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Mutter - Vater - Umgang
Aus einer Broschüre vom "Verein alleinerziehender Mütter und Väter" Berlin e.V. - VAMV - zum Thema Umgang und Vaterabwesenheit:
"Kleines Schlußwort"
Natürlich lese ich alle Beiträge zuerst, bevor ich das Heft layoute, damit ich eine Reihenfolge erstellen kann, überhaupt ein Gefühl für das Ganze bekomme ...
Mir ist da was merkwürdiges passiert: Ich mußte an einer Stelle ziemlich heftig losschluchzen. Auch jetzt packt es mich immer wieder.
Was ist denn los? Waren die letzten Tage doch bißchen zuviel Streß? Mein Kleiner - Niklas - wurde stolze drei Jahre und es war einiges los, schon die Tage davor. Die Vorbereitungszeit hatte mich richtig euphorisch gemacht, ich hatte so einen Spaß daran, kleine Geschenke auszusuchen, das Fest zu planen. Ich habe gemerkt, wieviel mir der kleine Mensch in diesen drei Jahren gegeben hat, wie er mein Leben verändert hat und wie froh ich bin, daß ich ihn "habe".
Warum ist das Leben mit diesem Knirps so wunderbar? Bitte: den alltäglichen Wahnsinn verbuche ich jetzt mal unter "alltäglicher Wahnsinn", all die schlimmen Dinge sind für jetzt Vergangenheit, sie kommen irgendwann wieder. Aber jetzt spüre ich so eine Dankbarkeit, daß da jemand ist, den ich lieben kann und darf und sogar soll! Der diese positiven Gefühle in mir sehr gut für sich gebrauchen kann und damit wächst und gedeiht! Durch diese besondere Beziehung konnte ich all meine chaotischen Beziehungen zu Männern rückwirkend in einem anderen Licht sehen.
Wie wohl das tut, jemand etwas Gutes zu tun, ohne das Gefühl zu haben, es wird falsch verstanden. Wie wohl das tut, für jemanden zu sorgen, der das auch wirklich braucht, und nicht jemandem helfen wollen und damit womöglich nur noch mehr Schaden anrichten. Einfach lieben zu können! Und es wird angenommen! Und jetzt komme ich auch gleich auf das Thema "Umgang" und warum ich mich entschlossen habe, dies aufzuschreiben.
Warum wurde mir beim Lesen der Beiträge zum Heft so flau? Das erste Mal "erwischte" es mich an einer Stelle in "Für aktive Väter": "Auch ein Heft oder Buch, in das Sie regelmäßig Ihre Gedanken schreiben, kann ein richtiger Schatz für getrennte Kinder sein. Sie können auf diese Weise irgendwann erfahren, daß sie ihrem Vater nicht gleichgültig waren, daß er sich bemüht hat, so gut er konnte." Was hätte ich für so einen Beweis väterlicher Sorge und Zuwendung gegeben!
Was würde ich heute noch darum geben! Wie gut würde es Niklas tun, könnte er später so etwas von seinem Vater speziell für ihn lesen. Ich weiß heute natürlich, daß mein Vater damals sehr unter der dramatischen Trennung von uns gelitten hat. Aber hat er sich damals nicht in erster Linie seinem eigenen Leid hingegeben, dem, was im angetan wurde? Seine Wut, seine Traurigkeit über den Verlust der Familie hatten ihn so übermächtig besetzt, daß nicht viel Raum für die Liebe zu seinen Kinder übrig blieb. Meiner Mutter ging es genau so, aber sie mußte vorwärts gehen und sich durchkämpfen, war auf der Suche nach neuen Perspektiven. Bei ihr habe ich gelebt, von ihr habe ich mehr mitbekommen, Gutes wie Schlechtes. Vater war nicht "der Böse".
Wie weh das heute noch tut! So weh, daß ich weinen mußte, als ich in "Nicht abgeschickter Brief an meine Tochter" las: "Was ich Dir schon immer sagen wollte: Du kannst mich immer anrufen, wenn Du willst ... Darauf kannst Du Dich verlassen, egal, was sonst bei mir los ist." Ich hätte es gern von ihm gehört. Ich hätte ihm auch gerne sagen können: "Ich habe Dich sehr lieb."
Umgang. Hätte mein Vater - hätten beide Elternteile - damals anders mit der Situation umgehen können, hätte ich vielleicht das Gefühl gehabt, daß er mich schätzt, daß ich ihm etwas bedeute, nicht nur jemand bin, der nur Unterhalt von ihm will. Später war es dann Bafög, das er auch nicht zahlen wollte: "Was hab' ich denn davon, daß Du meine Tochter bist? Immer geht es nur um Geld!" Diese Worte brennen immer noch. Was konnte ich dazu sagen?
Ich habe den Kampf meiner Mutter gegen ihn übernommen, zusätzlich zu meinem eigenen Kampf um ihn, um seine Zuneigung und Wertschätzung. Dieser Kampf zeigte sich in allen meinen Beziehungen zu Männern, Chefs, Onkeln und wer sonst noch meinen Weg kreuzte! Wie weitreichend dieser Verlust ist, wie schwer!
Das Thema Umgang scheint mir eine Frage nach der Beziehung zu den Vätern zu sein. Sie fehlen so sehr.
Wo war mein Vater? Versunken in Selbstmitleid, alle Kraft für Wut und Haß verbraucht. Wo war der Vater meines Vaters? Zu früh im Krieg geblieben, vier Kinder und eine krebskranke Frau hinterlassend. Was hat das wohl für meinen Vater damals bedeutet?
Wo ist der Vater von Niklas Vater? In einer neuen Familie, welche den Kontakt zu seinen ersten Söhnen systematisch unmöglich gemacht hat. Ich weiß, daß sie es ihrem Vater nicht verzeihen können, daß er den Forderungen seiner neuen Familie einfach nachgab, nicht um den Kontakt zu ihnen gekämpft hat. Sie fühlen sich verraten und das schmerzt bis heute.
Gerade darum will Niklas Vater seinem Sohn - meinem Sohn - etwas anderes vermitteln. Ich unterstütze das, freue mich darüber und bin doch manchmal zwiespältig. Ich hoffe, daß ich genug trennen kann zwischen dem Kontakt, den er zu Niklas aufbaut und der undefinierten Beziehung zwischen uns. Ich bin unendlich froh, daß die Beziehung zwischen Niklas Vater und mir schon zu Ende war, bevor er geboren wurde. Das ganz große Schlamassel blieb weitgehend unbemerkt für ihn.
Ich weiß nicht, wie wichtig dem Kleinen jemand ist, der in unserem Leben ja nie anwesend war, aber trotzdem sein Papa ist. Er sieht bei seinen Kumpels auch andere Familienkonstellationen, er stellt ab und zu Fragen, im Laufe der Zeit wird die Bedeutung von Papa zunehmen.
Ich möchte unter allen Umständen vermeiden, daß mein Sohn die Erfahrung macht, von seinem Vater mit Gleichgültigkeit und Mißachtung behandelt zu werden und bin daher zu vielem bereit. Doch mir ist auch klar, daß ich alleine nicht die Macht dazu habe: Die - uneigennützige, verläßliche - Liebe seines Vater gehört dazu. Ich werde die Tür offen halten.
Martina Jacob
Hinweise von paPPa.com:
Deutsche Übersetzung:
"Lassen Sie Ihre Ex-Ehemänner Väter sein"
Von Sheila Ryan Monette
Dieser Brief ist der Höhepunkt nach Jahren der persönlichen Erfahrung und der Selbst-Ausbildung und es ist eine Geschichte und eine Lektion für alle Mütter, die in der Mitte der Scheidungverfahren sind oder waren. Ich habe den Schmerz des Familienzerfalls, der Alleinerziehung, der Probleme beim Kindesunterhalt und auch der Freude auch am Wiederaufbau und der Wiederverheiratung erfahren.
Es gibt ein sehr beunruhigendes Phänomen, das von einer dunklen Quelle in verärgerten Exgatten auftaucht, die umfassend erkannt wurde in juristischen und medizinischen Kreisen wegen der verheerenden Auswirkung.
Als Frau, Mutter, Stiefmutter, Ehefrau und geschiedene Frau habe ich Erfahrungen geteilt mit meinen weiblichen und männlichen Freunden. Eine Tendenz hat mich unermeßlich gestört - wenn das kostbare Verhältnis von Männern zu ihren Söhnen und Töchtern allen Alters gestört oder in einigen Fällen vollständig verloren gegangen ist. Ich spreche von den erfolgreichen Männern in ihren frühen 40ern, die warme Herzen, weiche Stimmen und tiefe durchdachte Augen haben, die ihren Nachwuchs nachhaltig lieben und regelmäßig Unterhalt zahlen, aber nicht genügend Energie haben oder nicht ausreichende Kenntnisse für die psychologische Kriegsführung mit den Exgatten, die Rache suchen. Ich vermute, daß es derer viele gibt (Frauen und Männer), die jetzt anfangen, ihre eigenen Reflexionen hier zu sehen.
Es gibt zwei wichtige Wahrheiten über diese Sache, zu denen die
meisten von uns es vorziehen, diese weder zu erkennen noch sich dazu zu
äußern:
1) Kinder können als sehr wirkungsvolle Waffen eingesetzt werden und
2) ein trauriger Aspekt: Mutterschaft kann eine dunkle Seite haben.
Frauen haben die Energie (und zweifellos nicht alle machen Gebrauch davon)
Ex-Ehemänner für wahrgenommene unverzeihliche Demütigungen
zu bestrafen.
Es gibt die versuchen-und-bewährten Taktiken - bequeme Gründe, warum Besuche nicht stattfinden können und wie seine neue Partnerin niemals akzeptiert werden wird, resultierend daraus die psychologische Bestrafung für das Kind, das gut über ein Stiefernteil spricht, um das Kind damit hinter Loyalitätskonflikten wegzusperren, was das Kind zwar zunächst bekämpft, dann aber schmerzlich annehmen wird und Vati nur noch als "Brieftasche" sehen und ansonsten nichts mehr glauben wird.
Frauen tun diese Sachen im Vertrauen darauf, dass Gerichte nicht die "weichen" Punkte der Scheidungvereinbarungen erzwingen können wie "wegen Fragen der Erziehung und Gesundheit wird Beratung in Anspruch genommen". Es ist schwer zu überprüfen, wenn das Verhalten eines Kindes gesteuert und dessen Gedanken oder Wünsche kontrolliert werden - und das System hat seine ganze Bemühung in den wirklich wichtige Punkt - Eintreiben des Unterhalts - gesetzt.
Es ist aber noch schlimmer. Die psychiatrische Gemeinschaft hat umfassend erforscht und dokumentiert, was bekannt geworden ist als das "elterliche Entfremdungssyndrom". (Ein Nachschlagbuch ist das elterliche Entfremdungssyndrom durch Richard A. Gardner, MD.) Es ist eine Störung, die vermutlich leicht in den gefälschten sexuellen Mißbrauchsaufladungen gegen Exgatten erkannt wird, in denen ein Elternteil (häufig die Mutter) ein Kind und die Gerichte überzeugt "Vati hat Dich berührt, stimmt doch?".
Für einige Frauen ist es auf andere Weise naheliegend und wird beim Nachwuchs vom Kleinkind bis zum Jugendlichenalter in unterschiedlichen Graden verwendet. Hier sind einige Beispiele der typischen Elternteil-entfremdenden Aussagen: "Wie Dein Dad sich im Auto verärgert verhielt, weißt Du, das war wirklich mißbräuchlich" oder "Du wirst es nicht glauben, was Dein Vater alles getan hat, als wir noch verheiratet waren" oder "Ich weiß wirklich nicht, wie wir diese Rechnung bezahlen sollen - aber sieh dir an, in welch nettem Haus Dein Vater leben kann" oder "Ich glaube, dass Vati ihre Meinung gegen uns übernommen hat - ich würde euch das nie antun."
Ich könnte weitere Beispiele bringen, aber Sie haben mich wohl schon verstanden. Die Strategie ist, ein negatives Bild des anderen Elternteils durchweg und ununterbrochen zu verursachen damit schließlich sicherzustellen, daß das Kind selbst beschließt, nichts mehr mit dem Zielelternteil zu tun haben zu wollen.
Frauengruppen sollten auf die Arbeit stolz sein, die erledigt wird, um ihre Lebenssituation wieder zu meistern. Elterliche Entfremdung wird auch durch Väter ausgeführt. Jedoch sind es hauptsächlich Frauen, die sich in dieser Tätigkeit mit Mitteln von zerstörerischer Rache engagieren. Obgleich es eine Art unterirdischer Kriegsführung, gibt es Opfer und die am meisten verletzten Kinder sind es, die man schützen muss.
Vieles ist schwierig anzunehmen, da wir so sehr einer Welt leben möchten, in der Mutterschaft geehrt wird.
Der Vater gibt seinen Kindern etwas, das ganz speziell ist, das nichts zu tun hat mit dem Verhältnis (gut oder schlecht) zwischen ihm und seiner Ex-Gattin. Wir haben jeden Anlass, um uns für unsere Kommunalgesundheit und Wohl zu fürchten, wenn Väter am Lieben der Kinder gehindert werden und die Kinder von seiner Liebe fern gehalten werden.
Bei einigen Männer ist die Entfremdungsstrategie erfolgreich und sie lassen die stille Niederlage zu und fliehen emotional oder physisch - sie werden das, was wir als "deadbeat dads" ["totgeschlagene Väter"] bezeichnen, andere gehen auf Distanz und nehmen nur noch das an, was an Beziehung zu den Kindern möglich ist und zugelassen wird - in sicherem Abstand von der Feuerlinie. Sie können sich das stille Leiden der zerbrochenen Kinder vorstellen, die pflichterfüllt hinter ihren grinsenden Müttern stehen. Wir haben alle etwas verloren.
Wenn die Gesellschaft einfordert, Väter sollten mehr Verantwortlichkeit übernehmen, müssen wir uns wundern, wieviele leise weibliche Stimmen nie öffentlich zugeben, daß sie das einfach nicht zulassen werden.
Es wird Reaktionen geben von denen mit entgegengesetzten Ansichten und Beispiele zur Unterstützung des "tot-schlagen dadism" und "Mama-Heroismus". Die wirkliche Aufgabe ist jedoch Verhinderung und Vorbeugung - was können wir tun?
Nun, neben der Erziehung der Töchter - ihnen genügenden Selbst-Wert zu vermittlen, damit sie auf solche Taktiken verzichten - werden Sie eine Freundin haben, eine Schwester, eine Stieftochter, von der Sie annehmen können, dass sie gerade beim Entfremden der Kinder vom Vati sind - auf welche Art auch immer - sagen Sie dann etwas in einer freundlichen, leichten und unterstützenden Weise über den Wert eines Vaters im Leben eines Kindes. Sie werden dann sicherlich einen kleinen Beitrag zum größeren guten und möglicherweise großen Unterschied bezüglich des Lebens eines Kindes getan haben.
Sheila Ryan Monette, Nepean