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Väterexperten auf Tour
- Oder: Die neue Elite für Väterfragen -

Bericht von Armin Emrich

Zum 10. und 11. März 2005 lud die Evangelische Akademie zu Berlin mit Mannege e.V. und dem Väter-Expertennetz Deutschland (VEND) zur ExpertentagungGanz (der) Vater? Männer zwischen Familie und Beruf“ ein. In der Ankündigung dieser Versammlung hieß es u.a.:

Versammelt hatten sich nicht nur Männer, nein um Himmels willen, auch das andere Geschlecht, das schon seit Jahren für die Hälfte des Himmels („Emma“) gekämpft hat und nun die allgemeine Wetterlage beherrscht, war selbst verständlich mit eingeladen und erschienen.

Warum die Klammer? „Ganz (der) Vater“

Lange hatte ich überlegt: Warum die Klammer im Titel der Tagung?
Nun, beim Eintreffen wurde mir klar, es hätte auch „Ganz (die) Vater“ heißen können, gemessen an der Anzahl weiblicher Väterexperten. Sie waren mindestens so reichlich erschienen wie ihre männlichen Kolleginnen. Eine fragte sogar, warum es nicht „Väterexpertinnen“-Tagung heißt. Es blieb bei Väter-Experten. Das wurde auch bewusst deutlich groß geschrieben, denn Betroffene und Aktive der Väterbewegung haben sich - aus welchen Gründen immer - nicht auf irgendeinem der teuren Stühle niedergelassen. Vielleicht wurden ihnen auch keiner angeboten, schon gar nicht auf dem Podium. Somit gehörte ich eher zur exotischen Galionsfigur, wenngleich auch ich (Erziehungswissenschaft und Psychologie) zumindest von der Ausbildung her nicht nur als Aktivist, sondern auch als Experte hätte durchgehen können.

Schwere Geburt

Nun ich gebe zu, bis zu diesem Bericht bedurfte es einiger Tage. Die Tagung lag mir schwer im Magen. Denn bereits vom Zeugungsakt her stand die Tagung in der Gefahr eine Missgeburt zu werden. Zumindest dauerte der Zeugungsakt ungewöhnlich lange. Zweieinhalb Jahre hatte Mannege versucht, seinen Samen in den Uterus der evangelischen Akademie zu legen, um endlich die Tagung, mit Unterstützung der Bundesregierung, als Hebamme, zu gebären. Tatsächlich trug dieses zwei Tage alte Baby von Väterexperten und -expertinnen etwas autistische Züge in sich. Sie waren sehr auf sich selbst bezogen. Allein der etwas behinderte und verkürzte Familienbegriff, der sich durch den gesamten Kongress zog, gab der Expertenrunde ein etwas verkrüppelten Inhalt. Schon nach den ersten Sätzen und meiner Nachfrage wurde das etwas nicht gerade holzschnitzartige Gesicht, von wegen Familie, für jeden sichtbar. Es herrschte ein Begriff von Familie vor, der heute nur noch weniger anzutreffen ist, der aber unter allen Konsens zu sein schien: „Familie ist, wer aus einem Kühlschrank frisst“.

Kinder, die besseren Experten

Allein sämtliche Kinder dieser Welt sind hier die besseren Experten, wenn es um den wirklichen Begriff von Familie geht. Für die Kleinen gilt: Familie, das ist Papa, Mama, Onkel, Tante, Opa, Oma, Bruder, Schwester, die gesamte Blutsverwandtschaft - gleichgültig unter welchem Dach sie wohnen, ob voneinander getrennt oder nicht. Familie im Sinne dieser Erkenntnis kam in Schwanwerder aber nicht vor. Ausgegrenzt aus dem Tagungsdiskurs wurden all diejenigen, die sonst auch aus dem öffentlichen Diskurs als Familienmitglieder ausgegrenzt werden. Präsent waren nur Väter soweit wie sie noch am eigenen Herd mit und für Kinder und Mami kochen, den Abwasch übernahmen oder das gemeinsame Auto wuschen und reparierten. Thema war also die sogenannte Otto-Normalverbraucher-Familie, wie sie offenbar noch zu 80 % vorkommt, trotz Scheidung jeder zweiten Ehe und bei 50 % von Elternteilen, die das alleinige Sorgerecht beantragen. Nun glaube am Besten immer nur den Zahlen, die Du selbst gefälscht hast, pflegte mein Statistikprofessor zu sagen.

Wer also glaubte, hier Familie als Ganzes thematisiert zu sehen, sah sich enttäuscht.

Interessante Zahlen vom neuen Mann

Dennoch weniger enttäuscht war man von den interessanten Zahlen, die Dr. Peter Döge unter dem Thema; „Neue Väter“ - und alles bleibt beim Alten? dem staunenden Publikum als neue Botschaften präsentierte. Seine Fragestellung: „Gibt es überhaupt die neuen Väter?“ Seine Antwort Ja. Dies versuchte er mit Zahlen zu belegen.

46 % der Männer bis 45 Jahren bleiben kinderlos. Von den jungen Vätern nehmen lediglich 5 % Elternzeit in Anspruch. Das ist immerhin eine Steigerungsrate um 300 %. Nur 3 % der Väter arbeiten Teilzeit. Es bleibt seiner Ansicht nicht alles beim Alten. Männerstudien seit 1998 zeigen: Der moderne neue Mann ist weniger berufs- und karriereorientiert. Er ist partnerschaftlich in Haushalt und Beruf. Zurzeit schätzen sich nach Umfragen 20 % als fortschrittlich ein, 40 % sehen ihre Identität als verschwommen an und 30 % sehen sich eher in Wechselrollen. 15 % betrachten sich als traditionell und wünschen sich Frauen an ihrem angestammten Platz an Heim und Herd. Auch im Alpenland Österreich hat der moderne Mann um 8 % an relativer Zahl gegenüber Deutschland zugenommen. Gestützt sind diese Studien auf der Basis von Zeitbudgetanalysen des statistischen Landesamtes. 5.400 Haushalte mit insgesamt 12.600 Personen ab dem 10. Lebensjahr schreiben an jeweils drei Wochentagen jede ihrer Tätigkeiten auf. Fast 40.000 Tagebücher werden so geführt, die durch das Statistische jeweilige Landesamt kategorisiert und ausgewertet werden. Mogeln ist also nicht.

Männer und Hausarbeit

Zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr wenden die heutigen jungen Männer zwischen 68 und 97 Minuten am Tag - neben dem Beruf - für Arbeiten in und um das Haus auf. Die älteren bringen es durchschnittlich auf 197 Minuten am Tag, sei es für die Zubereitung von Mahlzeiten die Instandhaltung von Haus und Wohnung zwischen Windeln und Brettspielen. Sind die Kinder noch Klein sind es 97 % der Väter, die 238 Minuten für die Familie im Haushalt anpacken. Entgegen der immer wiederholten Behauptung von einigen Frauen, Männer würden sich vor allem was nass ist und Arbeit macht aus der Affäre ziehen stimmt also nicht. Tatsache ist - bestätigt durch diese Untersuchungen - Männer flüchten nicht, im Gegenteil. (Übrigens sind es nur 5 %, die sich auf dem Fußballplatz tummeln.) Entgegen weit verbreiteter feministischer Meinung sind die Männer mindestens 98 Minuten am Tag aktiv für ihre Familie im Haus tätig. Rechnet man ihre Arbeitszeit dazu, die sie rackern, um die Familie zu ernähren, kommt man zu dem interessanten Ergebnis, Männer sind durchschnittlich etwas über eine Stunde mehr am Tag für die Familie da als die Frau.

Hausarbeit und Erwerbsarbeit

Männer sind bereit, mehr Zeit für Hausarbeit zu investieren, wenn nur die Zeit für Erwerbsarbeit geringer wäre. Sie wünschen sich eine Arbeitszeitreduzierung. Bereits 76,9 % würden gerne weniger Zeit auf der Arbeit verbringen wollen und mehr Zeit bei den Kindern sein und statt auf dem Bau oder im Büro lieber Hausarbeit leisten. Viele Männer sind nicht etwa unzufrieden mit der Hausarbeit, was man ihnen gerne nachsagt, sondern unzufrieden mit ihrem Arbeitsalltag. Viel mehr Frauen sind unzufrieden mit ihrer Hausarbeit.

Warum nehmen Männer kaum Elternzeit?

Elternzeitblockaden haben unterschiedliche Ursachen - sowohl auf gesellschaftspolitischer Ebene, der Beziehungsebene und der betrieblichen Ebene.

42 % sagen, weil sie zu wenig Geld bekämen, das Familieneinkommen sinkt mit der Elternzeit erheblich. 31 % meinen es sei für ihre Karriere schädlich. 34 % finden, sie seien einfach zu schlecht informiert.

Männer, also nicht nur Frauen, haben ein erhebliches Vereinbarkeitsproblem zwischen Beruf und Familie. Kommuniziert wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aber fast ausschließlich als Frauenproblem. Dort setzen sämtliche Programme der Bundesregierung an. Frauen, Beruf und Familie sind die Themen ihre Verlautbarungen bis hin zu teurer Werbung.

Auf der betrieblichen Eben steht die deutsche Anwesenheitskultur der Erziehungszeit von Vätern entgegen. Zuhause zu arbeiten wird nicht akzeptiert. Männer haben nun mal anwesend zu sein. Alle anderen sind Weicheier und werden gemobbt.

Betrachtet man die Beziehungsebene zeigt sich: Papa macht grundsätzlich alles falsch. Frauen haben zu Männern die zuhause bleiben auch eine etwas ambivalente Einstellung. Solche Männer wirken auf sie sympathisch aber nicht männlich. Für Haus und Hof sehen sich Frauen als die Letzt-Verantwortlichen. Sie definieren den Schmutzstandard. Die Frau fordert, der Mann soll mehr im Haushalt machen, aber ob es richtig macht oder nicht, das bestimmt sie. Dies hat zur Folge: Je mehr die Frau die Definitionsgewalt zwischen Putzen, Pflegen und Erziehen für sich in Anspruch nimmt, desto weniger wollen Männer noch mitwirken.

Was die Kinder betrifft sind Männer offensichtlich total inkompetent. Sprechen Frauen vor der Geburt ihren Männern die Kompetenz für die Erziehung und Pflege ihrer Nachkommen bereits ab, dann erst recht wenn die Gören auf der Welt sind.

Was zu Blockaden bei Männern führt sind die Stereotypen an denen Frauen eisern festhalten. Frauen wollen den neuen Mann nicht. Interessant: 32 % der Frauen meinen sie fänden keinen geeigneten Partner für ihre Kinder, weil der neue Mann nicht so attraktiv ist.

Zusammenfassend fordert Dr. Peter Döge einen kritischen Geschlechterdialog. Er spricht sich dafür aus, die Vielfalt männlicher Lebensmuster zusehen, zu erkennen und anzuerkennen.

Die anschließende Diskussion - ein „kritischer Geschlechterdialog“

Die Diskussion ist eröffnet, die Inhalte sind u.a. 40 % Frauen seien es, die keinen geeigneten Partner fänden, was schließlich an den Männern läge. Druck in der Arbeitswelt erführen Frauen ebenso wie Männer. Stress ist subjektiv, objektiven Stress gebe es nicht. Die Anwesenheitskultur ist ein Problem von Männern wie Frauen gleichermaßen. Geschlechterpolitik ist deshalb Frauenpolitik, weil Männer immer die Menschen waren und die Frauen das Geschlecht. Männer seien die Norm, sie sind normal. Wir laborierten an einer Geschlechterkultur, deshalb würden Männer nicht als Genderkompetenz erkannt.

Es gibt viele Frauenbeauftragte. Würde man Österreichs Genderpolitik zu Grunde legen, bräuchten wir, gemessen an der Zahl der Bevölkerung in Deutschland, im Vergleich zu Österreich auf einen Schlag 70 Männerbeauftragte.

In Deutschland hat sich als feste unverrückbare Erkenntnis durchgesetzt - ob Arbeitslosigkeit, Familienkrisen oder was auch immer - Männer schaffen es schon alleine.

Die neuen Männer sind viel dichter an den Kindern, sogar auch körperlicher, als jede Generation zuvor. Aber kompetent mit Fragezeichen. Nun ja, wenn sich fünf Experten melden gibt es sieben Meinungen.

In der Diskussion wird noch mal auf Vaterschaftstests eingegangen und auf Rollenbilder von Erzieher und dem Leitbild von Männern als Erwerbsmann. Die Forderung hieß: Weg von der Konfrontationskultur hin zu einer Dialogkultur.

Eine Väterexpertin

Frau Volz-Schmidt, seit 13 Jahren mit Väterarbeit beschäftigt, wie sie sagt, ist Sozialpädagogin und leitet eine Familienbildungsstätte für Väterarbeit. Sie hat reichlich Erfahrung mit Vätern gemacht und konstatiert z.B. Väter richten Websites ein, sind aber hilflos, wenn es um Fingerfarben geht. Dennoch, auf Väter können man sich verlassen, z.B. was verbindliche regelmäßige Verabredungen mit Kindern angeht. Ihr Sohn definiert einen Vater so: Ein Vater verdient gut, arbeitet nicht so viel und kann gut kochen. Vätern würde eine Scheu vor feuchtem Textil unterstellt, dies könne sie so nicht betätigen. Diese etwas vorgeprägte Herangehensweise zeigt sich bis in die Amtsstuben von Frau Renate Schmidt. Hier herrsche die Meinung vor, die Männer seien lediglich verbal offen, aber zeigten eine Verhaltensstarrheit, wenn es an die Umsetzung geht. Natürlich sei Kinderarbeit Knochenarbeit, deshalb rät sie „darum prüfe wer sich ewig mit Kindern bindet“.

Familienfreundlichkeit

Ganz unten in der Rangliste der Gebärquote steht neben Deutschland Italien. 1,4 Kinder pro Paar durchschnittlich. Nur der Unterschied: In Italien hat so gut wie jede Frau ein Kind und Deutschland eher die einen Frauen kein Kind und die anderen mehr als ein Kind oder gar mehr als zwei. In Deutschland sind Kinder ein echtes Armutsrisiko, dem sich die Bedenkenträger unserer Gesellschaft, in der Regel unter den Akademikern zu finden, nicht aussetzen wollen. In Italien weiß man, trotz materieller Not, von der Qualität eines Lebens mit Kindern und reduziert sich deshalb im Wesentlichen auf ein Kind. In Deutschland verzichtet man eher auf Kinder auch im Wissen auf die Kinderunfreundlichkeit dieses Landes in mitten in Europa.

Das Ministerium meldet sich

Zaghaft aber wird die Ministerialbürokratie des Ministeriums kritisiert, das alles im Namen trägt, außer Männer. Dagegen wehrt sich eine Frau Martina Bassewitz und outet sich als Teil der Bürokratie im Ressort Familie. Nein, es ist keine rein feministische Ministerialbürokratie. Die erfährt sie täglich privat und in ihrer beruflichen Funktion. Im Sommer wird es eine Kampagne zu aktiven Vätern geben. Man führe kein Geschlechterkampf. Gemeinsam will man gegen die Kinderlosen vorgehen. Aber Frauen können keine Väterpolitik machen, dies sollten die Männer schon alleine tun. (Männer ins Familienministerium?)

Postnatale Depressionen: Nicht nur Frauen leiden unter postnatalen Depressionen. Laut Untersuchung in einer Kopenhagener Klinik auch fünf bis acht Prozent der Männer. Weitere Ergebnisse von entsprechenden Untersuchungen gelte es abzuwarten.

Arbeitsgruppen

Es geht in verschiedene Arbeitsgruppen, als da sind: AG I: Väterförderung in Unternehmen, AG II (s.u.), AG III: Väter ein Gewinn für Unternehmen? AG IV: Chancen und Grenzen für Väterarbeit.

Ich begebe mich in die AG II. Hier geht es um Gender Mainstream. „Gender Mainstreaming – ein Ansatz zu mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer?“ Eine Frau (Heike Schlottau)hält einen Vortrag über GM und deren Entstehungsgeschichte. Sie geht auf den Amsterdamer Vertrag (in Kraft seit 1999) ein und spricht von einer Doppelstrategie: Gender Mainstreaming und Frauenpolitk – Zwei Strategien. Ich kann es mir nicht verkneifen zu gestehen, dass ich in den Amsterdamer Verträgen diese so genannte Doppelstrategie in dieser Weise nicht herauslesen kann, aber vielleicht läge es auch an mir. Tatsächlich: Die Amsterdamer Verträge und auch die Kommissionsbeschlüsse der EU und die nationalen Beschlüsse außer Deutschland kennen diese Doppelstrategie nicht, wie sie uns hier immer wieder als Gesetz untergejubelt werden will. Eine lebhafte Diskussion entsteht und im Ergebnis heißt es: GM sei eine Frauenförderung mit anderen Mitteln. Frauenförderung würde sich auf die gegenwärtigen Verhältnisse beziehen und GM sei auf eine erweiterte Perspektive gerichtet, also in die Zukunft gerichtet. Mit anderen Worten: Wenn es um Geschlechtergerechtigkeit im Hier und Jetzt geht, dann Frauenförderung. Für Morgen und Übermorgen darf man dann über das nachdenken was GM betrifft.

Verdi und GM

Für den Vertreter von Verdi ist klar: GM ist der Weg, der nur über Frauenförderung geht, im Sinne der Doppelstrategie. Ähnlich wie in dem Gesamtvortrag zuvor sieht er eine Bedrohungen im Rollenbild, wenn es um Familie und Männer geht, ob nun Teilzeitarbeit, von denen es zu wenig für Männer gäbe oder die Anwesenheitskultur. In den Betrieben müsse man nur den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Männern in Familie herauskehren, der Rest kommt dann schon von alleine. Z. B. gilt es hervorzuheben: Erfahrungsgewinn in Sachen Familienarbeit für den Qualitätsbereich sozialer Kompetenz und Managementqualität. Langfristiges Ziel sei es eine Veränderung des Männerbildes in den Gewerkschaften zu erreichen. Näheres erfährt man unter www.gender.verdi.de. Noch sehen die Gewerkschaften Männerarbeit als Luxusthema an. Soviel wird in den eigenen Reihen schon mal zugegeben. Aber ansonsten hört man nur das Wort von der Teilzeitarbeit und das Wort von der Doppelstrategie heraus.

Wieder geht es um die Doppelstrategie

Es geht um das finanzielle Problem des Familieneinkommens, darum, dass mit Teilzeitarbeit keine Familie zu ernähren ist, geschweige denn gewöhnlich mit einem 8-Stunden-Tag. Wieder wird das Putzfrauenbeispiel bedient, wenn es um die unterbezahlte Arbeit von Frauen geht, als wenn es keine Männer in Toiletten gibt, die für deren Sauberkeit für wenig Geld zuständig sind und als ob Frauen immer die Dreckarbeit machen würden. Jemand fragt, was denn mit den Maurern, den Fliesenlegern, den Müllwerkern und den Gulliarbeitern ist. Hier seien weniger Frauen zu sehen, oder besser gar keine. Männer verdienen doch weit häufiger ihr Geld, so der Einwand, mit Schmutz- und Gefahrenberufen, die am Ende an der Gesundheit zehren. Und schon gibt es wieder verteidigende Worte für die Sache der Frau aus der Gewerkschaftsseite. Ich denke, vielleicht bin ich noch nicht so weit, zu akzeptieren, dass es die Frauen sind, das schwache Geschlecht, das in unserer Gesellschaft durch und durch benachteiligt ist. Hier kann offensichtlich Verdi mit seiner Männerarbeit auch mir auf die Sprünge helfen.

Der nächste Tag, ein Vortrag eines glücklich verheirateten Vaters und Großvaters mit zwei Kindern

Horst Seehorst ist an der Reihe. Er hat das Aktionsforum Vereinbarkeit und Familie gegründet und seine private Agentur für Innovation und Forschung. In seinem lokalen Bündnis für Familie finden sich Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kirche usw. wieder. Als Teil von Elternarbeit geht es ihm um Väteraktivierung. Die Liste der Beteiligten ist lang, von der Commerzbank bis zum Väteraufbruch, vom Frauenreferat bis zur deutschen Lufthansa. Der Verein ist nach allen Seiten offen wie eine Sandale. Nur, denke ich, wer nach allen Seiten offen ist, ist irgendwo nicht ganz dicht. Im Verlauf der Diskussion sehe ich mich bestätigt. Eigentlich geht es doch nur ums Geld. Ein Auftrag für die private Firma des Herrn Horst Seehorst reiht sich an den anderen. Irgendjemand aus dem Publikum redet von Vetternwirtschaft. Nun ob, dem nun wirklich so ist?

Kobra, eine feministische Organisation - vertreten durch Regine Steinhauer

Sie leitet eine Beratungseinrichtung im Auftrag des Landes Berlin zur Verbesserung der Chancengleichheit der Frauen. Jedenfalls ist gerade deshalb sie eine Väterexpertin und meint sich auch so zu sehen. Sie gehört allerdings zu der feministischen Fraktion, die sich vehement gegen die Zuschreibung von Frauen als Mutter wehrt, als die Gleichsetzung von Frau schlechthin und potentieller Mutter. Sie spricht sich eindeutig gegen den Müttermythos aus. Komisch. Hier bin ich der Einzige der spontan Beifall klatscht. Soviel Gemeinsamkeit zwischen den Feministen und unserer Position hätte ich nicht erwartet. Aber nun gibt es ja ganz unterschiedliche Richtungen im Feminismus. Sie betont: Noch seien Männer identisch mit Erwerbsarbeit wie Frauen als identisch mit Mutterdasein interpretiert und kommuniziert werden. Sie möchte das gemeinsame Dritte der Geschlechter in der Verschiedenheit suchen.

Im Stillen denke ich. Soweit so gut, aber aus der Verschiedenheit heraus wurde noch nie Gemeinsamkeit entdeckt, aber mit Blick auf die Gemeinsamkeiten können Unterschiede gesehen und respektiert werden. Hier denke ich ist der Denkfehler des Feminismus, gleich welcher Couleur. Sie gehen immer erst vom Trennenden aus und wundern sich, warum sie Gemeinsames nicht sehen können und deshalb im Ergebnis den Geschlechterkonflikt schüren.

Der geschiedene Vater

Kurzes Blitzlicht. Ich staune. Der geschiedene Vater wird doch noch für einen Moment thematisiert. Aus dem Publikum meldet sich jemand mit der Bemerkung, der ideale Vater sei der geschiedene, ausgegrenzte Vater. Er verkrieche sich, müsse Unterhalt bezahlen und ist ideal für Schwarzarbeit. Gerade ihm nütze das Gerede von der Teilzeitarbeit gar nichts. Es könne nur um staatlich geförderte Teilzeitarbeit gehen. Immer wieder werde von einer win-win-win Situation gesprochen. Aber wer wirklich gewinnt seien die Unternehmer. Denn wenn sie Stellenabbau betreiben wollen käme ihnen Teilzeitarbeit gerade recht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei nun der neue Trend zum Abbau von Arbeitsplätzen.

Strategie und Taktik

Das Thema Väter müsste in den Ministerien stärker verankert werden, damit auch hier der Rubel rollt. Hierzu müsse man ein neues Verhältnis zur Sprache entwickeln. Ein taktisches Verhältnis zur Sprache, wie z.B. mit dem Begriff Diversity oder Vielfalt.

Väter seien ein Gewinn für Unternehmen
Väter seien ein Gewinn für Familie
Väter ein Gewinn für Kinder
Väter ein Gewinn für Frauen

Es ginge um Wertschätzung von Hausarbeit. Mütterarbeit würde vernachlässigt. Sie ist nicht attraktiv, weil sie mit einer unvollständigen Rentenbiografie verbunden ist. Teilzeitarbeit wird zum Luxus. Warum soll Mütterarbeit wertvoll für Männer sein? Richte man den Blick doch auf die skandinavischen Länder wird appelliert.

Podiumsdiskussion

Für alle Beteiligten ist klar. Es geht um die Aufwertung der Väter. Gemeint sind hier, gemäß dem sich durchziehenden Familienbegriff, natürlich nur die Männer, die mit den Frauen, mit denen sie ein Kind haben weiterhin zusammen wohnen. Kein Wort mehr von getrennten und geschiedenen Männern.

Man möge doch, kommt es von einem Schweizer Gast, Väterverträglichkeitstests, Wahlprüfsteine für die nächste Bundestagswahl erarbeiten. (Nun wer sollte zu dem Zeitpunkt auch wissen, dass die Männer sich aufmachen gleich eine eigene Partei zu gründen?)

Ein neuer Verein: Väterexpertennetzwerk e.V.

Die Tagung ist aus. Am Nachmittag finden sich Väterexperten zu einer Gründungsveranstaltung zusammen.

Selbstverständlich nur Experten und die groß geschrieben. Alle die am Tisch sitzen verdienen ihr Geld mit Väterthemen - ob in der Forschung, in einer Familienberatungsstelle oder in einer Familienbildungsstätte. Keiner geht unter BAT IIa nach Hause. So soll es jedenfalls auch bleiben.

Eine kurze Vorstellungsrunde. Als ich an der Reihe bin und noch mal das Wort von paPPa.com fällt, fallen sämtliche Jalousien herunter. Nein, um Himmels willen, jedenfalls was die Hälfte des Himmels betrifft, die sich die Frauen erkämpft haben, man möchte solche Männer nicht, denn es könnten ja mal Themen wie z.B. der Vaterschaftstest angesprochen sein. Da paPPa.com so viele Zugriffe täglich hat, könnte vielleicht ein Journalist auf die Idee kommen paPPa.com zu befragen und die Antwort mit der Position vom Väterexpertennetzwerk gleichsetzen.

Meine Kommentar: Rechtlich gesehen ist jeder, der an einer Gründungsverstammlung teilnimmt automatisch Gründungsmitglied. Aber ich wolle kein Spielverderber sein und würde den Raum jetzt verlassen. Dennoch mögen sie nie vergessen, dass sie nun so viel Geld mit Väterfragen verdienen, wie sie verdienen, liegt einzig und allein an den Vätern, die den Mund aufgemacht haben, Paläste bestiegen und sich auf der Straße haben sehen lassen. Nun will man selbstverständlich das Geld bei sich behalten. Offensichtlich hatte ich mit der Vermutung Recht, denn wie sich herausstellte, ist der Verein nur gegründet worden, damit das Ministerium einen Träger aufweisen kann, dem es Zuwendungen, ohne das Risiko der Kritik, zukommen lassen kann.

Die einen auf der Straße - die anderen in den Amtsstuben und Einrichtungen

Also, bleiben wir weiterhin Aktivisten. Lassen wir die anderen ihr Geld verdienen. Die Geschichte hat gezeigt. Irgendwann sind es die Aktivisten, die gewinnen. Gönnen wir ihnen also ihr Geld. Im Anschluss setze ich mich am gleichen Abend in den Zug und treffe in der Nähe von Hamburg Aktivisten. Sie gründen doch tatsächlich eine Partei, eine Bundespartei. Und sie wissen: Sie brauchen nur 400 Mitglieder, um als Bundespartei zugelassen zu werden. Also sichern sie sich einen Platz im Bundestag, im Ausschuss für Väterfragen, der bis dahin wohl eingerichtet ist oder eben durch sie deshalb eingerichtet worden sein wird.

Armin Emrich für paPPa.com


Zur kritischen Auseinandersetzung mit „Gender Mainstreaming“ siehe u.a.

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