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Begründung:
Sonst gilt immer der jahrtausende alte römische Rechtsgrundsatz
"in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten", doch
ausgerechnet hier muss der Angeklagte - derjenige, von dem man was will
(Geld), beweisen, dass er unschuldig ist, obwohl sonst immer die Bringschuld,
die Beweislast beim Kläger liegt. Und dies wird dem Angeklagten auch
noch unnötig erschwert, weil er sich strafbar macht, wenn er dies
ohne Zustimmung der Mutter macht - früher bemühte man dazu den
Paragrafen der Körperverletzung (Blutentnahme), bei heutigen Vaterschaftstest
mit der Speichelprobe hat sich der Gesetzgeber auf die informationelle
Selbstbestimmung des Kindes versteift - immer jeweils zum Nachteil
des Angeklagten.
Das mit der informationellen Selbstbestimmung des Kindes leuchtet mir
jedoch nicht ganz ein: Was kann ich denn durch einen Vaterschaftstest schon
herausbekommen? Doch nur, ob ein Kind von mir ist oder eben nicht. Gehen
wir mal beide Fälle durch:
Fall 1: Das Kind ist nicht von mir - so what? Was habe ich damit
erfahren, was gegen die informationelle Selbstbestimmung wäre? Doch
nur eine Tatsache, die auf Milliarden anderer Menschen auch zutrifft: Sie
sind nicht meine Kinder. Das Kind teilt damit ein Faktum mit Milliarden
anderer. Was soll daran so schlimm und verdammenswert sein, als dass ich
es nicht wissen dürfte?
Fall 2: Das Kind ist von mir. So, und das zu wissen - dieses Recht
soll ich nicht haben? Mit diesem Wissen soll ich die informelle Selbstbestimmung
des Kindes verletzt haben? Und wo bitte bleibt in diesem Fall meine Selbstbestimmung,
mein Recht auf mein Kind, auf meine Vaterschaft?
Ich fürchte, hier tut sich eine unheilige Allianz zwischen staatlichen
und mütterlichen Interessen auf, die in einem Konflikt mit dem
väterlichen (gerechtfertigen) Interesse stehen. Welche dies wären?
Hierzu einige Gedanken:
Die Interessen des Vaters:
Fall 1. Ist es nicht sein Kind, so hat er das Recht, dies zu
erfahren, um keine ungerechfertigen finanziellen Einbußen zu erleiden
und den biologischen Vater zur (finanziellen) Rechenschaft zu ziehen.
Fall 2. Ist es jedoch sein Kind, so hat er das Recht dies zu erfahren,
um seine Vaterschaft gestalten zu können, ja um überhaupt erst
einmal Anspruch darauf erheben zu können.
Das Interesse der Mutter:
Fall 1. Sie will nicht, dass der Vater erfährt, dass er
der Vater ist, weil sie nicht möchte, dass er Anspruch auf seine Vaterschaft
erhebt, sich in die Erziehung einbringt, etc.
Fall 2. Sie will nicht, dass der Mann erfährt, dass er nicht
der Vater ist, um ihn finanziell ausnehmen zu können, trotzdessen
es nicht sein Kind ist.
Das Interesse des Staates:
Er möchte nicht für ein Kind zahlen und dafür ist es
auch in seinem Interesse, wenn ein Mann nicht weiss, dass er gar nicht
der Vater ist. Aus diesem Grunde geht er immer zuerst einmal von einer
Vaterschaft (Täterschaft) aus und bürdet dem Vater die Beweislast
auf, dass dem nicht so ist - also in dubio contra reo.
Wie unschwer zu erkennen, ist das väterliche Interesse dasjenige,
welches am ehesten unserem Rechstgefühl entspricht.
Sollte jeder einen Vaterschaftstest machen lassen?
Meiner Meinung nach sollte jeder Vater heutzutage einen Vaterschaftstest
machen lassen, da dieser einerseits mittlerweile extrem billig geworden
ist (ab 300 Euro) und dank neuer Methoden problemlos durchzuführen
ist (Wattestäbchen reicht) und es andererseits Statistiken gibt, die
von bis zu einem drittel Väter spricht, die gar nicht Väter sind,
obwohl sie es glauben.
Selbst eine Ehe schützt davor nicht, hier sollen immer noch 10% aller
Ehemänner nicht die Väter ihrer Kinder sein, obwohl sie es glauben.
Doch wird wohl jeder Mann mit einem Wunsch nach einem Vaterschaftstest
hierbei die gleiche Erfahrung gemacht haben: Die Frau zeigt sich entrüstet
und spricht von Vertrauensbruch.
Seltsam mutet dabei die Tatsache an, dass im Falle eines Aidstestes man
von einem verantwortungsbewussten Tun spricht, jedoch bei einem Vaterschaftstest
Mann schief angesehen wird. Ich finde aber, dass es sich bei der Entscheidung
zum Vaterschaftstest auch um eine Art Verantwortungsbewusstsein handelt
und es geradezu leichtsinnig ist, auf diese Art von Sicherheit zu verzichten.
Diese Sicherheit ist man nicht zuletzt auch seinen Kindern schuldig. Auch
diese sollten sich ihrer Abstammung, eben ihrer Eltern sicher sein können.
Sie sind nur ein Glied in einer langen Kette, genannt Geschichte. Eine
Frau, die ihrem Kind ihren Vater vorenthält, zerstört mutwillig
diese Kette, raubt dem Kind seine Historie und die Gewissheit, ein Glied
in dieser langen Kette zu sein. Ein Vaterschaftstest hingegen gibt Gewissheit
über die Vergangenheit.
Ein Kind brachte einmal sein Gefühl mit folgenden Worten zum Ausdruck:
"Belogen, betrogen und zu Hass erzogen!"
Wen man belügt und betrügt, den erzieht man zu Hass - nicht zuletzt
zu selbstzerstörerischem Selbsthass.
Hier hilft nur Ehrlichkeit.
Was gibt es ehrlicheres als einen Vaterschaftstest - und was verlogeneres
als die Berufung auf Vertrauen und nicht zuletzt Selbstbetrug nach dem
Motto: Mir kann sowas nicht passieren - ich gehöre bestimmt nicht
zu diesen 10 %, es erwischt eh immer nur die anderen.
Klar geht niemand davon aus, dass er in einen Verkehrsunfall verwickelt
sein wird, wenn er losfährt - und dennoch schnallt sich ein vernünftiger
Mensch an und lässt sich auch nicht von den schiefen Blicken des Fahrers
davon abhalten, wenn er mal Beifahrer ist - und auch nicht (hoffentlich),
wenn der Fahrer ihm entrüstet Vertrauensbruch vorwirft.
Meiner Meinung nach sollte jeder einen Vaterschaftstest machen lassen aus
obigen Gründen, aber auch, weil er realisieren sollte, welche Revolution
es bedeutet, das erste mal in der Geschichte der Menscheit sich seiner
Vaterschaft sicher sein zu können. Diese Revoultion ist nach meinem
Dafürhalten sogar noch umwälzender als die Erfindung der Pille.
Begründung: Vieles, was als Doppelmoral betrachtet wird, hat seinen Ursprung in dem Nietzschewort: "Alles am Weib ist ein Rätsel und alles Rätsel hat eine Lösung: Schwangerschaft!" Eben das ist der Hauptgrund, warum z.B. ein Seitensprung seit Menschengedenken bei einer Frau anders geahndet wurde: Der Mann konnte sich seiner Vaterschaft nicht sicher sein. Wenn hingegen ein Mann einen Harem hat, sind alle Kinder trotzdem zuordenbar - wenn eine Frau promisk ist, dann weiss unter Umständen nicht einmal sie, von wem das Kind ist.
Mag die Pille der Frau die Freiheit gebracht haben - uns bringt der Vaterschaftstest die Gewissheit - ebenso unseren Kindern. Wir sind nun nicht mehr auf das Wort der Frau angewiesen und wer sich jetzt noch belügen lässt, der ist selbst schuld.
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Stand dieser Seite: Mai 2005 - eingestellt am 13.09.2002 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/vater/vaterschaftstestplaedoyer.htm
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