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EMMA 1/98: Pascha des Monats - Matthias Matussek
In schöner Gemeinsamkeit mit TAZ, TIP, PAPS und der SPIEGEL-Replik durch Frau Kartte jetzt auch die EMMA - Auszug aus dem kommenden Heft:
Pascha des Monats - Matthias Matussek
Der Mann war mal ein renommierter Journalist, ja sogar Kisch-Preisträger. Nun läßt der "Spiegel" zu, daß er sich um Kopf und Kragen schreibt. Nach einschlägigen Probeläufen zu so ergiebigen Themen wie "political correctness" und "neue Prüderie" durfte der "Spiegel"-Reporter Matthias Matussek, 43, jetzt richtig durchstarten. In einer larmoyanten Titelgeschichte über zwölf Seiten zeichnete er das selbstmitleidige Bild vom "Heer verzweifelter Väter", die den "KriegsgewinnlerInnen von der Scheidungsfront" hilflos ausgeliefert sind. Für diese "Heulsusen der Spaßgeneration" sind Kinder nichts anderes als "Spekulationsobjekte mit sicherer Rendite". Diese "skrupellosen Abzockerinnen" nehmen sich "Väter auf Zeit" nach dem "Lebensborn-Prinzip" (Tja, Schwestern, die Girlie-Schonfrist ist abgelaufen ...). Laut Matussek sind 95% (!) aller Beschuldigungen in Sorgerechtsprozessen "frei erfunden". Als das bekannteste Opfer dieser "Mißbrauchsfolklore" zitiert er ausgerechnet Woody Allen. Müßig, anzumerken, daß Woody Allen nicht frei- sondern schuldig gesprochen wurde und seine Kinder nicht mehr sehen darf. Von dieser Art Wahrheitsgehalt ist der ganze sich selbst entlarvende Betroffenheitsschmier. So ist die posthume Enthüllung aus gewöhnlich wohlinformierten Kreisen über Matusseks ganz persönlichen Ehe- und Kinderkrieg auch keine Überraschung. Erstaunlich nur, daß sowas gedruckt wird. Ein einzger Lichtblick: Nach Jahrzehnten hausinterner ungestörter Old-boy Bierseligkeit regt sich jetzt Frauenunmut gegen die noch härteren Young boys in der Midlife-Crisis. Die neue Generation der Spiegel-Redakteurinnen scheint die "Männer-unter-sich-Atmosphäre" an der Elbe, in der "Frauen vorzugsweise als Problemfall" abgehandelt werden, nicht mehr hinnehmen wollen. Es gibt sogar ein hausinternes Kritikpapier aus Redakteurinnenfeder. Doch die Chancen stehen schlecht, Schwestern: Zwei Wochen später setzten die "Spiege"-Jungs noch einen drauf: Sie wußten zu berichten, daß das Matussek-Pamphlet, auf große Begeisterung bei "den Spiegel-Lesern" stieß, bei Männern wie Frauen. Papier ist eben geduldig. Davon scheint auch der neue Rowohlt-Verleger Nikolaus Hansen auszugehen. Er gab seinem Spezi Matussek in einem Leserbrief Schützenhilfe mit den Worten: "Ein fulminanter Artikel, der eine neue Phase in den Geschlechterbeziehungen einläuten wird."
Gleich drunter: Der EMMA-Frauenwitz des Monats
Was dauert länger? Einen Schneemann bauen - oder eine Schneefrau?
Einen Schneemann. Da muß noch der Kopf ausgehöhlt werden.
Siehe auch: "Die SPIEGEL-Story" in EMMA März/April 1998