligen Dienstag, dem 5. März 1997.

Noch immer gibt es einen eigenen Platz für dich in meiner Wohnung. Ein Babysöckchen und ein Latztüchlein, die deine Mutter bei ihrem Auszug vergessen hat, liegen dort neben ein paar Spielsachen, Stiften und anderen Zeichenutensilien, die nur darauf zu warten scheinen, dass du wieder kommst und sie benutzt.

Und dabei weiß ich nicht einmal, wie du aussiehst, wie du sprichst, wie es dir geht, welche Spiele du magst, ob du gesund bist. Ich habe keine Adresse von dir, keine Telefonnummer. Deine Mutter verweigert mir jede Auskunft, jeden Kontakt, selbst ein Foto oder eine Kassette, auf der ich deine Stimme hören könnte. Ich weiß nicht einmal, ob du dich an mich erinnern kannst. Und würde ich dich erkennen?

Dreißig Monate sind eine lange Zeit für eine kleine Erdenbürgerin. Wie du sie eines Tages bewerten wirst, weiß ich nicht. Für mich aber sind diese Wochen, Monate und Jahre ohne dich ein unwiederbringlicher Verlust. So wie du um deine Kindheit mit deinem Vater betrogen wirst, so werde ich um dich betrogen, mein Kind.

Was hätten wir alles zusammen unternehmen können! Deine Oma in Griechenland besuchen zum Beispiel. Sie hätte uns tschechischen Mohnkuchen gebacken. Wie gern möchte sie dich kennen lernen und dich drücken.

Nach dem Kaffee wären wir zu einem der vielen Sandstrände in der Nähe zum Schwimmen gegangen. Magst du gern schwimmen? Oder bist du wasserscheu? Kennst du das Meer überhaupt? Würdest du zusammen mit mir hineinlaufen wollen?

In einer lauschigen, schattigen Taverne direkt am Meer könntest du zwischendurch ein Eis schlecken, mit den Beinen baumeln und dem Rauschen der Wellen des Saronischen Golfs lauschen. Vielleicht würden wir anschließend deine Cousine mit deiner Tante und deinem Onkel aus Amerika treffen, die gerade auch bei der Oma Ferien machen. Sie sind so neugierig auf dich, mein Liebes. Vor allem deine Cousine, die fast so alt ist wie du und dich so gern als Freundin hätte.

Ein andermal, im Juli und August, würden wir Urlaub in der Provence, im Süden Frankreichs, machen. Die Luft duftet dort nach Lavendel. Und die Felder sind mit Mohnblüten rot gesprenkelt. Abends würden alle Kinder aus unserem kleinen Dorf mit dir Verstecken spielen, bis der Mond aufgeht. Sicher dürftest du bei Jacques, dem Schäfer, zugucken, wie die Schafe geschoren werden. Der Bäcker würde dir morgens ein frisches Croissant schenken, das er in seinem Holzofen über Reisigbündeln gebacken hat. Mittags dürftest du bei unseren Nachbarn im Swimmingpool schwimmen. Und beim Papa im Atelier wärest du die Einzige auf der Welt, die mit seinen Farben malen darf.

Ich muss aufhören mir vorzustellen, was gewesen wäre, wenn. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn ich dich wiedersehe. Und doch kommen meine Gedanken nicht von dir los. Ich trage dich in meinem Herzen. 

Was deine Mutter dir über mich und uns erzählt, ob sie dir überhaupt etwas von mir sagt, und wenn ja, ob etwas Gutes dabei ist, weiß ich nicht, mein Kind. Und wenngleich ich mich bemüht habe, mich in deine Mutter hineinzudenken und sie zu verstehen, kann ich dir die Ereignisse der Vergangenheit natürlich nicht aus ihrer Sicht beschreiben. Es ist mir sogar nur bis zu einem sehr geringen Grad möglich, Verständnis für deine Mutter aufzubringen.

Sie habe sich von mir gedemütigt und bedroht gefühlt, schrie sie mir ins Gesicht, als sie dich damals aus meinen Armen zerrte, dich regelrecht kidnappte. Ich hätte sie unterdrückt und ausgebeutet. Und sie werde sich rächen, rächen, rächen.

Vielleicht habe ich sie gedemütigt. Vielleicht habe ich bedrohlich auf sie gewirkt, obwohl ich ihr nie etwas zuleide getan habe. Wir hatten Streit. Wir lebten in verschiedenen Welten, und die vermischten sich einfach nicht zu einer dritten, gemeinsamen.

Wie Feuer und Wasser waren wir. Beide leidenschaftlich, beide Siegertypen. Deine Mutter wollte es schließlich wissen, wer von uns das Sagen hatte.

Sie hielt es mit mir als Mann nicht aus, weil sie wohl gar nicht wirklich einen Mann, sondern eher einen Vater haben wollte. Und sie ertrug mich als deinen Vater nicht, weil sie selbst nie einen Vater hatte.

Alles, was mit mir zusammenhing, war für sie so anders als alles, was sie kannte, und so beunruhigend und anstrengend, dass es ihr irgendwann nur noch Angst machte. Und doch sieht sie dich, mein Kind, ein Stück von mir, jeden Tag. Geht das gut? Liebt sie dich wie du bist? Oder musst du hören, dass du bist wie dein Vater, den sie nicht ertragen kann?

Eines Tages hielt sie die durch mich in ihr Leben getretene Unordnung mitsamt den Anforderungen an sie als meine Frau und die Angst, durch mich in die zweite Reihe gedrängt zu werden, nicht mehr aus. Sie wollte für die Menschen in unserem Leben nicht die Frau vom Georg sein, sondern der Georg sollte der Mann von ihr sein. Sie wollte aufhören zu arbeiten und von mir auf Händen getragen werden. Ich sollte sie verwöhnen und ihr Sicherheit bieten. Sie wollte befehlen, und ich sollte wie ein Hündchen Männchen machen. Sie wollte meine Herrin sein und zugleich mein Kind, das von mir versorgt und verwöhnt würde.

Und sie hatte Angst, dass auch du mich eines Tages in die erste Reihe setzen und sie in die zweite rücken würdest. Sie hatte sich wohl in mich verliebt, weil es ihr gefallen hätte, einen Vater wie mich gehabt zu haben. Und nun befürchtete sie, dass es auch dir gefallen könnte, mich als Vater zu haben.

Deine Mutter, mein Liebes, hat keinen Vater und liebt deshalb nur ihre Mutter. Vielleicht konnte und wollte sie deshalb deine Liebe nicht mit mir teilen und auch meine Liebe nicht mit dir teilen.

Aber deine Mutter ist klug. Und natürlich weiß sie sehr genau, dass eine erwachsene Frau und Mutter sich nicht gestatten darf, solche eifersüchtigen, kindischen Gefühle zu haben. Also erteilte sie sich selbst die Erlaubnis dazu, indem sie behauptete, ich sei ihre und deine Liebe nicht wert, und sie müsse dich vor mir beschützen, weil ich böse und ein schlechter Vater sei.

Aber glaub mir, Maria, mit dir hat das alles nichts zu tun. Du kannst nichts dafür, nicht das Geringste.

Dies alles ist im Grunde einzig und allein meine und Sache deiner Mutter. Aber leider gelingt es uns nicht, dich da ganz herauszuhalten, wie du es verdient hättest.

Such bitte niemals irgendeine Schuld bei dir. Du hast mich nicht zu viel geliebt und auch nicht zu wenig, sondern gerade recht. So wie du auch deine Mutter gerade recht geliebt hast und sicher weiterhin liebst.

Was immer du von anderen über mich erfährst, Maria - ich bin kein perfekter Mensch und benehme mich auch nicht so. Ich habe Fehler und Ecken und Kanten zuhauf. Bin auch nicht mehr der Jüngste und manchmal ein rechter Hitzkopf. Aber ich bin ein Mann von Ehre mit festen Wertvorstellungen und einem starken Gefühl für Frieden und Gerechtigkeit. Nie habe ich mir vorgestellt, einmal gegen eine Frau kämpfen zu müssen, die ich geliebt und mit der ich ein Kind habe. Auch habe ich nie vermutet, eines Tages den Behördenschreck spielen und meine schwer erkämpfte Freiheit als Künstler einer hirnlosen Bürokratie opfern zu müssen.

Als ich deine Mutter kennen und lieben lernte, war ich ein glücklicher Mann. Als du geboren wurdest, war ich ein glücklicher Vater. Als deine Mutter mich in diesen unwürdigen, sinnlosen Bürokratie-Krieg stürzte, kam ich mir vor wie Ikarus, der mit brennenden Flügeln ins Meer stürzte, weil er der Sonne, seiner Liebe, zu nahe gekommen war. Seitdem ist viel von meiner Lebensqualität, meiner Unbekümmertheit und der Kraft meiner Kunst verloren gegangen.

Aber ich habe immer noch ein Herz, das lieben kann.

Die Freiheit liebe ich, die ich mir erarbeitet habe, und den Beruf, der sie mir erhält. Deine ältere Schwester hebe ich, die mich genau wie du nicht als Vater haben durfte, weil ihre Mutter dies - so wie jetzt deine Mutter - nicht duldete. Genau wie deiner Mutter war ich der Mutter meiner ersten Tochter nicht reich genug, nicht brav, nicht angepasst und gutbürgerlich genug. Ein Mann, der ohne festes Einkommen, ohne Villa, Superauto und Nadelstreifenanzug zufrieden ist, war für sie nicht der richtige Mann. Beide Frauen bestraften mich für die Liebe, die sie mir, einem Unwürdigen, geschenkt hatten, indem sie mir das Kind nahmen, das ich ihnen geschenkt hatte.

Doch auch wenn du, meine liebe Tochter, deshalb nun weit weg von mir lebst, bist du es, die ich vom ersten Augenblick deines Daseins für immer und ganz besonders lieb habe. 

Unser Schicksal ist nur ein kleines Schicksal auf dieser Erde, mein Kind. Aber es hat mit Liebe zu tun. Die ist einmalig, bei jedem, der sie erfährt. Und das zählt. Nur das.

In Liebe

Dein Vater


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Stand dieser Seite: 23.03.2001 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/vater/kj_vatergibnichtauf.htm
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