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Studienergebnisse: Junge Väter sind besser als ihr Ruf
dpa, 16.10.98: Junge Väter werden mit der Zeit immer besser
Münster. Frauen wünschen sich für ihre Kinder einen Vater, der in erster Linie "gefühlvoll, mitteilsam, verständnisvoll, hilfsbereit und zärtlich" ist. Typisch männliche Eigenschaften wie "Selbstsicherheit, Durchsetzungsfähigkeit und Tatkraft" sind Frauen eher unwichtig, wenn sie eine Familie gründen wollen. Das haben zwei Wissenschaftler für die Westdeutsche Landesbausparkasse (LBS) herausgefunden.
Männer wünschen sich aber einfach eine Frau zum Lieben und eine Mutter fürs Kind. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, daß Mütter durch demonstratives Vertrauen in die Kompetenz ihres Partners "das väterliche Engagement deutlich fördern" können. Und sie erfuhren, daß eine aktive Vaterschaft zu einer "glücklicheren und stabileren" Beziehung beiträgt.
Der Studie zufolge kümmern sich Erstväter von Monat zu Monat mehr um den Nachwuchs. Zwischen dem vierten und 18. Monat zum Beispiel steige ihr Einsatz beim Windelwechseln um 16 und bei der Nachtversorgung um 23 Prozent. 71 Prozent der Erstväter bringen das Baby mit der Partnerin gemeinsam ins Bett. (dpa)
Bamberg (dpa März 98) - Junge Väter sind einer neuen Studie zufolge besser als ihr Ruf. Sie gehen weniger in Kneipen als Singles und verbringen einen Großteil der Freizeit mit ihren Kindern. Das sind die Ergebnisse einer Langzeitstudie des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg, die am 20. März 1998 veröffentlicht wurde. Dabei wurden 1500 junge Familien über sechs Jahre hinweg befragt. [Spätere Studie "Was machen junge Väter mit ihrer Zeit? Die Zeitallokation junger Ehemänner im Übergang zur Elternschaft", 2000]
Frischgebackene Väter erhöhen einerseits ihr Berufsengagement, gleichzeitig werden sie geradezu häuslich, stellte Projektleiter Laszlo A. Vaskovics fest. Der verstärkte Einsatz bei der Arbeit sei aber keine Flucht. Vielmehr wollten Männer durch Überstunden häufig finanzielle Einbußen kompensieren. "Hier zeigt sich die gestiegene Verantwortung junger Väter", folgern die Forscher. Die Männer spielen laut Studie nach der Arbeit an Wochentagen rund eineinhalb Stunden mit dem Nachwuchs, an Wochenenden bis zu vier Stunden. Allerdings verbringe der Mann im Haus auch mehr Zeit vor dem Fernseher und werde zur bequemen "Couch-Kartoffel", meinte Vaskovics.
Meldung im "Fränkischen Tag" vom 30. März 1998:
Längere Arbeitszeiten und trotzdem Zeit für das Kind
Väter beteiligen sich zu wenig an der Familienarbeit, diesen Vorwurf möchten die Autoren einer Untersuchung des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb) zum Thema “Was machen junge Väter mit ihrer Zeit?” so jedenfalls nicht — mehr — stehen lassen. Wie Prof. Dr. Laszlo A. Vaskovics und seine Mitarbeiter Doris Rosenkranz und Harald Rost zu ihrer Einschätzung kommen, die Datengrundlage und der Weg dazu sind einleuchtend. Junge Väter nutzen — anders als erwartet — ihre Zeit nämlich vielfach grundlegend anders als vor der Geburt des Kindes. Längere Arbeitszeiten (täglich gut 20 Minuten), auch aufgrund der “gestiegenen Verantwortung in der Rolle des alleinigen Ernährers” und trotzdem viel Zeit für die Kinder. Diese beiden Tatsachen gehören zu den wichtigen Ergebnissen der Untersuchung im Lebensalltag von 1.500 jungen Ehepaaren über einen Zeitraum von immerhin sechs Jahren. [siehe spätere Studie "Was machen junge Väter mit ihrer Zeit? Die Zeitallokation junger Ehemänner im Übergang zur Elternschaft", 2000]
Ein bißchen scheint das traditionelle Rollenbild vom Vater, der nahezu unbeteiligt das Heranwachsen seiner Tochter oder seines Sohnes zur Kenntnis nimmt, sich bestenfalls ärgert, wenn er sich im Freizeitstreß zwischen Tenniscourt und Szenenkneipe einschränken muß, damit überholt zu sein und das Modell des “neuen Mannes” und “neuen Vaters” Einzug in die Realität zu halten. Schließlich bringen täglich eineinhalb Stunden Kinderbetreuung an Werktagen und drei bis vier Stunden an Wochenenden doch das traditionelle Rollenbild des Vaters als wirtschaftlicher Ernährer arg ins Wanken. Zumal die Soziologen des ifb feststellten, daß sich die Beschäftigung mit den Kindern zulasten der “Freizeit und Rekreationsphase” der jungen Väter vollzieht.
Ob der Rollenwandel jedoch in einem weiteren Maße eingesetzt hat, darf bezweifelt werden? So haben nämlich die Sozialwissenschaftler herausgefunden, daß sich Väter vorwiegend den Sonnenseiten der Erziehung widmen, etwa dem Spielen und Spazierengehen. Das Windeln wechseln oder füttern scheint bei den Herren der Schöpfung nicht so hoch im Kurs zu stehen. Die Sozialwissenschaftler notieren lapidar: “die 'Arbeiten für das Kind` hat bereits die Partnerin erledigt” und verweisen auf den Zeitraum, den die Väter ihren beruflichen Pflichten gewidmet haben. Auch deshalb reden die Soziologen den “Mustervätern” nicht das Wort. Dazu trägt auch der geringe Anteil von Männern, weniger als zwei Prozent, bei, die den Erziehungsurlaub ganz oder teilweise in Anspruch nehmen. Auch die Feststellung scheint in diesem Zusammenhang wichtig, daß sowohl “freizeitorientierte” wie karrierebewußte Väter nach wie vor wenig Zeit für ihre Kinder aufwenden. Die finanzielle Situation, die sich aufgrund des zumindest zeitlich begrenzten Ausbleibens des zweiten Einkommens ergibt, dürfte eine weitere konsumhemmende Wirkung zeitigen.
Vorschläge, wie sich Väter noch intensiver um Familienarbeit und Kindererziehung kümmen können, bleiben die Sozialwissenschaftler nicht schuldig. Abhilfe ist für sie nur durch eine “andere Aufteilung der Erwerbstätigkeit zwischen den Partnern” und eine weitere “Flexibilisierung der Arbeitszeiten” möglich. Immerhin konstatieren sie in wissenschaftlicher Distanz, daß “zumindest am Wochenende bereits ein Schritt in Richtung egalitärer Aufteilung der Familienarbeit” erfolgt sei. lu
Kommentar paPPa.com: Die Studien passen wenig in das ansonsten (auch) von feministischer Seite geprägte Bild, nach dem die "Herren der Schöpfung" lediglich 10 Minuten täglich für Hausarbeit und Kinder erübrigen - was man überall nachlesen kann.
Ein weiterer Mythos wurde bereits 1994 widerlegt: Daß Väter nach Trennung oder Scheidung in der Regel kein Interesse mehr an ihrem Nachwuchs haben sollen, siehe Die psychosoziale Situation nichtsorgeberechtigter Väter (Studie der Uni Freiburg)
Es ist erfreulich, daß nach und nach die Mythen von den miesen Männern demontiert werden. Als nächstes sollte untersucht werden, was es mit den "unterhaltsflüchtigen Vätern" auf sich hat. Und dann wäre auch noch der Mythos vom "Väter sind Täter" eine Untersuchung wert.