paPPa.com-Diskussion:
| Männer - Kinder - Frauen
Gedanken zu Trennung, Scheidung, Weiterleben - aus männlicher Sicht. Thomas Reuter, 1997 |
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| Der Autor | |
| Der Krach | Mein Name ist Thomas M. Reuter, ich bin 41 Jahre alt und habe drei
Kinder. Ich habe im Jahre 1985 geheiratet, 1986 kam unsere Tochter zur
Welt, 1988 eine zweite Tochter und am Silvestertag 1989 unser Sohn. An
einem Samstag mittag im April 1992 - so um die Essenszeit, ich weiß
das noch - gab´s einen fürchterlichen Krach, und innerhalb einer
halben Stunde war die Ehe vorbei.
Das hatte sich lange vorher durch nicht ernstgenommene Anzeichen angekündigt. Es bestand eine große Unfähigkeit, miteinander über Wesentliches zu sprechen. Viele Freunde sprachen später davon, sie hätten unsere Ehe für eine Musterehe gehalten und seien aus allen Wolken gefallen, als das so plötzlich vorbei war. Klar: das Aufrechterhalten dieser Fassade brauchte erheblichen Kraftaufwand, der ganz plötzlich nicht mehr erbracht werden konnte. |
| Kochen lernen | Ich hatte - da meine damalige Frau das Haus verlassen hatte und ich ihr ab dem Zeitpunkt den Zutritt verweigerte - von da an für die drei Kinder zu sorgen. Kochen konnte ich nicht: am ersten Tag gab es Apfelpfannekuchen nach einem Rezept einer Freundin, die ich in dieser Sache notgedrungen anrief. Das Kochen hatte ich während der Ehezeit rundweg abgelehnt: es war in meinem Elternhause nicht üblich gewesen, daß der Vater kochte. Zudem hegte ich die Befürchtung, daß die Hausarbeit dann zunehmend an mir hängenbleiben würde und ich für die Aufgabe, der Familie die finanzielle Basis zu erhalten, zuwenig Zeit haben würde. Nachdem es allerdings notwendig wurde, lernte ich es innerhalb kürzester Zeit: ich kochte ganz einfach, wie meine Mutter gekocht hatte. Wie ich das hinbekommen habe, ist mir bis heute schleierhaft. |
| Hilfe von der Caritas | Recht schnell meldete ich mich bei der örtlichen Caritas-Sozialstation, schilderte dort die Situation und bekam umgehend Hilfestellung in allen Haushaltsdingen. Die Caritas hat hier schnelle, kostenlose und unbürokratische Hilfe geleistet: mit den Damen, die sich damals für mich und meine Familie eingesetzt haben, besteht heute noch Kontakt, wenn man sich in der Gemeinde, auf dem Markt und beim Einkaufen trifft. |
| Berufliche Umstellung | Drei Jahre vor der Trennung hatte ich schon im Hinblick auf die männliche Berufszwangsjacke damit begonnen, selbständig zu arbeiten. Zunächst durch tatkräftige Unterstützung eines Freundes, der mich in seiner Firma als Freiberufler anstellte - ausgestattet mit einer Beschäftigungsgarantie von zunächst drei Jahren. In dieser Zeit, die ich für ihn arbeitete, konnte ich langsam nebenher andere Projekte und Auftraggeber kennenlernen. So kam es, daß ich zum Trennungszeitpunkt 1992 nicht morgens das Haus verlassen und zur Arbeit eilen mußte: ich hatte lediglich die Kinder in den Kindergarten zu bringen und konnte dann wieder nach Hause, um in den drei Stunden intensiv am jeweiligen Auftrag zu arbeiten. Wenn die Kinder wieder zurück waren, habe ich gekocht, danach machten sie ein Mittagsschläfchen. Nachmittags kam ich in der Regel nicht zum Arbeiten, aber wenn sie gegen 7 Uhr wieder im Bett waren, ließen sich nochmals ein paar Stunden herausschinden. Es war eine arbeitsreiche, aber interessante Zeit. Beruflichen Ehrgeiz hatte ich nicht: es mußte zum Leben reichen. |
| Die Mutter | Die Mutter tauchte in diesen Wochen ab und zu auf und forderte ihr Recht, die Kinder zu sehen. Wenn mir das in den Kram paßte, überließ ich ihr Haus und Hof für einen Tag oder einen Nachmittag: auf diese Weise konnte ich Kunden besuchen und Projekte planen. Ich machte mir kein schlechtes Gewissen deswegen: die Mutter hatte sich eine Stelle besorgt, zahlte weder für mich noch für die Kinder und an mir hing der gesamte Unterhalt. Das Prinzip "wer zahlt, schafft an" hielt ich damals wie heute für das gesündeste. Von Zeit zu Zeit machte die Mutter Ärger und versuchte, mir das Terrain streitig zu machen: ich habe sie in solchen Fällen herausgeworfen, ohne über irgendwelche juristische Folgen nachzudenken. Im Großen und Ganzen glaube ich, daß die Mutter den Protest nur aus "formalen Gründen" formulierte: in Wirklichkeit war sie selber in einer schweren Lebenskrise, begann, sich feministisch und sexuell neu zu orientieren und wußte nicht im Mindesten, wie das alles nun weitergehen sollte. Sie hatte eine Stelle im sozialpädagogischen Bereich angenommen, wohnte mal hier, mal da und kam, wie man so sagt, an jedem Morgen aus einer anderen Richtung zur Arbeit. |
| Umzüge | Ich lernte in dieser Zeit eine andere Frau kennen. Wir verliebten uns,
und nach einigen Monaten beschlossen wir, zusammenzuziehen. Ich habe dieses
Phänomen bei vielen Männern beobachtet: kaum sind sie von einer
Frau weg, versuchen sie, möglichst schnell eine neue Partnerschaft
einzugehen. Bei mir selbst spielte - wenn man vom Verliebtsein absieht
- vor allem der Wunsch mit, bestätigt zu bekommen, daß ich nicht
beziehungsunfähig gewesen sei. Ich wollte beweisen, daß ich
zur Partnerschaft taugte, und daß nicht ich die Ehe auseinandergerissen
hatte. Meine neue Partnerin hat das viel früher gesehen als ich und
verschiedene Bedenken in dieser Richtung geäußert.
Mittlerweile hatte jedoch meine erste Frau wieder etwas Boden unter den Füßen und drängte massiv darauf, wieder regelmäßigen Kontakt zu den Kindern zu bekommen. Ich wollte zwar alle drei nicht abgeben, sah aber, daß ich mit der zweiten Frau - die ebenfalls zwei Kinder hatte - keine siebenköpfige Familie bilden und unterhalten konnte. Keinesfalls wollte ich jedoch meinen Kontakt zu den Kindern aufgeben: ich wußte ganz genau, daß die Mutter meiner Kinder auf jeden Fall jeglichen Kontakt zu den Kindern verhindern würde, wenn ich mich da ausbooten ließ. |
| Aufteilen der Kinder | Da war nun guter Rat teuer. Schließlich entschied ich mich, meine
älteste Tochter mitzunehmen und die beiden Kleinen bei der Mutter
zu lassen - die dann auch sofort wieder in unsere ehemalige Wohnung einzog.
Meine Überlegung war die folgende: wenn jeder von uns eins oder zwei
der Kinder bekäme, würden die Kinder schon selber dafür
sorgen, daß sie den jeweils anderen Elternteil zu sehen bekämen
- allein, indem sie nach ihren Geschwistern fragten. Die Mutter und ich
waren nicht fähig, irgendein rationales Wort miteinander zu sprechen:
lediglich die Tatsache, daß die Kinder sich untereinander sehen wollten,
stellte sicher, daß damit auch gleichzeitig der Kontakt zum anderen
Elternteil gewährleistet war. Wenn ich einer einseitigen Verteilung
der Kinder zugestimmt hätte - was nur bedeuten konnte, daß alle
drei zur Mutter zogen - wäre ich ausschließlich zum Hausmeister
und Zahlvater degradiert worden. Genau diese Rolle war mir von der Mutter
zugedacht worden ("Dich zieh ich aus. Du wirst Unterhalt zahlen, bis
Du schwarz wirst. Alles, was hier in der Wohnung ist, gehört ab jetzt
mir. Das wollen wir doch mal sehen" - jede/r Geschiedene kennt solche
Töne).
Ich löste das Problem auf die elegante Tour: mit Beginn der Sommerferien gab ich die Große meinem Bruder mit in die Ferien, die beiden Kleinen holte der Schwiegervater ab. Während der Sommerferien bewerkstelligte ich den Umzug zu meiner Freundin, anschließend holte ich die Große in den Ferien wieder ab, nahm sie sofort mit zu mir und gab sie nicht mehr heraus, bis sechs Wochen um waren. In dieser Zeit gab es ständigen Streit und Reibereien mit der Mutter, die das Kind unbedingt haben wollte, aber ich habe niemals nachgegeben und - kraft meines gesetzlichen Rechts als Noch-Erziehungsberechtigter - sie an meiner neuen Adresse amtlich angemeldet. Bis es dann zur Gerichtsverhandlung kam (Eilmittel wurden seitens der Mutter nicht eingelegt), war der status quo geschaffen und das Kind konnte nicht mehr ohne wirklich zwingenden Grund der Mutter zurückgegeben werden. Abgesehen davon wollte meine Tochter das auch gar nicht. |
| Prof. Fthenakis | Vor Gericht kam dann die Frage nach dem alleinigen oder gemeinsamen Sorgerecht auf. Ein Umweg über das "Kreidekreis"-Institut von Prof. Dr. Dr. W. Fthenakis und Mitarbeitern ließ mich von der zunächst favorisierten Idee des gemeinsamen Sorgerechts Abstand nehmen: an ein friedliches Einverständnis zwischen der Mutter und mir war nicht zu denken. Fthenakis wollte mich mit der Mutter um jeden Preis an einen Tisch zwingen - auf Biegen und Brechen zum sogenannten Wohle der Kinder. Ich argumentierte, daß auf lange Sicht das Wohl der Kinder dann am besten sichergestellt würde, wenn es den Eltern gut ging. Vor, während und nach Gesprächen mit der Mutter ging es zumindest mir gar nicht gut, weil ich mich immer wieder über den Tisch gezogen fühlte und der Autorität eines Professors wenig entgegenzusetzen hatte: konnte ich doch seine Argumente allzu oft in keiner Weise nachvollziehen. Erstaunt fand ich hinter einem großen Berg theoretischen und publizierten Wissens, technischer Ausstattung und rhetorischer Begabung wenig praktische Handreichung und gar keinen Willen, sich einer Situation zu stellen, die nicht einem wie immer gearteten Standard entsprach. |
| Sorgerechtsdebatte | Nach den bei Prof. Fthenakis gemachten Erfahrungen lehnte ich ein gemeinsames
Sorgerecht ab - aus drei Gründen:
1. Ich beabsichtigte von vornherein, daß die drei Kinder zwischen der Mutter und mir aufgeteilt würden. So konnte keiner der beiden Eltern vollständig aus der Erziehungsverantwortung ausgegrenzt werden. Und wenn es uns gelänge, über einen längeren Zeitraum wieder eine vernünftige Kommunikationsbasis zu finden - damit rechnete ich grundsätzlich -, dann wäre ein gelebtes gemeinsames Sorgerecht dem gesetzlich verordneten Sorgerecht allemal überlegen. 2. Sorgerecht hieß für mich auch immer die Sorge-Verantwortung. Ich wollte, daß die Mutter sich für die Erziehung der bei ihr lebenden Kinder voll verantwortlich fühlte und nicht bei den zu erwartenden Schwierigkeiten bequemerweise auf mich zurückgreifen konnte. Mir war klar, daß die beiden Kleinen in einem radikal-feministischen Hauswesen aufzuwachsen hatten: wie sollte das meinem Sohn guttun? Das Jugendamt wollte es so, das Gericht wollte es so - an diesem Punkt mochte ich nicht mehr mitmachen. Im Gegensatz dazu wollte ich die alleinige Verantwortung für die bei mir lebende Tochter: wenn nötig, sollte ich das letzte Wort haben. 3. Ich wußte, daß die Mutter gar kein Interesse daran hatte, alleine für die beiden Kinder zu sorgen. Dafür war ihr Bedürfnis nach Urlaub (ohne Kinder, selbstverständlich) und auf Monate hinaus geplante freie Wochentage und -enden viel zu groß. Ich dachte mir, daß meine Vorstellungen über die Erziehung unserer Kinder grundsätzlich auch die ihren waren (bis auf den radikalfeministischen Unsinn, natürlich), und ich machte mich innerlich lediglich auf einen Schaukampf gefaßt, bei dem es nicht um die Kinder, sondern um das Durchsetzen von Positionen ging, bei denen die Kinder lediglich Mittel zum Zweck waren. So ist es dann auch gekommen. Ich wollte also die alleinige Sorge für meine älteste Tochter, und wollte die Sorge für die beiden jüngeren Kinder vollkommen abgeben. Nicht, daß ich mit allem, was die Mutter mit den ihr verbliebenen Kindern so tat und ließ, einverstanden gewesen wäre. Gerade mein Sohn Johannes hatte in diesem radikalfeministischen Lesbenhaushalt, in den bald die Freundin der Mutter einzog und das Heft übernahm, einiges zu leiden. Aber mein Bedürfnis, alles richtig machen zu wollen, fand doch immer wieder enge Grenzen in der absoluten Unmöglichkeit jeglicher Kommunikation. Dabei habe ich mir selbst auch kräftig an die Brust zu klopfen. Ich war nicht in der Lage, diese einfachen Sätze dem Jugendamt, der Richterin und sogar meiner eigenen Rechtsanwältin klarzumachen. Aber ich blieb dabei und lehnte eine gemeinsame Sorge ab. Das Gericht konnte nicht anders, als die Sorge meinen Vorstellungen entsprechend zu verteilen, denn eine gemeinsame Sorge konnte das Gericht nicht verhängen: Voraussetzung wäre das gleichzeitige Einverständnis beider Eltern gewesen. |
| Neues Heim ... | Die Wohnsituation bei meiner neuen Freundin entwickelte sich zunächst vielversprechend, dann jedoch zunehmend schwierig. Das ewige Hickhack mit der Mutter der Kinder zerrte in vielfältiger Weise an meinem Lebenswillen: es war eine Zeit zunehmender Depressionen. Meine Partnerin hat sich redlich bemüht, dem wenig Beachtung zu schenken und mich auf alle nur denkbare Weise zu unterstützen. Beruflich war ich in der Sackgasse gelandet: die Depressionen und Unlustgefühle sorgten dafür, daß ich meine Aufträge nicht mehr in der geforderten Zeitspanne fertigstellte, infolgedessen bekam ich keine Aufträge mehr, was die Depressionen in Richtung "allgemeiner Versager" weiter beschleunigte. Zudem war ich nicht mehr in der Lage, mich den alten Freunden wieder zuzuwenden: ich ließ Freund- und Bekanntschaften leichtfertig im Sande verlaufen, weil ich auch hier glaubte, versagt zu haben und als Geschiedener nicht mehr viel wert zu sein. |
| ... und erneute Trennung | Nach drei Jahren stellten wir fest, daß es besser sei, wenn jeder wieder seiner eigenen Wege ginge. Vor diesem Schritt hatte ich eine Heidenangst, hatte sie doch in den letzten Jahren immer wieder die Rolle des Notankers übernommen, wenn ich wieder einmal gar kein Geld hatte und nicht mehr wußte, wo mir der Kopf stand. Nichts desto trotz wagte ich es im August 1995: mit meiner Tochter zog ich in eine eigene Wohnung. |
| Menschwerdung | Ab diesem Zeitpunkt, so würde ich es sagen, begann ich, wirklich
selbständig und eigenverantwortlich für mich und meine Tochter
zu sorgen. Ich entdeckte, daß Kochen, Putzen, Waschen und die Unterhaltsbeschaffung
durchaus Dinge waren, die ein Mann rundum selbst bewerkstelligen konnte.
Es war nicht schwer, eine Waschmaschine zu bedienen. Die Anschaffung einer
Trockenmaschine war getan, kaum daß die Idee überhaupt gekommen
war: mit gesundem Selbstvertrauen erklärte ich meine ökologischen
Bedenken dahingehend für Vorstellungen solcher Leute, die Zeit dazu
haben. Die IKEA-Küche brauchte sechs Wochen, und als ich sie eigenhändig
eingebaut hatte, war ich wochenlang glücklich, wie schön ich
das hingekriegt hatte (ich hatte mir sogar meinen Eßplatz so eingerichtet,
daß ich die Küche im Blick hatte. So schlimm ist das heute aber
nicht mehr ...).
Ziemlich bald nach dem Umzug in die eigene Wohnung habe ich beschlossen, weibliche Bekanntschaften ab einem gewissen Punkt für die Dauer von zwei Jahren nicht mehr zuzulassen. Ich wollte herausfinden, wie weit ich autark für mich selber sorgen konnte - auch in diesem Bereich. Daran habe ich mich gehalten, obwohl das anfangs schwer war und es an Gelegenheiten auch nicht mangelte. Mittlerweile ist diese Zeit verstrichen, und ich bin froh, sie mehr oder weniger durchgestanden zu haben. Mittlerweile hat sich wieder eine neue Verbindung ergeben, die sich langsam und vorsichtig entwickelt. |
| Der Sohn | Im November letzten Jahres hörte ich dann auf Umwegen, daß es meinem Sohn im Zusammenleben mit der Mutter und deren Freundin nicht sehr gut ging. Da eine direkte Nachfrage meinerseits absolut unmöglich gewesen wäre, nahm ich den Umweg über die Taufpatin, die nach wie vor gute Beziehung zur Mutter unterhielt. Der schilderte ich das, was ich gehört hatte und bat sie, einmal vorsichtig nachzufragen, wie die Sache von "drüben" gesehen wurde. Es stellte sich heraus, daß das Gerücht kein Gerücht war, sondern auf Tatsachen beruhte, und die Patin und ich kamen überein, daß wir vorsichtig versuchen sollten, einen Weg zu finden, wie der Sohn zum Vater ziehen könnte. Ich mußte mich da völlig zurückhalten und konnte ausschließlich im Hintergrund und im Einverständnis mit der Patin agieren. Es stellte sich allerdings zufällig heraus, daß mein Ansinnen nicht ungelegen kam: die Mutter hegte Pläne, nach England auszuwandern, um dort beim Aufbau eines Frauenprojektes mitzuarbeiten. Mein Sohn konnte da nicht gut integriert werden, und der Vorschlag, daß er zu mir zöge, fiel nicht auf taube Ohren. |
| Patenschaft | Diese gedeihliche Zusammenarbeit mit der Patin meines Sohnes ließ
mich die Institution der Taufpaten in einem anderen Lichte sehen. Wenn
vor Jahrhunderten die größte Gefahr für das Leben eines
Kindes im Tod der Eltern zu sehen war, so kann man eine ähnlich gelagerte
Gefahr heute in der Ehescheidung der Eltern erkennen. Taufpaten könnten
hier wieder eine ähnliche, lebenserhaltende Funktion übernehmen
wie ehedem.
Anläßlich der Verhandlungen über den Wohnort des Sohnes ergab es sich, daß zum ersten Mal nach fünf Jahren wieder ein vernünftiges Gespräch zustande kam. Ich merkte, daß die Mutter in ihrer Entscheidung, alle Brükken in Deutschland abzubrechen, unsicher war und habe Verständnis und Mitgefühl gezeigt. Ich habe nicht mit dem Finger auf sie gezeigt, weil sie ihr Kind hierlassen wollte: späte Rache wollte ich nicht. Ich habe darauf bestanden, das Sorgerecht für den Sohn übertragen zu bekommen, weil die große Entfernung für eine andere Regelung im Ernstfall hätte schwierig werden können. Im Gegenzug erklärte ich mich bereit, jeden erdenklichen und möglichen Kontakt zu fördern - und das versuche ich auch, mit teilweise erstaunlichen Fax- und Telefonkosten, die entstehen. Aber es geht. |
| Die Tochter | Nun blieb noch die mittlere Tochter. Für sie war vorgesehen, mit
nach England "auf die Baustelle" zu ziehen. Das war mir nicht
recht - aber ich hatte ja kein Sorgerecht und mußte extrem vorsichtig
sein, damit ich keine kurzschlüssigen Handlungen provozierte. Deswegen
bot ich an, daß auch dieses Kind solange bei mir wohnte, bis in England
alles soweit fertig ist, daß ein Kind dort leben kann. Dieser Vorschlag
wurde angenommen und bisher immer wieder beiderseitig stillschweigend verlängert,
denn die Arbeiten in England scheinen noch nicht abgeschlossen zu sein.
In den kommenden Sommerferien werden die beiden jüngsten Kinder über
den Kanal fliegen. Ob meine Tochter dann zu mir zurückkommt, ist nicht
gewiß. Sie bekräftigt zwar immer wieder, bei mir bleiben zu
wollen. Ich würde ihr diese schwere Entscheidung gerne abnehmen, denn
für ein neunjähriges Kind ist das eine Zumutung. Das kann nur
ihre Mutter entscheiden, und ich hoffe, daß letztere Klugheit, Uneigennutz
und Augenmaß walten läßt.
Ich habe getan, was ich tun konnte: dem Kind ein Rückflugticket gekauft, ohne es besonders zu betonen. |
| Frauen und Männer heute | |
| Innerhalb des Scheidungs- und Ablösungsprozesses hatte ich immer
wieder massive Schwierigkeiten mit den Rollenverständnissen von Frauen
und Männern heute - und den sich daraus ergebenden gesellschaftlichen
Miß- und Unverständnissen.
Frauen sind - laut heutiger Auffassung - seit Generationen von Männern unterdrückt worden. Sie haben an der Berufswelt nicht teilgenommen, für sie gab es nur den Beruf der Hausfrau und Mutter - oder den der unverheirateten Nonne, Lehrerin, Krankenschwester oder sonstiger meist caritativer Betätigung. Es steht für den gesellschaftlichen Konsens heute außer Frage, daß das für die heutige Zeit kein Verhaltensmuster ist. Ich beobachte, daß viele Frauen aus diesen geschichtlichen Zusammenhängen heraus heute ein Recht ableiten, bevorzugt behandelt zu werden. Sie schließen sich in Frauengruppen zusammen, eröffnen Frauenhäuser und fordern von Staat und Gemeinde Geld und Sachmittel, die ausschließlich Frauen zugute kommen. Die Kontrolle über die Verwendung dieser Mittel ist ebenfalls ausschließlich auf weiblicher Seite: zu Frauenhäusern und Frauenzentren haben Männer in der Regel keinen Zutritt (1). In den Vereinigten Staaten gab und gibt es rigide Regeln, wie Männer sich Frauen gegenüber zu verhalten haben: uralte - aber ungefährliche - Verhaltensmuster müssen einseitig von Männern intellektuell in jeder Situation hinterfragt werden, um sich nicht unverhofft einer Klage wegen sexueller Herabsetzung gegenüberzusehen. In der universitären Literatur sind Texte nicht mehr flüssig lesbar, weil in panischem Verfolgungswahn personale Substantive nur noch gleichzeitig in männlicher und weiblicher Form zulässig sind - mit aufwendigen Folgen für Schreib- und Lesbarkeit eines Dokuments. Jeder mag dem gegenüberstehen, wie er will. Das männerlose Frauenhaus hat seine Berechtigung selbstverständlich dann, wenn Männer gewalttätig sind. Ein Herumgrapschen an Körperteilen anderer ist ebenfalls kein Thema, um das ernsthaft diskutiert werden muß und männliche und weibliche Substantive wird es immer geben, wo die Unterscheidung notwendig ist. Aber daß vor dem Frauenzentrum die Männer den BürgerInnensteig zu wechseln haben, damit mann nicht sieht, was frau drinnen tut, ist schlichtweg eselshaft und ideologisch verblendet. Viele Männer sehen diesen Entwicklungen derzeit sehr verschreckt zu. Sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen: es kommen keine klaren Signale mehr, ob das, was man gerade tut, gut ist oder nicht. Viele Männer empfinden ihre Position als sehr unsicher: in vielen Situationen sind sie gefordert, die Initiative zu ergreifen - aber das kann im Nachhinein sehr leicht als unerwünschte Anmache aufgefaßt und vor den Richter gebracht werden. Schlimm an der Situation ist nicht etwa die unterschiedliche Gefühls- und Erlebniswelt von Männern und Frauen. Schlimm ist, daß die Beurteilung einer Situation allzu einseitig den Frauen überlassen wird - und daß darüber nicht geredet werden kann. Die Verunsicherung der Männer zeigt sich je nach Typ in zwei verschiedenen Verhaltensweisen: das lahme Weichei will sich nicht nachsagen lassen, daß es Frauen gegenüber unsensibel sei - und kennt vor lauter Angepaßtheit gar keine eigenen Gefühle mehr. Der mehr einzellige Skinhead hingegen weiß ganz genau, wo oben und unten ist: seine Angst und Unsicherheit reagiert er in Schlägerei und obszönem Gegröle ab. Eine zunehmende Anzahl von Männer beginnt - angesichts der jahrhundertelangen und jetzt endlich begriffenen geschlechtsspezifischen Unterdrückung - jetzt erschreckt zu reagieren und zunächst einmal nichts von alledem wissen zu wollen. Ich halte das nicht für die schlechteste Reaktion: anstatt den Spieß nun einfach umzudrehen, ist es durchaus sinnvoll, einmal kurz innezuhalten und eine Bestandsaufnahme zu machen. Das Nicht-wissen-wollen ist vielleicht eine passive Weise, sich mit dem Thema zu beschäftigen: aber es ist immerhin eine vom eigenen Wollen gesteuerte Art, nicht eine von überkommenen Vorstellungen aufgezwungene. Die Zeit der gemeinsamen, gegenseitig respektierten Aufarbeitung auf männliche und auf weibliche Art und Weise fängt jetzt erst an. Experimentierfreudige Männer haben sich - auf der Suche nach Einsicht - in den letzten Jahren allzuoft von Frauen sagen lassen müssen (und verschiedentlich auch wollen), wie zu handeln, wie zu fühlen ist: Wilfried Wieck ("Männer lassen lieben") gehört dieser Männergeneration an. Dabei wurde durch die Bank außer Acht gelassen, daß Männer ebenso ein eigenes, anders geartetes Gefühlsleben haben, daß in seiner Wertigkeit dem Gefühlsleben der Frau in nichts nachsteht. In den letzten zwanzig Jahren gehörte es fast zum guten Ton, daß Männer versuchten, so wie Frauen zu fühlen und "ihren weiblichen Anteilen in sich" nachzuspüren (2). Sie haben sich zwar bemüht, aber sich gleichzeitig damit ebenso lächerlich gemacht wie es ein handwerklich unbegabter Professor tun würde, wenn er einem Gärtner erzählen würde, wie man einen Baum pflanzt. Es gibt keinen Grund für einen Mann, sein eigenes Gefühls- und Empfindungsleben zugunsten dem der Frauen hintanzustellen; ebensowenig gibt es irgendeinen Grund für die Frauen, desgleichen zu tun. Unsere Welt ist vom dualistischen Prinzip des männlich/weiblichen geprägt: das ändern zu wollen, fällt unter die Rubrik der menschlichen Allmachtsphantasien. Männer haben aus dieser gesellschaftlichen Strömung heraus allzuleicht nachgegeben, wenn es z.B. um das Sorgerecht für die Kinder ging. Die Gesellschaft meint, daß Mütter die "besseren Eltern" sind - also haben Väter das auch geglaubt. Aber es zeigt sich langsam, daß dem nicht so ist. Männer entziehen sich zwar dem Haß und dem Streit, der nach der Trennung von der (Ehe)frau in der Regel verstärkt auftritt, oft durch Flucht. Deswegen sind sie aber noch lange nicht weniger willens und befähigt, ihre Kinder zu erziehen. Ich halte die Fluchtreaktion nicht einmal für eine verantwortungslose Demonstration von Erziehungsunfähigkeit: es ist eben die männliche Art, nach langer fruchtloser Nicht-Kommunikation unter die gescheiterte Beziehung einen Schlußstrich zu ziehen. Der eher von Frauen geübte Schlußstrich, auch den Kindern noch den Zugang zum Vater zu verwehren, ist in meinen Augen wesentlich fragwürdiger. |
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| Unterhaltsverweigerer | Das von Vera Gaserow in der "ZEIT" zu Tode gerittene Thema der Unterhaltsverweigerung (3) wird unverdient zum heißen Eisen hochstiliert: viele entsorgte Väter sehen es heute nicht mehr ein, daß sie Unterhalt für Frau und Kinder zahlen müssen, wenn erstere es letzteren verwehrt, den Vater überhaupt noch zu sehen. Gegen die Mittel von alleinerziehenden Müttern, den Vätern den Zugang zu ihren Kindern unmöglich zu machen, hat der Vater heute keine reale Chance. Er kann von einem Gerichtstermin zum anderen ziehen - immer mit sechs bis acht Wochen Wartezeit -, er kann das Jugendamt anrufen: alles verlorene Zeit, vertane Hoffnung. Es gibt kein Mittel, mit dem man einen Menschen zwingen kann, gerecht zu sein. Deswegen ziehen viele Väter an dem einzigen Hebel, den sie noch haben: sie zahlen nicht. Ich kann das verstehen. |
| Das Interesse des Staates | Die hohe Zahl der nichtzahlenden Väter kommt im Übrigen allein
dadurch zustande, daß eben die meisten Ehen so geschieden werden,
daß den Müttern die Kinder zugesprochen werden und nicht den
Vätern, denn der Staat ist durchaus daran interessiert, sich die Arbeitskraft
und Wertschöpfung der Väter auf wirtschaftlichem Gebiet zu erhalten.
Mütter bringen da in der Regel weniger Steuern in die Kasse, über
die Gründe wird anderen Orts noch zu berichten sein. In den wenigen
Fällen, wo die Kinder beim Vater verbleiben, zahlen die Mütter
mit ebensowenig Moral - die Mutter meiner Kinder zahlt natürlich auch
nicht. Es scheint so zu sein, daß im Bewußtsein von Frauen
die von ihnen im umgekehrten Falle eingeforderte Zuverlässigkeit in
der Sicherung des Lebensunterhalts auch nicht sehr tief verankert ist.
Es ist so: für das, was ihm nicht vertraut ist, zahlt der Mensch nicht gern. Wenn man ihm die Möglichkeit nimmt, das, was ihm ans Herz gewachsen ist, blühen und gedeihen zu sehen, dann ist es - aus meiner hier demonstrierten anarchischen Grundhaltung heraus gesehen - nur recht und billig, wenn er auch den Unterhalt verweigert. Es muß ein gesetzlich verankertes und einklagbares Kontrollsystem her, mit dessen Hilfe der entsorgte Elternteil sein Besuchsrecht sicher und kontinuierlich wahrnehmen kann. Innerhalb dieses Besuchsrechts muß er das Verhältnis zu seinen Kindern nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten können: der andere Elternteil soll da nicht - oder nur über eine sehr hochgehängte Meßlatte - hereinreden dürfen. "Der schaut ja nur Fernsehen mit denen" darf gar nicht erst zum Grund eines Termins beim Jugendamt werden. Erst dann können die Sozialämter anfangen, den aufgetürmten Schuldenberg langsam abbauen. |
| Konfliktlösungsstrategien | |
| Wie in einem der vorhergehenden Absätze bereits erwähnt: Männer haben eine andere Art, Konflikte zu lösen als Frauen. In den letzten Jahren ist das feminine Lösungsmodell unverdient ins Rampenlicht gezogen worden, während das maskuline weiterhin im Hintergrund die Fäden gezogen hat. Ich würde die Unterschiede wie folgt polarisieren: | |
| Konfliktlösung | Der feminine Konfliktlösungsansatz zeichnet sich aus durch
Der maskuline Ansatz wird bestimmt durch Das ist - wie alles in der Ambivalenz zwischen Männern und Frauen - keine vollständige Beschreibung, und jeder kennt mindestens einen Menschen, wo das absolut überhaupt gar nicht zutrifft. Gerade die letzten beiden Punkte der männlichen und weiblichen Lösungsansätze scheinen mir im Falle der Auflösung einer mit Kindern gesegneten Partnerschaft von einigem Interesse: wird Männern doch oft vorgeworfen, sie kümmerten sich nicht weiter um ihre Kinder und ließen sie sang- und klanglos im Stich. Im Falle von Trennung und Scheidung ist es weithin geübte Praxis, rationales Kommunikationsverhalten zwischen den ehemaligen Partnern völlig aufzugeben: die emotionalen Wellen schlagen hoch, jeder fühlt sich durch jedes Wort des anderen im Innersten getroffen und versucht nach Kräften, den anderen mundtot zu machen. Männer treten an diesem Punkt eher die Flucht an als Frauen. Sie geben den Kontakt auf, brechen jede Beziehung ab und wollen einfach nicht mehr, zumindest nicht so wie bisher. Frauen hingegen wollen meist noch weiterreden - und wenn auch nur, um ihre eigene Position genauer darzustellen - und fühlen sich durch den Kommunikationsabbruch seitens des ehemaligen Partners brüskiert und als Gesprächspartner nicht ernstgenommen. Das führt sehr schnell in eine "verbale Gewaltspirale", die die eine Seite wild macht und die andere noch schneller fortlaufen läßt: der Mann sieht keine Möglichkeit mehr, noch irgendeine seiner Vorstellungen in die zu beendende Beziehung einzubringen und gibt sehr schnell vollends auf. Männer müssen sich hier den Vorwurf gefallen lassen, nicht hartnäkkig genug zu sein, keine Beleidigungen wegstecken zu können und auch hier in den beruflichen Interessen Vergessen zu suchen. |
| Männer und Beruf | Ein weiterer Grund für die Absage der Väter an die Mutter
ihrer Kinder ist darin zu finden, daß Männer von Kind auf dazu
erzogen werden, einen Beruf zu ergreifen und sich den Lebensunterhalt selbst
zu verdienen ("Was willst Du denn später einmal werden?"
wurden die Buben meiner Generation öfter gefragt - seltener die Mädchen).
Selbstverständlich sind auch die Frauen dazu angehalten worden, einen
eigenen Beruf zu lernen, die meisten haben ja auch einen. Aber das geschah
nicht mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Unausweichlichkeit, wie das
bei Männern der Fall ist ("notfalls heiratet man"). Das
bewirkt, daß es Männer eher gewöhnt sind, neu anzufangen
und sich in eine beruflich neue Perspektive hineinzudenken. Der Beruf wird
zum willkommenen Mittel, die private Katastrophe wenigstens für einige
Stunden des Tages vergessen zu können: eine Trennung wird von vielen
Männern häufig zwar als emotionaler Schicksalsschlag, nicht jedoch
als wirtschaftliche Bedrohung empfunden, auch ohne die ehemalige Partnerin
geht das rudimentäre Leben zweifelsohne weiter.
Für Frauen, die bis vor der Trennung allein im Haushalt für die Kinder dagewesen sind, stellt sich die Situation anders dar. Ihre Existenz war bis dahin ausschließlich vom Manne abhängig, dessen Arbeit Geld einbrachte, während ihre Arbeit Geld verbrauchte. Für sie ist eine Trennung deswegen eine viel existenziellere Bedrohung: sie hat es weniger gelernt, ihre eigenen Ideen so zu verkaufen, daß Geld zur Sicherung des Familienunterhalts hereinkommt. |
| Kinder werden mißbraucht | Hier werden nun die Kinder zum wesentlichen Hebel, mit dem dieser Unterhalt
gesichert werden kann: solange die Kinder bei der Mutter bleiben, solange
läßt sich vom ehemaligen Partner eine moralische und gesetzliche
Verpflichtung ableiten, auch die Mutter weiterhin zu unterstützen.
Dem primären Ziel, vom nicht mehr greifbaren Partner wahr- und ernstgenommen
zu werden, wird nun Nachdruck verliehen dadurch, daß dieser Hebel
angesetzt wird: "wenn Du nicht tust, was ich will, dann wirst Du die
Kinder nicht mehr sehen". Der Hebel läßt sich durch Mißbrauchsvorwurf
sogar noch erheblich verlängern - aber immer sind die Kinder der Dreh-
und Angelpunkt, an dem dieser Hebel sich abstützt.
Für den Mann ist es vollkommen klar und logisch, daß er sich an diesem Punkt des Geschehens völlig von seiner ehemaligen Familie - Partnerin und Kindern, weil letztere nun einmal fest an erstere geschweißt sind - trennt und sein Heil in der räumlichen und geistigen Emigration sucht. Das heißt nicht, daß dem Vater die Kinder nicht leid tun: er sieht nur keinerlei Chance mehr. Er sieht, daß die Kinder durch seine Anwesenheit zu leiden haben und denkt: "wenn ich weg bin, dann kehrt wenigstens Ruhe ein für die Kinder". Das ist falsch gedacht - aber nachvollziehbar. |
| Männer und Kinder
Kinder sind gut für Männer - und Männer sind gut für Kinder. |
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| Allmacht ohne Kinder | Männer, die in einer kinderlosen Umwelt aufwachsen, geraten in
Versuchung, sich allmächtig zu fühlen: "lassen Sie mal,
das machen wir schon". In der Berufswelt, die Männer sich schaffen
- und auch weitgehend unter sich - gibt es eine Menge von vorgefertigten
Problemlösungsstrategien, die altbewährt sind und "immer
schon" gegriffen haben. Wo keine Kinder sind, die einem durch ihren
überraschenden und doch einleuchtenden Lösungsansatz immer wieder
neu zum Erstaunen bringen, da werden die Wälder gerodet anstatt daß
man in ihnen spielt. "... Der Mensch wird jeden Tag anders, ich sehe
das bei meinen Kindern. Es ist nur unsere seltsame Vorstellung vom Selbst,
die aus allem eine einheitliche Biographie konstruiert" sagt Susan
Blackmore (4) in einem Interview mit Gero von Randow (5).
Natürlich lassen sich im Berufsalltag Kinder nicht immer unterbringen: ich wüßte nicht, was ein Kind in einem Walzwerk oder in einer Eisengießerei zu suchen hätte. In den Büroalltag ließen sich Kinder schon weit besser integrieren, wenn die Unternehmen sich endlich einmal zu mehr Betriebskindergärten und Hausaufgabenbetreuungen für die Kinder ihrer Beschäftigten aufschwingen könnten. Daß es geht, ist keine Frage, daß es sich rechnet, ebensowenig - über den Sinn und Nutzen wird aber immer noch nicht ernsthaft genug nachgedacht, weil Männer den Sinn und Nutzen für sich und ihr ureigenes Leben noch nicht ausreichend verstanden haben. Kinder erfordern vom Mann ein Alltagsleben abseits von den Pfaden der Gewohnheit und der Eintönigkeit - aber genau dieses Herumstreifen neben den amtlich vorgeschriebenen Pfaden machen das Leben vielseitiger und subjektiv interessanter. Männer, die Kinder haben und erziehen, sind vielfach ausgeglichener als solche, die nach der Arbeit mangels Familie ein wie immer geartetes "Freizeitangebot" in Anspruch nehmen müssen. Letztere können sich nur schwer vorstellen, daß ihre Vorstellungen in einem speziellen Fall nicht durchführbar sind; Väter hingegen kennen solche Situationen zu genüge und können damit umgehen. |
| Kinder zwingen zum Anders-Denken | Kinder hingegen brauchen präsente Männer, denn sie erleben
Männer als die Großen, die "Macher", die etwas reparieren
können, die ein bißchen wild sind, die ihnen durch bestimmt
vorgetragene Anweisungen die Last des Sich-entscheiden-müssens und
der Verantwortung abnehmen, und die von ihnen Dinge fordern, die sie sich
selbst oftmals noch gar nicht so richtig zutrauen würden. Abenteuerspaziergänge
in Watt, Wald oder Gebirge - etwas abseits von den amtlich vorgeschriebenen
Pfaden - werden als herausragende Erlebnisse bis ins Erwachsenenalter im
Gedächtnis behalten. Beim Bau des ersten Kanus hilft der Vater, das
Fahrradflicken und der Umgang mit Schraubenzieher, Hammer und Bohrmaschine
sind Sachen, die der männlichen Welt angehören. Das Nachdenken
über Philosophie, das Übernehmen von Verantwortung auch dann,
wenn´s unangenehm wird, das genaue Nachfragen nach Zusammenhängen,
die immer als selbstverständlich hingenommen wurden und es auf einmal
nicht mehr sind.
Alles das können und tun Frauen auch - keine Frage. Aber sie können und tun es auf die weibliche Art, die nicht die einzige auf dieser Welt existierende Art ist. Es ist eine schwerwiegende Hypothek auf die Zukunft der Kinder, ihnen die männlichen Aspekte des Lebens leichtfertig vorzuenthalten und das Problem allein auf die Schuldfrage zu reduzieren. Größte Bedenken hege ich angesichts des Heeres der vaterlos aufgewachsenen Kinder. Bert Hellinger, der durch seine Familienaufstellungen bekanntgewordene Psychotherapeut aus Ainring, führt die Ausschreitungen der Skinhead-Szene in hohem Maße darauf zurück, daß diesen Männern der Vater gefehlt hat: "Die Rechtsradikalen rächen ihre verachteten Väter. Da kommt das Männliche in seinem Zerrbild hoch, weil das Männliche im Vater verachtet worden ist. Und zwar von den Müttern. Die Rechtsradikalen sind eigentlich vaterlose Gesellen"(6). |
| Frauen und Kinder | |
| Die Selbstbehauptung und Identitätsfindung von Frauen war notwendig
und gerechtfertigt.
Aber es reicht jetzt. Allzuviele Mütter verlieren im neu gewonnenen Machtrausch den Blick für das Machbare: den Blick für das, was sie ihren Kindern und Männern - und letztlich, aber erst nach Jahren auch sich selbst - antun. Es ist in der Gesellschaft und in Ämtern zu einfach geworden, auf den Mann mit dem Finger zu zeigen und per einstweiliger Anordnung die ehemals gemeinsame Wohnung nebst Kindern für sich zu reklamieren. Während der feministischen Umorientierung sind einige traditionelle Werte über Bord gegangen, andere sind geblieben. Über Bord gegangen ist die Bindung der Frauen an Heim und Herd, Kirche und Krankenhaus. Ebenso ist die enge Abhängigkeit der Frauen von den Vorstellungen des Mannes aufgehoben: wenn im Jahre 1957 der sonst eher fortschrittliche Minister Wuermeling in Sorgerechtsfragen dem Mann das letzte Wort eingeräumt hat, ist das heute berechtigterweise nicht mehr als eine Lachnummer. Geblieben ist allerdings ein eingebildeter Mutter-Mythos: der bessere Erziehungsverantwortliche für Kinder ist scheinbar die Frau. Ebenso geblieben ist die Vorstellung, daß Männer in hauswirtschaftlichen Dingen eher unfähig seien, wenngleich alle Haushaltsmaschinen so gut wie ausschließlich von Männern erfunden worden sind. Es ist hohe Zeit, daß der notwendige Feminismus sich zu einem gesunden Humanismus wandelt: es muß individuell geschaut werden, wer als "Mensch" besser geeignet ist zur Ausübung der Erziehungspflichten. In meiner Generation ist es nicht mehr notwendig, daß Mann und Frau zusammenbleiben, wenn aus der Verbindung Kinder entstanden sind: die wirtschaftlichen Möglichkeiten, auch ohne den Partner zu überleben, sind in einer promiskuitiven Gesellschaft wie der unseren real vorhanden. Das ist kein Anlaß zur Sorge: der erwachsene Mensch soll und kann tun und lassen, was ihm beliebt - solange er die Grenzen und Bedürfnisse der anderen aktiv respektiert. Hunderttausende von Frauen kommen aber mit den sozialen Schwierigkeiten ihrer "Schlüsselkinder" nicht mehr zurecht - und wehren sich trotzdem dagegen, den Vätern ein vernünftiges Besuchs- und Mitsorgerecht einzuräumen. Lieber lassen sie ihre Kinder sehenden Auges seelisch zugrundegehen. Alleinerziehende Väter gibt es nur ganz wenige - und die machen ihre Sache keineswegs schlechter als alleinerziehende Mütter auch. In unserer Gesellschaft ist es real so, daß der größte Teil der Mütter in der gesunden Partnerschaft die Kinder zu Hause erzieht und der größte Teil der Väter die Familie morgens verläßt, um seinem Beruf nachzugehen. Man kann daraus herleiten, daß Frauen in der Erziehung von Kindern mehr Übung haben - besser sind sie deswegen nicht. Die tagtägliche und ausschließliche Beschäftigung mit Kindern erfordert vom Erwachsenen eine Menge eintöniger Routinearbeit und läßt eine Menge Wünsche nach gleichwertiger Kommunikation, Freizeit und Ruhe für sich selbst offen: da gibt es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede. |
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| Alltag für alleinerziehende Väter | |
| Für Männer ist die Umstellung auf die Arbeit des Alleinerziehenden
schwieriger zu bewerkstelligen als für Frauen. Männer haben in
der Regel mit ihren Kindern weniger zu tun gehabt als Frauen: die Zuverlässigkeit,
mit der Frauen die Erziehungsarbeit über Jahre hinweg sicherstellen,
erbringen die Väter mit der Sicherung des Unterhalts und des sozialen
Standards.
Leider führt das oft zu der Zwangsläufigkeit, daß nach der Trennung die Väter ihre Kinder an die Mütter verlieren, weil sie Angst oder Unsicherheit vor den notwendigen Änderungen im täglichen Leben empfinden. Man könnte es allerdings ein wenig anders sehen. Die persönliche Katastrophe, die eine Trennung oder Scheidung darstellt, ist vielleicht auch ein Zeichen dafür, daß im vergangenen Leben irgendetwas absolut nicht in Ordnung gewesen ist: wenn man da so weitermacht wie bisher, wird das nach einigen Jahren garantiert wieder in denselben Sumpf führen. Es ist eine erschreckende Tatsache, daß viele Männer aus der einen Beziehung herausgehen und ziemlich schnell eine neue beginnen, ohne sich jemals ernsthaft einer inneren Bestandsaufnahme zu unterziehen. |
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| Bestandsaufnahme | Diese Bestandsaufnahme könnte zum Beispiel dazu führen, daß man einmal ernsthaft die Möglichkeit durchspielt, den aushäusigen Job an den Nagel zu hängen und irgendeine Arbeit macht, die mit den Interessen der zu betreuenden Kinder in Einklang zu bringen ist. Hier wird eine Menge Kreativität gefordert und auch eine Menge Angst- und Streßtoleranz, das gebe ich unumwunden zu. Aber was nützt einem alleinstehenden Mann am Ende seines Lebens seine langersehnte Rente, sein vom Munde abgespartes Haus oder das Geld für gottweißwelche Urlaubsreisen, wenn er dafür seine Kinder verloren hat? Für mich war das nie eine Frage: ich wollte meine Kinder. Ich wollte sie natürlich nie allein erziehen, sondern mit der Mutter zusammen. Aber da letzteres nun einmal nicht ging, wollte ich sie doch niemals hergeben - zumindest nicht unter der Voraussetzung, daß ich sie nur bei Wohlverhalten zu sehen bekomme. Wenn eine vernünftige Kommunikation möglich ist, dann spielt es keine Rolle, bei wem die Kinder aufwachsen. Solange das nicht möglich war, wollte ich die Kinder bei mir haben. Diesen Egoismus habe ich mir stets gegönnt. |
| Voraussetzung: Beruf zu Hause | Ich habe deswegen trotz allen "das kann doch gar nicht klappen"-Ratschlägen
meine Selbständigkeit so ausgebaut, daß ich von zu Hause aus
arbeiten konnte. Das fing schon in den verheirateten Jahren an, als ich
bei Siemens arbeitete: schon dort habe ich für mich durchgesetzt,
daß ich bei Projekten, die hohe Konzentration forderten, ein paar
Tage am Stück zu Hause arbeiten konnte. Ich habe da solange herumgequengelt,
bis die Vorgesetzten sich darauf eingelassen haben - die Ergebnisse gaben
mir recht.
Anschließend habe ich mir langsam, aber zielstrebig die Möglichkeit gesucht, ganz aus dem Angestelltenverhältnis mit Anwesenheitspflicht herauszukommen. Es war teuer: mein Siemens-Gehalt mit all den dort tariflich festgelegten Absicherungen habe ich natürlich nicht mehr erreicht. Zunächst hatte ich einen festen 3-Jahres-Vertrag bei freier Zeiteinteilung, innerhalb dieser Zeit konnte ich mir in Ruhe weitere Auftraggeber suchen. Nach drei Jahren lief die Karre noch lange nicht richtig: bis zu einem relativ sicheren Auftragsstand hat´s fünf Jahre gedauert. Aber das ist eine überblickbare Zeitspanne, in der man vielleicht die gewohnten Urlaubsreisen doch einmal hintanstellen kann und auch sonstige Anschaffungen etwas weiter hinausschiebt. Es geht - aber man weiß vorhier nie genau, wie und wohin. Flexibilität und Lust, etwas ganz auf sich allein gestellt zu tun ist die Voraussetzung. |
| Telearbeit | Mein größter Vorteil war die Einführung der Computernetze (Internet, CompuServe etc.) und die damit verbundenen Möglichkeiten, sich Informationen weltweit zu besorgen und sie auch zu versenden: viele Fahrten zu Kunden oder Druckereien etc. ließen sich auf diese Weise vermeiden. Dieser Trend zur Telearbeit wird sich enorm erweitern - eine große Chance für Männer, die mit ihren Kindern zusammenleben wollen. Da heute sehr viele Bürojobs mit dem Computer zu erledigen sind und zumeist sowieso firmeninterne Internet-Netzwerke (IntraNets) installiert sind, gibt es eigentlich kaum noch Gründe, die acht wachen Stunden des Tages im Büro irgendeiner Firma zu verbringen. Zusätzlich spart man Energie (nicht Wohnung und Büro müssen geheizt werden, sondern nur die Wohnung) und Fahrtzeit und -kosten. Es gilt, die Augen offenzuhalten und sich zu trauen, einen entsprechenden Gedanken zu denken und ihn in die Tat umzusetzen. Die Alternative ist der entsorgte Zahlvater, der Sklave von Familie und Finanzamt, der sich krummlegen soll, ohne sich an den Früchten seines Arbeitslebens freuen zu dürfen: allzuviele geschiedene Männer sind bis auf die Grundmauern ihrer Existenz ruiniert, sehen sich unglaublichen Schuldenbergen gegenüber und sitzen nach dem Erreichen des Rentenalters allein in ihrer Bude herum. Will ich nicht. |
| Hauswirtschaft | Die Hauswirtschaft ist im Übrigen eine Frage der Organisation.
Kochen lernt man schnell, Kinder haben keinen allzu exzentrischen Geschmack.
Das Sauberhalten der Wohnung kann man einer Putzfrau (ich hatte eine Zeitlang
einen Putzmann, der aber mittlerweile anderweitig beschäftigt ist)
überlassen: das kostet ein paar Mark, ist aber im Endeffekt billiger,
als wenn man´s selber macht. Waschen und Trocknen geht mit der Maschine:
mehr wie einmal die Woche muß kein Mensch diese Kisten anwerfen.
Ansonsten muß man sich nicht scheuen, allen Beteiligten in einer Alleinerziehenden-Familie zuzumuten, daß sie etwas enger zusammenrücken. Den Kindern kann selbstverständlich nicht die gleiche Aufmersamkeit zukommen wie das in einer Vater-Mutter-Familie der Fall ist. Nun ja, Kinder halten das ganz gut durch und zeigen sich da durchaus einsichtig, wenn sie sicher sind, daß sie geliebt werden und daß man bereit ist, für sie einiges an Privatinteresse aufzugeben. Genauso akzeptieren sie allerdings auch, daß man Einiges gerade nicht aufgibt. Ich würde es sogar geradezu als Erziehungsbestandteil fordern, von den Kindern die Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Vaters bzw. der Mutter zu verlangen. |
| Schule | Die Hausaufgabenkontrolle führe ich - obwohl wir in Bayern leben - nur sehr rudimentär durch: ich fühle mich weder in der Lage noch verpflichtet, für die Schule unentgeltlich als Hilfslehrer zu arbeiten. Die Kinder wissen das, und wenn sie von Zeit zu Zeit wieder auf das richtige Gleis gesetzt werden, klappt das auch ganz gut. Ich halte diese konsequente Forderung nach Selbständigkeit und überschaubarer Verantwortung nebenbei für ein sehr erstrebenswertes Erziehungsziel. |
| Kranke Kinder | Auch kranke Kinder sind keine wesentliche Belastung im normalen Alltagsleben. Kinderkrankheiten gehören zu allen Lebensprozessen dazu, sie sind keine Fehlfunktionen, sondern notwendige Entwicklungsschritte. Im Übrigen ist bei kranken Kindern zwar Wachsamkeit, aber keine Hektik angesagt: so schnell gibt es keine bleibenden Schäden. Das größte Problem im Umgang mit Kinderkrankheiten ist für mich immer der wohlmeinende Ratschlag der Nachbarin: da darf man sich nicht irre machen lassen. Wenn ich unsicher wurde, habe ich noch ein wenig gewartet und dann den Arzt konsultiert. Das hat sogar in den beiden Jahren immer gut geklappt, als ich mir noch kein Auto leisten konnte: die kommen schon, wenn´s brenzlig wird. |
| Ausblick: Was helfen kann | |
| Ich habe mich nie auf die Hilfe von staatlichen Institutionen verlassen: der Staat verwaltet, er hilft nicht. Der Staat hat die Aufgabe, möglichst viele verschiedene Interessen zu integrieren - das geht nur über klar definierte Statuten. Eine Einzelperson wird sich da nicht wiederfinden. | |
| Freunde | Freunde und Verwandte können eine große Hilfe sein - wenn sie das Problem sehr vorsichtig und gefühlvoll angehen. Was man in einer solchen Situation braucht, ist jemand, der zuhört - nicht jemand, der Ratschläge erteilt. Das, was mir wohlmeinende Freunde und Bekannte an "Ratschlägen" mitgeben wollten, habe ich immer eher als "Schläge" empfunden, denn Rat brauchte ich nicht. Ich wußte meist selber, wie die Partnerin dachte und die Dinge sah - und genau damit kam ich nicht zurecht. Ich brauchte also niemand, der mir den anderen Bilckwinkel genauer erläuterte: ich brauchte jemanden, bei dem ich mich ausweinen konnte, bei dem ich auch eher "extreme" Thesen äußern konnte und der nicht nervös wurde, wenn ich von Selbstmord sprach. Solche Leute waren dünn gesät: viel Hilfe habe ich da von meinem Bruder erfahren. Das ist individuell sehr verschieden. Wenn heute ein Mann oder eine Frau in diesen Schwierigkeiten zu mir kommt, versuche ich, zuzuhören und zu verstehen, was alles passiert ist. Ratschläge gebe ich nur zögerlich, versuche aber, ein Gefühl zu vermitteln, daß es mir genauso gegangen ist und daß ich es auch gerade nur so überlebt habe. |
| Caritas | Gute Erfahrungen habe ich mit den Einrichtungen der Caritas gemacht. Man hat mir dort schnelle und unbürokratische Hilfe zukommen lassen, wofür ich heute noch sehr dankbar bin. Die Arbeiten der Haushaltshilfen war zwar nicht kostenlos, aber der zu entrichtende Obolus konnte an die realen wirtschaftlichen Verhältnisse angepaßt werden. Es ist eine gute Idee, sich in der ersten Verwirrung dorthin zu wenden: die Frauen, die dort arbeiten, können einem rat- und tatkräftige Hilfe leisten. Sie sehen nicht die Person, sondern die Not, und dort helfen sie. |
| Schuldnerberatung | Die Caritas betreibt oder vermittelt im Übrigen auch kostenlose Schuldnerberatungsstellen, derer ich in finanzieller Not ebenfalls einmal eine aufgesucht habe. Mein finanzielles Problem konnte dort nicht gelöst werden, weil ich nur ein einziges Mal da gewesen bin. Man vermittelte mir bei diesem einen Gespräch zwei eminent wichtige Dinge: Erstens bin ich nicht der einzige, der nach der Scheidung finanziell am Ende ist. Das ist der Normalfall, und man muß sich dessen nicht schämen. Zweitens lassen sich finanzielle Probleme mit der Zeit lösen: viele Gläubiger lassen in weitem Umfang mit sich reden, wenn sie sehen, daß wirklich nichts mehr geht. Ich habe mit ihnen geredet, und sie sind bis auf wenige Ausnahmen immer menschlich mit mir umgegangen. Auch das Finanzamt. |
| Kirche | Religiöse Bindungen zu bekunden ist heute ein etwas heikles Thema.
Ich bin katholisch und sehe keinen Grund, daran irgendetwas zu ändern.
Ich bin nicht mit allem einverstanden, was die Männerriege in Rom
so von sich gibt, aber es gibt einen gemeinsamen sozialen Grundkonsens.
Ob die entsprechende römische Komission wiederverheiratete Geschiedene
zur Kommunion zuläßt oder nicht ist mir absolut egal: das oberste
Prinzip römisch-katholischen Selbstverständnisses ist - auch
offiziell - immer noch das eigene Gewissen - und das ist es auch für
mich immer gewesen.
Ich habe einige Jahre nach der Trennung wieder angefangen, regelmäßig die Sonntagsmesse aufzusuchen. Es ist mir seitdem immer besser gegangen. Vielleicht liegt es daran, daß dort immer wieder an Generationen von Menschen erinnert wird, denen im Leben auch irgendwas fürchterlich aus dem Ruder gelaufen ist und die, genau wie ich, weder ein noch aus wußten und keinen irdischen Richter fanden, der ihnen Recht sprach. Es hat mich ein wenig getröstet, jeden Sonntag in der Kirche die gleichen Menschen zu sehen, die hier so um mich herum wohnen: die schlechtesten sind das nicht. Heute gehe ich mit den Kindern regelmäßig in den Gottesdienst, damit sie später in ähnlichen Situationen ebenfalls wissen, wo sie sich ein wenig Zeit zum Ausruhen holen können (7). Die wöchentliche Stunde der Ruhe bringt einen sehr schönen Rhythmus in die Woche: der Sonntag entfaltet dadurch die Berechtigung seiner Sonderstellung. Es ist schwer für uns heutige Menschen, hier Zuflucht zu suchen, denn wir leben in einer über-rationalen Welt, die alles zu erklären versucht und in zunehmendem Maße danach trachtet, Schuld zuzuweisen. Ich habe aber gelernt:
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| Beispiel für eine überlieferte Strategie | Ich möchte in diesem Zusammenhang den ursprünglichen Schluß des Markusevangeliums zitieren (Markus 16,8) : "Da verließen sie das Grab und flohen, denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon, denn sie fürchteten sich". Das scheint mir eine schöne, kurz und knapp in die Praxis umgesetzte Metapher für die überlieferte männliche Problemlösungsstrategie zu sein: klappt nicht - nix wie weg hier, hoffentlich merkt keiner, daß wir dazugehört haben. |
| Neue Strategie | Zweihundert Jahre später wurde zunehmende Unzufriedenheit an diesem
Schluß des Evangeliums laut, und die Überlieferer weiterer Aufzeichnungen
sahen sich genötigt, einen etwas richtungweisenderen Schluß
anzuhängen. Es wird in Mk. 16,9-20 dann von der Erscheinung Jesu bei
den zurückgebliebenen Männern berichtet: er hat sie ordentlich
zurechtgestaucht, ihnen die Furcht vor der Zukunft genommen und ist dann
in den Himmel aufgefahren. Das letztere wird uns wohl nicht so leicht gelingen.
Aber die zwei anderen Punkte tun not.
Es wird klappen. Wenn wir Männer bereit sind, uns die berechtigten und unberechtigten Vorwürfe anzuhören, die unberechtigten energisch von uns zu weisen - und uns dann ohne Furcht den zu lösenden Problemen zuzuwenden. |
| (1) Wenn es keine Bürgermeisterin gibt, dann darf
der Bürgermeister zur Einweihung und Überreichung des ersten
Schecks erscheinen. Das sollte man an dieser Stelle gerechter Weise erwähnen.
(2) vgl. Sam Keen: Feuer im Bauch (4) britische Gehirnforscherin (6) Psychologie heute 6/95, S.26 (7) Ein mir mittlerweile namentlich nicht mehr bekannter Freund nannte das einmal "es ist gut zu wissen, wo man von Zeit zu Zeit mal seine Batterie anklemmen kann". |
alleinerziehende Väter, Väter, alleinerziehend, Vater, Alltag mit Kindern, Scheidung, Konfliktlösung, Diskriminierung, Benachteiligung, Väter und Kinder, Überlebensstrategie, Erfahrungsbericht
Zu alleinerziehenden Vätern siehe auch:
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