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Reaktionen auf SPIEGEL-Titelgeschichte "Die vaterlose Gesellschaft"
TAZ Nr. 5389 vom 22.11.1997 Seite 2
Die Titelstory des Hamburger Nachrichtenmagazins Spiegel ist in dieser Woche wieder einem brisanten Trend in der Männergesellschaft auf der Spur: "Feministischer Muttermacht" und "entsorgten Vätern". Der langjährige Starreporter Matthias Matussek enthüllt auf zwölf Seiten, wie die moderne Frau aus der "Abbruchgeneration" es darauf anlegt, einen Ehemann zu ergattern und ein gemeinsames Kind zu gebären, nicht um ein langfristiges privates Glück aufzubauen, sondern im Gegenteil: um baldmöglichst die Scheidung einzureichen, ihr Kind in eine "Wirtschaftsgeisel" zu verwandeln und sich von den Alimenten des "entsorgten Vaters" ein schönes, erwerbsarbeitsfreies Leben zu machen. Das geltende Scheidungsrecht sei eine "goldene Einladung zum massenhaften Mißbrauch". Matusseks mitfühlendes Fazit: "Nun wird es höchste Zeit, die Väter zu schützen."
So ganz wohl war der Chefredaktion bei Matusseks leidenschaftlicher Recherche mit einem Herz für Väter nicht, erstmals in der Geschichte des Spiegels bekam eine Titelstory den warnenden Hinweis "Polemik" in die Unterzeile gedruckt. Schließlich machte sich der große alte Mann des Spiegels, Herausgeber und Immer- noch-Schürzenjäger Rudolf Augstein (74) stark für Matusseks Story.
Weniger angetan waren Matusseks KollegInnen bei der Blattkritik. Johann Grolle, Ressortchef "Wissenschaft und Technik", monierte das dumpfe "Herrenmagazin"-Niveau. Die Redakteurinnen Angela Gatterburg und Marianne Wellershoff stellten Matusseks eigenartigen Umgang mit Zahlen und Fakten heraus. Im Vorfeld hatte sich schon die zuständige Dokumentarin empört, der Kollege Matussek habe entgegen ihrer ausdrücklichen Empfehlung "Statistiken verdreht verwendet".
Matusseks Umgang mit Zahlen mutet in der Tat recht eigenwillig an. Um ein harmloses Beispiel zu nennen: Matussek nimmt die Zunahme von Einzelkindern als willkommenen Beleg für seine These von den scharf kalkulierenden "Abzockerinnen": "Diese Mutterschaft ist genau dosiert. Und ein einziges Kind reicht, um die Freistellung von Erwerbstätigkeit auf Jahre hinaus zu erreichen. So steigt die Zahl der Einzelkinder stetig."
Das Ressort "Wirtschaft und Gesellschaft" beschloß, "den Artikel einer Frau dagegen zu setzen". Bewußt wurde eine gestandene Kollegin, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, mit der Recherche beauftragt.
"Aus eigener Betroffenheit heraus" hatte auch Reporter Matthias Matussek geschrieben, wie er offen gegenüber der taz bekundet: "Ich habe die Situation selbst durchlitten und weiß, wie es ist, wenn ein Vater sein Kind nicht mehr sehen darf." Matusseks Ehefrau hatte nach Konflikten das gemeinsame, in New York geborene Kind entgegen seinem Willen nach Berlin gebracht. Woraufhin er den Kleinen nach New York "in die eheliche Wohnung zurückführte", wie sich seine Anwältin Ulrike Zechner ausdrückt. Die Ehefrau hatte sich schließlich hilfesuchend an die Chefredaktion des Spiegels gewand und damit gedroht, im Konkurrenzmagazin Focus auszupacken. Dieser Ehezwist ist im Hause Matussek längst kein Thema mehr, man hat sich wieder versöhnt. Im Spiegel-Flurfunk ist die damalige Ehe-Eskalation nicht vergessen. Im Gegenteil, es wird moniert, daß die Chefredaktion nicht die Souveränität besaß, in der Rubrik "Hausmitteilung" diese erste Titelgeschichte, die als "Polemik" daherkommt, mit Hinweisen auf den persönlichen Hintergrund des Schreibers anzukündigen und damit für die LeserInnen einzuordnen.
Wieviel Chancen wird die weibliche Gegenrecherche haben, ebenfalls aufs Titelblatt gehoben zu werden? Eine Insiderin: "Das hängt vor allem davon ab, wie sich Matusseks Titelstory verkauft."
TAZ Nr. 5389 vom 22.11.1997 Seite 2
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Dazu ein Kommentar von Thomas M. Reuter an die TAZ briefe@taz.de
"Liebe FreundInnen von der TAZ,
FreundInnen! Politisch total korrekt, oder?
Politisch total korrekt ist natürlich auch die Replik von Barbara Debus auf Matthias Matusseks Spiegel-"Polemik", dortselbst in Heft 47/97. Matussek hat gut recherchiert - Frau Debus hat sich die Arbeit einfacher gemacht und nur hinterhergekräht.
Das ist nicht die Art, mit der Frauen auf die Dauer gleichwertige Positionen in allen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen bekommen können. Oder mochte Frau Debus eine Frauen-Quote für Spiegel-Artikel einfuhren - nach dem Motto: 3 Sätze Matussek, 3 Sätze Debus? Dann konnte Matussek immer eine passende Vorlage liefern, und Frau Debus konnte dann hinterherschreiben: nein, stimmt nicht!
Spaß beiseite. Das Thema ist ernst, und man kann das nicht einfach hinwegschnoddern. Es wird auch fur die taz Zeit, die ideologische Brille abzunehmen und zu schauen, wie's draußen im Lande wirklich ist. Es muß gerechter zugehen ...
Mit freundlichen Grüßen,
Berliner Zeitung, 18.11.1997 - Feuilleton
Die Heilige Martin
Im neuen Spiegel steht ein sehr empfehlenswerter Artikel über Väter,
die von ihren Ex-Frauen gedemütigt und ausgenutzt werden.
Empfehlenswert zumindest für Väter, die von ihren Ex-Frauen ausgenutzt
und gedemütigt werden.
Sie wissen, daß sie nicht allein sind.
Alle anderen Väter sollten es vielleicht lieber nicht lesen.
Man sieht seine Frau danach mit anderen Augen, glauben Sie mir.
Man mißtraut ihr.
Man schließt Wertsachen weg.
Man träumt davon.
Die Welt verändert sich.
Ich habe ihn gelesen.
Leider.
In dem Text wird ein Vater beschrieben, der als "bettelnder Clown"
auf den Spielplätzen seiner Kinder auftauchte.
Nach der Lektüre fiel mir ein, daß ich eigentlich noch nie einen
Mann sah, der sich mit Würde über einen Kinderspielplatz bewegte.
Die meisten wirken doch, als hätten sie Angst, daß sie ein Fußballkumpel
dabei beobachten könnte, wie sie ihre Tochter auf der Schaukel anschubsen.
Oder als spielten sie ihrer Frau, die sie kritisch von der Bank aus beobachtet,
etwas vor. Männer auf Spielplätzen sind linkisch oder zu ausgelassen.
Sie passen da nicht hin.
Haben Sie schon mal Ehepaare in Kaufhäusern beobachtet? Männer
taumeln wie Trottel neben ihren Ehefrauen her.
Ehefrauen in Warenhäusern wissen nicht nur, was sie wollen, sie wissen
auch, was ihre Männer wollen.
In Konfektionsabteilungen sieht man Männer, die steif in fürchterlichen
Jacken vor ihren Ehefrauen posieren.
Ehemänner sind sperrige Gegenstände, die man hinter sich her
zerren muß.Wie große Einkaufstüten.
Manchmal läßt man sie auch irgendwo stehen.
Man vergißt sie.
Vor ein paar Wochen sah ich den männlichen Teil eines "befreundeten
Ehepaares" hilflos durch unsere Kaufhalle irren.
Er hatte seine Frau verloren.
Wie schlimm es aber wirklich steht, zeigt der Spiegel-Artikel eher unfreiwillig.
Knieend hat ein Redakteur in großen kursiven Buchstaben "Eine
Polemik" vor den Beitrag gesetzt.
Das klingt wie: "Was Sie jetzt lesen werden, ist nicht so ernst gemeint."Oder:
"Haben Sie Mitleid!
Bitte!"Ich kann mich nicht erinnern, daß im Spiegel jemals ein
Text unter dem Schlagwort "Eine Polemik" angekündigt wurde.
Noch dazu als Titelgeschichte.
Die Nachricht der Woche beginnt mit einer Entschuldigung.
Sehr beunruhigend.
Noch beunruhigender ist, daß der wunderbare Matthias Matussek in
seinem Text konsequent "frau" statt "man" verwendet.
Entweder ist es ironisch gemeint oder man hat ihn dazu gezwungen.
Alles ist möglich.
Vor genau einer Woche nahm ich am Lampionumzug meines Sohnes teil.
Ehrlich gesagt fürchte ich mich vor diesen Veranstaltungen.
Am schlimmsten sind Elternversammlungen im Kindergarten.
Man sitzt auf Kinderstühlen.
Erwachsene Menschen sitzen auf Kinderstühlen um einen Kindertisch
herum, auf dem Kekse stehen.
Ich komme immer etwas später zu diesen Versammlungen, weil ich fürchte,
daß zu Beginn ein gemeinsames Lied gesungen wird.
Meistens sind nur Frauen da, die mich mitleidig mustern, weil ich nie etwas
sage.
Wahrscheinlich halten sie mich für schwachsinnig.
Tut mir leid, aber ich bringe in dieser Umgebung keinen Satz raus.
Gut, aber es war Martinstag.
Laternen, keine Kinderstühle.
Es war dunkel draußen, und ich habe die St.-Martins-Umzüge als
Kind immer sehr gemocht.
Ich mochte den Heiligen Martin überhaupt.
Wie er seinen Mantel teilte, ich meine, man mag so was.
Als Junge.
Ich lief also mit Kindern und Eltern in die Dunkelheit.
Irgendwann fiel mir auf, daß auf vielen Laternen der Kinder Buchstaben
standen.
Es waren die Buchstaben "ÖTV".
St. Martin und die ÖTV?Das brachte ich jetzt erst mal nicht so richtig
zusammen. Würde gleich Kurt Lange auf einem Pferd vorbeireiten?
Aber er kam nicht, weshalb ich mich bei einer Kindergärtnerin erkundigte,
was hier los war.
Sie sagte mir, daß wir uns auf einer Demonstration befanden.
Genauer gesagt auf einem Sternmarsch.
Gegen Stellenabbau.
Dann lief sie weiter.
Eine Demonstration.
Ich dachte an St.
Martin.
An Gänse und Bischofsmützen, als ich die anderen sah.
Von überall näherten sich ÖTV-Lampions.
Die Polizei sperrte die Straßen für sie ab. Für sie? Für
uns!
Ich war ein Verkehrshindernis.
Ein unfreiwilliges Verkehrshindernis.
Nicht daß ich grundsätzlich für Stellenabbau wäre,
aber ich hätte schon gern gewußt, was ich hier tat.
Ich lächelte den genervten Autofahrern entschuldigend zu. Während
ich der Kindergärtnerin folgte.
Ich war eine wandelnde Entschuldigung.
Eine Art Polemik mit Laterne.
Alex. O s a n g
© G+J BerlinOnline GmbH, 24.11.1997
tip Berlin vom 27.11.1997 - 25/97, Seite 27
Verpiß dich!
Tränenreich wird neuerdings die "vaterlose
Gesellschaft" beklagt
Irgendwann Ende September fand sich vor dem Familiengericht Kreuzberg-Tempelhof ein paar Tage lang in schöner Regelmäßigkeit ein kleiner Trupp frustrierter Männer ein (siehe TIP 22/97). Sie seien in den Hungerstreik getreten, verkündeten die nicht mehr ganz jungen und etwas struppig wirkenden Herren, damit sie endlich ihre Kinder wiedersehen könnten. Die Mütter, so greinten die - mit Unterbrechungen - Hungerstreikenden, würden sie, die Väter, nicht mehr zu dem gemeinsamen Nachwuchs lassen.
Sicher, es mag verzweifelt ungerechte Fälle geben, in denen Frauen gutwillige Väter mit Kindesentzug für irgendwelche Missetaten strafen. Doch die weitaus größere Zahl der betroffenen Kindeserzeuger, das sagt jede Statistik und ein Blick in die nächste Umgebung, bewegt sich offenen Auges und mit viel eigenem Zutun in ihre mißliche Lage. Nur der "Spiegel" sah das in einer Titelgeschichte ("Die vaterlose Gesellschaft") kürzlich völlig anders.
Schon nach nicht einmal drei Jahren "fliehen viele Frauen die Ehe", beklagte da Matthias Mattussek (paPPa.com: richtig heißt dieser Unhold Matussek). Die gemeinsamen Kinder würden nach der Trennung dabei von den Frauen beansprucht, wobei die Männer als traurige Beziehungskrüppel zurückgelassen würden.
Tja, so klingt das wohl, wenn man(n) die letzten 30 Jahre verpennt hat. Während Frauen sich zielstrebig weiter entwickelten, sich auch beruflich immer höher qualifizierten, zeigt der Weg der Männer auf fast gespenstische Art einen gegenläufigen Trend. Klar, er genoß es, nicht nur ein schnurrendes Weibchen, sondern eine Persönlichkeit mit Charakter - und eigenem Geld - an seiner Seite zu haben. Spätestens aber, wenn sich das erste gemeinsame Kind einstellt, fällt der Mann in ein Verhalten zurück, das Frauen kaum ihren Großvätern zugetraut hätten.
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JUNGVÄTER VERSAGEN BEIM WINDELN - GENAUSO WIE LÄNGST BEIM REIFENWECHSEL |
So versagt der Jungvater beim schlichten Windel- nicht nur genauso wie längst auch beim Reifenwechseln. Er flüchtet zudem konsequent in wichtige "Arbeitstreffen", sobald ein Elternabend in der Kita oder ein Kinderarztbesuch ansteht.
Jemand, der sich stets wegens seiner ach so wichtigen "Karriere" vor realem Vatereinsatz drückt und die Frau mit ihren eigenen beruflichen Wünschen in einem Berg schmutziger Socken und Windeln auflaufen läßt, muß sich nicht wundern, wenn er irgendwann nur noch als "Schwanz" wahrgenommen wird, dessen Rest drumherum als "dumm und verzichtbar" (Matussek (paPPa.com: na also, es geht doch!)) erscheint. Das einzige Machtmittel, das dem Mann schließlich bleibt, wird von ihm auch konsequent ausgespielt: "Denk nur nicht, daß ich für dich und die Kinder zahle", droht er bei seinem Rausschmiß. Tatsächlich sind es zunehmend die Jugendämter, die für den Mindestunterhalt der Kinder aufkommen müssen. Und das, obwohl sich die Väter 24 Stunden am Tag um niemanden außer um sich selbst und ihre Arbeit kümmern müssen. War dies nicht immer so furchtbar wichtig?
Immer mehr Mütter übernehmen schultzerzuckend schließlich diese womöglich letzter Väterbastion und verdienen ganz selbstverständlich für sich und ihre Kinder das Geld alleine. Daß diese Frauen allerdings nur noch wenig Respekt vor den jämmerlichen Gestalten haben, die "beziehungsgefrustet" nun regelmäßig an ihre Sperma-Abgabe erinnern, liegt auf der Hand. Deren Vatergefühle kommen nämlich reichlich spät.
E- Apraku
Schreiben kann man dem tip via email tip@tip-berlin.de oder per Fax 030-25 00 33 27
From: Johann Wey <vev@ospm.ch>
Hallo Frau Apraku,
tip Berlin vom 27.11.1997 - 25/97, Seite 27
Verpiss dich! Tränenreich wird neuerdings die "vaterlose Gesellschaft"
beklagt
Zum Voraus meine Meinung zu diesem Artikel: Das ist Abschaum. Es entspricht wohl der deutschen Kultur, daß man emotionale Themen nur mit Schlammschlachten austragen kann. Aber bitte, wer sich Suhlen will, der soll weiter lesen.
Eva Apraku schreibt da und plappert so alle möglichen Vorurteile vor sich her:
Irgendwann Ende September fand sich vor dem Familiengericht Kreuzberg-Tempelhof ein paar Tage lang in schöner Regelmässigkeit ein kleiner Trupp frustrierter Männer ein (siehe TIP 22/97). Sie seien in den Hungerstreik getreten, verkündeten die nicht mehr ganz jungen und etwas struppig wirkenden Herren, damit sie endlich ihre Kinder wiedersehen könnten. Die Mütter, so greinten die - mit Unterbrechungen - Hungerstreikenden, würden sie, die Väter, nicht mehr zu dem gemeinsamen Nachwuchs lassen.
Das war ja noch ein ganz sachlicher Auftakt. Dazu kann ich nur sagen: Die Mütter waren ja nicht dort, sonst wärs wohl zu struppig gewesen.
Für all jene Frauen, die diesen Artikel gut finden, die englisch
können und die zudem noch an die Kinder denken empfehle ich folgende
WWW Seiten:
http://www.vev.ch/en/pas/
http://falcon.nji.com/~vera/
Sicher, es mag verzweifelt ungerechte Fälle geben, in denen Frauen gutwillige Väter mit Kindesentzug für irgendwelche Missetaten strafen.
Ach ja? Und wieso ist das möglich? Unser Rechtsstaat sollte doch für die Kinder schauen und nicht dafür sorgen, daß rachsüchtige Mütter auf dem Buckel der Kinder ihre Ex-Ehegatten "bestrafen" können.
Doch die weitaus größere Zahl der betroffenen Kindeserzeuger, das sagt jede Statistik und ein Blick in die nächste Umgebung, bewegt sich offenen Auges und mit viel eigenem Zutun in ihre mißliche Lage. Nur der "Spiegel" sah das in einer Titelgeschichte ("Die vaterlose Gesellschaft") kürzlich völlig anders.
Welche Statistik bitte sagt, daß die Vaeter an ihrer mißlichen Lage selbst Schuld seien? Ich veröffentliche diese Statistiken gerne in unserem WWW-Server: http://www.vev.ch/ Selbstverständlich füge ich die Gegenstatistiken ebensogerne hinzu.
Schon nach nicht einmal drei Jahren "fliehen viele Frauen die Ehe", beklagte da Matthias Mattussek [paPPa.com: richtig heisst dieser Unhold Matussek]. Die gemeinsamen Kinder würden nach der Trennung dabei von den Frauen beansprucht, wobei die Männer als traurige Beziehungskrüppel zurückgelassen würden.
Ja, nach meiner Erfahrung bleiben auch die Mütter als traurige Beziehungskrüppel zurück. Ich persönlich behaupte, daß ich aus meiner vergangenen Beziehungskiste sehr viel gelernt habe und dies auch positiv umzusetzten weiß.
Tja, so klingt das wohl, wenn man(n) die letzten 30 Jahre verpennt hat.
Wie stehts den mit frau? Haben nicht die ach so beklagten männlichen Mehrheiten in der Politik mitgeholfen, den Frauen im Erwerbsleben endlich Gleichberechtigung zu geben? Was haben denn die Frauen gemacht? Sie sind nicht nur 30 Jahre stehen geblieben sondern es scheint, sie sind 2000 Jahre stehen geblieben.
Heute kümmern sich Männer und Väter um Haushalt, kaufen ein, kochen, putzen, wechseln windeln etc. und die Frau macht Karriere.
Gleiche Rechte für den Mann bzw. Vater in Haus und Familie scheint für Frauen nicht drin zu sein. Ist doch toll nicht?
Wie siehts dann bei einer Scheidung aus ...
Während Frauen sich zielstrebig weiter entwickelten, sich auch beruflich immer höher qualifizierten, zeigt der Weg der Männer auf fast gespenstische Art einen gegenläufigen Trend. Klar, er genoß es, nicht nur ein schnurrendes Weibchen, sondern eine Persönlichkeit mit Charakter - und eigenem Geld - an seiner Seite zu haben. Spätestens aber, wenn sich das erste gemeinsame Kind einstellt, fällt der Mann in ein Verhalten zurück, das Frauen kaum ihren Grossvätern zugetraut hätten.
Von den schnurrenden Männchen koennte ich auch noch was erzählen.
Um beim Thema zu bleiben: Hier wird der Mythos "Mutter" in Reinkultur gepflegt. Falls ein Vater, der für sein(e) Kind(er) schaut, und dessen Frau für den Erwerb besorgt ist, scheidet, der verliert nicht nur die Frau, sondern die Kinder gehen auch an eine Person über, die bisher gar nicht für sie geschaut hat. Und das ist gar nicht mehr so selten.
Um das geht es, Frau Eva Apraku.
So versagt der Jungvater beim schlichten Windel- nicht nur genauso wie längst auch beim Reifenwechseln. Er fluechtet zudem konsequent in wichtige "Arbeitstreffen", sobald ein Elternabend in der Kita oder ein Kinderarztbesuch ansteht.
Da kann ich gegenteilige Geschichten erzählen: Die Mutter ist sich zu fein, um sich mit solchen stinkigen Hinterlassenschaften abzugeben. Soll ER es doch machen ...
Jemand, der sich stets wegens seiner ach so wichtigen "Karriere" vor realem Vatereinsatz drückt und die Frau mit ihren eigenen beruflichen Wünschen in einem Berg schmutziger Socken und Windeln auflaufen läßt, muß sich nicht wundern, wenn er irgendwann nur noch als "Schwanz" wahrgenommen wird, dessen Rest drumherum als "dumm und verzichtbar" (Matussek [paPPa.com: na also, es geht doch!]) erscheint.
Jetzt setzen wir ganz auf Geschlechterkampf? War das nich schon vorüber? Aber bitte ich kann ja auch von der "Futz" sprechen, die sich ein Kind anschaffen läßt, um sich auszuhalten.
Sicher gibt es das. Soll ich deshalb alle Frauen gleich stellen, so wie sie das mit den Männern/Vätern tun?
Das einzige Machtmittel, das dem Mann schließlich bleibt, wird von ihm auch konsequent ausgespielt: "Denk nur nicht, daß ich für dich und die Kinder zahle", droht er bei seinem Rausschmiß. Tatsächlich sind es zunehmend die Jugendämter, die für den Mindestunterhalt der Kinder aufkommen müssen. Und das, obwohl sich die Väter 24 Stunden am Tag um niemanden außer um sich selbst und ihre Arbeit kümmern müssen. War dies nicht immer so furchtbar wichtig?
Um es klar zu sagen: dem Vater bleiben KEINE Machtmittel. Das ist auch gut so. Der Fehler ist nur der, daß der Mutter die Kinder als Machtinstrument bleiben. Dieser Fehler ist ohne Zweifel zu beheben. Für den deutschsprachigen Raum fehlen mir die Statistiken, wieviele geschiedene Vaeter ihre Zahlungen nicht leisten. Eine Gegenüberstellung: wieviele Mütter ihre Unterhaltszahlungen nicht leisten, fehlt vermutlich noch weltweit!
Welcher Prozentsatz an geschiedenen Muettern wird denn überhaupt zu Unterhaltszahlungen verpflichtet? Und dies nicht nur für die Kinder, sondern auch für den Ehemann, der ja als Hausmann während der Ehe für die Kinder geschaut hatte.
Frau Eva Apraku, ich warte ganz gespannt auf ihre Statistiken.
Immer mehr Mütter übernehmen schultzerzuckend schließlich diese womöglich letzter Väterbastion und verdienen ganz selbstverständlich für sich und ihre Kinder das Geld alleine. Daß diese Frauen allerdings nur noch wenig Respekt vor den jaemmerlichen Gestalten haben, die "beziehungsgefrustet" nun regelmäßig an ihre Sperma-Abgabe erinnern, liegt auf der Hand. Deren Vatergefühle kommen nämlich reichlich spät.
Offenbar sind Ihnen hier einfach die Argumente ausgegangen. Für ein Kind braucht es ja offenbar nicht bloß die Sperma-Abgabe! Vielleicht weiß das Frau Eva Apraku einfach nicht, aber Männer können das auch ohne Frauen.
Eva Apraku
Viele Grüße Johann Wey
PAPS - Zeitschrift für Väter: "DER SPIEGEL und danach"
Spiegel-Autor Matussek hat in seiner Polemik über den „Entsorgten Vater“ bei vielen Trennungsvätern den Nerv getroffen. Was hat er darüber hinaus an Perspektiven und Hilfen zu bieten?
Ein Kommentar von Werner Sauerborn
Endlich sagt mal einer, wie es ist. Und das nicht in irgendeinem Provinzmagazin, sondern im SPIEGEL. Mit seiner „Polemik“ hat Matthias Matussek sie genau getroffen, die Befindlichkeit der Trennungsväter. So wie sie eben nur einer treffen kann, der dieses Tal der Tränen selbst durchmessen hat. Der ohnmächtigen Wut, die sich bei vielen Männern einstellt, wenn ihnen qua Sorgerecht die Elternverantwortung entzogen wird, wenn der Kontakt zum Kind ständig geschurigelt oder mit finanziellen Forderungen verknüpft wird, wenn ungerechtfertigt, aber mit verheerender Wirkung Mißbrauchsvorwürfe lanciert werden, all diesen Betroffenheiten hat Matussek seine wortgewaltige Stimme geliehen. Das war gut so. Denn immer wieder ist, besonders gern von frauenpolitischer Seite, bezweifelt, ignoriert, relativiert oder verächtlich gemacht worden, daß Männer in der Trennungssituation schwach, hilflos und diskriminiert sind. Als ginge es darum, ein Betroffenheitsmonopol zu verteidigen, ohne das den Frauen die Legitimation für ihre Forderungen abhanden kommen würde.
Wer lange nicht gehört wird, schreit immer lauter. Zwischentöne und Differenzierungen gehen verloren. Pauschalierungen gewinnen die Oberhand. Dieser Gefahr erliegt auch Matussek und mit ihm viele in der radikalen Väterszene. Die extreme Betroffenheit verleitet dazu, die ganze Welt aus der persönlichen Lebenslage heraus zu erklären. Die Mütter sind schuld, die Gerichte, der Gesetzgeber. Das Patriarchat wird zum Matriarchat. Die zunehmende Zahl der Alleinerziehenden wird zum statistischen Beweis für die Vätervertreibung und die zunehmende Zahl der Einzelkinder reicht Matussek, die Frauen der berechnenden Drückebergerei vor der Berufstätigkeit zu überführen („Ein Kind reicht, um die Freistellung von der Arbeit auf Jahre zu erreichen“). Väter sind jetzt genauso pauschal die Opfer, wie es Frauen in der zu Recht kritisierten Lesart zuvor waren. Matusseks Beschreibungen der Einzelfälle sind jedem Betroffenen mitfühlbar, seine Diagnose ist indes nicht mehr als das reflexartige Zurückhauen eines Getroffenen, das letztlich keine Lösung und keine Hilfe bietet.
Mütter sehen sich oft als Besitzerinnen der Kinder. Dagegen muß man sich wehren, mitunter auch gerichtlich. Richtig. Aber entsprechen Mütter in diesem Verhalten nicht einer gesellschaftlichen Rolle, in der sie letztlich auch viele Väter sehen und gerne halten möchten? Gesetze, Rechtsprechung und Jugendämter sind oft mütterzentriert. Dagegen muß man angehen. Richtig. Aber spiegeln sie mit dieser Sicht der Dinge nicht getreulich eine gesellschaftliche Realität wieder, in der Väter zu 80% fürs Geldverdienen und Mütter zu 80% für die Kinder da sind? Und Väter, die ein eindimensional auf Arbeit und Beruf fixiertes Leben führen, und in ihrer Freizeit vor allem für Autos und die Sportschau Zeit haben, sind die nicht auf eine ganz freiwillige Weise abwesend? Muß nicht in einer Titelgeschichte über die „vaterlose Gesellschaft“ auch von dieser ganz alltäglichen und freiwilligen Vaterabwesenheit gesprochen werden?
Eine Interessenpolitik für Väter die den gesellschaftlichen Kontext ignoriert, innerhalb dessen es zu diesen Diskriminierungen kommt, wird das Problem letztlich nicht lösen können und ist auch nicht glaubwürdig. Denn Kinder leiden unter der Abwesenheit des Vaters, ob er aufgrund einer 50-Stunden-Arbeitswoche weit weg ist oder weil er infolge einer Trennung auf Distanz gebracht wurde. Väterpolitik allein nach dem Motto: „Hier bin ich betroffen, hier wehr’ ich mich“ , führt in die Sackgasse, bzw. in eine Eskalation ohne Ende: wenn das Wehren nicht reicht, dann war’s wohl nicht radikal genug.
Von diesem Kontext der Väterdiskriminierung will Matussek (und mit ihm viele Väter) nichts wissen. Das hieße sich mit seiner Rolle als Mann beschäftigen. Über das Verhältnis von Beruf und Arbeit nachdenken? Sich mit dem eigenen Vater beschäftigen - kurz all die Dinge thematisieren, die das Konzept von PAPS einschließt. Aber das interessiert Herrn Augstein traditionell und auch Matthias Matussek nicht. All das muß man abwehren, indem man es abwertet. Dafür bemüht der Autor die Sprache der Bilder: Hier Ralf Spiller, der Mann von „paPPa.com“, in etwas großzügigem Umgang mit der Realität, als „ein Schrank von Kerl“ vorgestellt, da der „schmale Diplomchemiker mit Nickelbrille, der sich in der Zeitschrift PAPS engagiert, wo sich sanfte Väter in Naturgestricktem als bessere Mütter beweisen wollen“. Wut macht manchmal blind, mitunter scheint sie aber auch die Phantasie anzuregen: Ohne sich von schmalbrüstigen Chemikern distanzieren zu wollen, aber einen solchen gibt es weit und breit nicht bei PAPS.
Kölner Stadtanzeiger, 24.12.1997: Die Weihnachts-Männer