paPPa.com informiert:
Väter - bitte melden!
Anfrage des Instituts für Biometrie und Epidemiologie der Universität München - Jan. 1998:
Im Rahmen des Postgraduiertenstudienganges "Public Health" am Institut für Biometrie und Epidemiologie der Universität München wird eine Studie zum Thema
"Gesundheitsbezogene Lebensweisen bei unfreiwillig von ihren Kindern getrennt lebenden Vätern"
durchgeführt. [Auf Anfrage von paPPa.com wurde klargestellt, daß damit auch Väter gemeint sind, die einen Umgang mit den Kindern haben, mit diesem aber qualitativ oder quantitativ nicht zufrieden sind.]
Hierzu suchen wir Männer, die derzeit unfreiwillig von ihren Kindern getrennt leben und bereit sind, in einem etwa 20-minütigem Telefoninterview allgemeine Fragen zu Gesundheit und sozialem Umfeld zu beantworten. Selbstverständlich ist die Teilnahme freiwillig, die erhobenen Daten werden anonymisiert bearbeitet.
Wenn Sie an der Studie teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte telefonisch ab 18:00 Uhr bei Frau Eva Grill, Tel. 089-811 66 20 oder per eMail ph9710@ibe.med.uni-muenchen.de
Info auch auf dem Uni-Server: http://www.med.uni-muenchen.de/ibe/phstud/homepag5.html
Südwestdeutsche Zeitung, 18.1.99
FREIBURG (kna). Staatliche Stellen und Krankenkassen sollen wegen der gravierenden Folgen nach Meinung des Braunschweiger Psychologen Kurt Hahlweg verstärkt in die Vorbeugung von Scheidungen investieren.
Dies sei angesichts der gesundheitlichen und sozialen Folgen krisenhafter Ehen dringend geboten, sagte Hahlweg beim Freiburger Psychotherapie-Forum. Hahlweg, der als einer der profiliertesten Vertreter der verhaltenstherapeutischen Ehe- und Familientherapie gilt, entwickelte das Kommunikationstraining "Ein partnerschaftliches Lernprogramm'' (EPL). Eine Ehetherapie kommt nach den Worten Hahlwegs vielfach zu spät; ohnehin sei eine beratende oder therapeutische Versorgung nicht finanzierbar. Eine vorbeugende "Erziehung zur Partnerschaft'' müsse daher schon in den Schulen ansetzen und multimedial vermittelt werden.
Eine düstere Perspektive zeichnete Hahlweg für die Zukunft der deutschen Familien. Wenn dem gegenwärtigen Scheidungstrend nicht durch Vorbeugungsprogramme gegengesteuert werde, sehe er "kaum eine Chance, das Sozialgefüge vor dem Auseinanderbrechen zu retten''. Zwar wollten 90 Prozent der Jugendlichen einmal heiraten, aber von den heute geschlossenen Ehen werde jede dritte, in Großstädten sogar jede zweite Ehe geschieden. Bei den 75 Prozent der Geschiedenen, die wieder heirateten, sei eine erneute Scheidung statistisch gesehen noch wahrscheinlicher. Die Folgen einer schlechten Beziehung äußerten sich auch in klinischen Symptomen, etwa in der verstärkten Neigung zu Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen, aber auch in erhöhter Gewaltbereitschaft seitens der Eltern wie der Kinder, sagte Hahlweg in Freiburg. Zudem drohe Scheidungsfamilien Armut; 25 Prozent der alleinerziehenden Mütter lebten von der Sozialhilfe.
Die Leidtragenden in scheiternden Beziehungen seien vor allem die Kinder, so Hahlweg. Er berief sich auf eine Langzeitstudie aus den USA, nach der Kinder, deren Eltern sich scheiden ließen, eine um vier Jahre verkürzte Lebenserwartung hätten.