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WESTDEUTSCHE-ALLGEMEINE vom
25.07.98
Von P.
Koruhn
Von Vätern ohne Kinder
Die Selbsthilfegruppe Quadrat - gegen Wut, Trauer
und schlaflose Nächte
| Schlaflose
Nächte. Tausend Versuche, Kontakt zum Kind aufzubauen. Über die
ExFrau, die sich schon wieder stur stellt - das Dilemma getrennter Väter.
Was es bedeutet, wenn Män- |
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| Manchmal
fühlen sie sich ganz mies, wie entsorgte Männer, wie bloße
Erzeuger - die Väter ohne Kinder: Hans-Ulrich Bähr, Michael Steinbach, Thomas Tutas, Mariusz Wislock (v.I.) von der Selbsthilfegruppe Quadrat. Foto: Sven Lorenz |
Das neue Kindschaftsrecht, seit Juli in
Kraft, schreibt gemeinsames Sorgerecht vor. Also müssen die Väter
nicht mehr duckmäusern, wenn sie ihre Kinder besuchen wollen. Sie
haben Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen wie Verhalten im Krankheitsfall,
erklärt Michael Steinbach, der jedoch meint, daß im Konfliktfall
weiterhin die Mutter das Sorgerecht bekommen werde - und die Väter
blieben die Gekniffenen.
Eine Rolle, die sie vor Gericht oder Jugendämtern sowieso schon spielten:
"Da kriegt man keine Schnitte. Da herrscht Frauensolidarität."
Niedergeschlagene Stimmen aus der Männergruppe, in der geredet, geredet
und geredet wird, um dieses Gefühl der Machtlosigkeit zu bewältigen.
"Besonders am Anfang bist du am Boden zerstört", sagt Steinbach,
Vater von Moritz (11) und Tobias (13), vor drei Jahren geschieden. "Ich
bin ausgezogen, weil ich mich von meiner Frau, nicht von den Kindern trennen
wollte. Daß es so dicke kommen würde, hätte ich nicht gedacht."
Sie wollten alles in Ruhe regeln. "Und dann sagte meine ExFrau, daß
sie nach Heidelberg zieht. Ich hab' getobt - aber ändern konnte ich
nichts?" Also mußte er Berge versetzen. "Wie will man das
alle zwei Wochen schaffen - tausend Kilometer hin und zurück?"
Nur in der Männergruppe, einmal pro Woche, konnte er sich abreagieren.
"Du kannst deine Wut rauslassen, deine Verzweiflung. Du kannst heulen,
wenn du zum tausendsten Mal versucht hast, dein Kind anzurufen, und die
Mutter sagt, es ginge leider nicht."
Wie entsorgte Männer fühlten sie sich, wie Altlasten - hilflose,
traurige Gesichter in der Männergruppe, wo man Dinge hört wie:
"Manche Mütter sagen den Kindern einfach:,Dein Papa ist tot'."
Oder verbieten ihnen, mit dem Vater am Telefon zu reden, obwohl die Kinder
heulen und betteln.
"Wenn man sowas erlebt, ist man total fertig. Man schläft nicht
mehr. Und wenn man eine neue Familie hat, die macht dann auch was mit",
sagt Hans-Ulrich Bähr (48), der ohne die Selbsthilfegruppe noch viel
schlechter geschlafen hätte.
Manche Frau würde sich so einen Partner wünschen - der sich schon
als Vater fühlt, wenn das Kind erst ein paar Wochen im Mutterleib
ist. Wie Burkard Schoof (37), der verlassen wurde, als die Freundin gerade
schwanger war. "Die konnte das überhaupt nicht verstehen, daß
ich trotz der Trennung ein Interesse an dem Kind hatte." Selbstzerfleischende
Kämpfe habe er ausgefochten, endlose Diskussionen mit der werdenden
Mutter, mal aufgegeben, dann weiter gekämpft – und Jahre später
der schönste Tag im Leben: Das Töchterchen am Telefon. "Papa,
hier ist Salome".
Daß viele Väter mittlerweile einen guten Kontakt zu ihren Kindern
haben, sei der Erfolg der Gruppe. "Wir haben hier versucht zu sortieren",
erzählt Schoof. Formen zu finden, um trotz aller Verlustängste
ruhig mit den Müttern zu reden." Alles andere sei sinnlos.
"Allein hätte ich das nie gepackt", meint Michael Steinbach
und packt die Koffer - für den Urlaub mit seinen beiden Söhnen.
Quadrat,
Gruppe für getrennte Väter. (
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