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WESTDEUTSCHE-ALLGEMEINE vom 25.07.98
Von
P. Koruhn

Von Vätern ohne Kinder
Die Selbsthilfegruppe Quadrat - gegen Wut, Trauer und schlaflose Nächte

Schlaflose Nächte. Tausend Versuche, Kontakt zum Kind aufzubauen. Über die ExFrau, die sich schon wieder stur stellt - das Dilemma getrennter Väter.

Was es bedeutet, wenn Män-
ner darum kämpfen, ihr Kind zu sehen, das nach der Scheidung oder Trennung bei der Mutter lebt? "Demütigungen Tag für Tag", erzählt Michael Steinbach (42) von der Selbsthilfegruppe Quadrat in Essen.
Kommt es zum Bruch zwischen Partnern, werden die Kinder meist der Mutter zugesprochen. Den Vätern bleibt oft nur eine Beziehung über das Konto - und ein Besuchsrecht am Wochenende. "Und wenn sich die Mutter querstellt, kann auch das noch problematisch werden", sagt Steinbach.

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Manchmal fühlen sie sich ganz mies, wie entsorgte Männer, wie bloße Erzeuger -
die Väter ohne Kinder: Hans-Ulrich Bähr, Michael Steinbach, Thomas Tutas,
Mariusz Wislock (v.I.) von der Selbsthilfegruppe Quadrat. Foto: Sven Lorenz

Das neue Kindschaftsrecht, seit Juli in Kraft, schreibt gemeinsames Sorgerecht vor. Also müssen die Väter nicht mehr duckmäusern, wenn sie ihre Kinder besuchen wollen. Sie haben Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen wie Verhalten im Krankheitsfall, erklärt Michael Steinbach, der jedoch meint, daß im Konfliktfall weiterhin die Mutter das Sorgerecht bekommen werde - und die Väter blieben die Gekniffenen.
Eine Rolle, die sie vor Gericht oder Jugendämtern sowieso schon spielten: "Da kriegt man keine Schnitte. Da herrscht Frauensolidarität." Niedergeschlagene Stimmen aus der Männergruppe, in der geredet, geredet und geredet wird, um dieses Gefühl der Machtlosigkeit zu bewältigen. "Besonders am Anfang bist du am Boden zerstört", sagt Steinbach, Vater von Moritz (11) und Tobias (13), vor drei Jahren geschieden. "Ich bin ausgezogen, weil ich mich von meiner Frau, nicht von den Kindern trennen wollte. Daß es so dicke kommen würde, hätte ich nicht gedacht." Sie wollten alles in Ruhe regeln. "Und dann sagte meine ExFrau, daß sie nach Heidelberg zieht. Ich hab' getobt - aber ändern konnte ich nichts?" Also mußte er Berge versetzen. "Wie will man das alle zwei Wochen schaffen - tausend Kilometer hin und zurück?" Nur in der Männergruppe, einmal pro Woche, konnte er sich abreagieren. "Du kannst deine Wut rauslassen, deine Verzweiflung. Du kannst heulen, wenn du zum tausendsten Mal versucht hast, dein Kind anzurufen, und die Mutter sagt, es ginge leider nicht."
Wie entsorgte Männer fühlten sie sich, wie Altlasten - hilflose, traurige Gesichter in der Männergruppe, wo man Dinge hört wie: "Manche Mütter sagen den Kindern einfach:,Dein Papa ist tot'." Oder verbieten ihnen, mit dem Vater am Telefon zu reden, obwohl die Kinder heulen und betteln.
"Wenn man sowas erlebt, ist man total fertig. Man schläft nicht mehr. Und wenn man eine neue Familie hat, die macht dann auch was mit", sagt Hans-Ulrich Bähr (48), der ohne die Selbsthilfegruppe noch viel schlechter geschlafen hätte.
Manche Frau würde sich so einen Partner wünschen - der sich schon als Vater fühlt, wenn das Kind erst ein paar Wochen im Mutterleib ist. Wie Burkard Schoof (37), der verlassen wurde, als die Freundin gerade schwanger war. "Die konnte das überhaupt nicht verstehen, daß ich trotz der Trennung ein Interesse an dem Kind hatte." Selbstzerfleischende Kämpfe habe er ausgefochten, endlose Diskussionen mit der werdenden Mutter, mal aufgegeben, dann weiter gekämpft – und Jahre später der schönste Tag im Leben: Das Töchterchen am Telefon. "Papa, hier ist Salome".
Daß viele Väter mittlerweile einen guten Kontakt zu ihren Kindern haben, sei der Erfolg der Gruppe. "Wir haben hier versucht zu sortieren", erzählt Schoof. Formen zu finden, um trotz aller Verlustängste ruhig mit den Müttern zu reden." Alles andere sei sinnlos.
"Allein hätte ich das nie gepackt", meint Michael Steinbach und packt die Koffer - für den Urlaub mit seinen beiden Söhnen.  Quadrat, Gruppe für getrennte Väter.
( 0180/5120120


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