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HINWEISE UND ANREGUNGEN FÜR AKTIVE VÄTER
von Gernot Krieger - Berlin 1997
Mannege e.V. Friedrichstr.
165, 10117 Berlin
Inhalt
Es ist das größte Abenteuer für Menschen, ein Kind ins Leben zu rufen.
Sie rufen es in sein und in Ihr Leben.
Vater zu werden und zu sein, ist eine unvergleichliche Gelegenheit, eigene vernachlässigte Seiten zu entwickeln, neue Erlebnisräume zu betreten und mehr Zufriedenheit in der Familie zu erleben.
Im engen Kontakt mit dem Kind können Sie lernen, Gefühle leichter auszudrücken, Ihren Körper besser zu spüren, mehr Zärtlichkeit anzunehmen und zu geben. Das Kind kann Ihnen beibringen, eingefahrene Gewohnheiten aufzubrechen, flexibler und spontaner zu werden und sich besser auf andere einstellen zu können.
Wer ein Kind beim Aufwachsen begleitet, lernt und erfährt Dinge über sich selbst und alle Menschen, ja über das Leben an sich, die in keinem Buch nachzulesen sind: Manches kann nur erlebt, aber nicht erzählt werden.
Damit dieses Abenteuer möglichst schön und anregend für alle Beteiligten wird, sollten Sie einiges vorher klären.
Es wird mehr geboren als nur ein Kind
Mit der Geburt des ersten Kindes werden auch Sie neu geboren: Als Vater eines Kindes und als Partner einer Mutter, als Erziehungsberechtigter und - in den meisten Fällen - als Versorger. Aus einem Paar wird ein Elternpaar. Mit jedem Kind wird eine neue Gemeinschaft geboren.
Oder lieber doch nicht? Die Bauchschmerzen der Väter
Vater zu werden, ist andererseits eine höchst spannungsreiche Lage, in der viele Sorgen und Befürchtungen auftauchen. Sehr wahrscheinlich werden auch Sie hin und wieder von Zweifeln geplagt, mit denen Sie Ihre Partnerin nicht belasten möchten, die aber gleichzeitig zu privat sind, um sie mit Dritten zu besprechen. Das kann besonders belastend sein, wenn Sie sich damit alleine glauben. In Wirklichkeit sind solche Zweifel völlig normal und werden nur dann zu einem Problem, wenn Sie sich dafür schämen oder verurteilen. Ob Sie manche dieser Fragen allerdings mit der Partnerin besprechen können, hängt stark von der jeweiligen Person und Situation ab. Unter Umständen ist es besser, sich bei entsprechendem Bedarf an Beratungsstellen zu wenden.
Zur Vorbereitung auf die Vaterschaft können Sie sich einige Fragen (siehe nächster Abschnitt) zunächst selbst beantworten und dann mit Ihrer Partnerin besprechen. Dinge miteinander zu besprechen, zu verhandeln und Kompromisse zu finden, kann mit einem Baby sehr viel anstrengender sein als vorher - schon allein deshalb, weil Sie sich oft unmittelbar entscheiden müssen.
Je eher Sie Unterschiede feststellen und die Zeit vor der Geburt nutzen, um Übereinstimmung oder Klarheit über Verschiedenheiten zu bekommen, desto besser sind sie gerüstet, wenn die Nächte kurz und die Tage lang werden, wenn alles drunter und drüber geht und nichts so klappt, wie es sollte. Gemeinsam läßt sich diese Herausforderung und Kraftprobe viel leichter bestehen und das Wunderbare an der Elternschaft auch genießen.
Ist die Ausrüstung komplett? Fragen für werdende Väter
Was habe ich, was verspreche ich mir selbst davon, Vater zu werden?
Wie verändert sich mein Bild, mein Verhältnis zu meiner Partnerin, die Mutter werden wird?
Was will ich anders machen als mein Vater?
Was soll aus meinem Kind einmal werden?
Was bedeutet das Geschlecht des Kindes für mich?
Wie wollen wir mit Geld umgehen - wieviel wird die nicht verdienende Seite zur freien Verfügung haben?
Welche Erziehungsprinzipien habe ich? Welche hat meine Partnerin?
Welche Aufgaben will ich übernehmen?
Wie verändere ich meinen Alltag, um das verwirklichen zu können? Worauf bin ich bereit, zu verzichten? (Stichworte: Freizeitgestaltung, Arbeitszeitverkürzung, Erziehungsurlaub.)
Welche Aufgaben will ich NICHT übernehmen und warum?
Was ist mir unangenehm, was lästig, was traue ich mir nicht zu?
Welche Unterstützung kann ich, können wir von anderen erwarten, erbitten, fordern?
Welche anderen Leute in der gleichen Situation könnte ich, könnten wir finden, um einen Austausch über Freuden und Fragen, Nettes und Nöte zu haben?
Am Ende dieser Broschüre finden Sie Adressen, an die sie sich wenden können, um Gleichgesinnte zu treffen oder um Unterstützung zu bekommen.
Ein guter Vater ist ein aktiver Partner der Mutter
Die emotionale und aktive Unterstützung der Partnerin durch Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs und an der Geburt selbst ist inzwischen für viele Väter selbstverständlich. Auch Säuglingspflegekurse gehören für viele dazu.
Besprechen Sie mit der zukünftigen Mutter, wie Sie während der Geburt unterstützen können, z.B. durch Massage (Kreuzbein, Rücken, usw.) oder Mitatmen. Es muß nicht sein, daß Sie sich bei der Geburt überflüssig fühlen. Die Geburt kann der Beginn einer Vertrautheit, eines Gefühles der Zuständigkeit und Sicherheit gegenüber dem Kind sein.
Wenn aber der Gedanke, bei der Geburt dabei sein zu müssen, für Sie eine Qual darstellt, dann sollten Sie allen Beteiligten zuliebe davon absehen.
Während der Schwangerschaft oder nach der Geburt verändert sich für viele Paare die Sexualität. Das können Unterschiede in der Lust auf Sexualität überhaupt sein, das können neue und unvertraute Bedürfnisse sein, das kann auch ein vorübergehendes Aussetzen der sexuellen Lust überhaupt sein. Wenn eine/r will und der/die andere nicht, dann neigen die Menschen dazu, sich selbst und die Beziehung in Frage zu stellen. Das ist zwar klug und nützlich, man sollte dabei allerdings auch in Betracht ziehen, daß es mit einem selbst überhaupt nichts zu tun haben muß. Ein gutes Team wird das bereden und die entsprechenden Schlüsse ziehen.
Ein Problem entsteht in der Regel erst dann, wenn die Partner nicht darüber reden können, wenn Enttäuschung nicht ausgesprochen werden darf, weil man fürchtet, einander damit unter Druck zu setzen oder wenn man sich angegriffen fühlt.
Der Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit des nicht verdienenden Partners kann äußerst belastend für ein Elternpaar sein. Für eine Frau ist es ebenso schwer wie für einen Mann, finanziell abhängig zu sein. Innerhalb einer Beziehung ist es mit einem Grundrecht vergleichbar, einen Teil des ohnehin knapperen Geldes für sich selbst ausgeben zu können, ohne dem Partner/der Partnerin Rechenschaft darüber geben zu müssen. Wie groß die Summe ist, muß jedes Paar aushandeln. Wichtig ist jedoch, daß sie garantiert ist: Daß das Geld regelmäßig und ohne jegliche Bedingungen verfügbar ist.
Ein werdender Vater hat eine schwere Aufgabe: Er muß sich darauf einstellen, daß er in der ersten Zeit hauptamtlich und ausschließlich Versorger von Mutter und Kind ist - in dieser Reihenfolge. Das kann schon früh in der Schwangerschaft beginnen.
Der selbstverständliche und natürliche Wunsch, selbst auch ein wenig versorgt zu werden, wird anfangs schwer zu erfüllen sein - die Mutter ist aller Wahrscheinlichkeit nach so überwältigt und beschäftigt und empfindlich/verletzlich, daß sie sich von solchen Erwartungen überfordert fühlen würde.
Es gilt also, sich auf eine Durststrecke einzustellen und die eigenen Bedürfnisse nach hinten zu schieben. Das kann viel Kraft und Geduld kosten und bedeutet unter Umständen, seelische Schmerzen zu ertragen. Eifersucht auf Mutter und Kind ist wohl kaum einem Vater unbekannt. Sie zu verspüren, ist allerdings nur allzu verständlich und keineswegs eine Schande. Ihre Aufgabe als Vater ist es allerdings, die Eifersucht nicht an den beiden auszulassen. Es hilft und entlastet, sich diese Gefühle einzugestehen und sich auszusprechen.
Allerdings: Freunde, Bekannte, Verwandte oder andere Väter sind möglicherweise besser als die betroffene Partnerin in der Lage zuzuhören, Verständnis aufzubringen und etwas Trost zu spenden. Unter Umständen tun Sie für sich und Ihre Familie das Beste, wenn Sie sich helfen lassen und eine Beratung aufsuchen.
Daß ein Vater die Mutter in der schwierigen Zeit nach der Geburt versorgen muß und er damit weniger direkt für das Kind tun kann, heißt nicht, daß grundsätzlich die Mutter zuständig oder geeigneter ist.
Viele Männer, die weiter zur Arbeit gehen, haben nur vage Vorstellungen davon, was es bedeutet, den ganzen Tag über für ein Baby da zu sein. Auch wenn es schläft, weiß man nie, ob es nicht gleich wieder wach ist und sich meldet. Man kann sich einfach nichts vornehmen, selbst auf der Toilette sitzt man auf Abruf. Körperliche Erschöpfung kommt zur seelischen hinzu. Der Haushalt gerät ins Hintertreffen, für manche unwichtig, für viele eine Voraussetzung dafür, sich wohlzufühlen. Die Frage "Wie lange halte ich das noch durch?" kann die wenigen Minuten der Ruhe vergällen.
Wenn nun - wie in den meisten Fällen - der Mann von der Berufsarbeit nach Hause kommt, gibt es kein stärkeres Bedürfnis, als das Kind endlich abgeben zu können. Die Tür geht auf, noch mit Aktentasche und Mantel steht der Mann vor seiner Partnerin, die ihm womöglich mit einem Ausdruck höchster Gereiztheit und einem "NIMM!" das Kind entgegenhält. Sein Arbeitstag war möglicherweise auch nicht gerade vergnüglich, und er hat sich nichts sehnlicher gewünscht, als nach Hause zu seinen Liebsten zu kommen.
Jetzt beispielsweise zeigt sich, ob die Vorbereitung auf das Abenteuer Kind ausreichend war. Wenn er nun die Situation der Frau nicht richtig einschätzen kann und sich gegen einen solchen Empfang wehrt und vielleicht noch den Zustand der Wohnung kritisiert, dann dürfte ein schmerzlicher und verletzender Streit kaum zu vermeiden sein. Oder, was meist noch schlimmer ist, schweigender Rückzug und Resignation.
Eine ernstzunehmende Bedrohung für die Beziehung zwischen den Eltern ist der fast ausschließliche Umgang miteinander in der Elternrolle, nicht mehr als Beziehungspartner oder Liebespaar. Häufig sind es vor allem die - aus ihrer Sicht - zu kurz gekommenen und enttäuschten Männer, oft aber auch die Frauen, die sich innerlich zurückziehen. Dadurch entfremden sie sich möglicherweise von der Partnerin/vom Partner so weit, daß kein Weg mehr zurück führt. Hier sollten Sie aufmerksam sich selbst und Ihrer Partnerin gegenüber sein, um solche Entwicklungen rechtzeitig zu bemerken und etwas ändern zu können.
Eine nicht zu unterschätzende Hilfe: Sie sollten sich so früh wie möglich einen gemeinsamen Bereich schaffen oder bewahren, der für das Erwachsenen-Paar reserviert ist und in dem das Kind keine Rolle spielt (soweit das eben möglich ist). Das bedeutet, sich früh darin zu üben, das Kind anderen in Obhut zu geben. Eine gestörte Elternbeziehung wird dem Kind auf Dauer mehr schaden, als gelegentlich von anderen als den Eltern betreut zu werden. Die Zeit, die Sie sich freihalten, werden Sie womöglich zu Anfang nicht so recht genießen können - viele Eltern glauben dann, zu egoistisch zu sein oder ihrem Kind zuviel zuzumuten. Es lohnt sich jedoch, sich daran zu gewöhnen, auch wenn es zunächst schwerfällt: Sie sichern dadurch den Bestand Ihrer Partnerschaft.
Versorgen ist eine Kunst, die Mann lernen kann
Traditionell heißt es "Warte, bis Du mit dem Kind Drachen steigen lassen kannst, dann ist Deine Zeit gekommen" Es muß aber nicht so sein, daß der Vater sich im Umgang mit dem Säugling und dem Kleinkind weniger zutraut. Übung ist hier alles.
Väter sollten möglichst häufig das Kind allein versorgen. Daß ihnen dabei manches schwerfällt oder nicht gelingt, ist kein Grund, dies den Müttern zu überlassen. Manches machen Väter auch einfach anders als Mütter, jedoch nicht schlechter. Es ist für das Kind kein Schaden, unterschiedliche Versorgungsweisen zu erleben.
Ein aktiver Vater wird der Mutter zunächst möglichst viel abnehmen, später mit ihr teilen: Nicht nur Wickeln, Baden, das Kind beruhigen oder zum Schlafen bringen. Besonders wichtig ist es, Unangenehmes und Lästiges wie Arztbesuche, Behördengänge, Einkaufen mit Kind, Kochen und Hausarbeiten wie Wäsche waschen, Saubermachen und Aufräumen ebenfalls zu übernehmen (nicht nur "Männersachen" wie, Dinge zu reparieren und schwere Lasten zu tragen, sondern einfach alles, was anfällt).
Ob ein Vater verantwortlich und aktiv ist, wird sich daran zeigen, ob er an die Brote, das Obst und die Getränke denkt, an Kleider zum Wechseln, an warme und Regensachen, an Spielsachen für Wartezeiten und ähnliches mehr. Üblicherweise denken Väter an bestimmte Dinge einfach nicht, ohne daß man ihnen daraus einen Vorwurf machen sollte - man könnte zwar, aber wer lernt schon durch Vorwürfe? Ein Mann hat normalerweise zu wenig Anlaß, versorgen zu lernen. Meist sind Männer jedoch gutwillig und machen bzw. versuchen gerne alles, was man ihnen sagt und aufträgt.
Aber gerade das ist für Mütter oft so ermüdend:
"Kann der sich nicht mal selbst Gedanken machen, sieht der das denn nicht, wie kann man nur so unbedacht, so ungeschickt, so unbeholfen sein?" Dergleichen hört Mann oft von entnervten Frauen, für die das alles mehr oder weniger selbstverständlich ist.
Dagegen können Väter nur eins tun: Es lernen. Das ist möglich und nicht allzu schwer, wenn man häufig das Kind allein versorgt und aus Erfahrung lernt. Eine Checkliste hilft auch, irgendwann kann man sie auswendig. Die erstellt man am besten mit der Partnerin zusammen in einer ruhigen Stunde - die gibt's häufiger, wenn beide zusammenhalten.
Kinder wollen stolz auf ihren Vater sein. Ein abwesender, beruflich erfolgreicher Vater ist für sie wenig wert. Stolz macht ein vorzeigbarer, ein anwesender, engagierter und dadurch schon sympathischer Vater. Der darf ruhig auch etwas weniger Geld und beruflichen Erfolg haben - diese Dinge spielen in der Regel erst dann eine Rolle für Kinder, wenn sie sich innerlich bereits als Halbwaisen fühlen.
Wenn das Kind größer ist, werden aktive Väter an Elternabenden teilnehmen, die Kinder zu Terminen bringen und sie von dort abholen, aber auch Unternehmungen wie Ausflüge oder Kinderfeste organisieren und durchführen. Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, sich auch den kleinen Freunden zuzuwenden. Kinder brauchen Väter, die ihnen und anderen Kindern zuhören und sie ernstnehmen, die zeigen, daß sie gern mit Kind und Mutter zusammen sind und die auch liebevoll zeigen können, wo Grenzen sind.
Möglichkeiten, mehr Zeit für das Kind und für die Mutter zu bekommen
Könnten Sie sich vorstellen, einige Wochen oder Monate mit dem Kind zu Hause zu bleiben, sich von Ihrer Arbeit beurlauben zu lassen? Jeder Vater ist gesetzlich dazu genauso berechtigt wie jede Mutter. Haben Sie schon einmal überlegt, Erziehungsurlaub zu nehmen? Glauben Sie, daß ihr/e Chef/in oder Ihre Kollegen/innen etwas dagegen hätten, daß Sie in Erziehungsurlaub gehen? Würden diese Menschen Erziehungsurlaub für sich selbst in Anspruch nehmen?
Könnte es für Sie selbst und Ihre Familie ein Gewinn sein, weniger zu arbeiten, um mehr Zeit für Kind und Frau zu haben? Gibt es die Möglichkeit, daß Sie weniger Stunden pro Tag arbeiten oder z.B. einen oder zwei Tage in der Woche bei dem Kind zu Hause bleiben?
Für Väter, die vorübergehend oder auf Dauer von ihren Kindern getrennt leben
In Beziehungskrisen und Trennungssituationen verläßt oft der Vater die gemeinsame Wohnung. Ein Vater, der geht, kann schnell das Vertrauen der Mutter verlieren bezüglich seiner Fähigkeit und Bereitschaft, die Kinder gut zu versorgen. Er verliert auch den Kontakt zu seinen Kindern, wenn er sich nicht bemüht, weiterhin mit ihnen möglichst regelmäßig und häufig zu tun zu haben.
Was soll ich meinen Kindern sagen, wie werde ich ihnen gerecht?
Fragen Sie sich immer wieder selbstkritisch: Versuche ich, an den Kindern möglichst wenig auszulassen?
Kinder stellen ihre eigenen Fragen, deren kindgerechte Beantwortung sie verstehen und vertragen können. Belasten Sie Ihre Kinder aber nicht mit Auskünften, die sie nicht eingefordert haben. Erklären und Rechtfertigen ist nicht nötig und wird von Kindern auch nicht verstanden.
Es kann sehr wichtig sein, genaue, möglichst langfristige Absprachen zu treffen, wer wann wie die Kinder übernimmt. Tun die Eltern das nicht, sind sie gezwungen, immer neu zu verhandeln. Zumeist haben sie sich aber getrennt, weil Verständigung für sie schwer möglich war. Die alten Wunden, Vorwürfe, Schuldgefühle, Aggressionen werden in solchen Verhandlungen immer wieder aufgerissen.
Unbedingt lesenswert: "Eltern bleiben Eltern." von DAJEB e.V. Die Broschüre ist kostenlos bei den meisten Beratungsstellen erhältlich.
Zum Umgang mit Schuldgefühlen
Kinder vertragen Zumutungen, wenn sie wissen, daß die Eltern für sie da sind, wenn sie bei ihnen ihren Platz haben bzw. kennen. Wenn die Eltern miteinander klar sind, vertragen Kinder auch das Leben in zwei Haushalten gut, es kann sogar eine echte Bereicherung für sie sein.
Häufiger Umgang mit den Kindern auch ohne die Mutter läßt neue Seiten des Vater-Seins entdecken. Sie lernen, die Elternrolle umfassender auszufüllen, nach und nach steigt die Sicherheit, der Kontakt zu den Kindern wird eigenständiger.
Manch einer denkt:
"Ich bin schuld, daß die Kinder ihre Familie nicht mehr haben." Das ist nicht ganz so: Sie sind zwar beteiligt und verantwortlich und müssen das Beste aus der Situation machen. Schuldig jedoch werden sie erst dann, wenn Sie weniger tun, als sie könnten.
"Ich kann die unvermeidlichen Begleiterscheinungen einer Trennung nicht von ihnen fernhalten!" Richtig - aber das kann niemand. Konzentrieren Sie sich darauf, die vermeidbaren Belastungen so gering wie möglich zu halten.
"Ich lebe nur noch für meine Kinder" Eine aufopferungsvolle Haltung. . . Allerdings: Wer das Recht auf ein eigenes Leben für sich selbst nicht achtet, tut sich und seinen Mitmenschen keinen Gefallen. Er ist auch kein nützliches Vorbild für die Selbstbehauptung seiner Kinder.
Die allgemein übliche Parteilichkeit für Mütter ist für viele aktive Väter ungerecht. Sie hat jedoch ihren Ursprung in der Sorge um das Wohl der Kinder und stammt aus alten Zeiten und aus gar nicht so alten, in denen das ungeheure Ausmaß an Vernachlässigung und Mißhandlung in Familien offenkundig wurde. Der Schutz der Schwächeren wurde zum obersten Gebot. Kein Mensch im Jugendamt, kein Mensch im Richteramt kann sicher sein, sich richtig zu entscheiden.
In den letzten Jahren haben viele Väter ihre Aufgabe sehr ernst genommen und bewiesen, daß sie ebensogut wie Mütter ihre Kinder versorgen, betreuen und erziehen können. Im allgemeinen jedoch sind immer noch weit mehr Frauen als Männer in der Lage, geübt und erfahren, Kinder angemessen zu versorgen. Man kann also schlicht seltener etwas falsch machen, wenn man die Kinder im Zweifel bei der Mutter läßt.
Die Mütter sind bezüglich der Kinder rechtlich in der stärkeren Position, Machtmißbrauch ist nicht auszuschließen. Wenn die Mutter ihn nicht unterstützt oder gar bekämpft, trägt ein getrennter Vater alleine die Verantwortung für den Erhalt der Beziehung zu den Kindern. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, zumindest den Kindern zuliebe zum Erhalt einer gemeinsamen Basis mit der Mutter beizutragen.
Das ist oft eine sehr schwierige Aufgabe: Obwohl man sich im Recht fühlt, muß man schmerzliche Kompromisse eingehen, sich Vorwürfe anhören und eigene Vorwürfe zurückhalten, um nicht die Kontaktmöglichkeiten mit den Kindern aufs Spiel zu setzen. Besonders ledige Väter sind rechtlich in einer sehr ohnmächtigen Lage.
Wenn Sie auch nach längerer Zeit nur mühsam beherrscht Zugeständnisse machen und einen wachsenden Groll aufbauen, wird Ihr Kontakt mit den Kindern für diese und Sie selbst mit Sicherheit zu einer Qual. Eine Beratung, eine Gesprächsgruppe kann helfen, hier mit sich mehr ins Reine zu kommen.
Alleinerziehende haben Anspruch auf finanziellen Ausgleich, Kinder haben Anspruch auf Unterhalt - abhängig von ihrer Finanzlage und unabhängig von ihrem Verhalten. Manche Väter verweigern die entsprechenden Zahlungen, so lange sie nicht zu dem kommen, was sie als ihr Recht betrachten. Dies bedeutet, indirekt den Kindern etwas vorzuenthalten, das ihnen zusteht. Damit erscheinen solche Väter als schlechte Versorger, denen ihr Recht über das Wohl der Kinder geht.
Unrecht mit Unrecht zu vergelten gilt darüberhinaus allgemein als Zeichen für einen schwerwiegenden Mangel an Konfliktfähigkeit. So verlockend und angemessen es im Einzelfall auch erscheinen mag: Als Druckmittel oder Strafmaßnahme materielle Versorgung vorzuenthalten, schadet langfristig allen Beteiligten.
Dies ist eines der tragischsten Kapitel im Leben eines Vaters und eines Kindes. Die Gründe können vielfältig und auch sehr ungerecht sein (siehe weiter oben: Der Ursprung der Parteilichkeit), wenn Vätern der Kontakt zu ihren Kindern verwehrt wird. Viele Väter verzweifeln und ziehen sich ganz zurück, weil sie den Schmerz der Trennung nicht ertragen. Manche versuchen, sich - mit oder ohne neue Familie - ein neues Leben zu schaffen, andere beginnen einen langen Kampf um ihre Rechte.
Kinder jedoch wollen in den allermeisten Fällen die Liebe ihres Vaters behalten, ob sie ihn nun sehen können oder nicht. Sicher ist, daß es Kindern nicht genügt, wenn ihr Vater sich auf den Rechtsweg begibt. Sie wollen direkte Zeichen seiner Aufmerksamkeit, auch wenn sie diese vielleicht erst im Jugend- oder Erwachsenenalter entdecken können.
Ein getrennter Vater muss seine Aufmerksamkeit, seine innere Verbindung mit seinen Kindern dokumentieren. Gleichgültig, ob die Mutter die Post weitergibt oder nicht: Sie müssen den Kindern regelmäßig schreiben, ihnen Bilder oder Fotos schiken, Kassetten aufnehmen und abschicken. Sie sollten sich dabei allerdings von Freunden oder Fachleuten beraten lassen, um nicht - ohne es zu bemerken - die Kinder mit dem eigenen Leid zu belasten. Von all dem, unter Umständen auch von Ihrem Kampf mit den Behörden, müssen Sie Kopien behalten und eine Art Akte anlegen. Auch ein Heft oder Buch, in das Sie regelmässig Gedanken an Ihre Kinder niederschreiben, kann ein richtiger Schatz für getrennte Kinder sein. Sie können auf diese Weise irgendwann erfahren, daß sie ihrem Vater nicht gleichgültig waren, daß er sich bemüht hat, so gut er konnte.
Es ist sehr schwer zu ertragen, auf diese Art seine Vaterschaft ausfüllen zu müssen. Kinder haben jedoch ein Recht darauf, daß ihr Vater diese Bürde trägt. Dadurch ensteht eine Chance, daß Vater und Kinder später als Erwachsene eine gute Beziehung bekommen oder daß zumindest der Vater in besserem Licht erscheint. Dieses Vorgehen bietet auch Chancen zu einem Umdenken für die beteiligten Mütter:
Sie werden über die Zuverlässigkeit und Ernsthaftigkeit des Vaters eines Besseren belehrt
Sie können erahnen, wie ihre Kinder reagieren werden, wenn sie erfahren, daß ihre Mutter den Kontakt zum Vater verhindert bzw. ihnen seine Kontaktversuche vorenthalten hat.
Vätergruppen und Einzelberatung für Väter: Bei Mannege - Information und Beratung für Männer e.V.
Diese Hinweise und Anregungen stammen von Fachleuten, nämlich Männern und Frauen, die selbst Eltern sind. Meine Zusammenstellung ist jedoch vorläufig und keineswegs vollständig. Sie selbst sind ebensolche Fachleute. Ihre Hinweise und Anregungen, Ergänzungen, Fragen, Kritik oder auch Bestätigung sind willkommen und helfen mit, den Text zu verbessern. Bitte schreiben Sie mir, wenn Sie mir etwas mitteilen wollen. Sie werden in jedem Fall eine Antwort bekommen.
Gernot Krieger Gernot.Krieger@snafu.de