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Als sei da ein Damm gebrochen ...
Kommentierte Dokumentation der Leserbriefe zu "Die
vaterlose Gesellschaft"
DER SPIEGEL, Nr. 49/1997 vom 1. Dezember 1997
Hausmitteilung (Seite 3)
Betr. Leserbriefe
Als sei da ein Damm gebrochen: Selten zuvor äußerten sich die SPIEGEL-Leser so vehement und in so grosser Zahl wie nach dem Titelstück, das Reporter Matthias Matussek über die weithin verdrängte Problematik der "vaterlosen Gesellschaft" geschrieben hat [Anmerkung paPPa.com: Ähnlich erging es FOCUS Anfang 1995 mit dem Beitrag: "Wo ist Vati?"] - guter Grund nun für Kollegin Petra Kleinau, damit den kompletten Briefteil dieses Heftes zu bestreiten. Mehr Männer als Frauen meldeten sich, viele schilderten ihren eigenen Kampf ums Kind und bestürmten dann Kleinau telefonisch, das doch auch bitte zu drucken. Ein verständlicher Wunsch, dem freilich der Briefteil nicht gewachsen ist.
Das Telefon blieb auch beim Autor nicht still. Matussek wiederum, der nach seinem provozierenden Beitrag mit allem gerechnet hatte, erhielt überwiegend Anrufe von Frauen - die meisten zollten Beifall: erwachsen gewordene Scheidungskinder zum Beispiel, die unter dem Vaterentzug einst selber gelitten hatten.
Briefe (Seiten 9, 12, 13, 14)
"Wenn Väter das Sorgerecht mit Müttern teilen möchten, dann bitte auch die Sorgepflichten, vom Windelwechseln bis zur Betreuung bei Kinderkrankheiten, von drei Mahlzeiten am Tag bis zum Waschen der Socken."
Evelyn C. Bosenberg aus Chicago zum Titel "Die vaterlose Gesellschaft"
Wir danken Ihnen für dieses herrliche Stück Satire. Mit sprachlich wunderbar überzogenen Formulierungen haben Sie die ganze Misere der Väter in Deutschland sichtbar gemacht. Da ist es wirklich überflüssig, nach den 850.000 Vätern zu fragen, die sich jährlich um den Kindesunterhalt drücken. Oder etwa die halbe Stunde täglich zu kritisieren, die sich die Väter für die "Erziehung" ihrer Kinder abringen. Oder gar das Gewaltpotential von Familienvätern zu erwähnen, dessen Eskalation die Presse so gern geschlechtsneutral als "Familiendrama" bezeichnet.
Bonn, Peggi Liebisch, Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter VAMV
[Ergänzung paPPa.com: Der Verband wird vom Bonner Frauenministerium finanziert.]
Die in diesem Bericht geschilderte Situation von an ihren Kindern interessierten Vätern entspricht in vielen Fällen der Erfahrung, die Klienten von mir in der Trennungs- und Scheidungssituation gemacht haben. Folgen sind häufig tiefe Depressionen, psychosomatische Beschwerden und Selbstwertzweifel. Vor der Trennung sollte man(n) in aller Regel ein "neuer" Mann sein - bemüht um die Kinder, ein interessierter Vater, nach der Trennung reicht das alte Männermodell: am besten zahlen und sich aus dem Erziehungsgeschäft heraushalten.
Berlin, Karl W. Blesken, Diplom-Psychologe
Mütter, die klagen, finden Hilfsbereitschaft, Zuspruch, Wohlwollen; Väter, die klagen, sind einfach nur lächerlich. Aus denselben Vorurteilen speisen sich auch so aberwitzige Argumentationsketten wie: Väter wollen sowieso nichts von Familie und Kindern wissen (sie machen Karriere, um sich vor beidem zu drücken); Väter, die gegen ihre "Entsorgung" kämpfen, müssen etwas Böses im Schilde führen, Kinder müssen also vor solchen Vätern geschützt werden. So wird der Einsatz von Vätern für ihre Kinder zum Argument für ihre "Entsorgung".
Lübeck, Andreas Beldowski
Es tut weh, sich von gegnerischen Anwälten als "hoch neurotisch" oder "charakterlich zur Ausübung des Umgangsrechts ungeeignet" diffamieren lassen zu müssen. Viele Mütter wissen (wahrscheinlich) nicht, wie sehr sie ihren Ex-Partner verletzen, wenn sie ihm das gemeinsame über Jahre hinweg vorenthalten. Ich könnte heulen, wenn ich Pampers-Reklame im Fernsehen sehe oder mich ein kleines Kind in der Straßenbahn anlächelt.
Kassel, Sebastian Wickert
Ich kenne alleinerziehende Väter, die sich toll um ihre Kinder kümmern, Väter, die sich Frauen verlassen haben, als diese schwanger wurden, Väter, die zusammen mit ihren Ex-Frauen trotz Trennung an einem kooperativen Verhältnis zugunster der Kinder arbeiten, Väter, die eine durchaus engen Kontakt gewährleistende Umgangsregelung nur unregelmäßig wahrnehmen und das Bedürfnis ihrer Kinder nach Verläßlichkeit ignorieren, Väter, deren Firmen in keiner Weise Rücksicht auf eine Wahrnehmung der Vaterrolle nehmen. Wenn derart einseitig ein Bild von Vätern als Opfer und Müttern als Täter gezeichnet wird, bauchpinselt dies vielleicht die überwiegend männliche Leserschaft des SPIEGEL, der Realität entspricht es nicht.
München, Petra Biehler
Ein fulminanter Artikel, der eine neue Phase in den Geschlechterbeziehungen einläuten wird.
Reinbek, Nikolaus Hansen, Rowohlt Verlag
Hat keiner darüber nachgedacht, was das veraltete deutsche Schulsystem mit den bösen Scheidungsmüttern zu tun haben könnte? Ich lebe zum Glück in Frankreich. Unsere Kinder, sechs und elf, besuchen selbstverständlich die Ganztagsschule - und gern. In Frankreich arbeiten 80 Prozent der Frauen, in Deutschland kaum 40 Prozent. Hier regeln sich die von Matussek angesprochenen Probleme auf erwachsenere Art. Armes Deutschland - mit seinem selbstverschuldetem Familienknatsch wirkt es auf uns wie finsteres Mittelalter. Pech für Matusseks Scheidungsväter.
Lure (Frankreich), Sibylle Mulot, Schriftstellerin
Sie geben den Ehefrauen und unserem Scheidungsrecht die Schuld an diesen Zuständen. Dies befindet sich doch auf ganz anderem Terrain, nämlich bei der Verteilung der Lohnarbeit, die den Vater auch in intakten Familien bei der Kindererziehung zur vernachlässigbaren "Restgröße" werden läßt und im Krisenfall Frauen zu einem solch bizarren Verhalten bringt. Oder glauben Sie etwa wirklich, daß Ehen wegen einer Schrankwand geschieden werden?
Hamburg, Constanze Baier
Auch ich konnte einige Male der Versuchung nicht widerstehen, meiner mir vom Staat in die Hand gegebene Macht auszuspielen und meinem Mann zu drohen, das alleinige Sorgerecht zu beantragen, nach dem Motto: Tust du nicht, was ich sage, ist es aus mit dem gemeinsamen Sorgerecht. Das ist dumm und ungerecht und zeigt eigentlich auch nur die eigene Unfähigkeit zur Kompromißbereitschaft. Wir sollten einmal mehr an unsere Kinder denken, vor allem und gerade, wenn die Beziehung der Eltern zerbricht.
Jork (Nierdersachsen), Martina Brühl
Die Mär von der benachteiligten Frau, die durch gebetsmühlenartige Wiederholungen stets als Opfer dargestellt und hochstilisiert wird, hat in unserer Gesellschaft zu einem gehirnwäscheähnlichem Zustand geführt, der in keiner Weise der Realität standhält.
Krefeld, J. Bechstein
Mit dieser Titelgeschichte haben Sie den alleinerziehenden Frauen, die vielfach von der Sozialhilfe leben müssen, ein weiteres Stück Boden unter den Füßen weggezogen.
Hamburg, Dietrich Bengeser
Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, daß für Mutter Normalbürgerin eine Scheidung offensichtlich einem Lottogewinn gleicht. Da hockt sie schon die ganze Zeit faul zu Hause, führt nebenbei, damit sie vor Langeweile nicht umkommt, den Haushalt und sorgt für die Kinder, und wenn sie geht, dann kriegt sie auch noch Geld für sich und die Blagen. Ja, wo kommen wir denn da hin! Und weil das so lukrativ ist, nimmt sie die Kinder gleich mit.
Mönchengladbach, Tatjana Beckmann
[Kommentar: Humor hat sie ja, die Mutter Beckmann]
Nicht der von Ihnen propagierte schalgewordene Geschlechterkampf ist angesagt. Auch nicht die Rückkehr zu biedermeierlichen Fassaden-Ehen mit nicht minder zerstörenden Machtkämpfen hinter säuberlichen Wohnungstüren. Angesagt ist vielmehr die unendlich schwierige Suche nach Lösungen im Sinne aller Beteiligten, vor allem aber im Sinne der Kinder.
Wien, Dr. Rubina Möhring
[Kommentar: Warum sollte das so unendlich schwer sein???]
Warum wird das Matussek-Stück "Polemik" genannt, als ob hier - unzutreffenderweise - übertrieben würde. Warum muß erst eine Generation von Kindern mit - in der Regel - ihren Väter unnötig leiden, bevor eingesehen wird, daß die auch weiterhin völlig inakzeptable Rechtslage dringend korrekturbedürftig ist?
Zollikerberg (Schweiz), Prof. Ingolf Böttger
Die höchst fragwürdige Rolle der meisten Familiengerichte gerät völlig aus dem Blickfeld. Gerade sie, die "Profis" der Scheidungsindustrie, machen wegen ihrer Unfähigkeit oft alles noch schlimmer, als es ohnehin schon ist. Wären insbesondere die Richter auf ihre Aufgabe gezielt vorbereitet, statt längst überholten Familienideologien anzuhängen, könnten sie sehr viel Unglück verhindern. Die Mittel dazu hätten sie, fast kein Richter macht von ihnen Gebrauch. Und so werden auch künftig Kinder mit Billigung und (unfreiwilliger?) Förderung der Gerichte als Waffe im Krieg der Geschlechter mitbraucht werden.
Aichtal (Bad.-Württ.), Hartmut Schewe
[Kommentar: Schewe kann man nur 200-%ig zustimmen. Die Ignoranz und Brutalität des deutschen Vormundschafts- und Familienrichters gehört endlich thematisiert, ihre Verantwortlichkeit ist offensichtlich. Am 1.7.1998 wird vielleicht das neue Kindschaftsrecht in Kraft treten ... die Deutsche Richterakademie mit Sitz in Trier bietet für das Jahr 1998 kein Seminar zu diesem Thema ... Deshalb: Aktion am 12.12.97, 5 vor zwölf vor 30 deutschen Familiengerichten !]
"Gott schütze uns vor unseren Freunden - mit unseren Feinden werden wir selber fertig" - diesen Seufzer dürfte man wohl angesichts der Polemik von Matthias Matussek in so manchen Vätergruppen hören, deren Diskussionsbeiträge sich wohltuend von dieser unsinnigen Mütterbeschimpfung abheben. Der wachsenden Zahl von Vätern, die erkennen, daß sie sich allzulange historisch überholten Rollenmustern gefügt haben, und die endlich nach Wegen suchen, diese zu überwinden, fällt der SPIEGEL damit bös in den Rücken. Diskussionsbereiten Müttern geht es im übrigen nicht anders - auch sie müssen sich immer wieder mit unreflektierten Attacken aus den eigenen Reihen herumgschlagen.
Frankfurt am Main, Prof. Dr. Gisela Zenz, Prof. Dr. Ludwig Salgo
[Kommentar: "Gott schütze uns vor unseren Freunden - mit unseren Feinden werden wir selber fertig" - wie Recht er hat, der gute Prof. "Haste-ma-ne-Mark?" Salgo, hochdotierter "Kinderrechtsspezialist", reichlich eingedeckt mit Forschungsaufträgen aus dem Bundesfrauenministerium von Claudia Nolte (jagt gerne säumige Zahlungsväter) ...
Mit wem haben wir es denn hier zu tun? Schauen wir doch mal in die in das Frankfurter Allgemeine Magazin vom 10. Januar 1997, S. 43, Interview mit Prof. Dr. Ludwig Salgo:
"Frage: Werden im Scheidungsverfahren die Interessen der Eltern gegenüber denen der Kinder bevorzugt?
Salgo: Die Botschaft der Bundesregierung ist widersprüchlich. Der Justizminister sagt, die Wahrung der Interessen der Kinder sei der Sinn der Reform. Wenn man den Entwurf daraufhin prüft, sieht die Sache anders aus: Es gibt in der Tat eine Elternorientierung. Um es konkret zu sagen: Der Entwurf soll die gekränkte Eitelkeit von Vätern, die das Sorgerecht nicht bekommen haben, befriedigen. Der Bundesregierung scheinen diese Väter sehr wichtig zu sein. Das haben wir beim Unterhaltsrecht gesehen und sehen es jetzt bei der Kindschaftsrechtsreform. Es ist gut, daß es immer mehr Väter gibt, die aktiv am Alltag der Kinder auch nach der Scheidung beteiligt sein wollen. Aber leider geht es nur zu oft darum, daß Väter das Sagen haben wollen, ohne sich am Alltag ihrer Kinder zu beteiligen. Die elterliche Sorge wird vom Recht aber definiert als das Recht und die Pflicht, sich um Kinder zu sorgen."
Man könnte glatt auf die Idee kommen, hier handele es sich um eine Art "Wendehals", der schon nach den nächsten Forschungsaufträgen giert. Eigentlich schade ...]
Nach dem Grundgesetz Artikel 6 sind Väter und Mütter gleichermaßen für die Kindererziehung verantwortlich. Allerdings hat die rechtliche Stellung - gemeinsames oder alleiniges Sorgerecht - nur bedingten Einfluß auf die Vater-Kind-Beziehung. Nicht die Mütter entfremden die Kinder von Vätern, fast 60 Prozent der Väter brechen bei Trennung und Scheidung den Kontakt zu ihren Kindern nach einem Jahr ab. Je mehr der Nachwuchs in unserer Gesellschaft als Finanzrisiko betrachtet wird, desto höher ist zusätzlich das Bemühen der Väter, sich auch den finanziellen Verpflichtungen zu entziehen.
Kiel, Dr. Gunter Hesse, Frauenministerium in Schleswig-Holstein
[Kommentar: paPPa.com hat heute bei Herrn Dr. Hesse nachgefragt und gebeten, die Zahl von 60 Prozent, die den Kontakt abbrechen, zu belegen. Anschließend werden wir weitere Schritte einleiten. Herr Dr. Hesse ist unter der Fax-Nummer 0431-988-7487 erreichbar.]
Ihre (korrekt errechneten) Unterhaltsbeispiele sind von einem - falschen - Mitleid gegenüber den Männern geprägt. Sie übersehen völlig, daß dem Dipl.-Ing. mit 6.000 Mark monatlichem Nettoeinkommen die Hälfte verbleibt, seine Ehefrau und die beiden Kinder, also drei Personen, aber nur knapp mehr zur Verfügung haben.
Einbeck (Nieders.), Michael Weisensee, Fachanwalt für Familienrecht
Die von Ihnen geschildterten Phänomene sind nicht nur den Betroffenen, sonden auch den professionellen Scheidungsbegleitern bestens bekannt. Das Leid aller Betroffenen - auch der vermeintlichen "Gewinner" - ist groß; die Ergebnisse der Familiengerichtsverfahren führen meist nicht zu einer Befriedigung des Konfliktes, so daß sich Betroffene und deren Berater verstärkt alternativen Verfahren wie der Mediation zuwenden. Mediation bietet dem Paar die Chance, seine wirklichen Interessen zu äußern und flexible Lösungen fur den speziellen Konflikt dieser Familie selbst zu entwickeln. Durch die Abwendung vom Scheidungskrieg wird den Eltern Raum eröffnet, sich den wahren Bedürfnissen ihrer Kinder wieder zuzuwenden, statt sie als Waffe einzusetzen.
Hamburg, Dr. Susanne Perker, Hamburger Institut für Mediation
[Anmerkung paPPa.com: Diese Alternative bietet sich allerdings wohl nur für wirklich gutverdienende Eltern, meist kommt man unter DM 100 die Stunde nicht weg - und das zusätzlich zu Gerichts-/Gutachter- und Anwaltskosten. Meistens gibt es auch erhebliche Wartezeiten ...]
Ausgangspunkt jeder familiären, gesellschaftspolitischen und richterlichen Entscheidung muß das Recht des Kindes sein. Immer auch radikal gegen die Interessen von Müttern (oder Vätern)! Das Kind hatte nämlich keine Chance, sich Mutter (und Vater) zu wählen. Die Verpflichtung, seine Interessen denen des Kindes im Zweifel immer unterzuordnen, liegt daher bei den Eltern. Zur Zeit gibt es einen öffentlichen Trend, alleinerziehende Mütter (und Väter) zu Helden zu stilisieren. Aus der Perspektive des Kindes sind sie Versager zu Lasten des Kindes.
Hamburg, Hark Bohm, Regisseur
Wortgewaltig hat Matussek den Trennungsvätern seine Stimme geliehen und ihrer von der Frauenpolitik so oft ignorierten, relativierten oder verächtlich gemachten Betroffenheit Geltung verschafft. Letztlich wird das Problem der Väter aber nur über eine Neubestimmung der gesellschaftlichen Rollen zu lösen sein. Mehr Beruf für Mutter, mehr Kinder und Familie, mehr Teilzeit und Erziehungsurlaub für Väter. Das ist das Thema von "Paps", und davon will Matussek nichts wissen. Das ist ihm zu unmännlich. Das muß er abwerten. Der Kämpfer-Vater ist "ein Schrank von Kerl", und der "Paps"-Mitarbeiter ist ein "schmaler Diplom-Chemiker mit Nickelbrille", kurz: ein Schwächling. Wut regt wohl manchmal auch die Phantasie an: Einen schmalen mit Nickelbrille gibt bei "Paps" überhaupt nicht.
Stuttgart, Werner Sauerborn, "Paps"-Redakteur
[Anmerkung paPPa.com: Rufen wir uns noch mal die Stelle in Erinnerung, die Sauerborn zu schändlich findet:
"Sie sind schrill, und sie sind sanft. Einer, ein Schrank von Kerl, betreibt aus einem Neuköllner Hinterzimmer den Internet-Info-Service "paPPa.com", der sich um Gegenöffentlichkeit bemüht. Ein anderer, schmaler Diplomchemiker mit Nickelbrille, engagiert sich in der Zeitschrift "Paps", wo sich sanfte Väter in Naturgestricktem als bessere Mütter beweisen wollen. Doch über all den Versuchen steht dick und fett: NIEDERLAGE."
Und jetzt wieder zu Sauerborn: Woher nimmt er die Annahme, daß Matussek sich nicht für gesellschaftspolitsche Maßnahmen interessiert? Ich habe gesucht und nicht gefunden. Was Matussek allerdings nicht will - so wie eine ganze Reihe anderer betroffener Väter: Die Frauenfunktionärinnen wollen den Männern erst die Kinder lassen, wenn sie die besseren Mütter sind. Und da will auch ein Werner Sauerborn hin. Seine Zeitschrift paps läßt sich doch in jedem zweiten Artikel - mehr oder weniger direkt - darüber aus, wieviel Defizite der Mann in der Gesellschaft zeige. Damit ist er in gefährlicher Nähe der neofeministischen Argumentation. Statt sich davon abzugrenzen, schimpft er auf alles, was nach "Kämpfer-Vater" riecht, freut sich über Aktionen zu "Aktiv gegen Männergewalt". Und er fordert verbissen ein, daß Betroffenenverbände seine paps finanzieren (denn auf dem freien Markt geht das wohl nicht), statt politisch aktiv zu sein. Und wenn die da nicht mitmachen, dann gibt es Saures(born)! Daß man auch anders als über eine Hochglanz-Zeitschrift Politik machen kann, hier und jetzt, vor der Abschaffung des kapitalistischen Systems und dem (Mythos des) Patriarchat(s), das erzeugt bei Werner Sauerborn zweierlei: Verbitterung und Neid. Lieber Werner, backe weiter kleine Brötchen, sei einfach weiter "paps" und laß die anderen pappas mal machen. "Frauen haben die Emma", schmale Diplom-Chemiker in Naturgestricktem haben paps, Väter lesen den SPIEGEL und der SPIEGEL hält manchem denselbigen vor.
paPPa.com, Berlin (welches Kind nennt seinen Vater schon paps ?)
Ich bin ein Kind, das einem Scheidungskrieg aufgewachsen ist. Eine Zeitlang habe ich meiner Mutter wirklich geglaubt, daß mein Vater mich nicht mehr liebt. Den Verboten meiner Mutter, ihn zu sehen, konnte ich mich nur durch Abhauen widersetzen. Obwohl er inzwischen mein bester Freund geworden ist, kann uns niemand die versäumten Jahre und Chancen wiederbringen. Ich kann nur an alle Mütter appellieren: Tut euren Kindern das nicht an. Die Verzweiflung und die Einsamkeit sind unermeßlich.
Lindau, Sabine Heyse
Ich finde Ihre Polemik beneidenswert gut und zur rechten Zeit geschrieben. Wir müssen die Frauenbewegung als einen längst fälligen historischen Umbruch begreifen, eine Übergangssituation, die wie alle revolutionären Bewegungen zunächst mal ein großes Chaos hinterläßt. Die Männerbewegung steht ja, wie sie glänzend beschreiben, noch auf zehr zappeligen Füßen.
Berlin, Prof. Dr. Horst Petri, Psychoanalytiker
Ich bin davon überzeugt, daß der Artikel gerade im Falles meines Lebensgefährten, bei dem ich das Leid eines Vaters miterlebe, der für das gemeinsame Sorgerecht seines Kindes kämpft schon etwas bewirkt hat. Seiner Anwältin wurde vom Richter zunächst telefonisch mitgeteilt, daß der Antrag auf Anhörung des Kindes abgewiesen wird, sie solle ihn zurückziehen. Jetzt aber wird am 15. Dezember um 12 Uhr erstmals ein vierjähriges Kind gehört. Vielen Dank, und bitte machen Sie weiter. Das Thema betrifft so viele Menschen, die leider noch keine große Lobby haben: die abgezockten Väter dieser Republik.
Hanau, Christine Ruth