VÄTER KÄMPFEN FÜR IHRE KINDER
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AltFernBundestagsrede
Bei einem meiner gelegentlichen Spaziergänge durch unsere Pressemappe
bin ich Anfang Juni auf die Zeitschrift "Schrägstrich" aufmerksam geworden.
Unter anderem erregte ein Beitrag der Bundestagsabgeordneten Rita Grieß
haber,
zur Jugendamtsproblematik mein näheres Interesse.
Ich erlaube mir wieder mal zu dokumentieren, wie verantwortungsvoll, kompetent,
ausgewogen und ohne Polemik einige unserer VolksvertreterInnen mit den Problemen
der von Trennung betroffenen Kinder und Eltern umzugehen wissen.
Zumal diese nur am Kindeswohle orientierten Meinungen oft auch in anderen Institutionen und
im öffentlichen Leben anzutreffen sind. Um keine Miß
verständnisse aufkommen zu lassen,
der gesamte Text stammt tatsächlich von Rita Grieß
haber, die Mitglied des Bundestages und
Ordentliches Mitglied im Ausschuß
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist.
Es ist gut zu wissen, daß
sich einige Mitglieder der Partei BÜNDNIS90/Grüne mittlerweile
soweit etabliert haben, daß
sie nun keine Probleme mehr mit dem Begriff
EntscheidungsträgerInnen haben!
"Feminazis" oder "Radikalfeministen"
Vätervereine und -verbände sind mittlerweile in Bonn präsent.
Mit einer Flut von
Anfragen machen sie Druck auf Entscheidungsträger.
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VON RITA GRIEß
HABER
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Viele Väter haben ein gestörtes Verhältnis zu Jugendämtern, vor allem zu solchen, die mit
Hilfe von Kinderschutzkommissionen das Interesse der Kinder in den Vordergrund stellen.
Die Anfragen der organisierten Väter konzentrieren sich auf die Reform des Kindschaftsrecht
und die Frage der gemeinsamen Sorge bzw. nach dem Umgangsrecht für nichteheliche
Väter. Den meisten Anfragen sind zur Verdeutlichung die eigene Ehegeschichte und der
Scheidungsverlauf beigelegt oder Flugblätter der entsprechenden Vätervereinigungen.
Im wesentlichen geht es diesen Vätervereinen um die Rolle, die das Jugendamtes bei der
Scheidung oder Trennung spielt. 1990 wurde das Kinder und Jugendhilfegsetz reformiert.
In ihm ist vorgesehen, Kinder und Eltern bei Erziehungsschwierigkeiten, bei Trennungen und
Scheidungen helfend zur Seite zu stehen. Die Diskussion um dieses Gesetz ist ein
Dauerbrenner. Im Mittelpunkt steht die Rolle der Jugendämter, wenn es um den sexuellen
Miß
brauch von Kindern geht.
Der sexuelle Miß
brauch von Kindern ist in den letzten Jahren zum öffentlichen Thema
geworden. Klar ist, daß
zum weitaus größ
ten Teil Mädchen von dieser Gewalt betroffen sind.
Nach Schätzung von Beratungsstellen erlebt jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge
Formen sexueller Ausbeutung. Die Täter sind in der Regel keine Fremden, sondern in der
eigenen Familie oder im nahen Umfeld zu finden. Um Kinder vor diesem Miß
brauch zu
schützen, haben sich in der Vergangenheit zahlreiche Selbsthilfegruppen wie "Wildwasser",
"Zartbitter" und "Kobra" gegründet . Sie bieten den Kindern neben der psychologischen
Betreuung die Möglichkeit des Unterschlupfes in geschützten Wohngruppen.
Diese Selbsthilfegruppen suchen bewuß
t die Öffentlichkeit, um das gesellschaftliche Tabu
vom sexuellen Miß
brauch an Kindern zu durchbrechen und Jugendämter arbeiten eng
zusammen, da sie dafür sorgen, daß
die miß
handelten Kinder aus der Familie herausgenommen
werden. Die Arbeit dieser Gruppe und Jugendämter hat in den letzten zwei Jahren immer wieder
zur Diskussion geführt. Kritiker werfen den Selbsthilfegruppen vor, sie hätten den Miß
brauch
durch Rollenspiele herbeigeredet., um so einen vagen Anfangsverdacht zu erhärten.
Entführung und Geiselnahme
Die zahlreichen Väterorganisationen sehen sich ausschließ
lich in der Rolle des Opfers. Nach
ihren Aussagen werden die Kinder vom Jugendamt "entführt" oder "als Geisel genommen"
Richterinnen als "Lesben" und "Feminazis" beschimpft, Jugendamtsmitarbeiterinnen als
"Radikalfeministinnen". Diese Väter argumentieren mit dem Wohl des Kindes - jedes Kind
braucht seinen Vater - und berufen sich auf die UN-Kinderrechtskonvention, ihre
Aktionsformen, und ihre frauenfeindliche Haltung lassen jedoch den Verdacht aufkommne
, daß
nicht das Wohlergehen des Kindes im Vordergrund steht, sondern ihre Ressentiments
gegen Frauen. In den gezielt gegen Frauen und Jugendämter bzw. Vormundschaftsgerichte
gerichteten Kampagnen geht es den Väterorganisationen weniger darum, die Öffentlichkeit für
ihre Probleme zu sensibilisieren, sondern sie zu provozieren. Ein beliebtes Schlagwort ist "der
Miß
brauch mit dem Miß
brauch". Auslöser für diese Diskussion war eine Veröffentlichung von
Katharina Rutschky (1992), die davon ausgeht, daß
der sexuelle Miß
brauch an Kindern mit den
gesetzlichen Möglichkeiten durchaus ausreichend zu bestrafen sei. Sie glaubt , daß
die
öffentliche Anklage der sexuellen Gewalt an Kindern lediglich der Diskussion der
Frauenbewegung diene, die die Frauenfrage künstlich aufrechterhalte. wolle. Allerdings haben
Untersuchungen gezeigt, daß
die meisten Anzeigen wegen sexuellen Miß
brauchs nicht zur
Hauptverhandlung gelangen, oder die angeklagten Väter werden aus mangelnden Beweis
freigesprochen. Die betroffenen Väter nehmen solche Urteile als Vorwand, um die
Vorgehensweise der Jugendämter als willkürlich zu bezeichnen. Ein Freispruch kann jedoch
auch bedeuten, daß
dem Täter aufgrund der schwierigen Beweisführung seine Tat nicht
zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte.
In den letzten Jahren haben immer mehr Väter erklärt, sie wollen mehr gemeinsam für ihre
Kinder sorgen - eine Forderung die auch im neuen Kindschaftsrecht ihre Berücksichtigung
finden muß
. Diesem positiven Trend stehen die Väterorganisationen gegenüber, die sich im
"Kampf" um die Kinder ausschließ
lich auf den Schutz von Ehe und Familie , und weniger auf
das Wohl der Kinder, berufen, wenn sie um das Sorgerecht für ihre ehelichen oder unehelichen
Kinder streiten. Auch hier hat das Väterengagement einen aggressiven Ton. Sie betonen ihre
Bindung an ihre Familie und insbesondere an ihre Kinder. Dennoch nehmen immer noch
weniger als zwei Prozent aller Väter die Möglichkeit des Erziehungsurlaubes wahr.
Die Väter fordern das gemeinsame Sorgerecht für geschiedene Paare und die Möglichkeit des
Sorgerechts für ihre nichtehelichen Kinder. Sie überziehen die Vormundschaftsgerichte mit
Dienstaufsichtsbeschwerden, wenn ein Umgangsrecht negativ beschieden wurde. Würden diese
Väter den selben Aktionismus an den Tag legen, wenn es um Unterhaltszahlungen und die
Rechte der Kinder geht, könnte man sogar Verständnis für diese Herren aufbringen. Leider
bietet sich hier ein anderes Bild . Noch immer setzen Väter die Unterhaltszahlungen als
Druckmittel gegen die Mütter ein . Kinder werden instrumentalisiert, wenn Eltern miteinander
um Aufenthalts-, Umgangs- oder Besuchsrecht streiten. BÜNDNIS90/ DIE GRÜNEN haben
das gemeinsame Sorgerecht auch aus diesen Gründen als automatisches Regelfallmodell
abgelehnt. Das gemeinsame Sorgerecht soll nur auf Antrag der Eltern erteilt werden.
Nur so kann das Kindeswohl geschützt werden. Sicherlich ist das Kinder- und
Jugendhilfegesetz reformbedürftig. Sicherlich überschreiten Jugendamtsmitarbeiter in einigen
Fällen ihre Kompetenz. Dennoch darf man sich von den polemisch agierenden Väter nicht in die
Knie zwingen lassen. . BÜNDNIS90/ DIE GRÜNEN verstehen sich als eine Partei, die für die
Rechte der Kinder eintritt. Das Wohl der Kinder muß
bei allen Entscheidungen, sowohl im
Kindschaftsrecht als auch im Kinder- und Jugendhilfegesetz, im Vordergrund stehen.
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Die Autorin ist Mitglied der Bundestagsfraktion
von BÜNDNIS90/ DIE GRÜNEN
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VÄTER KÄMPFEN FÜR IHRE KINDER
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jurij & ralfo Juli 96