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Ein Freispruch
für die Väter
Der Psychologe Horst Petri verteidigte in der VHS Schorndorf sein
Geschlecht
Schorndorf. Im Geschlechterkampf herrscht Ungleichheit: Während die öffentliche Diskussion von Frauen bestimmt wird, ducken sich die Männer unter Verhaltensdiktaten und Erwartungen, denen sie weder physisch noch psychisch genügen können. Behauptet der Berliner Psychoanalytiker Horst Petri in seinem Buch "Guter Vater - böser Vater". Jetzt faßte er in Schorndorf seine Thesen zusammen.
Ursprünglich wollte Petri ein ganz anderes Buch schreiben: "Freispruch für Mütter." Seit Freud, so der Psychiatrie-Professor, werden die Mütter für jedes psychische Unbill verantwortlich gemacht. Doch dann stieß der Autor in seiner ärztlichen Praxis immer häufiger auf das Schicksal des "neuen Mannes". Er nimmt an der Geburtsvorbereitung seiner Frau teil, zeigt sich engagiert, interessiert und informiert und tut dennoch nie genug. Kinder, die Ehefrau, Sportskameraden und der Chef zerren gleichzeitig an ihm. Die Folge: psychosomatische Störungen bis zur klinischen Depression. Aufgrund solcher Fallbeispiele sowie einer "ganzheitlichen Sicht", wie er betont, entwickelte Petri seine Thesen zur "Psychologie der männlichen Identität".
Und die gelten derzeit offenbar als provokant. Bei einer Rundfunkdiskussion in München wurde Petri von einer Frauenbeauftragten attackiert. Und in Schorndorf fühlten sich auch Männer von seiner Annahme verunsichert, Beruf und Karriere stünden beim Mann noch vor der Familie an erster Stelle. Das könne aufgrund der männlichen Identität und Sozialisation auch gar nicht anders sein. Diese These vor allem sorgte in der dem Vortrag folgenden Diskussion für Zündstoff.
Dabei bracht Petri, selbst Vater zweier Kinder, nicht etwa eine Lanze für die Bevorzugung der Karriere gegenüber dem Familienleben. Der Kinderpsychiater hatte vielmehr ausgeführt, warum Frauen (leider?) Recht haben, wenn sie ihren Männern vorwerfen: "Du denkst immer nur an Deinen Beruf!" Denn von Kindheit an würden Jungen, anders als Mädchen, den Erfolg im Beruf als Lebensauftrag verinnerlichen. Daß der Mann seine Identität um den Beruf herum aufbaut, der außerdem zur Sublimation seiner Triebwelt herhalten müsse, liege an einem gesellschaftlichen Auftrag. Er werde von der Umwelt, und letztlich auch von der Familie, über seine Karriere definiert. Eine stabile Berufsidentität sei mithin die Grundvoraussetzung für eine stabile Vaterrolle. Was dies in einer Ära der Arbeitslosigkeit bedeute, lasse sich leicht ermessen.
Das Vaterbild sei ohnehin vom gesellschaftlichen Klima, dem historischen Kontext und der Situation in der Familie geprägt. Heute gebe es mehrere Vatergenerationen: die noch vom Faschismus geprägte, die Söhne als künftige Soldaten einstufe; die Kinder des Wirtschaftwunders der 50er; die der liberalen 70er. Jede unterscheide sich grundlegend, das Einheitsbild "Vater" sei nicht mehr existent.
Petri stellte zur Diskussion, das Vaterbild weiterhin ausschließlich am Wohle des Kindes zu messen. Seit Freud sei die Auffassung von Rousseau widerlegt, der im Kind nur "heilige Unschuld" sah. Kinder, so Petri, könnten möglicherweise "mächtige Täter" sein. Schuldzuschreibungen, die heute vor allem Väter treffen würden, seien demnach zu hinterfragen, um nicht "goldene Zeiten für künftige Therapeutengenerationen" zu schaffen.